UPDATE: Quotensensation –Mord unter Misteln – Tatort 1219 #Crimetime #Vorschau DasErste, 26.12.2022, 20:15 Uhr #München #Batic #Leitmayr #BR #Mord #Mistel

Crimetime Vorschau – Titelfoto © BR, Hendrik Heiden

Heute kommt es nicht zu einer Tatort-Premiere, die war gestern, für den Tatort Nr. 1219 „Mord unter Misteln“ aus München. Aber bei uns. Wir updaten erstmals eine Vorschau, weil es eine Besonderheit zu berichten gibt:

Dass der „Tatort“ am zweiten Weihnachtsfeiertag angesichts der starken Konkurrenz nicht gerade zu den Quotenhighlights des Jahres gehört, zeigte sich auch schon in den letzten Jahren – doch das Ergebnis in diesem Jahr ist auch gemessen daran ziemlich ernüchternd: Die Münchner Folge „Mord unter Misteln“ wollten im Schnitt am 26. Dezember um 20:15 Uhr nur 4,09 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer sehen – das ist die geringste Reichweite für eine „Tatort“-Erstausstrahlung soweit unsere Aufzeichnungen zurückreichen – also mindestens seit 2006. Der Marktanteil beim Gesamtpublikum belief sich auf 14,1 Prozent, bei den 14- bis 49-Jährigen wurden 11,1 Prozent Marktanteil erzielt. (Quelle)

Anders, als es die Stellung der Münchener z. B. beim Tatortranking des Fundus (nicht mehr erreichbar) und ihre mittlerweile 31 Jahre Einsatzzeit suggerieren, sind die Münchener keine Quotenkönige, sondern liegen im Mittelfeld (hier die Daten von 2018 bis 2020). Aber Mittelfeld bedeutet normalerweise mehr als das Doppelte der Zuschauer:innezahl von gestern Abend. Ja, an Weihnachten geht es etwas runter, aber die Marktanteile bei Tatort-Premieren liegen normalerweise immer über 20 Prozent, oft über 25, in seltenen Fällen sogar über 30 Prozent. Es geht also nicht nur um einen weihnachtsbedingten Rückgang, sondern offensichtlich darum, dass der „Cluedo-Tatort“, wie eine Kritik ihn nannte oder das Krimi-Kostümdinner als Konzept bei den Zuschauern nicht funktioniert hat. 

Uns tut das leid, obwohl wir den Film noch nicht gesehen haben. Die Vorab-Kritiken (siehe  unten) waren verhalten positiv, nichts Besonderes, nicht so, dass sich ein solches Quoten-Desaster hätte begründen lassen. Premieren mit unter 5 Millionen Zuschauer:innen in Deutschland, das kennen wir bisher nur von Schweizer Tatorten. Das wird auch im Kopf bleiben, wenn wir uns den Film dann anschauen werden.

Was uns in letzter Zeit auffällt: Es wirkt, als ob auch das Tatortformat selektiver geschaut wird als bisher. Da in den obigen Zahlen das Streaming nicht enthalten ist, werden sie sowieso immer unpräziser, was die Gesamtzahl der Personen angeht, die sich einen neuen Tatort anschauen. Wer streamt, tut das meist dann nicht direkt am Sonntagabend um 20:15 Uhr, sondern zeitversetzt, Stunden oder Tage später. Wobei die Streamingversion wohl die 20:15-Uhr-Version ist, nicht die „Spätversion“ mit einigen zusätzlichen Szenen, die als nicht familientauglich angesehen werden. Das muss man wissen, wenn man streamt. Am Sonntagabend nach der Acht-Uhr-Tagesschau finden sich wohl vermehrt echte Fans der Reihe oder eines Teams ein, was die größeren Unterschiede bei Premieren gegenüber früher erklären könnte. Hinzu kommt sicher, was von einem Film konkret erwartet wird, worüber umgehend gesprochen, diskutiert werden soll, auch in den sozialen Medien, und da hat „Mord unter Misteln“ ziemlich schlecht abgeschnitten. 

Was bedeutet dies für die Zukunft? Nach unserer Ansicht nicht, dass man nun harsche Konsequenzen ziehen muss. Experimente, auch wenn sie uns hundert Jahre in die Vergangenheit führen, brauchen weiter ihren Raum, um den Tatort weiterzuentwickeln. Erst, wenn die Quoten und Zugriffe auf die ARD-Mediathek über einen längeren Zeitraum hinweg geringere Marktanteile ausweisen, wäre der Moment für Gedanken übers Konzept gekommen. Danach sieht es bisher nicht aus – obwohl auch an Werktagen immer mehr Krimis, meist als Regionalkrimis, den Weg auf die Bildschirme finden und dabei gut abschneiden, mit Premierenzahlen, die regelmäßig über denen des gestrigen München-Tatorts liegen. Wären die Zahlen nicht so gut, würde es ja nicht zu immer mehr Produktionen dieses Genres kommen. Eher muss man sich die Frage stellen, was Menschen antreibt, sich jeden Abend einen Krimi anzuschauen, der plotseitig nur um Nuancen von anderen Krimis abweicht. Wir werden ihm Rahmen von „Crimetime“ weiterhin nur den Sonntagabendkrimi und einige besondere Ereignisse wie die Fernsehserie Babylon Berlin rezensieren, die nicht nur ein Sittenbild sein will, sondern auch einen Krimi darstellt.

TH

Das größte Tatort-Team aller Zeiten, gerechnet nach der Zahl der Einsätze, tritt wieder an, um Sie mit einem neuen Fall zu erfreuen. Achtung: Erst am morgigen Montagabend, nicht, wie gewohnt, als Sonntagskrimi.

Das hat damit zu tun, dass der zweite Weihnachtsfeiertag auf einen Montag fällt und die Krimifans traditionell vor dem Start in die Arbeitswoche mit einer Premiere beglückt werden sollen. Mittlerweile hat das Team München in 27 Jahren 91 mal zum Krimifest gerufen und jetzt sind die Morde ausgegangen. Zumindest im München des Jahres 2022. Deswegen muss man in der Vergangenheit suchen, ob sich nicht noch etwas tun lässt. Zum Beispiel im England von 1922. Sie erleben die beiden München-Cops als Mitglieder von Scotland Yard und es beginnt mit einer Art Weihnachts-Themenparty. Was meint die Kritik zu diesem besonderen Krimi?

„Keine Frage, dieser Weihnachts-Tatort lebt vor allem von der großartigen Kulisse, der opulenten Ausstattung mitsamt den herrlichen Kostümen und der grandios treffenden Situationskomik aller Beteiligten – kurzum: von der gesamten Atmosphäre, die die Zuschauer zurückkatapultiert ins „Golden Age“ der englischen Kriminalromane à la Sherlock Holmes und Miss Marple. Wer das mag und diese Note in dem sonst oftmals düster-schwermütigen Tatort-Universum vermisst, wird seine Freude haben.

Der Kriminalfall an sich ist eher einfach gestrickt, zeitweise etwas langatmig und verliert sich in vielen, gleichwohl amüsanten Details, die wohl hauptsächlich eingebaut wurden, um den komödiantischen Charakter des Films zu betonen. Das geht aber in Ordnung und passt zum gesamten Setting, zumal die Weihnachtsfolgen ja gerne mal etwas aus dem Rahmen fallen. Auch diesmal ist dabei wieder ein gelungener Film herausgekommen, der zum Schmunzeln einlädt und sogar etwas weihnachtlichen Zauber verbreitet. In diesem Sinne: Frohes Fest!“

Tatort Folge 1219: Mord unter Misteln – Tatort Fans (tatort-fans.de)

Wir haben angesichts der Sparzwänge beim Tatort immer Bedenken, dass das Stilechte tatsächlich zu erreichen ist, das Beste wäre daher vermutlich eine Form der Ironisierung, die beinhaltet, dass die Kostüme eben doch nicht so aufwendig zu gestalten waren, dass sie in allen Details der Mode von 1922 entsprechen. Ich meine, bereits auf den Stills deutlich erkennbare Abweichungen gesehen zu haben. Deswegen werde ich an die Authentizität eher entspannt herangehen und vor allem versuchen, das Komödiantische zu würdigen. Schließlich waren die Krimis aus dem England jener Jahre immer oder meistens auch amüsant und mit dem einen oder anderen Augenzwinkern verfasst worden. Gegen düster-schwermütig haben wir ja eigentlich Münster, aber dass die beiden Bayern-Copdarsteller und diejenigen, die ihnen die Bücher schreiben und sie inszenieren, auch Humor können, haben sie oft bewiesen.

„Fazit: Tatort mit Batic und Leitmayr ist eher ein Fernsehfilm für die Familie. Für die Zuschauer geht es In Mord unter Misteln perfekt inszeniert in die 20er Jahre. Die Musik, das Licht, die Kleider und Anzüge, die Pfeife, mit der Leitmayr stilecht ermittelt und nicht zuletzt die prächtige Einrichtung von Beckford Hall – in Wirklichkeit wurde das Ganze in einem bayrischen Schloss gedreht. Rollenspiel-Fans werden hier großen Spaß haben. Wer mit Rollenspielen nicht viel anfangen kann und einen spannenden Krimi erwartet hat, wird wahrscheinlich enttäuscht. Mord unter Misteln ist eher ein Familien-Fernsehfilm. Deshalb 2 von 5 Elchen.“

Tatort-Kritik: „Mord unter Misteln“ mit Batic und Leitmayr – SWR3

Seufz … wo sind die Rollenspieler:innen unter den Tatort-Kritiker:innen?  Ein Königreich für eine:n Fan des Rollenspiels! Das haben wir inzwischen verstanden, dass des nicht so nervenzerfetzend zugeht wie in einem modernen München-Thriller. Das war aber bei den Krimis jener Jahre tatsächlich nicht der Fall, weil sie zum Beispiel alle als Whodunits nach einem bestimmten Muster aufgebaut waren, das oftmals sogar ein bestimmtes Setting einschloss: Ein Schloss, eine Tafelrunde an eckiger, langer Tafel, eine Mordserie beginnt und es kann nur eine der anwesenden Personen sein, weil der Zugang zum Anwesen gerade aus Wettergründen nicht möglich ist und das Telefon ist auch kaputt. Der Thrill liegt dann im Wettlauf gegen die Zeit. Wird man den Mörder oder die Mörderin aufdecken, bevor niemand mehr übrig ist, der diese Aufdeckung bewerkstelligen kann? Ich bin gespannt, ob dieses Schema im 91. Fall von Batic und Leitmayr bedient wird. Dieser Plot beinhaltet aber, dass wenigstens der eine oder andere Sympathieträger übrigbleibt, das wird auch hier so sein und wir sehen selbstverständlich demnächst den München-Tatort Nr. 92 mit dem aktuellen Team.

„Es geht auf Weihnachten zu, und anders als die Mistelzweige sind sich die Herren Batic und Leitmayr nicht grün. So folgen sie nur verdrießt der Einladung ihres Assistenten Kalli zu einem abendlichen Essen. Als sich dieses als Krimidinner im Cluedo-Stil entpuppt, sinkt die Laune der Kommissare auf den Nullpunkt. Doch es hilft nix, schon untersuchen sie als Constable Partridge und Inspector Lightmyer einen Mord im England des Jahres 1922: In einem ländlichen Herrenhaus fiel der Butler offenbar einem Giftanschlag zum Opfer. Und von den anwesenden Herrschaften hätten alle ein Motiv gehabt… Ein eher ungewöhnlicher Krimispaß. Okay, die im Grunde originelle Idee des Rücksturzes in der Zeit wurde bei „Sherlock“ schon deutlich stimmiger umgesetzt. Wenn man sich aber auf das etwas hölzerne Schauspiel einlässt, hat man viel Spaß an den Kabbeleien der beiden Grantler.“ Dafür geht der Daumen hoch.

Tatort: Mord unter Misteln – Filmkritik – Film – TV SPIELFILM

Das etwas Hölzerne kann ja auch Teil der oben angeforderten Ironisierung des Films sein, ich traue Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl aber auch zu, dass sie das diese Art von Spiel ganz  unabhängig von einem Szenario  zeigen können.  Zumindest, wenn sie sich vielleicht genauso wenig mit der Kostümierungsidee wohlgefühlt haben wie ihre Rollenfiguren.

„Der „Tatort“ auf Agatha Christies Spuren. Weihnachten 1922, ein very britisches Herrenhaus. Ein toter Butler. Einige wenige Verdächtige. Die Einheit von Raum, Zeit und Handlung. Viel Dialog in einer verspielt antiquierten Sprache. „Mord unter Misteln“ (Bavaria Fiction) wirkt im Rahmen des ARD-Krimiflaggschiffs 2022 wie eine Innovation, obwohl sich der Film von Jobst Christian Oetzmann nach dem Drehbuch von Robert Löhr auf eine der ältesten Krimi-Traditionen beruft: das kollektive Mörder-Raten. Der besondere Reiz dieser erfrischend altmodischen Krimierzählung ist der Salonstück- und Ensemble-Gedanke. Die Verdächtigen kommen nicht sukzessive ins Spiel, sondern alle potenziellen Mörder geben sich von Beginn an die Ehre. Zum Genre gehört auch: viel verbalisierter Plot, Klischee-Konstellationen und wenig Psychologie. Dafür gibt es Komik, ein bisschen Sarkasmus, Spiel-im-Spiel-Ironie, ja sogar Selbstreferentialität. Alles bleibt moderat meta. So ist dieser liebevoll inszenierte, gut besetzte Kammerspielkrimi ein ziemlich perfektes Festagsfamilienfernsehprogramm.“

Tatort – Mord unter Misteln – Kritik zum Film – Tittelbach.tv

Ja, es geht auf Agatha Christie, die in jenen Jahren ihre Krimis geschrieben hat, in die man uns hier versetzt. Unsere letzte Stimme bestätigt in etwa das, was wir aus den zuvor gezeigten Kritiken herauslesen konnten und was wir an Gedanken dazu geäußert haben. 4,5/6 ist im Rahmen des Schemas, das Tittelbach-TV bei Tatorten anwendet, eine mittlere Bewertung.  Innovation und Tradition, besser geht’s doch in einem einzigen Film eigentlich nicht.

TH

Handlung

Leitmayr und Batic sind in ihrem 90. Fall zu einem Krimidinner beim Kollegen Kalli eingeladen: Ein Opfer, sechs Gäste und jeder oder jede könnte den Mord begangen haben.
Vom Münchner Esstisch springt die Handlung jedoch direkt ins historische Setting – ein britisches Herrenhaus in den 1920ern, in dem die beiden als „Detective Chief Inspector Francis Lightmyer“ und als „Detective Constable Ivor Partridge“ gefordert sind.

Neben Udo Wachtveitl, Miroslav Nemec und Ferdinand Hofer spielen Sunnyi Melles, Alexander Hörbe, Katharina Schlothauer, Marie Rathscheck, Joshua Jaco Seelenbinder u. a.

Regie führte Jobst Oetzmann (Tatort: „Krieg im Kopf“), das Drehbuch schrieb Robert Löhr („Das Institut – Oase des Scheiterns“). Produziert wurde der Tatort von Bavaria Fiction (Produzent: Ronald Mühlfellner) im Auftrag des BR, die Redaktion liegt bei Cornelius Conrad. (BR)

Leitmayr und Batic haben sich von Kalli breitschlagen lassen, an einem Krimidinner im Kreise der Kollegen teilzunehmen – und nun sollen sie als „Detective Chief Inspector Francis Lightmyer“ und als „Detective Constable Ivor Partridge“ den Mörder in einem englischen Herrenhaus finden:

England, 1922. Ausgerechnet am Heiligen Abend hat es in Beckford Hall einen Mord gegeben. Der Butler liegt tot auf dem Orient-Teppich. Lightmyer und Partridge müssen das englische Herrenhaus auf den Kopf stellen und den Mörder finden. War es die resolute Lady, die betörende Sängerin oder der prüde Vikar? Das Zimmermädchen oder der Doktor? Je tiefer die beiden eindringen in das Geflecht aus Geheimnissen und Lügen, das Beckford Hall umgibt, desto mehr verschmelzen sie mit ihren Rollen – und desto mehr begreifen sie: Bei diesem Dinner wird ein doppeltes Spiel mit ihnen gespielt …

Ein Weihnachtstatort unterm Mistelzweig. (ARD)

Besetzung und Stab

Hauptkommissar Franz Leitmayr / Detective Chief Inspector Francis Lightmyer – Udo Wachtveitl
Hauptkommissar Ivo Batic / Detective Constable Ivor Partridge – Miroslav Nemec
Kommissar Karl-Heinz „Kalli“ Hammermann / Charles „Charlie“ Bantam – Ferdinand Hofer
Simone / Lady Mona Bantam – Sunnyi Melles
Martin / Dr. Mallard – Alexander Hörbe
Katrin / Kathleen „Kitty“ – Katharina Schlothauer
Heidi / Heather – Marie Rathscheck
Till / Reverend Edgar Teal – Joshua Jaco Seelenbinder
Arthur Rogers – Christoph Mory
u. v. a.

Drehbuch – Robert Löhr
Regie – Jobst Christian Oetzmann
Kamera – Volker Tittel
Musik – Sebastian Fillenberg, eingespielt vom Münchner Rundfunkorchester unter Dirigent Andreas Kowalewitz
Ton – Lutz Pape, Bela Golya
Mischung – Jan Blömeke
Licht – Andreas Landgraf
Schnitt – Florian Duffe
Casting – Siegfried Wagner
Kostümbild – Sylvia Risa
Szenenbild – Oliver Hoese
Maske – Udo Riemer, Sabine Hehnen-Wild, Sabine Rühle-Schreiber
Requisite – Christiane Musäus, Zamira Weizflog
Aufnahmeleitung – Götz Vierkant
Produktionsleitung – Björn Grünler
Herstellungsleitung – Jens Metzler, Melanie Bührdel, Stefanie von Lerchenfeld
Produzent – Ronald Mühlfellner
Redaktion – Cornelius Conrad

 

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