Schutzmaßnahmen – Tatort 1220 #Crimetime Vorschau Das Erste, 01.01.2023, 20:15 Uhr #Köln #Ballauf #Schenk #Schutz #Maßnahmen #WDR

Crimetime Vorschau – Titelfot WDR / Bavaria Fiction GmbH/Martin Valentin Menke

Schutzmaßnahmen? Ja, ist denn schon wieder Corona? Nein, immer noch! Und die Mehrheit der Menschen ist auch dafür, nicht so schnell alle Schutzmaßnahmen aufzugeben, denn Vorsicht ist weiterhin die Mutter der Virenbekämpfung.

Freddy Schenk als Familienmensch – diese Seite des von Dietmar Bär verkörperten Kölner Ermittlers stand bisher noch nicht oft im Zentrum der WDR-Krimis aus der Rheinmetropole. Nur am Rande wird gelegentlich thematisiert, dass er verheiratet ist und zwei Töchter hat. Doch der Fall, den Schenk zusammen mit seinem Partner Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) im 86. Einsatz zu lösen hat, betrifft ihn ganz persönlich: Das Restaurant von Schenks Tochter Sonja ist abgebrannt, und mittendrin wird eine Leiche gefunden – keines der Familienmitglieder zwar, doch für Freddy stellt sich nun die bange Frage, ob auch das Leben seiner Liebsten in Gefahr ist. Dabei tauchen er und Ballauf immer tiefer ein in die Abgründe von Abhängigkeiten und Machtgefällen in einem typischen Kölner „Veedel“, wo der Zusammenhalt zunehmend auf der Kippe steht.

Tatort Folge 1220: Schutzmaßnahmen – Tatort Fans (tatort-fans.de)

Komisch, kein Wort von Corona. Gibt es noch andere Schutzmaßnahmen. Auf jeden Fall existiert die Tatsache, dass das Köln-Duo im abgelaufenen Jahr sein 25-jähriges Dienstjubiläum feierte. Darf man den Wunsch äußern, dass auch Beamte bis 70 arbeiten müssen? Ach was, keine falsche Rücksicht, obwohl diese nicht das Problem zu geringer Altersbezüge haben, das viele andere Menschen plagt. Wenn wir den Wunsch spezialisieren, dann auf jeden Fall in Bezug auf Max Ballauf und Freddy Schenk. 86 Fälle haben sie nun zu bearbeiten gehabt, seit sie 1997 starteten und sie gehören zum Inventar der Reihe Tatort wie kaum ein anderes Team. Ich würde sie sogar über die Münchener stellen, die zwar gegenwärtig noch ein paar Filme mehr gedreht haben, aber gerade das Herangehen an die oben angesprochenen sozialen Themen ist bei den beiden kölsche Jungs einmalig. Sie haben den Thesentatort auf gleichberechtigter Basis erfunden. Dass Assistenten oder nachgeordnete Kollegen der Hauptermittler mal eine abweichende Meinung äußern durften, das gab es vorher schon, aber es gab klare Unterschiede bei der Wichtigkeit dieser Meinungen. Das ist in Köln von Beginn an anders gewesen. Manchmal wirkt dialektisch bei den Kölnern etwas sehr didaktisch, aber nie wird ein relevanter Aspekt vergessen.

Soziale Erziehung per Tatort. Wer nun sagt, viel gebracht hat’s nicht, der muss sich fragen lassen: Und wie sähe es ohne die beiden aus? Haben Sie darüber mal nachgedacht? Sehen Sie, wie unerlässlich solche tapferen Ethiker wie die beiden sind, die nicht einmal prätentiös, arrogant, besserwisserisch auftreten müssen, um sich an uns zu vermitteln. Man spürt es einfach, was sie uns sagen wollen. Sicher ist dabei kein Nachteil, dass auch die Schauspieler hinter den Rollen auf eine überzeugende, authentisch wirkende Weise sozial engagiert sind. Beginnen wir mit den Stimmen zum 1220. Tatort:

Die Redaktion von Tatort-Fans meint:
Schon oft haben die Kölner Tatorte spezielle soziale Problemlagen der Großstadt beleuchtet, und das gelingt auch diesmal hervorragend: Die Milieustudie über ein typisches „Veedel“, in dem jeder jeden kennt, zeigt anschaulich, wie Abhängigkeiten entstehen, wie Notlagen ausgenutzt werden und wie dabei der vielbeschworene Zusammenhalt immer mehr verloren geht. Gelungen ist dieser Film vor allem deshalb, weil er konsequent der Versuchung widersteht, klischeebehaftete Bilder von mafiösen Strukturen und ihren Akteuren zu zeichnen; Banden- oder Clankriminalität, wie sie medial oft vermittelt wird, sucht man hier vergebens. Stattdessen stehen Authentizität und die individuellen Schicksale der Figuren im Vordergrund. Dass bei alledem Freddy Schenks Familie eine tragende Rolle spielt, verleiht dem Plot natürlich einen besonderen Reiz und wird alle freuen, die sich schon immer fragten, wie Freddy wohl in seiner Rolle als Papa und Opa auftritt. Insgesamt verdiente 4 Sterne für gelungene Unterhaltung am Neujahrsabend.

Wir haben gerade den Berlin-Tatort „Das Mädchen, das allein nach Haus‘ geht“ rezensiert, der Entwurf ist noch nicht veröffentlicht. Darin haben wir uns klar dafür ausgesprochen, dass auch die Clankriminalität einen Platz in heutigen Tatorten haben muss, denn sie bildet nun einmal einen Großteil der Organisierten Kriminalität ab. Dass es dabei zu Klischeedarstellungen kommt, entspricht außerdem der Realität. Ein bestimmtes Milieu hat ein typisches Gepräge, das gilt sogar für Tatort-Rezensenten. Dass die individuellen Schicksale im Vordergrund stehen, macht einen Spielfilm generell aus, ansonsten würde es sich um eine Reportage handeln. Ich verstehe aber was gemeint ist und bin der Ansicht, beides hat seine Berechtigung. Die Kölner Variante, die achtsame, wie auch, dass etwas mehr in die real existierende Kacke gehauen wird. Menschen, die in Großstädten leben, haben ein gutes Gespür dafür, ob Individuen wichtig genommen werden oder ob den Machern eines Films vor allem an der Beschönigung teilweise absurder Zustände gelegen ist. Forschen wir weiter im Universum der Kritiken:

Schutzmaßnahmen: Ein komplizierter, aber spannender Tatort aus Köln. Eine Nazi-Demo, ein Brand in einem Restaurant und eine Leiche. So fängt das neue Jahr für das Tatort Team aus Köln an. Und obwohl der Fall am Anfang ganz klar zu sein scheint, tun sich die Ermittler Ballauf und Schenk schwer. Denn das Kölner Viertel, in dem der Mord passiert ist, hält zusammen – und hält vor allem zusammen den Mund. Gar nicht so einfach, da die Wahrheit rauszufinden – und mitzukommen.

Tatort-Kritik: „Schutzmaßnahmen“ mit Ballauf und Schenk – SWR3

Auch über die Familienmensch-Rolle Freddys wird in dieser Kritik referiert, am Ende gibt es 3 von 5 Elchen. Wir erfahren, dass im Film Nazis vorkommen und dass es ein Viertel in Köln gibt, in dem Schweigen eine Schutzmaßnahme darstellen kann. Vielleicht war der Tote im Restaurant ein Nazi und alle im Kiez sind sich einig, dass man dazu der Polizei keine Angaben macht. Das ist aber nur eine Spekulation. Wenn Sie genau über die (möglicherweie komplizierte) Handlung Bescheid wissen wollen, müssen Sie heute um 20:15 Uhr den Fernseher einschalten oder in der ARD-Mediathek nachschauen, um was es geht. Offenbar geht der Film auch den Weg einer unzuverlässigen Erzählung, weil die beiden Köln-Cops unabhängig voneinander ermitteln und zu Ergebnissen kommen, die einander zu widersprechen scheinen. Wem glauben? Welcher Quelle, welcher Schlussfolgerung aus dem, was man schon herausgefunden hat? Und das vor dem Start in die neue Woche, die garantiert auch wieder Kompliziertes mit sich bringen wird.

 Mit einem Stadtteil-Krimi aus Köln ohne kölsche Veedel-Folklore startet der „Tatort“ ins Jahr 2023. Dafür wird es für Kommissar und Familienvater Freddy Schenk in der Episode „Schutzmaßnahmen“ (WDR / Bavaria Fiction) persönlich. Im Restaurant seiner Tochter und seines Schwiegersohns wird ein Feuer gelegt, der Brandstifter wird niedergeschlagen und kommt in den Flammen um. Der Tote ist der Sohn eines Feinkost-Unternehmers (schön böse: Manfred Zapatka), der skrupellos über ein multikulturelles Stadtviertel herrscht. Nina Vukovic (Regie) und Julia Jalnasow (Bildgestaltung) setzen Köln, passend zu der rauen und dramatischen Geschichte (Drehbuch: Paul Salisbury), ungeschönt und in einem trüben Licht ins Bild: eng und voller Baustellen, auch die Veedels-Kneipe ist ein trauriger Ort. Klasse, wie kraftvoll & präsent Dietmar Bär jenseits der Ermittler-Routine durch den Film rauscht.

 http://www.tittelbach.tv/programm/reihe/artikel-6230.html

Eine Tatort-Vorschau ohne die Zusammenfassung der Meinung von Tittelbach-TV ist möglich, aber nicht sinnvoll. Für das, was oben steht, werden 4,5/6 vergeben, was, wie schon die drei Elche, auf einen mittelplusguten Eindruck des Rezensenten schließen lässt. Tja, Köln hat auch weniger schöne Seiten, aber das wird (mit drei „i“, wahlweise „ie“, wenn die Vermittlung durch Max Ballauf geschieht)  uns durch den Tatort schon seit – wie lange? Haben Sie’s noch im Kopf? – im 26. Jahr hintereinander vermittelt und das auf intensive Weise. Denn kaum ein anderes Team hat eine so  hohe Taktfrequenz bei seinen Filmen. Deshalb holen die Kölner, wenn sie uns noch ein wenig erhalten bleiben, vermutlich auch die Bayern bald ein (91 Fälle), obwohl diese sechs Jahre früher gestartet waren. Wer Köln nach 86 Ballauf-Schenk-Tatorten noch nicht kennt, hat viel von der Essenz des Formats verspennt.

Es ist schon gemein, was sich die Redaktion der ARD bei der Ansetzung der Ausstrahlung dieses „Tatorts“ gedacht oder eben nicht gedacht haben mag. Vor zwei Wochen lief mit dem berührenden Berliner Drama „Das Opfer“ ein ähnlich gelagerter Fall, der sogar über den gleichen Aha-Effekt auf dem Weg zur Auflösung verfügte wie der neuste Krimi aus Köln. Der Vergleich zum wesentlich geschmeidigeren Film lastet nun unnötig schwer auf den Schultern von Ballauf und Schenk, zumal an der Spree tatsächlich das Kunststück vollbracht wurde, Privates und Berufliches stimmig und vor allem glaubwürdig miteinander zu verbinden. Davon ist das Geschehen in der Domstadt leider deutlich entfernt.

Selbst ohne den Blick gen Osten fühlen sich die Kölner „Schutzmaßnahmen“ zu oft an, als wären sie auf dem Reißbrett entstanden, was ihnen leider viel von der möglichen Emotionalität raubt, die sich aus dem Zusammenspiel von Vater, Tochter und Enkelin eigentlich ergeben müsste. Dass sie dennoch immer wieder aufblitzt, liegt vor allem an Dietmar Bär, der als fleischgewordener Kümmerer natürlich eine Idealbesetzung ist und besonders mit Maira Helene Kellers in der Rolle seiner pubertierenden Enkeltochter prächtig harmoniert. Das gemeinsame Familienbier ist folgerichtig einer der Höhepunkte eines soliden „Tatorts“, der ansonsten kein wirklich zwingendes Argument aufs Parkett gebohnert bekommt, warum ausgerechnet Freddys Familie in den Fall verstrickt sein muss. Da wäre weniger mehr gewesen.

„Tatort“ heute am Sonntag: Mäßiger Krimi tappt in altbekannte Falle (kino.de)

Dietmar Bärs Darstellung wird auch in anderen Kritiken gelobt, aber er ist auch ein Guter, unabhängig davon, ob er den Familienmensch spielt. Kino.de ist bei uns noch keine regelmäßige Adresse, weil wir immer auf der Suche nach Rezensent:innen sind, die Bewertungen abgeben, aber die Überschrift „Mäßiger Tatort“ tappt in altbekannte Falle. „Das Opfer“ ist einer der nächsten Tatorte, die wir sichten werden, deswegen haben wir jetzt auch den Berlin-Vorgänger „Das Mädchen …“ angeschaut, obwohl er gemäß unserer der Chronologie bei der Abarbeitung von Überständen noch nicht an der Reihe gewesen wäre. Freut uns irgendwie, dass ein Berlin-Tatort gut bewertet wird, zumal Karow, anders als Ballauf und Schenk, nicht gerade der zugängliche Typ ist. Aber vielleicht ist es das: Jovialität, gepaart mit einem Privatleben, das möglicherweise als eklektisch gelten kann, ist zu sehr Old School für manche, die den Tatort gerne progressiver gestaltet sehen würden. Aber auch hier: So, wie die Kölner Liebe zum Sozialen in diesem großen Universum von gegenwärtig 22 Teams einen Platz haben darf, gilt dies auch für die Gemengelage aus Privatem und Fall. Oft wurde beides nicht gut miteinander synchronisiert, das ist allerdings wahr. Auch in Köln gab es bereits Fälle, in denen das eine und das andere nicht einmal miteinander zu tun hatten.

Steckt nicht in uns allen ein kleiner, böser, beleidigter Pate? Manfred Zapatka knackt gram Walnüsse, Katja Ebstein singt sentimental Abschiedsarien: Der Kölner »Tatort« übersetzt das italo-amerikanische Mafiadrama ins deutsche Mittelstandsmilieu.

Ein Schelm, wer die Frage, die Christian Buß im „Spiegel“ stellt, mit einem klaren „Nein“ beantwortet. Ich habe mich hingegen sofort angesprochen gefühlt. Wäre ich in eine Clan-Familie hineingeboren oder hätte ich Macht erworben, als Politiker, Mob-Boss (was ja beinahe das Gleiche ist) oder Unternehmensführer, dann aber! Buß sieht diesen Tatort positi und vergibt 7/10.

»Tatort« aus Köln an Neujahr: »Schutzmaßnahmen« mit Ballauf und Schenk – DER SPIEGEL

Dietmar Bär beweist in dieser von Nina Vukovic („Am Ende der Worte“) inszenierten Folge, dass ihn die übliche Kommissar-Routine eher unterfordert. Und Köln wird in dieser verzwickten, thematisch etwas überladenen Krimi-Geschichte auf eine ungewöhnliche Weise in Szene gesetzt: enger, grauer, ungeschönter als sonst.

TV-Spannung: Kölner „Tatort“ als Veedel-Krimi (tagesspiegel.de)

Heute sind wir großzügig, oder? Mit sechs Stimmen ins neue Jahr, das ist ein Bonus. Das werden wir nicht immer so handhaben können, schon aus Zeitgründen (nicht). Doch wir hatten das Bedürfnis, uns wieder mehr in der Hauptstadt, unserer Wahlheimat, einzugrooven und zitieren erstmals ein Sätzchen aus dem am meisten ableitenden und herleitenden Leitmedium in Berlin. Damit sind wir aber am Ende dieser Sitzung angelangt und bitten Sie, den Raum  zu verlassen, damit wir uns auf das nächste Gespräch vorbereiten können. Vermutlich wird es wieder ein politisches Gespräch werden.

TH

Handlung

Freddy Schenk ist alarmiert, denn auf das Restaurant seiner Tochter Sonja wurde ein Brandanschlag verübt. In der ausgebrannten „Wunderlampe“ findet die Polizei eine zur Unkenntlichkeit verkohlte Leiche. Gemeinsam mit Max Ballauf nimmt Freddy Schenk die Ermittlungen auf. Aber erst will er dafür sorgen, dass Sonja, seine Enkeltochter Frida und Sonjas Lebensgefährte Karim in einer Schutzwohnung der Polizei Unterschlupf finden. Nach dem Brand können sie unmöglich zu Hause, direkt über der Gaststätte, wohnen bleiben. Am Tatort hat die KTU noch keine Hinweise sichergestellt, die darauf schließen lassen, warum das Feuer gelegt worden ist. Klar ist nur, dass es sich bei dem Toten offenbar um den Brandstifter selbst handelt. Allerdings kam er nicht durch das Feuer ums Leben, wie Rechtsmediziner Dr. Roth feststellt.

Besetzung und Stab

Hauptkommissar Max Ballauf – Klaus J. Behrendt
Hauptkommissar Freddy Schenk – Dietmar Bär
Oberkommissar Norbert Jütte – Roland Riebeling
Kriminaltechnikerin Natalie Förster – Tinka Fürst
Rechtsmediziner Dr. Joseph Roth – Joe Bausch
Sonja Schenk – Natalie Spinell
Karim Farooq – Timur Isik
Frida Schenk – Maira Helene Kellers
Viktor Raschke – Manfred Zapatka
Marco Raschke – Paul Wollin
Aylin Göktan – Günfer Çölgeçen
Sara Göktan – Linda Schablowski
Timur Göktan – Mido Kotaini
Ulla Waldstätt – Almut Zilcher
Sebastian Lobusch – Lars Wellings
u. v. a.

Drehbuch – Paul Salisbury
Regie – Nina Vukovic
Musik – Leonard Petersen
Ton – Wolfgang Wirtz
Licht – Hartmut Pollitt
Schnitt – Claudia Klook
Bildgestaltung – Julia Jalnasow
Casting – Phillis Dayanir
Kostümbild – Holger Büscher
Szenenbild – Ina Timmerberg
Maske – Ulrike Bruns-Giffel, Peggy Lilkendey
Produktionsleitung – Linda Hennig, Oliver Wißmann
Herstellungsleitung – Sascha Ommert, Jens Metzler
Produzent – Jan Kruse
Redaktion – Götz Bolten

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