Wie sammeln und verwerten wir Nachrichten? Die beliebtesten Nachrichtensammler sind zu wenig (Statista + Kommentar) | Briefing 106 | Medien

Briefing 106 (hier zu 105) | Medien, Gesellschaft

 Liebe Leser:innen, woher beziehen Sie eigentlich Ihre Nachrichten, wenn nicht von uns? Und auch wir müssen ja unsere Informationen irgendwo herhaben. Dass es heutzutage nicht mehr damit getan ist, eine Tageszeitung zu abonnieren, dürfte klar sein. Was also tun? Dazu hat Statista folgende Grafik erstellt:

Infografik: Die beliebtesten Nachrichtensammler Deutschlands | Statista


 Diese Statista-Grafik wurde unter einer Lizenz Creative Commons — Namensnennung – Keine Bearbeitungen 4.0 International — CC BY-ND 4.0  erstellt und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder. Folgend der Statista-Begleittext dazu, dann weiter mit unserem Kommentar.

Google ist nicht nur die beliebteste Suchmaschine, auch abseits der Suchfunktion informieren sich die Deutschen im Vergleich zur Konkurrenz am häufigsten über die Nachrichtendienste des US-Tech-Konzerns. Laut der halbjährlich durchgeführten Studie „Intermediäre und Meinungsbildung“ der deutschen Landesmedienanstalten haben 19 respektive 12 Prozent der Befragten schon mal Google News oder Google Discover genutzt. Wie unsere Grafik zeigt, können nur zwei andere Aggregatoren mit diesen Zahlen mithalten.

Jede:r Zehnte hat beispielsweise schon mal Upday for Samsung getestet, ein in Zusammenarbeit von Axel Springer SE und dem Smartphone-Hersteller für die mobile Nutzung konzipierte News-Aggregations-Portal. Ähnlich verhält es sich beim auf iPhones verfügbaren Apple News Widget. Facebook News, die in die Social-Media-Plattform integrierte Lösung von Meta, haben hingegen bislang nur fünf Prozent überhaupt schon einmal ausprobiert.

Generell ist die Nutzung von News-Aggregatoren vor allem bei Nutzenden zwischen 14 und 29 Jahren verbreitet. In dieser Alterskohorte haben 31 Prozent in der Vergangenheit Google News aufgesucht, bei Google Discover sind es 20 Prozent. Was die tägliche Nutzung angeht, sind Nachrichtensammeldienste allerdings weniger beliebt. Selbst bei den jüngsten Befragten greifen nur knapp über zehn Prozent täglich auf Google News, Google Discover und das Apple News Widget zu, die prozentualen Anteile bei der Gesamtheit der Umfrageteilnehmer:innen liegen teilweise deutlich unter zehn Prozent.

In die Google News schauen wir auch hier und da rein, weil wir sie auf dem Smartphone schon geöffnet serviert bekommen, wenn wir die Suchmaschine aufrufen. Gleichermaßen „MSN“, wenn wir hier am Computer sitzen. Dann klicken wir auch schon mal ein wenig länger durch und teilen interessante Beiträge mit uns selbst, um sie für den Wahlberliner nutzbar zu machen. Bis zur Verarbeitung sind dann aber noch einmal in der Regel zwei Stufen notwendig, nämlich die Einfügung in die Artikelplanung an der richtigen Stelle und in den Artikel selbst, wenn wir sie vollständig gelesen und ausgewertet haben.

Damit können wir es freilich nicht bewenden lassen. Schon deshalb nicht, weil die oben erwähnten Dienste komplett auf Mainstreamiges zugeschnitten sind. Das lässt sich durch Individualisierung höchstens thematisch, aber nicht bezüglich der vertretenen Meinungen ändern. Trotzdem ist eines unserer tatsächlich wichtigen Bezugsmodule ebenfalls von Google: Die Nachrichtenplattform „Newstral“. Dort ist es allerdings möglich, bestimmte Publikationen zu favorisieren und auch regionale Schwerpunkte zu setzen. Auf eine übersichtliche Weise. Das Spektrum an Medien, das man so finden kann, ist erheblich breiter und irgendwann findet man sogar Kleinmedien wie uns.

In mancher Hinsicht machen wir es umgekehrt wie die Nachrichtensammler, wir abonnieren die Newsletter bestimmter Medien, die wiederum als Sammler für die wichtigsten Themen des Tages angelegt sind. Darunter einige deutsche, aber auch internationale Quellen. Außerdem haben wir eine Reihe von RSS-Feeds angelegt und den Reader unseres Hompage-Hosts WordPress verwenden wir ebenfalls. Presseportale, Medien, die nur Pressemitteilungen enthalten, spielen ebenfalls eine Rolle, zudem die Newsletter, Aktionen, Petitionen etc. bestimmter NGOen. Das könnten wir noch viel mehr ausbauen, aber schon jetzt ist es schwierig, das alles in ein vernünftiges Quellenmanagement zu integrieren. Mehrere Systeme haben wir ausprobiert und arbeiten derzeit wieder ganz simpel mit einer letztinstanzlichen Artikelplanung via Excel. Die Möglichkeiten der Kategorisierung sind es vor allem, die hier punkten, wenn man sie geschickt nutzt.

Es gibt weitere Quellen, die wir nicht alle einzeln auflisten und immer besteht das Gefühl, viel der interessantesten Beiträge können wir gar nicht lesen, weil wir mit den gegenwärtigen Features schon ziemlich ausgelastet sind. Mehr Tiefe in der Breite ist aktuell kaum möglich, so sehr wir das bedauern. Außerdem haben wir das Gefühl, die Zahl der wichtigen Themen nimmt ständig zu. Umso mehr wäre es erforderlich, dies alles in größeren Zusammenhängen darzustellen. Das können die Verschwörungstheoretiker zum Beispiel sehr gut, aber leider sind sie dabei oft etwas einseitig und eine seltsame Mischung aus hyperkritisch und naiv. Das geht durchaus miteinander, manchmal ist es natürlich auch gespielt und in Wirklichkeit propagandistisch.

Um ein meinungsstarkes Meinungsblog zu schreiben, muss man so viel lesen, dass man um die Zeit, zu der wir diesen kleinen Artikel schreiben, schon ziemlich platt ist, um es profan auszudrücken. Zumal der Wahlberliner eben keinen Broterwerb darstellt. Es kommt durchaus vor, dass wir Informationen nicht systematisch sichten und bearbeiten, sondern einfach mal einen schnellen Überblick haben wollen. Dann kommen auch einige der Dienste zum Zuge, die oben genannt sind.

Ursprünglich war unsere Rubrik „Briefing“ auch als Sammler gedacht, ähnlich wie die vielen Morgen-Newsletter verschiedener Medien. Nachmittags und Abends besteht ja dann eine Lücke, oder? Viele Medien melden sich aber mehrfach täglich mit Newssammlern vor allem von eigenen Autor:innen zu Wort und das können wir selbstverständlich nicht. Wir briefen, informieren, kommentieren also lieber weiterhin mit Informationen zu einem Thema, am liebsten unterlegt mit Grafiken und Links zu anderen Medien. So wie mit diesem Beitrag.

Wir warnen aber davor, sie zur alleinigen Informationsquelle zu machen und zu glauben, man sei damit viel moderner und breiter aufgestellt als jemand, der eine gute Tageszeitung von vorne bis hinten liest. Die Artikel, die man über diese Dienste abrufen kann, sind meist keine tiefergehenden Analysen und ähneln sich nicht von ungefähr in der Haltung ziemlich deutlich. Letzteres ist selbstverständlich auch so, wenn man eine Zeitung liest, deren Ausrichtung man kennt. Aber Pluralität bei der Informationserfassung muss man sich wirklich erarbeiten, konfektionierte Lösungen suggerieren viel mehr Meinungsvielfalt, als dahinter stecken kann, denn wer wird wohl zu den Favoriten von Firmen wie Google gehören? Sicher nicht jene, die systemkritisch unterwegs sind. Ausnahme: Das erwähnte Newstral und auch von Goggle. Falls es dieses Newsportal  als Handy-App   mit denselben Funktionen wie die Webversion geben sollte, ist es ein Tipp von uns für den Einstieg in eine differenziertere Art der Nachrichtenaufnahme.

TH / 

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