Lenas Tante – Tatort 1223 #Crimetime Vorschau #Tatort Das Erste, 22.01.2023, 20:15 Uhr #Ludwigshafen #Odenthal #Stern #SWR #Lena #Tante

Crimetime Vorschau – Titelfoto © SWR, Benoît Linder

Nun die allerletzten Altnazis, es kommen neue nach

Lenas Tante ist ein Fernsehfilm aus der Krimireihe Tatort. Der vom SWR produzierte Beitrag ist die 1223. Tatort-Episode und soll am 22. Januar 2023 im SRF, im ORF und im Ersten ausgestrahlt werden. Die Ludwigshafener Ermittlerinnen Lena Odenthal und Johanna Stern ermitteln in ihrem 77. bzw. 18. Fall.

Liebe Leser:innen, wir verändern ab heute das Layout der Tatort- und Polizeiruf-Vorschauen ein wenig, damit Sie schnell an das Informatorische gelangen. Die Meinungsbildung der Kritiker:innen folgt jetzt im Anschluss, bisher hatten wir sie vorangestellt.

Handlung[1]

Lena Odenthal hat Besuch von ihrer Tante Niki. Gleichzeitig ermitteln die beiden Kommissarinnen Odenthal und Stern einen mysteriösen Mordfall in einem Altenstift, bei dem zunächst vor allem das Motiv fehlt.

Handlung[2]

Lena Odenthal muss Beruf und Familie unter einen Hut bringen: Ihre Tante Niki, pensionierte Staatsanwältin, scharfzüngig und durchsetzungsfähig, trifft zu einem Besuch in Ludwigshafen ein. Gleichzeitig sind Lena und Johanna Stern mit dem Tod eines Altenheimbewohners beschäftigt, der durch eine Überdosis Insulin getötet wurde. Herr Herrweg war über 90, zu erben gibt es höchstens Verpflichtungen – wer hatte ein Motiv, ihn umzubringen?

Die Kommissarinnen durchleuchten die Heimbewohner wie auch die Vergangenheit des Opfers. Während Johanna es begrüßen würde, wenn der sympathische Hausarzt des Seniorenheims nicht in den Fall verwickelt wäre, hat Lena merkwürdigerweise immer wieder den Eindruck, dass Niki sich heimlich ebenfalls mit den Ermittlungen beschäftigt.

Das Interesse ihrer Tante an der Vergangenheit des Toten scheint mehr als nur familiäre Zugewandtheit oder fachliches Interesse. Den Gedanken, dass ihre Tante in den Fall verwickelt sein könnte, schiebt Lena trotzdem von sich. Aber der Fall Herrweg führt die Kommissarinnen in die Untiefen deutscher Geschichte, und damit hat gerade Niki viel Erfahrung.

Das Drehbuch zum „Tatort: Lenas Tante“ schrieb der mit den Lena-Odenthal-Tatorten eng verbundene Autor Stefan Dähnert, inszeniert wurde der Film von Tom Lass in seiner ersten Regie für die „Tatort“-Reihe. Sie beginnen ihre Erzählung rund um die Beziehung von Nichte und Tante in leichtem Ton, der unmerklich ernster wird, je weiter sich die Kommissarinnen und parallel die ehemalige Staatsanwältin in die Vergangenheit des Opfers und der Verdächtigen eingraben. Ursula Werner spielt Niki Odenthal und lässt dabei deutlich werden, wo Lena ihre berufliche Hingabe und Hartnäckigkeit mitbekommen haben könnte.

Handlung[3]

Ein „Besuch der alten Dame“ erwartet Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) in ihrem elften gemeinsamen Einsatz mit ihrer Kollegin Johanna Stern (Lisa Bitter): Lenas Tante Nikola Odenthal, genannt Niki, ist zu Besuch und wirbelt das Leben der Kriminalistin gehörig durcheinander. Die Staatsanwältin im Ruhestand zeigt auffälliges Interesse an dem Mordfall, der Odenthal und Stern gerade beschäftigt: Ein hochbetagter Bewohner eines Altenheims wurde ermordet, und wie es scheint, führen die Spuren zurück bis in das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte. Doch schließlich gerät auch Niki ins Visier der Ermittlerinnen, und Lena muss sich fragen, wie sehr sie ihrer Tante tatsächlich vertrauen kann …

Kritikenschau und Kommentar

 „Ein Tatort mit Licht und Schatten: Die Ausgangssituation rund um den fälschlicherweise diagnostizierten Tod des Opfers wirkt nicht sehr glaubhaft; dass die ermittelnde Kommissarin dann auch noch eine Affäre ausgerechnet mit dem Arzt beginnt, der für die Fehldiagnose verantwortlich ist, macht die Sache nicht besser. Die rätselhafte Verstrickung von Niki Odenthal in den Fall ist hingegen eine originelle Idee und geschickt in die Handlung eingeflochten. Die eigenwillige Tante, stark gespielt von Ursula Werner, ist es auch, die dem Film durch die kleinen Reibereien mit ihrer Nichte Lena seine heiteren Momente beschert.“2

Ich habe gerade den Polizeiruf Nr. 258 mit Hauptkommissar Jürgen Tauber rezensiert (aber noch nicht veröffentlicht), der darin mit den möglichen Kriegsverbrechen seines Vaters konfrontiert wird. Spontan kommt mir in den Sinn, dass es langsam schwierig wird, Tatorte mit einer direkten Verbindung zu jenen Verbrechen zu produzieren und dafür gute Handlungen zu schreiben. Um als sehr junger Mensch noch direkt involviert gewesen zu sein, muss jemand in der Tat ein biblisches Alter erreicht haben, wenn er noch lebt. Es wird, wenn man diese Zeit noch in Krimis behandeln will, mehr und mehr notwendig werden, auf Verbindungen zu Toten zurückzugreifen oder eine Art Kaskade, einen stufenweisen Rückgriff auf die Vergangenheit zu inszenieren, der von den Eltern zu den Großeltern und möglicherweise zu den Urgroßeltern führt.

„Lena Odenthal bekommt es mit vielen skurrilen Gestalten zu tun: habgierige Hinterbliebene, politisch Verwirrte und natürlich die eigene Verwandtschaft. Gute Voraussetzungen für einen schönen Tatort. (…) Trotzdem vermisse ich etwas Entscheidendes: Auch in einem Tatort, der so lange läuft, könnte es moderner zugehen. Mehr Kreativität in der Geschichte, viel mehr Überraschendes, ein bisschen mehr Auffallen, ein Loslösen von der immergleichen Erzählstruktur. Das alles würde auch dem Ludwigshafener Tatort gut tun, denn „tut keinem weh“ ist zwar schön, aber für den Sonntagabend inzwischen etwas zu wenig.“[4]

Immer sehr spannend, wenn der SWR-Tatortcheck Produktionen des eigenen Hauses bewertet, aber hier kann man schon sagen, die Kritik wirkt relativ neutral, am Ende gibt es eine mittlere Elchzahl, 3 von 5.

„“Lenas Tante“ schafft einen schwierigen erzählerischen Spagat (…): Über 90 Minuten wird mit leichter Hand eine anrührende Geschichte erzählt. Biografische Erzählbögen lange eingeführter Figuren werden mit denen neuer Figuren stimmig verbunden. Und dann werden da auch noch Familiengeschichten durchaus geschickt mit deutscher Geschichte verknüpft. Die meisten – weniger gut geschriebenen – Drehbücher würden über die knappe Schauzeit von 90 Minuten wohl schon mit der Hälfte des hier genannten Inhaltspaketes scheitern.

Viel Glück möchte man auch der (eventuell) aufkeimenden Romanze zwischen der gertenschlanken Ermittlerin Stern und dem pummeligen Nerd-Arzt wünschen. Johannes Dullien spielt den männlichen Part dieses irgendwie besonderen „Love Interests“ mit einer wurschtigen Authentizität, die man sich bei in Film und Fernsehen dargestellten Liebesgeschichten viel öfter wünschen würde. Alles in allem ist „Lenas Tante“ einer der besten Odenthal Fälle seit längerer Zeit. Ein Krimi-Volltreffer, der vor allem mit der Menschlichkeit und Nahbarkeit der neuen Lebensballaden aus Ludwigshafen zu tun hat.“[5]

Die Kritik von Prisma  klingt, auf unser Bewertungsschema übertragen, mindestens nach 8/10 und von dieser Seite gibt es keine negativen Anmerkungen zum Plot und seiner Konstruktion.

„„Lenas Tante”, der 77. „Tatort” mit Ulrike Folkerts (SWR), könnte sich anfangs auch zur Komödie entwickeln, denn die Titelfigur, eine pensionierte Staatsanwältin, entpuppt sich als ebenso resolut wie übergriffig. Tatsächlich ist die Handlung des Krimis eine ganze Weile lang nicht weiter ungewöhnlich: Nach dem makabren doppelten Ableben eines Altenheimbewohners scheinen die Ludwigshafener Kommissarinnen einem Pflegebetrug der Heimleiterin auf die Schliche zu kommen; doch dann entwickelt sich Stefan Dähnerts Geschichte in eine völlig andere Richtung, deren Wurzeln achtzig Jahre zurückliegen. Die Inszenierung (Tom Lass) setzt zwar keine nennenswerten Akzente, aber das Ensemble ist sehenswert, was vor allem für die alten Herrschaften rund um Ursula Werner gilt.“[6]

Da Tittelbach-TV dem Format Tatort generell sehr zugewandt ist, kann man diese Zusammenfassung auch so lesen: In Abwesenheit inhaltlich-inszenierungsseitiger Highlights ist es angezeigt, das gute Ensemble hervorzuheben. Dass Rüdiger Vogler mittlerweile einen Heimbewohner spielt, hat bei mir aber schon Melancholie hervorgerufen, obwohl ich den Film noch gar nicht gesehen habe. Die Zeit verrinnt so schnell, auch für jemanden, der wichtige Rollen im damals Neuen Deutschen Film gespielt hat, eines der prägenden Gesichter dieser Ära vor der Kamera war.

„Altenpflege à la McDonald’s. Meine Tante, die Nazijägerin: Kommissarin Odenthal erhält Besuch von einer alten Dame – und im kostenoptimierten Altenheim sterben die letzten hochbetagten NS-Verbrecher. Ein riskant gebauter »Tatort«. (…) Dass solche Geschichtsaufarbeitungen auch in Pflegeheimen spielen müssen, liegt in der Natur der Sache. Dort leben nun mal die letzten hochbetagten Täter. Und möglicherweise leben sie dort – das ist die grausame Ironie – neben den ebenso hochbetagten letzten Opfern.“[7]

Was wir oben geschrieben haben: Bald wird nur noch eine abgeleitete Variante dieser Handlungen möglich sein. Und dass Rüdiger Vogler nicht einen Heimbewohner spielt, der einst ein Täter war, versteht sich von selbst. Christian Buß vergibt für den Film 7/10. Vorteil für Zuschauer:innen meines Alters, wenn dieser Aufgalopp noch einmal stattfindet: Man fühlt sich noch vergleichsweise jung und nicht ganz so von den Nazi-Verbrechen belastet, welche die Vor-Vor-Generation begangen hat.

Der Titel ist wohl eine Reminiszenz an die Komödie(n) „Charleys Tante“ und auf „Der Besuch der alten Dame“ wird innerlich rekurriert.

TH

Besetzung und Stab

Hauptkommissarin Lena Odenthal – Ulrike Folkerts
Kommissarin Johanna Stern – Lisa Bitter
Kriminaltechniker Peter Becker – Peter Espeloer
Sekretärin Edith Keller – Annalena Schmidt
Rechtsmediziner Dr. Hakan Özcan – Kailas Mahadevan
Dr. Nikola Odenthal, Staatsanwältin a. D. – Ursula Werner
Dr. Hanno Roters, Hausarzt im Seniorenheim – Johannes Dullin
Herr Kahane, Heimbewohner – Rüdiger Vogler
Herr Wolter, Heimbewohner – Dieter Schaad
Heimleiterin Busse – Cristin König
Simona Ferizaj, Pflegerin – Maja Zeco
Markus Gruner, Enkel des Toten – Niklas Kohrt
Jean Jacques Weishaupt, Leiter der KZ-Gedenkstätte – Tobias Lenel
u. v. a.

Drehbuch – Stefan Dähnert
Regie – Tom Lass
Kamera – Michael Merkel
Musik – Manouk Roussyalian

 

[1], kursiv, tabellarisch, wenn ohne Quellenangabe beim Zitat:  Tatort: Lenas Tante – Wikipedia

[2] ARD

[3] Tatort Folge 1223: Lenas Tante – Tatort Fans (tatort-fans.de)

[4] Tatort-Kritik: „Lenas Tante“ aus Ludwigshafen mit Lena Odenthal – SWR3

[5] „Tatort: Lenas Tante“: Kritik zum neuen Fall aus Ludwigshafen (prisma.de)

[6]  Tatort – Lenas Tante – Kritik zum Film – Tittelbach.tv

[7] »Tatort« aus Ludwigshafen: »Lenas Tante« mit Kommissarin Niki Odenthal – DER SPIEGEL

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