Waterworld (USA 1995) #Filmfest 899

Filmfest 899 Cinema

Waterworld ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Film des Endzeitgenres, der 1995 gedreht wurde. Die Hauptrolle spielt Kevin Costner, der den Film auch mitproduzierte. Der Film war mit einem Budget von 175 Millionen US-Dollar der bis dahin teuerste der Geschichte. Diese Kosten konnten nicht an der Kinokasse eingespielt werden; erst die Verwertung für das Heimkino brachte ein leichtes Plus. Neben der 130 Minuten langen Kinofassung existiert eine 176 Minuten lange erweiterte Version, die bisher nicht ins Deutsche synchronisiert wurde.

Nach diesem Film galt Kevin Costner, der Shooting Star der frühen 1990er, als „Kassengift“ – kann man das nachvollziehen? Anhand nur eines Flops? Wir schreiben etwas mehr darüber in der –> Rezension.

Handlung (1)

Die Handlung spielt in einer dystopischen Zukunft, in der durch eine nicht näher bezeichnete ökologische Katastrophe die Polkappen der Erde geschmolzen und die Kontinente fast vollständig im Wasser versunken sind. Die wenigen Überlebenden leben als Händler auf Booten oder auf schwimmenden Atollen. Zu den kostbarsten Gütern sind Süßwasser und Erde geworden, da sie nur sehr schwer gewonnen werden können. Die Smokers, eine Piratenbande, deren Unterschlupf ein alter Öltanker ist, bedrohen die ansonsten friedlich-lethargische Welt. Ihr Name rührt daher, dass sie außer über Öl auch über relativ große Zigarettenvorräte verfügen und ständig rauchen. Ihr Anführer ist Deacon. Es gibt eine Hoffnung, die alle gemeinsam haben: Der Mythos von „Dryland“ (Trockenland), einem nicht überfluteten Festland.

In dieser Welt durchfährt der Mariner das Meer mit einem Trimaran und treibt Handel, mit dem er seinen Lebensunterhalt bestreitet. Er ist jedoch kein gewöhnlicher Mensch, sondern ein Mutant: Er besitzt Kiemen und Schwimmhäute und kann somit unter Wasser atmen und schneller schwimmen. Während eines Atollbesuchs wird er von den Bewohnern als Mutant erkannt und gefangengenommen. Er soll aus rassistischen Motiven im Schlamm einer Nahrungsrecyclinganlage ertränkt werden, als die Smokers das Atoll angreifen. Während des Gefechts kann der Mariner zusammen mit Helen und dem kleinen Mädchen Enola auf seinem Trimaran fliehen. Auf dem Rücken Enolas befindet sich eine Tätowierung, die angeblich die Position von Dryland verrät, wenn man sie lesen kann. Da diese Tätowierung der Grund für den Angriff der Smokers auf das Atoll war, werden die drei auf den Weiten des Ozeans verfolgt.

Zunächst lehnt der Mariner Helen und Enola ab, wirft Enola auch einmal ins Wasser, wobei die Nichtschwimmerin fast ertrinkt, oder will Helen einem anderen Händler als Tauschobjekt überlassen. Nach und nach freundet er sich jedoch auf der Reise insbesondere mit Enola immer weiter an. Schließlich gelingt es den Smokers, Enola gefangenzunehmen und den Trimaran des Mariners zu zerstören. Der halbverrückte Erfinder Gregor, ein Freund von Helen, findet jedoch den Trimaran, auf dessen Überresten der Mariner und Helen im Meer treiben, und rettet beide mit einem selbstgebauten Luftschiff. Der Mariner bricht zu Enolas Befreiung auf. Auf dem Öltanker der Smokers gelingt es ihm, das Öl in den Tanks zu entzünden und in dem daraus entstehenden Chaos Enola zu befreien, wobei das Schiff explodiert und versinkt. Der Mariner kann nun auch die Karte auf Enolas Rücken entziffern, da er die Position der auf ihr zwar eingezeichneten, aber für alle anderen unauffindbaren überfluteten Städte kennt. So erreicht er zusammen mit Enola, Helen und Gregor in dessen Luftschiff Dryland. Dort finden sie Enolas tote Eltern. Der Mariner bleibt jedoch nicht dort, da er sich nur auf dem Meer wohlfühlt.

In der letzten Einstellung sieht man Enola und Helen, die unter etwas Erde ein Schild am Boden entdecken, welches dokumentiert, dass sie auf der Spitze des höchsten Berges der Welt, des Mount Everest, stehen.

Rezension

Dieser Wasser-Endzeit-Western hat also die für damalige Verhältnisse sehr große Summe von 175 Millionen Dollar gekostet und dann seine Kosten nicht eingespielt. Und da Costner nicht nur Hauptdarsteller, sondern auch Produzent war, haftete ihm nach diesem Film der Geruch eines Mehrfach-Versagens an. Hätte man alles etwas kleiner aufgezogen, wäre wohl auch dieser Eindruck nicht so überragend gewesen. Aber besonders beliebte Schauspieler wie Burt Lancaster, Kirk Douglas, Gregory Peck sind Ende der 1950er bereits unabhängige Produzenten oft ein hohes Risiko eingegangen und wenn einer ihrer Filme floppte, für den sie ihr Geld, ihre Schauspielkunst und ihren Starruhm zur Verfügung stellten, kam auch meist die unabhängige Produktion sofort in Gefahr, während sich die großen Studios einige Flops leisten konnten, bevor sie in Schieflage gerieten – was es allerdings auch gab, das Schicksal des einst mächtigsten Hollywood-Unternehmens MGM ist dafür ein Beispiel.

Die Amerikaner sind normalerweise jemandem nicht ewig böse, der eine Schlappe hinnehmen musste, der Neidfaktor ist nicht so ausgeprägt wie bei uns. Aber ein Projekt wie „Waterworld“ kündet aufgrund seiner Dimensionen natürlich auch von einer gewissen Hybris – und kann nur in einem günstigen Fall gelingen.

Was ist ein Wasser-Endzeit-Western?

Die Erde steht fast komplett unter Wasser, wegen der abgeschmolzenen Polkappen, und die Zustände auf dem Wasser ähneln mit ihrer Gesetzlosigkeit denen des Wilden Westens, die Typen, die auftreten, sind demnach ähnlich. Schrecklich gemeine Bösewichte, eine brutalisierte Stadtgemeinschaft (das künstliche Atoll mit seinen Bewohnern) und ein heldenhafter Außenseiter, der irgendwie anders ist als alle anderen, hier festgemacht an der Mutation des Mariners hin zu einem Wesen mit Kiemen und Schwimmhäuten. Er wird zwar auch nicht durchgängig als sympathisch dargestellt, weil er die Frau und das Kind, die er mitnimmt, überwiegend als lästig empfindet, aber das sollte wohl die sehr einfache Handlung und annährende Liebesgeschichte von einer allzu großen Kitschigkeit befreien. Nach meiner Ansicht hat sie das Gegenteil bewirkt, es gibt keine wirkliche Identifikationsfigur, die in solchermaßen unrealistischen Filmen als Kompass für den Zuschauer üblich und auch wünschenswert ist. Es handelt sich ja um eine Parabel und um einen Film mit Engagement.

Was meiner Meinung nach der zweite Fehler ist, zumindest in der Art, wie es vorgetragen wird, und zudem Logikmängel zuhauf offenbart.

Die  Handlung ist also trotz eines versierten Skript-Doktors, den man eingesetzt hat, um sie zu verbessern, nicht sehr schlüssig?

Schon die Prämisse und die Ausgangssituation sind fraglich. Selbst, wenn die Polkappen komplett abschmelzen, und damit hat sich zumindest der Nordpol seit dem Film, der vor über 25 Jahren entstand, schon ziemlich beeilt, wird die Erde nicht so weit unter Wasser stehen, dass nur noch ein einziger Mensch am Ende weiß, wo trockenes Land zu finden ist. Und dass es dann auch noch unbewohnt ist, steigert die Unglaubwürdigkeit, zudem liegt offenbar das versunkene New York ziemlich dicht am gerade noch aus dem Wasser ragenden Mount Everest. Vor allem wäre oder ist der Anstieg des Meeresspiegels ja ein schleichender Prozess, der zwar dazu führen würde, dass die Menschen sich auf weniger Landmasse zusammendrängen würden, aber gewiss gäbe es nicht nur diese immerhin denkbaren Wasserstädte, sondern auch noch genug Landmasse, und eher wahrscheinlich wäre es, dass um diese hart gekämpft würde und die Menschheit sich dann nicht einfach durch den Anstieg des Meeresspiegels, sondern aufgrund dieser Kämpfe dezimieren würde. Die witzige Anmerkung, wo die Smoker so viele Zigaretten her haben, wo doch offenbar nicht einmal Erde für eine einzige Tabakpflanze vorhanden scheint, ist dabei ein kleines Goodie, das aber darauf hinweist, dass der Film ziemlich vogelwild ist und in gewisser Weise extrem teuren Trash darstellt.

Außerdem ist er deutlich den „Mad Max“-Filmen I  und II nachempfunden, auch wenn der Mariner keine Biografie hat und nicht einst als Ordnungshüter unterwegs war.

Ist der Mariner von Kevin Costner schauspielerisch gut dargestellt?

Ich mochte Costner in „JFK“ oder auch in „Dancing with Wolves“ und ich finde, er macht sich in sanfteren, romantischen Filmen gut, aber als Mischung aus Sylvester Stallone, Mel Gibson und anderen Darstellern mit Actionpotenzial finde ich ihn falsch besetzt. Körperlich ist alles, was man sehen kann, okay, mich hat auch sein sichtbarer Haarausfall nicht gestört, aber diese auch mimisch darzustellende Härte für einen solchen Part fehlt ihm nach meiner Ansicht. Und er muss uns ja als Mariner durch einen doch recht langen Film tragen, der auch in der gekürzten Kinofassung noch weit über zwei Stunden Spielzeit hat. Ursprünglich war er sogar drei Stunden lang und der Regisseur, der sich weigerte, ihn zu kürzen, wurde gefeuert. Vermutlich war das richtig, denn schon die vorhandene und heute noch überwiegend gezeigte Version ist eigentlich zu lang, wirkt redundant und die Szenen mit den Smokers sind einander zu ähnlich. Dieses Problem haben viele Actionfilme, aber die fantasievolle Gestaltung der Dekors, Kostüme, Settings kann hier eine fantasievolle Handlung nicht ersetzen.

Ist der Film nicht auch eine „Heldenreise“, ein klassisches Grundmuster der dramaturgischen Gestaltung?

Vom Ablauf her – ja und nein. Übers Meer zu fahren, um das Goldene Vlies zu finden oder Dryland, das ähnelt sich in der Tat grundsätzlich sehr, auch die Konfliktstellungen sind ähnlich, aber es mangelt eben an der oben angesprochenen fantasievollen Abwechslung auf dieser Reise, die klassische Sagen so anziehend macht – inklusive ihrer surrealen Elemente, auf die man in „Waterworld“ entweder hätte ganz verzichten oder sie weiter ausbauen müssen, damit sie einen großen Eindruck hinterlassen hätten.

Vom Eindruck zu den Emotionen?

Dass der Film Schwächen hat, merkte ich daran, dass ich nur ein einziges Mal berührt von ihm war, nämlich, als der Mariner dann Enola doch das Schwimmen beigebracht hat, nachdem er sie zunächst ins Wasser geworfen hatte und nicht wusste, dass sie nicht schwimmen kann. Was für eine Bewohnerin eines künstlichen Atolls recht seltsam klingt, aber damit sind wir schon wieder bei den Fragwürdigkeiten. Die erwähnte Situation war für mich wohl aber auch deswegen emotionaler als der übrige Film, weil ich persönliche Anknüpfungspunkte sozusagen als Entschuldigung reklamieren kann. Ansonsten haben mich die Charaktere nicht so richtig reingezogen, und es ist doch immerhin ein Kind dabei, und jeder weiß, warum Kinder in Filmen eingesetzt werden. Man traut sich fast gar nicht zu schreiben, dass ein Kind nicht maximale Beschützerinstinkte oder was auch immer ausgelöst hat, weil man sonst leicht als generell unempathisch gilt. Ich kann aber sagen, allgemein und auch im Moment kann ich mich durchaus mitreißen lassen, das habe ich am letzten Samstagabend wieder bei einem Theaterbesuch feststellen können.

Der Film verfehlt also das Ziel, auch für die Umweltthematik zu sensibilisieren?

Schauen Sie sich die USA im gegenwärtigen Zustand an. Nein, das ist natürlich zu kurz gesprungen, aber als Ökothriller oder Endzeitdrama ist mir „Waterworld“ zu sehr auf Effekt, Optik, zu wenig auf Einfühlung und Ernstnahme des Themas hin erzählt. Und auch das ist zu kurz gesprungen.

Finale

Wir haben diesen Satz anlässlich der Veröffentlichung des Texte im Jahr 2023 beigefügt. Ich glaube, dass 1995 zu allem ein schlechter Zeitpunkt für einen solchen Film war. Um diese Zeit herum erreichte der Romantizismus der ersten Jahre der blockfreien Ära seinen Höhepunkt und Weltuntergangsszenarien waren, anders als in den 1980ern und als nach 9/11 und bis heute, eher nicht erwünscht, auch wenn es ein Mini-Happy-End gibt. Der Klimawandel als nächste Herausforderung nach dem sogenannten Ende der Geschichte war  ein sehr unerwünschtes Thema.

as heißt, jemand war mit einer Idee unterwegs, die er unbedingt und mit viel Stilwillen umsetzen wollte, aber das Timing für die Verwirklichung war schlecht. Deswegen haben wir auch die ursprüngliche Bewertung von 60/100 leicht angehoben, damit der Film bei unserem Eintrag in jene Rankings, die halbe Punkte erlauben, noch auf 6,5/10 kommt.

63/100

© 2023 Der Wahlberliner, Alexander Platz (Entwurf 2017)

Regie Kevin Reynolds
Drehbuch Peter Rader
David Twohy
Produktion Kevin Costner
John Davis
Charles Gordon
Lawrence Gordon
Musik James Newton Howard
Kamera Dean Semler
Schnitt Peter Boyle
Besetzung

 

 

 

 

 

 


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