Hackl – Tatort 1228 #Crimetime Vorschau Das Erste, 12.03.2023, 20:15 Uhr #Tatort #München #Batic #Leitmayr #BR #Hackl

Crimetime Vorschau – Titelfoto © BR

Das bayerische Tatort-Kommissarduo Ivo Batic und Franz Leitmayr ist 1991 gestartet und hat seitdem 91 Fälle gelöst inklusive des Krimis namens „Hackl“, der heute Premiere feiert.

Mich hat der Titel unweigerlich an den Hackl Schorsch erinnert, den vielfachen Rodel-Olympiasieger und Weltmeister Georg Hackl aus Berchtesgaden. So, wie Hackl als Botschafter des Bayerischen Sports ausgezeichnet wurde, sind Batic und Leitmayr alias Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl Botschafter der bayerischen Kriminalistik. Selbstverständlich hat der aktuelle München-Tatort nichts mit Georg Hackl, dem Sportler zu tun. Vielmehr tritt ein Fußballspieler darin auf. Es ist Joshua Kimmich vom FC Bayern München. Dass seine Spieler schauspielerisches Talent entwickeln, passt ja auch irgendwie zum „FC Hollywood“, obwohl dieser Spitzname schon etwas älteren Datums ist. In den letzten Jahren taucht aber zunehmend die Frage auf, ob der Name wieder aktuell ist, auch wegen einiger Schlagzeilen, für die unter anderem Kimmich abseits des Spielfelds gesorgt hat. Was sagen dazu wohl die alteingesessenen Grantler? Außerdem kommt Kimmich bei einer aktuellen Umfrage von Sport.de auf den zweiten Platz der beliebtesten Spieler des Vereins – allerdings weit hinter dem alle(s) überragenden Thomas Müller.

FC Bayern als FC Hollywood? Kahn spricht Klartext – Erneute Stichelei gegen Schiedsrichter (sport.de)

„Aus gutem Grund ist Bayern stolz auf seine Grantler“, schreibt Drehbuchautorin Dagmar Gabler in einem Statement zum neuen Münchner Tatort „Hackl“, in dem ein ganz besonderes Exemplar dieser Spezies im Mittelpunkt steht: Johannes Bonifaz Hackl (Burghart Klaußner), ein polizeibekannter Störenfried, der auch Hauptkommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) persönlich vor langer Zeit bereits heftig zugesetzt hat, wird verdächtigt, den jungen Adam Moser ermordet zu haben. Als Leitmayr und Hauptkommissar Ivo Batic (Miroslav Nemec) Hackl vernehmen wollen, gelingt dem widerspenstigen alten Mann die Flucht und es beginnt eine wilde Verfolgungsjagd. Gleichzeitig treten extreme soziale Konflikte zwischen den Bewohnern des Münchner Hochhausviertels Hasenbergl zutage, die die Ermittler vor große Herausforderungen stellen.

Tatort Folge 1228: Hackl – Tatort Fans (tatort-fans.de)

Wir wollten die Geschichte vom FC Hollywood auch nicht so sehr auswalzen, denn dies ist kein Fußball-Tatort (von denen es bereits mehrere gab, meines Wissens aber keinen, der in Bayern spielt). Und damit zu den Meinungen zum Film:

Dieser Tatort ist eine wunderbar gestaltete Hommage an den Charaktertyp des mürrischen Grantlers, wie es ihn in Reinform wahrscheinlich nur in Bayern gibt – in all seinen Facetten erstklassig verkörpert vom großen Burghart Klaußner. Daneben ist „Hackl“ natürlich auch ein solider Kriminalfilm: Die Flucht der Hauptfigur wird in starken Bildern inszeniert, die bis zum Schluss für Spannung und Nervenkitzel sorgen. Insgesamt ein moderner Großstadtkrimi, der neben dem Fokus auf die Titelfigur ein grelles Licht auf die Schattenseiten der Metropole wirft.

Tatort Folge 1228: Hackl – Tatort Fans (tatort-fans.de)

Die Schattenseiten der Großstadt München? Eine davon hat kürzlich Schlagzeilen gemacht: Dass die Mieten dort,  auf ohnehin hohem Niveau befindlich, rasant ansteigen. Den Mieter:innen geht es in diesen Zeiten viel schlechter als dem FC Bayern, sie kommen, weil die Zeiten immer wieder ungewöhnlich sind und es immer wieder neue Umstände gibt, welche die Wohnungsknappheit (in Berlin: Wohnungsnot) verschärfen, nie hinter den Ball. Von sozialen Konflikten im Hochhausviertel ist in Handlungsbeschreibungen die Rede, aber welche Konflikte sind es? Vielleicht bringen weitere Kritiker:innenstimmen Licht ins Halbdunkel.

Der Münchener Tatort Hackl ist oft mehr Drama als Krimi. Es geht um Wut, Einsamkeit und Missgunst in der trüben Hochhaussiedlung und das bewusste Spiel mit Vorurteilen. In den 90 Minuten passieren immer wieder völlig unerwartete Dinge zum Beispiel als Hackl die Kommissare zur Begrüßung mit Fisch-Gedärmen bewirft oder als Fußballer Joshua Kimmich als Fitnesstrainer auftaucht. Das macht den Tatort spannend bis zum Schluss. 4 von 5 Elchen.

Tatort-Kritik: „Hackl“ mit Kimmich, Batic und Leitmayr – SWR3

Das bewusste Spiel mit den Vorurteilen muss auf deren Durchbrechung hinauslaufen, sonst ist der gesellschaftspolitische Wert eines solchen Spiels eher gering und welche Tatortstadt, die auf sich hält, möchte sich nachsagen lassen, dass sie etwas Geringwertiges produziert oder die Möglichkeit, mit den Tatorten Bevölkerungsaufklärung zu betreiben, geringschätzt? Die Münchener Tatorte sind diesbezüglich schon mit Melchior Veigl in den 1970ern eher progessiv gestartet und haben soziale Missstände, auch in Wohnmilieus, ziemlich aufs Korn genommen (etwa in „Tote brauchen keine Wohnung“), der in der einen oder anderen Hinsicht an Aktualität eher zugelegt als verloren hat.

Hackl benimmt sich wie ein renitentes Arschloch. Aber das ist ja kein Straftatbestand (wenn auch schwer zu ertragen). Und so ist die Causa Hackl der eigentliche „Fall“ in diesem Krimi. Weil man sich fragen könnte, warum ein Mensch zu so einem vereinsamten Grantler wird. Ob er Hilfe bräuchte und Beistand? Psychologische Hilfe? Oder doch eine Zwangseinweisung? Oder nur einen Freund?

München-„Tatort“: Arschloch sein ist nicht strafbar – taz.de

Beim SWR-Check gibt es für drängenden Fragen vier von fünf Elchen. So viel zur Psychologie des Hackl. Ja, warum entwickeln sich manche Menschen so? Vielleicht, weil es immer schon in ihnen angelegt war, so zu sein (für jene, die der Macht der Gene skeptisch gegenüberstehen: ihnen anerzogen wurde), aber ihnen die Meinung einer Umwelt, die ohnehin nicht ihr Freund ist, im Alter zunehmend egal wird. Lästern und Granteln kann auch etwas Befreiendes haben und wenn man in Rente ist, ist man von niemandem mehr direkt abhängig. Bis man vielleicht zum Pflegefall wird, dann empfiehlt es sich wieder, mit dem Granteln nicht zu übertreiben, es ist dann aber schon so in Fleisch und Blut übergegangen, dass man es schwer wieder abstellen kann. So weit ist der Herr Hackl im Film aber noch nicht, er kann zum Beispiel aus dem Polizeipräsidium abhauen und die Herren Kommissare, die ja auch nicht mehr die Jüngsten sind, hübsch auf Trab halten.

Den Spaß der anderen kann er nicht gut aushalten. Johannes B. Hackl ist ein polizeibekannter Querulant. Sein Furor ist berüchtigt. Neben dem Wut- spielt auch der Neidfaktor eine zentrale Rolle in dem BR-„Tatort – Hackl“ (Tellux Film). Dass es jemandem im berüchtigten Münchner Hochhausviertel Hasenbergl besser geht als anderen, das kann einen schon mal ausrasten lassen. Und so liegt eines Nachts ein Motorradfahrer tot auf dem Asphalt. Der 92. „Tatort“ mit Batic/Leitmayr nimmt sich gleich mehrerer gesellschaftlicher Themen an, die Autorin Dagmar Gabler allein über die Geschichten angenehm beiläufig ins Spiel bringt. Was macht es mit den Menschen, die auf so engem Raum zusammenleben und die ständig den „Nebengeräuschen“ der Großstadt ausgeliefert sind? „Hackl“ erzählt von begehrlichen und missgünstigen Blicken, vom Haben und Nichthaben, von der Einsamkeit, in der sich nicht nur der Alte mit den Jüngeren, den offenbar Zufriedeneren, neidisch vergleicht. Ein Wutbürger aus tiefster Seele im Zentrum: Das lenkt diesen am Alltag der Charaktere und weniger am Whodunit und anderen Genremustern orientierten Krimi in Richtung Drama. Der Preuße Burghart Klaußner überrascht als Urbayer mit Sepplhut. Weniger überrascht es, dass er den brüllenden, fluchenden und beißenden Zeitgenossen absolut glaubwürdig verkörpert.

http://www.tittelbach.tv/programm/reihe/artikel-6277.html

Mir sind eher die Hauptgeräusche der Großstadt lästig und es gibt Mitbewohner:innen, die sich dabei höhere Grantel-Meriten verdienen als andere. Darüber könnte man auch mal einen Krimi machen, denn dass Menschen ausrasten, weil ihnen andere einfach nur auf den Wecker gehen mit ihrer übermäßigen Präsenz, könnte ganz ohne sonstige soziale Aspekt ein Problem in den Mittelpunkt rücken, das grandios unterbewertet ist: Den Lärm in der Großstadt im Allgemeinen, nicht nur in der Silvesternacht. Allerdings wäre ein satirischer, mindestens ironischer Duktus für einen solchen Film nicht die schlechteste Wahl. Die Bewertung von Tittelbach-TV geht auf 4,5/6, das ist in etwa Durchschnitt im Rahmen des dort angewendeten Schemas.

Man mag kaum glauben, wer sich am Ende dieses bedrückenden, aber durchaus unterhaltsamen Krimis als Täter entpuppt. Letztlich nimmt der Film leider für nahezu alle Beteiligten ein tragisches Ende – mit Ausnahme von Kalli (Ferdinand Hofer), der im Laufe der Ermittlungen auf den Fitnesstrainer Kenny (Bayern-Star Joshua Kimmich) trifft und eine neue Leidenschaft für sich entdeckt: Sport!

„Tatort: Hackl“: TV-Kritik zum Münchner Krimi mit Joshua Kimmich (prisma.de)

Dass man nicht als Sportler auf die Welt kommt, selbst dann nicht, wenn man später Fußballer wird und im Tatort einem Jungkommissar Tipps geben darf, ist evident, und dass man den Sport sogar wiederentdecken kann, ohne dass es schadet, sehe ich als erwiesene Tatsache an. Es wird aber auch von einem unerwarteten Mörder gemunkelt. Die Frage ist nun, ob der Grantler als Mörder erwartbar gewesen ist oder nicht. Mein spontaner Gedanke dabei: Hunde die bellen, beißen nicht. Meine nächste Assoziation: Wie so viele Sprichwörter hält auch dieses dem Realitätscheck nicht immer stand. Eigentlich gar nicht, denn ein Sprichwort, das nur manchmal und ziemlich zufällig zutrifft, sollte es nicht zum Sprichwort gebracht haben.

TH

Handlung

Der junge Adam Moser verunglückt nachts tödlich mit seinem Motorrad. Doch der Todesfall wirft Fragen auf und führt schließlich die Kommissare Ivo Batic und Franz Leitmayr ins Münchner Hasenbergl. Hier lebte der Tote mit seiner Freundin in einem kleinen Bungalow inmitten der anonymen Hochhäuser des Viertels. Im Nachbarhaus wohnt der alte Hackl, ein stadtbekannter Störenfried, dessen Wutpotenzial nicht nur bei der Münchner Polizei berüchtigt ist: Hatte er auch etwas gegen Adam? Genug, dass er sterben musste? Der alte Grantler macht es der Obrigkeit wie immer schwer und entzieht sich gewaltvoll dem Vollzug. Die Stimmung zwischen Franz und Ivo ist auf dem Tiefpunkt, während eine großangelegte Suchaktion nach Hackl startet. Hinter den kalten, hohen Fassaden scheint sich mehr zu verbergen: eine Welt voller Frust, Enge und Neid.

Besetzung und Stab

Hauptkommissar Ivo Batic – Miroslav Nemec
Hauptkommissar Franz Leitmayr – Udo Wachtveitl
Kommissar Karl-Heinz „Kalli“ Hammermann – Ferdinand Hofer
Gerichtsmediziner Dr. Steinbrecher – Robert Joseph Bartl
Johannes Bonifaz Hackl – Burghart Klaußner
Sandra Mittermeier, Hackls Nachbarin – Carolin Conrad
Jonas Mittermeier, ihr Sohn – Lorenzo Germeno
Ulli Weber, Sandras Freundin – Hanna Scheibe
Adam Moser, Mordopfer – Tolga Türk
Samira Moser, Adams Mutter – Berivan Kaya
Alex Moser, Adams Bruder – Aaron Reitberger
Julia Rosenheimer, Adams Freundin – Irina Kurbanova
Elli, Kellnerin in der Kleingartenkneipe – Pia Amofa-Antwi
Haftrichterin Luitpold – Ulrike Willenbacher
Fitnesstrainer Kenny – Joshua Kimmich
u. v. a.

Drehbuch – Dagmar Gabler
Regie – Katharina Bischof
Bildgestaltung – Robert von Münchhofen
Musik – Jessica de Rooji

 

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