Tour de France III: Ausfallquoten, Bergetappen (Statista + Infos + Kommentar) | Briefing 0575 Update 2 | Sport, Tour de France, Doping

Briefing 575-UD 2 Sport, Tour de France 2024, Beginn am 30.06.2024, Länder, Sieger, Doping, Systemkritik, Meiste Toursiege nach Ländern und Fahrern, Ausfallquoten, Bergetappen

Dies ist unser dritter Artikel zur Tour de France, hier geht’s zu den beiden anderen:

Sie kennen das sicher. Überall, wo Ausdauer gefragt ist, kommt es zu Ausfällen. An der Schule, während des Studiums – und im Sport. Menschen geben unterwegs auf. Aus verschiedenen Gründen. Bei der Tour de France spielt natürlich die allgemeine körperliche Belastung die größte Rolle, die Fitness. Aber auch falsche Strategien oder Unfälle können zum Ausstieg führen (Fachsprache: Attritionsquote).

Daraus hat Statista eine (weitere) Tour-de-France-Grafik gemacht: 

Wie  hoch ist der Schwund bei der Tour de France?

Diese Statista-Grafik wurde unter einer Lizenz CC BY-ND 4.0 Deed | Namensnennung-Keine Bearbeitung 4.0 International | Creative Commons erstellt und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder. Folgend der Statista-Begleittext dazu, dann weiter mit unserem Kommentar.

Von den 176 Fahrern die bei der letzten Tour de France (TDF) an den Start gingen hielten 150 bis zum großen Tour-Finale auf dem Champs-Élysées durch – das entspricht einem Finisher-Anteil von 85 Pozent. Wie viel Schwund bei der Frankreichrundfahrt normal ist, zeigt die Statista-Grafik auf Basis aller TDF-Ausgaben seit dem Jahr 2000. Damals erreichten von 177 Startern nur 127 das Ziel in Paris – das entspricht einem Anteil von 72 Prozent. Die wenigsten Ausfälle gab es bei der TDF 2016 (174 Ankommer = 88 Prozent). Im Mittel schaffen es 81 Prozent der Radrennfahrer bis in die französische Hauptstadt.

Angesichts der Daten in den Säulen haben wir uns gefragt, ob das Jahr 2000 mit seiner höchsten Ausfallquote der letzten 25 Jahre ein Ausreißer war. Oder deutet die Tatsache, dass  das Jahr in den 2000ern mit der höchsten Ausfallquote auch dasjenige ist, das in diesem Zeitraum am weitesten zurückliegt, darauf hin, dass früher die Ausfallquoten eventuell viel höher sind als heutzutage? Also haben wir das 20. Jahrhundert, die Jahre von 1903 bis 1999 (eigentlich gehört auch 2000 noch dazu), betrachtet. 1903 wurde die erste Tour gefahren. Besonders auffällig ist, dass noch 1998 eine wesentlich höhere Ausfallquote verzeichnet wurde als jemals in den 2000ern.

Die Ausfallquote (auch als Schwund oder Attrition Rate bezeichnet) bei der Tour de France hat sich im Laufe des 20. Jahrhunderts stark verändert.

Hier sind nun einige ausgewählte Jahre seit 1903 mit ihren jeweiligen Ausfallquoten:

  1. 1903: In den ersten Jahren der Tour waren die Ausfallquoten extrem hoch. Genaue Zahlen für 1903 sind nicht angegeben, aber es wird erwähnt, dass in den ersten zwei Jahrzehnten der Tour häufig über 80% der Starter ausfielen[1].
  2. 1926: Dieses Jahr markierte die längste Tour de France mit einer Strecke von 5745 km. Obwohl keine genaue Zahl genannt wird, kann man aufgrund der extremen Länge von einer sehr hohen Ausfallquote ausgehen[1].
  3. 1998: In diesem Jahr gab es 113 Ausfälle bei 189 Startern, was einer Ausfallquote von etwa 59,8% entspricht[2].
  4. 1996: 69 von 198 Startern fielen aus, was einer Quote von etwa 34,8% entspricht[2].
  5. 1987: 72 von 207 Fahrern schieden aus, was einer Ausfallquote von etwa 34,8% entspricht[2].
  6. 1970er-1980er Jahre: Obwohl keine spezifischen Zahlen für diese Dekaden genannt werden, lässt sich aus dem allgemeinen Trend schließen, dass die Ausfallquoten in dieser Zeit immer noch relativ hoch waren, aber allmählich abnahmen[1].

Es ist wichtig zu beachten, dass die Ausfallquoten im Laufe der Zeit generell gesunken sind. In den ersten Jahrzehnten der Tour waren Ausfallquoten von über 80% keine Seltenheit, während in den letzten 20 Jahren des 20. Jahrhunderts die Quoten deutlich niedriger waren[1].

Die Gründe für Ausfälle sind vielfältig und umfassen nicht nur erschöpfungsbedingte Aufgaben, sondern auch Verletzungen durch Stürze, Krankheiten und in jüngerer Zeit sogar COVID-19-bedingte Ausfälle. Zudem haben sich die Renndistanzen im Laufe der Zeit verkürzt, was ebenfalls zu einer Verringerung der Ausfallquoten beigetragen hat[1].

Quellen:
[1] https://harvardsportsanalysis.org/2023/07/has-the-tour-de-france-gotten-easier-over-time/
[2] https://www.procyclingstats.com/race/tour-de-france/results/dropouts-per-edition

Entweder wurde die Tour wirklich immer leichter, oder das Doping wurde immer besser, sodass es nicht mehr so häufig dazu führt, dass die Männer, die in die Pedale treten, gerade dadurch, dass sie ihre Leistung ein wenig pushen wollen, umkippen. Nun ja, gelästert haben wir schon im ersten Artikel häufig. Es ist auch unfair, wenn man bedenkt, dass es in anderen Sportarten dieses Phänomen auch gibt und sich dieser Ausdauersport eben besonders eignet. Eines darf man nämlich nicht außer Acht lassen.

Die Radfahrer von heute sind tatsächlich viel professioneller unterwegs als vor vielen Jahren und sie verfügen über ungleich besseres Material. Auch mit heutigen High-Tech-Rennrädern müssen der Mont Ventoux, der Col du Tourmalet oder der Alpe d’Huez erst einmal erklommen werden. Für den französischen Nationalfeiertrag, den 14. Juli, haben sich die Tourmacher im Jahr 2024 auch etwas Besonderes ausgedacht, haben wir festgestellt, als wir nach den anstrengendsten Etappen der Tour 2024 gefragt haben:

  1. Etappe 15: Loudenvielle > Plateau de Beille, 197.7 km 

Diese Etappe weist mehrere Merkmale auf, die sie besonders herausfordernd machen:

  1. Sie findet in den Pyrenäen statt, einem der schwierigsten Bergmassive der Tour.
  2. Mit 197.7 km ist es eine der längsten Gebirgsetappen.
  3. Sie endet mit einer Bergankunft auf dem Plateau de Beille, was zusätzliche Schwierigkeit bedeutet.
  4. Die Etappe findet am 14. Juli statt, dem französischen Nationalfeiertag, an dem traditionell besonders anspruchsvolle Etappen geplant werden.
  5. In der Beschreibung wird erwähnt, dass an diesem Tag „Fünf Bergwertungen quer durch die Pyrenäen“ anstehen, was auf ein extrem bergiges Profil hindeutet .

Obwohl ohne detaillierte Höhenprofile keine definitive Aussage getroffen werden kann, deutet alles darauf hin, dass diese Etappe zu den anstrengendsten der Tour 2024 gehören wird. Andere anspruchsvolle Etappen könnten die 14. Etappe (ebenfalls in den Pyrenäen mit Bergankunft in Saint-Lary-Soulan Pla d’Adet) und einige der Alpenetappen sein.

Die Bergetappen sind die Königsetappen der Tour de France und jeder großen Radrundfahrt, deswegen haben wir auch sie ein wenig näher betrachtet:

Kletteretappen, auch Bergetappen genannt, spielen eine entscheidende Rolle für die Gesamtwertung der Tour de France:

  1. Zeitgewinne: In den Bergen können Fahrer große Zeitabstände zu ihren Konkurrenten herausfahren. Diese Zeitgewinne sind oft ausschlaggebend für die Gesamtwertung.
  2. Selektiv: Bergetappen sind sehr selektiv und zeigen die wahren Stärken und Schwächen der Fahrer. Hier trennt sich oft die Spreu vom Weizen.
  3. Bergwertung: Neben der Gesamtwertung gibt es auch eine separate Bergwertung (Gepunktetes Trikot), die auf diesen Etappen entschieden wird.
  4. Taktische Bedeutung: Teams planen ihre Strategien oft um die Bergetappen herum, da hier die größten Veränderungen im Gesamtklassement zu erwarten sind.
  5. Spektakulär: Bergetappen sind oft die spektakulärsten und am meisten beachteten Etappen, die das Rennen maßgeblich prägen.
  6. Physische Herausforderung: Sie stellen die größte physische Herausforderung dar und können das Rennen für viele Fahrer entscheiden oder beenden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Kletteretappen oft den Schlüssel zum Gesamtsieg bei der Tour de France darstellen und maßgeblich den Verlauf und das Ergebnis des Rennens beeinflussen. Aus der Bergetappen-Analyse haben wir noch einmal etwas für die Zahl der gewonnenen Etappen insgesamt destilliert:

  1. Eddy Merckx hat mit insgesamt 64 Etappensiegen bei den Grand Tours (Tour de France, Giro d’Italia und Vuelta a España) die meisten Siege erzielt. Es ist wahrscheinlich, dass ein signifikanter Teil davon Bergankünfte waren, da Merckx als herausragender Allrounder bekannt war.
  2. Bernard Hinault und Jacques Anquetil, beide fünfmalige Tour de France-Sieger, haben ebenfalls viele Etappensiege errungen (Hinault 28, Anquetil 16) und waren bekannt für ihre Stärke in den Bergen.
  3. Unter den aktiven Fahrern hat Tadej Pogačar 13 Etappensiege bei der Tour de France erzielt. Als starker Kletterer ist es wahrscheinlich, dass einige davon Bergankünfte waren.
  4. Mark Cavendish hat mit 35 Siegen die meisten Etappensiege bei der Tour de France, aber als Sprinter sind diese wahrscheinlich nicht bei Bergankünften erzielt worden.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Daten nicht zwischen verschiedenen Arten von Etappensiegen (Flachetappen, Zeitfahren, Bergankünfte) unterscheiden. Um eine präzise Antwort zu geben, wären spezifische Statistiken zu Siegen bei Bergankünften erforderlich, die in den gegebenen Informationen nicht enthalten sind.

Quellen
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Sieger_der_gro%C3%9Fen_Landesrundfahrten_im_Radsport
[2] https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_riders_with_stage_wins_at_all_three_cycling_Grand_Tours
[3] https://en.wikipedia.org/wiki/Tour_de_France_records_and_statistics

Damit schließen wir die heutige Informationsrunde zur Tour de France und werden noch mindestens einen weiteren Beitrag veröffentlichen, der sich auch mit dem Radfahren allgemein befasst. Vielleicht ergibt sich daraus die Möglichkeit, dieses Feld noch etwas auszuweiten.


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