Briefing Economy Wirtschaft, US-Zölle, Tariffs, Donald Trump, Handelszölle, Wirtschaftspolitik, Joe Biden, IRA, Subventionen, Wettbewerbsfähigkeit, Handelsbilanzdefizit, Grundzoll, Sonderzoll, Warengruppen, Friedrich Merz, EU-USA-Zollabkommen 2025
Die Diskussion um die US-Zölle auf Handelsware aus der EU hatte kürzlich wieder Fahrt aufgenommen, weil Donald Trump die Umsetzung des Abkommens vom letzten Sommer mit der EU für nicht gegeben hält und weil Friedrich Merz ihn gerade mit Aussagen zum Irankrieg geärgert hat. Nun droht Trump mit 25 anstatt 15 Prozent. Wie sieht gegenwärtig die Realität aus? Dazu eine Statista-Grafik:
Infografik: Wie entwickeln sich die US-Handelszölle? | Statista

Da wir ein Mehrwert-Medium sind, haben Sie das Recht, mehr zu erfahren, als im Statista-Begleittext steht. Wir haben uns dabei auf die Recherche zu den aktuellen und geplanten Zöllen der Trump-Administration gegenüber der EU konzentriert.
Statista-Begleittext
Der effektive Zollsatz auf US-Importe liegt aktuell bei 13,5 Prozent und damit deutlich unter den früheren Erwartungen. Zwischenzeitlich waren die Zölle zwar auf über 20 Prozent gestiegen, doch dieses Niveau erwies sich als nicht dauerhaft. Stattdessen hat sich der Zollsatz zuletzt auf einem niedrigeren Plateau stabilisiert. Die Statista-Infografik auf Basis des World Economic Outlooks des Internationalen Währungsfonds (IWF) vom April 2026 macht damit eine klare Korrektur gegenüber den ursprünglichen Annahmen sichtbar.
Im Vergleich zum World Economic Outlook vom Oktober 2025 fällt der aktuelle Wert um 5,3 Prozentpunkte geringer aus. Damals war ein Niveau von 18,7 Prozent unterstellt worden. Diese Abweichung zeigt, dass die tatsächliche Handelspolitik weniger restriktiv umgesetzt wurde als zunächst angekündigt. Gleichzeitig bleiben viele Maßnahmen temporär und politisch umkämpft.
Der IWF ordnet diese Entwicklung in ein insgesamt fragiles globales Umfeld ein. Handelskonflikte, geopolitische Spannungen und eine Neuordnung der Lieferketten prägen die Weltwirtschaft weiterhin. Eine geringere Zollbelastung könnte kurzfristig stabilisierend wirken, langfristig jedoch durch strukturelle Risiken überlagert werden.
Kommentar
Hat Trump wieder mehr Getöse gemacht als Wirkung erzielt? Die obige Grafik ist ein Anhaltspunkt, aber zeigt einen globalen Durchschnittszollsatz, der immerhin mehr als 10 Prozent höher liegt als vor Trumps Amtsantritt. Damals hatten die USA Zölleso gut wie abgeschafft. Das heißt nicht, dass keine protektionistischen Maßnahmen gab, aber die Biden-Regierung setzte auf Subventionen und Wirtschaftssteuerung, etwa durch den IRA (Inflation Reduction Act), der in Wirklichkeit eine groß angelegte Geldspritze für bestimmte Bereich der US-Wirtschaft war, um sie wettbewerbsfähiger zu machen. Eine derartige Politik reduziert die Inflation in der Regel nicht, sondern treibt sie eher an, aber der Name des Gesetzes ist ja auch Camouflage, es geht in ihm nicht um das, was der Name suggeriert. Das ist bei Donald Trump anders. Ein Zoll ist ein Zoll und eine Drohung – aber wie wirksam ist diese Drohung? Wir haben das für die EU recherchiert, um das aktuell Geltende aus dem globalen Kontext herauszulösen.
Aktuelle US‑Zölle auf EU‑Waren nach Warengruppen
Zentrale Säule ist der reziproke Pauschalzoll auf alle Waren mit EU‑Ursprung:
- Allgemeiner EU‑Zusatzzoll: 15 Prozent auf alle Warenlieferungen mit Ursprung in der EU, seit 7.8.2025.
- Für einige (eng definierte) Warengruppen gilt statt des Zusatzzolls weiterhin nur der MFN‑Zoll; die Ausnahmen sind über Zolltarifnummern (HTS‑Codes) gelistet.
Zusätzlich dazu gibt es sektorale Zusatzzölle, die in der Praxis die Trump‑Politik „Zölle als Verhandlungswaffe“ materialisieren:[3]
| Warengruppe (aus EU) | Zusatzzollsatz USA | Bemerkung |
| Autos | 15 % (EU‑Autos) | Grundsatz 25 % Zusatzzoll, aber für EU‑Autos seit 1.8.2025 auf 15 % begrenzt |
| Autoteile und -zubehör | 15 % (EU‑Teile) | Ebenfalls Deckelung auf 15 % für EU |
| Stahlerzeugnisse & Derivate | 50 % seit 4.6.2025 (zuvor 25 %) | Zusatzzoll auf betroffene Stahlpositionen |
| Aluminiumerzeugnisse & Derivate | 50 % seit 4.6.2025 | Für russisches Aluminium 200 % Zoll insgesamt |
| Kupfer & Kupfererzeugnisse | 50 % seit 1.8.2025 | Gilt für definierte Zolltarifnummern |
| Weichholz & Holzprodukte | 10 % bzw. 25 % seit 14.10.2025 | Zusatzzölle bis max. 15 % bei gleichzeitiger Anwendung des EU‑Pauschalzolls |
| Mittelschwere LKW | 25 % seit 1.11.2025 | Teile: 15 % |
| Busse | 10 % seit 1.11.2025 | |
| Bestimmte Halbleiter | 25 % seit 15.1.2026 | Auswahl definierter HTS‑Codes |
Für EU‑Waren gilt damit typischerweise:
- „Normale“ Industrie- und Konsumgüter: MFN‑Zoll (oft niedrig bis null) plus 15 % Reziprok‑Zoll.[5]
- Sensible Industrien (Stahl, Aluminium, Kupfer, bestimmte Fahrzeuge, Holz, Halbleiter): MFN‑Zoll plus sehr hohe sektorale Strafzölle (bis 50 %) und zusätzlich der 15‑Prozent‑Zuschlag auf den nicht‑Metallanteil.
Damit kommen in einzelnen Wertschöpfungsketten kumulierte Zollsätze deutlich oberhalb von 25 Prozent zustande, ohne dass formell ein einheitlicher „25‑Prozent‑EU‑Zoll“ eingeführt wäre.[4]
Durchschnittlicher US‑Zollsatz: global vs. EU
Die Statista‑Grafik auf Basis des IWF zeigt den durchschnittlichen effektiven Zollsatz auf alle US‑Importe (über alle Herkunftsländer, nicht nur EU):
- Im Mai 2025 lag dieser effektive Satz zeitweise bei rund 23,5 Prozent; die Schätzungen des WEO Oktober 2025 gingen von ca. 18,7 Prozent aus.[2]
- Laut aktualisiertem WEO (April 2026) hat sich der effektive Satz auf ein deutlich niedrigeres Plateau von etwa 13,5 Prozent stabilisiert.[2]
Zum Vergleich der langfristigen Niveaus:
- Vor Trumps erster Amtszeit lagen die durchschnittlichen US‑Zölle auf Importe im Bereich von etwa 1,5–2,5 Prozent (stark fallend seit 1947; IWF und WTO‑Zeitreihen).[4][2]
- Studien, die EU‑ und US‑Zollniveaus vergleichen, kommen für die „klassische“ Prä‑Trump‑Phase auf gewichtete Durchschnittszölle der USA von etwa 2,4 Prozent (alle Handelspartner) gegenüber etwa 3,0 Prozent in der EU; ungewichtet liegen die USA bei ca. 3,5 Prozent, die EU bei 5,2 Prozent.[1]
Was speziell die EU betrifft:
- Es gibt keine breit zitierte IWF- oder WTO‑Kennzahl „durchschnittlicher US‑Zollsatz nur gegenüber der EU“, weil der IWF‑Index explizit alle Importpartner bündelt.[2][4]
- Angesichts des 15‑Prozent‑Pauschalzolls auf alle EU‑Waren plus der hohen sektoralen Aufschläge kann man aber plausibel davon ausgehen, dass der durchschnittliche Zollsatz auf EU‑Importe heute deutlich über dem globalen US‑Durchschnitt von 13,5 Prozent liegt, zumal die besonders betroffenen Warengruppen (Autos, Maschinen, Metalle, Chemie) im transatlantischen Handel überdurchschnittlich gewichtig sind.[4]
Vor Trumps erster Präsidentschaft waren US‑Zölle gegenüber der EU im Rahmen der WTO‑MFN‑Regeln und bilateraler Abkommen ebenfalls niedrig:
- Viele Industriegüter aus der EU konnten zollfrei in die USA exportiert werden; typische MFN‑Zölle für Industrieprodukte lagen im Bereich null bis wenige Prozentpunkte, während Agrarprodukte teils deutlich höher belastet waren.[6][1]
- Fiskalisch lagen die effektiven Zolleinnahmen der USA aus dem Handel mit der EU damit auf einem niedrigen einstelligen Promillen‑ bis niedrigen Prozentbereich des Importwerts, also weit unter dem heutigen Niveau, das durch die Trump‑Zusatzzölle geprägt ist.[1][4]
Einordnung im Sinne Ihres Kommentars
Im Lichte Ihrer Frage „mehr Getöse als Wirkung?“ lässt sich der aktuelle Stand so zuspitzen:
- Symbolik vs. Realität: Trump operiert sichtbar mit hohen, politisch laut inszenierten Zollsätzen, die in bestimmten Branchen (Metalle, Fahrzeuge, Elektronik) sehr schmerzhaft sind und die EU gezielt treffen.[7]
- Makroebene: Gleichzeitig zeigen die IWF‑Daten, dass der gesamtwirtschaftliche durchschnittliche US‑Zollsatz wieder deutlich unter den Spitzenwerten von über 20 Prozent liegt und mit 13,5 Prozent klar unter den ursprünglich befürchteten Niveaus bleibt.[2]
- Vorher/Nachher: Das ist aber immer noch ein Sprung um mehr als das Fünffache gegenüber dem „quasi liberalisierten“ Zustand vor Trumps erster Amtszeit, in dem Zölle zwar formal existierten, aber im Schnitt kaum ins Gewicht fielen und die USA stärker über Subventionsprogramme und Regulierung (etwa IRA) wirtschaftspolitisch steuerten als über klassische Grenzzölle.[1][2]
Wenn Sie in Ihrem Kommentar das „Getöse“ Trumps dem tatsächlichen Instrumentenmix gegenüberstellen wollen, können Sie sauber trennen:
- Biden/IRA‑Phase: niedrige Zölle, hohe Subventionen und industriepolitische Steuerung.[1]
- Trump‑Phase: deutlich höhere Zölle, insbesondere als Druckmittel gegenüber spezifischen Partnern wie der EU, aber am Ende ein globaler Durchschnitt, der hinter den maximal angekündigten Eskalationsstufen zurückbleibt.[3][4][2]
Grafik und Begleittext: Statista, Einleitung, Kommentarteil: TH. Recherche durch KI.
- https://www.iwh-halle.de/publikationen/detail/aktuelle-trends-zollpolitik-der-eu-und-der-usa-im-vergleich
- https://de.statista.com/infografik/35706/durchschnittlicher-effektiver-zollsatz-auf-gueter-die-die-usa-importieren/
- https://www.ihk.de/duesseldorf/aussenwirtschaft/auslandsmaerkte/usa/pruefschema-usa-6567314
- https://www.kielinstitut.de/de/themen/kiel-trade-and-tariffs-monitor/
- https://www.zolltarifnummer.com/leitfaden/zoll-usa
- https://www.butz.de/usa-eu-zollgebuehren-einfuhrabgaben/
- https://www.deutschlandfunk.de/trump-zoelle-folgen-eu-deutschland-mexiko-kanada-china-100.html
- https://germany.representation.ec.europa.eu/news/zoll-und-handelseinigung-von-eu-und-usa-ubersicht-daten-und-fakten-2025-07-29_de
- https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/faq-eu-us-zolleinigung-2340924
- https://germany.representation.ec.europa.eu/news/zolle-usaeu-fragen-antworten-katalog-veroffentlicht-2025-02-18_de
- https://www.theeuropean.de/wirtschaft/die-liste-der-zoelle-wie-viel-prozent-erhebt-trump-auf-welches-land
- https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1557974/umfrage/erhobene-importzoelle-auf-ausgewaehlte-produkte-in-den-usa-und-der-eu/
- https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/eu-und-usa-schliessen-zolldeal-der-groesste-deal-das-bedeutet-die-einigung-im-zollstreit-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-250727-930-846071
- https://www.ihk.de/pfalz/international/laender-und-geschaeftsanbahnung/aktuelle-laendermeldungen/amerika/handelsstreit-usa-china-liste-strafzoelle-4508070
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