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Nachdem wir gerade erklärt haben, dass mehr Bildung zu längeren, nicht zu kürzeren Lebensarbeitszeiten führt, schauen wir uns heute an, wie es mit der Weiterbildung in den EU-Staaten aussieht, dazu hat Statista wieder eine Grafik erstellt:
Infografik: Ist Weiterbildung in Deutschland weit verbreitet? | Statista

Begleittext von Statista
Weiterbildungen werden von Erwerbstätigen in Deutschland in relativ geringem Umfang in Anspruch genommen. Das zeigt eine Erhebung des Statistischen Amts der Europäischen Union (Eurostat). Demnach haben nur 9,4 Prozent der 25 bis 64 Jährigen Befragten in den vorangegangen vier Wochen an einer Veranstaltung zur Weiterbildung teilgenommen. Hierbei wurden sowohl berufs- und nicht berufsbezogene sowie formale und nicht-formale Lernaktivitäten abgefragt. Damit liegt Deutschland unter dem EU-Schnitt von 13,5 Prozent.
In Dänemark, Schweden und Finnland ist Weiterbildung dagegen deutlich weiterverbreitet, weil dort sowohl institutionelle Rahmenbedingungen als auch kulturelle Einstellungen stärker auf lebenslanges Lernen ausgerichtet sind als in Deutschland. Arbeitsmarkt-Experten betonen, dass Wissen und Qualifikationen immer schneller veralten – daher seien kontinuierliche Weiterbildung und Umschulung notwendig, um Beschäftigungsfähigkeit und Produktivität zu erhalten.
Zudem sollten ältere Erwerbstätige darauf achten, beim Thema Künstliche Intelligenz nicht abgehängt zu werden. So zeigt eine EU-weite Eurostat-Umfrage, dass Jüngere Tools mit Künstlicher Intelligenz häufiger nutzen als Ältere. Demnach nutzen 63,8 Prozent der 16- bis 24-Jährigen in der Europäischen Union generative KI-Tools. Dieser Anteil ist fast doppelt so hoch wie der Anteil der Gesamtbevölkerung, der diese Tools nutzte (32,7 Prozent der 16- bis 74-Jährigen).
Kurzkommentar
Haben Sie auch das Gefühl, dass Deutschland irgendwie hintendran ist, egal, auf welchem Gebiet man nachschaut? Und dass das so mit dem Wiedererstarken der deutschen Wirtschaft nichts werden kann, egal, was die Bundesregierung noch alles macht, um bei den ohnehin Armen einzusparen und es den Reichen zu geben?
Vielleicht gibt es aber auch eine Erklärung, die aus der Art der Erhebung hervorgeht, die das ganze relativieren könnte. Natürlich ist in manchen Ländern das „LLL“ stärker ausgeprägt, aber es gibt auch welche, in denen es, anders als in Deutschland, keine institutionalisierte Berufsausbildung gibt, die schon einmal eine gute Basis legt oder legen sollte.
Es könnte also sein, dass der Begriff Weiterbildung auch unterschiedlich aufgefasst wird, weil die Ausbildungskultur unterschiedlich ist: Zum Beispiel wäre denkbar, dass in Deutschland weniger, aber dafür längere und blockartige Weiterbildungen häufiger vorkommen als ein kleines Seminar, das man noch neben der Arbeit macht. Wir können uns schlechterdings nicht vorstellen, dass in einem Land 30 oder 40 Prozent der Menschen innerhalb der letzten vier Wochen vor der Befragung an einer Weiterbildung teilgenommen haben, die einen Ausstieg aus der täglichen Arbeit voraussetzt, mit der man sich also ganz auf das Lernen konzentriert.
Deswegen muss man vorsichtig sein mit der Vergleichbarkeit dieser Daten: Was wird als Weiterbildung definiert? Da in vielen Ländern die Menschen on the job lernen, wird die Kultur dahin gehen, das immer weiterzuführen, während es in Deutschland üblicher ist, zum Beispiel durch die Aufteilung einer Ausbildung in Berufsschul- und Arbeitszeiten im Betrieb, eher Arbeit und Lernen jeweils vollzeitig zu denken.
Außerdem stellt sich die Frage, ob es bei der Befragung eine Rolle spielt oder nicht, ob es sich auch um zusätzliche Weiterbildungen handeln kann, die jemand noch neben seiner Arbeitszeit für sich selbst und unabhängig vom Arbeitgeber organisiert, oder ob es sich um eine Maßnahme handelt, die während der Arbeitszeit vom Arbeitgeber angeboten oder außerhalb der Firma von ihm gebucht wird?
Wie immer, wenn Daten auf Befragungen basieren, gleich ob von Eurostat oder von Statista selbst (Consumer Insights), muss man genau hinschauen, ob wirklich Vergleichbares verglichen wird. In dem Fall wären wir vorsichtig damit, die geringe Weiterbildungsquote, die sehr spezifisch bezüglich des Zeitraums, aber vielleicht sehr unspezifisch bezüglich ihrer Dauer und Qualität abgefragt wurde, als eindeutigen Beleg dafür zu nehmen, dass die Menschen und die Arbeitgeber in Deutschland weiterbildungsunwillig sind. Vielleicht kann man von einer Tendenz sprechen, die besagt, dass in Deutschland das permanente, fast täglich neben der Arbeit herlaufende Lernen weniger ausgeprägt ist als in anderen westeuropäischen Ländern.
Aber so, dass man quasi jeden Tag zwei Lernstunden und sechs Arbeitsstunden hat, verstehen wir den Begriff lebenslanges Lernen auch nicht zwangsläufig. Es gibt verschiedene Modelle und Taktungen, die qualitativ ähnliche Ergebnisse erbringen können.
TH
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