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Heute keine Hitze-Reportage, kein Klimawandel. Aber hat das, was wir für Sie ausgesucht haben, damit gar nichts zu tun, angesichts der Tatsache, dass die Superreichen mit ihrem immer exzessiveren Lebensstil den Klimawandel wesentlich befördern? Deutschland wird die Klimaziele 2030 verfehlen (Statista + Kommentar) – DER WAHLBERLINER Betrachtet man die Welt, so ist sie verflochten, und heute lernen wir wieder etwas über Ungleichheit, wie sie sich auch in unterschiedlichen Betrachtungen reicher und armer Länder ausdrückt: Infografik: Welche Länder sind wirklich die reichsten? | Statista Im Ranking der Länder nach durchschnittlichem Vermögen pro Kopf stehen als reich bekannte Nationen an der Spitze. In der Schweiz besitzt jeder Eidgenosse knapp 800.000 Euro, in den USA sind es gut 600.000 Euro pro US-Amerikaner und in Luxemburg, Hongkong und Australien besitzt jeder Erwachsene im Schnitt zwischen 540.000 und 575.000 Euro. Schaut man allerdings aufs mittlere Pro-Kopf-Vermögen so liegen – zumindest teilweise – andere Länder vorn. Auch Medianvermögen genannt zeigt das mittlere Vermögen den Reichtum einer fiktiven Person, die ihr Land mit der gleichen Anzahl reicherer und ärmerer Menschen teilt. Hier belegen Belgien mit einem mittleren Pro-Kopf-Vermögen von 243.000 Euro, Neuseeland mit 181.000 Euro und Dänemark mit 178.000 Euro ebenfalls Plätze in der weltweiten Top 5.
Das mittlere Pro-Kopf-Vermögen vermittelt ein ausgewogeneres Bild des Reichtums eines Landes, da es berücksichtigt, wie das Vermögen innerhalb der Gesellschaft verteilt ist. Es steigt, je gleichmäßiger die Verteilung ist. Beneluxländer und skandinavische Länder sind für eine vergleichsweise egalitäre Vermögensverteilung bekannt, was sich auch in den Daten des heute erschienenen UBS Global Wealth Reports 2026 widerspiegelt: Belgien belegt beim Medianvermögen pro Kopf den zweiten Platz, Dänemark den fünften, Norwegen den neunten und die Niederlande den zwölften.
Die USA sind zwar das zweitreichste Land der Welt (gemessen am durchschnittlichen Pro-Kopf-Vermögen), belegen jedoch beim Medianvermögen nur den 28. Platz. In Belgien verhält es sich genau umgekehrt: Das Land liegt beim Durchschnittsvermögen auf Rang 11, beim Medianvermögen jedoch auf Rang 2 – ein Beleg für eine egalitärere Vermögensverteilung. Australien taucht in beiden Top 5 auf, ein Anzeichen für ein relativ gleichmäßig, aber auch konstant hohes Vermögen der Bevölkerung.
In den USA ist das durchschnittliche Vermögen derweil zehnmal so hoch wie das Medianvermögen – ebenfalls ein Negativrekord. Zum Vergleich: In der Schweiz und Deutschland ist dieser Wert gut sechsmal, in Sweden fünfmal und in Frankreich nur knapp dreimal so hoch. Zu den Ländern mit der geringsten relativen Differenz zwischen Durchschnitts- und Medianvermögen zählen jene, die auch beim Pro-Kopf-Medianvermögen an der Spitze stehen, besonders Luxemburg, Belgien und Neuseeland.
Kommentar
Was nützt es dem Durchschnittsamerikaner, der sich für jede Arztrechnung verschulden muss, wenn es in seinem Land Billionäre gibt, die sich selbst und den Abschied von der Demokratie feiern? Letzteres wird er vielleicht sogar mittragen, weil er zu dem Schluss gekommen ist, dass dieses System für ihn nicht mehr viel bietet. Und genau so ist es gewollt – deswegen sind die USA auch der weltweit gefährlichste Mix aus absurdem Reichtum und zerstörten Träumen, aus oligarchischen Allmachtsfantasien und großen Enttäuschungen über das Scheitern echter, ökonomischer Freiheit für alle. Das Modell USA ist für die meisten gescheitert, und in Deutschland sieht es, wie immer mit Zeitverzögerung, ähnlich aus (es ist auf der Grafik gar nicht erwähnt, was wohl auch bedeutet, dass sie von der englischen Statista-Seite direkt übersetzt worden ist).
Wir hatten Glück, denn in dem Summary, das Statista verlinkt hat, ist Deutschland gerade noch drin, weil es zu den Top 30 gehört. Es steht auf Platz 14 beim Durchschnittsvermögen und in der Tat nur auf dem 30. Platz beim Medianvermögen, mit einer deutlichen Schere wiederum zwischen West und Ost, um dies nebenbei zu erwähnen. Die Superreichen in Deutschland sind nicht ganz so extrem reich wie in den USA, aber der Wohlstand der Allgemeinheit ist noch etwas geringer.
Die rechten Medien tun gerne so, als sei Deutschland ein reiches Land. Das ist es definitiv nicht (mehr). Es liegt unter den hochkapitalistischen Staaten beim Durchschnittsvermögen nur im Mittelfeld und beim Medianvermögen zurück hinter Ländern wie Slowenien und Portugal. Das muss man sich angesichts der Erzählung vom Wirtschafts-Powerland Deutschland, die immer noch gepflegt wird, erst einmal vergegenwärtigen. Aber: Die USA haben diese Power wirklich, und doch sind die meisten Menschen nicht reich. Die deutsche Regierung hingegen arbeitet feste daran, viele noch ärmer zu machen, damit ein paar Reiche ungestört noch reicher werden können. Leute wie Merz haben ihr klassistisches Handwerk in den USA gelernt oder waren für US-Unternehmen tätig, deren Kunden Reiche und Superreiche sind. Wer das vergisst und diese Politiker wählt, muss sich nicht wundern, wenn er immer mehr gestrippt wird. Das Gleiche würde übrigens für die AfD gelten, wenn sie regieren würde: Sie wird gezielt von Mega-Reichen wie Elon Musk promotet, der von Gleichheit und Wohlstand für alle oder wenigstens für die „Fleißigen“ überhaupt nichts hält. In einem Land wie Deutschland, in dem direkte Großspenden sichtbar gemacht werden müssen, ist diese Form der Promotion politisch oft wertvoller als Geld.
Einen Hautgout hat der Report natürlich auch. Er wird von der UBS erstellt, der führenden Schweizer Großbank, die nicht gerade daran interessiert sein dürfte, dass man aus ihren Ermittlungen den Schluss zieht, dass diesem absurden Reichtum endlich Einhalt geboten werden müsste – denn das würde ihre Kundschaft treffen. Und sie ist in einem Land angesiedelt, das einen Sonderfall darstellt. Dort sammeln sich erhebliche internationale Vermögen, was die statistische Verzerrung zwischen Durchschnitt und Median verstärkt. Prominente Beispiele für einen Lebensmittelpunkt in der Schweiz finden sich auch in der deutschen Politik – etwa AfD-Chefin Alice Weidel, die sich zugleich als deutsche Patriotin inszeniert. Die Schweiz war über Jahrzehnte ein Finanzplatz, der von strikter Diskretion und einem ausgeprägten Bankgeheimnis profitierte und deshalb bis heute im Ruf steht, auch Vermögen aus höchst zweifelhaften und gewaltgeprägten Kontexten angezogen zu haben.
Auch in Steuerskandale wie CumCum und CumEx waren dortige Akteure involviert. Es geht also auch um Sammeln von Geld in eigener Sache und Schädigung anderer Volkswirtschaften. Was haben durchschnittliche Schweizer Menschen davon? Hohe Preise vor allem, aber doch auch höhere Gehälter, die das im Vergleich mit Deutschland mehr als ausgleichen. Allerdings gibt es eine ganze Reihe von Territorien, die in dieser Hinsicht die Schweiz längst an Radikalität überholt haben, und es gibt in der EU Länder und in den EU-Ländern Sonderterritorien (nach dem Brexit ein paar weniger), in denen jede Form von Finanzmoral fehlt. Es ist schön, dass Luxemburg so egalitär wirkt, der importierte Geldsegen scheint vielen zugute zu kommen, was auch daran liegt, dass die meisten Menschen dort in der Finanzindustrie und verwandten Branchen tätig sind. Aber hier wird nicht nur Vermögen aus anderen Volkswirtschaften ausgelagert, sondern Luxemburg ist auch ein klassisches Transferland geworden für besonders undurchsichtige Konstruktionen. Ketten von Luxemburg über Liechtenstein zu den British Cayman Islands haben wir im Rahmen unserer Berichterstattung über den „Mietenwahnsinn“ vor einigen Jahren besprochen – was nicht überraschend war, weil die Immobilienmogule besonders geneigt sind, undurchschaubare Verflechtungen zu produzieren.
Damit ist ein weiteres Problem benannt: Was die UBS zeigt, kann nur „offizielles“ Vermögen sein, nicht das, was in Steuervermeidungsterritorien zusätzlich versteckt wird und nicht quantifiziert werden kann, weil es keiner Datenerfassung zugänglich ist. Würde man dieses Vermögen einbeziehen, wäre die sichtbare Ungleichheit in der Welt noch einmal größer.
TH
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