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Die Prognose des IWF oder IMF zum Wirtschaftswachstum Deutschlands im Jahr 2026 haben wir bereits im Rahmen der Voraussagen für andere Länder und die gesamte Weltwirtschaft erwähnt, jetzt sind die übrigen Institute dran – und auch die Bundesregierung gibt eine Prognose ab. Im Anschluss an die Infos kommentieren wir kurz.
Infografik: Wie entwickelt sich die deutsche Wirtschaft? | Statista
Begleittext von Statista
Die jüngsten Prognosen der Wirtschaftsinstitute und Institutionen zum Wachstum der deutschen Wirtschaft rechnen für das Jahr 2026 mehrheitlich nur mit einem geringen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gegenüber dem Vorjahr. Die Spanne der Prognosen reicht dabei von 0,5 Prozent Wachstum gegenüber 2025 bis hin zu 0,8 Prozent Wachstum. Die aktuellsten Prognosen liegen damit auch leicht über den Prognosen aus dem frühen Juni, dem Mai und April dieses Jahres.
Die Entwicklung deutet darauf hin, dass sich die deutsche Wirtschaft nur langsam aus der Schwächephase herausarbeitet. Strukturelle Herausforderungen wie schwache Investitionen oder geopolitische Unsicherheiten könnten die Dynamik weiterhin bremsen. Zugleich würde ein stabileres Umfeld die Grundlage für eine allmähliche Belebung der Konjunktur schaffen.
Zuletzt hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognose für Deutschland leicht nach unten korrigiert: Statt 0,8 Prozent Wachstum gegenüber Vorjahr geht der IWF nun von 0,7 Prozent Wachstum aus. Die Möglichkeit einer Eskalation des Konflikts im Nahen Osten stellt laut IWF ein erhebliches Risiko dar und könnte die Volatilität der Rohstoffpreise verlängern, Lieferketten weiter gefährden, die Preise erhöhen und die Finanzierungsbedingungen von Unternehmen in Deutschland und der Welt belasten.
Laut IfW Kiel wirken derzeit gegenläufige Kräfte auf die deutsche Wirtschaft. Während die Finanzpolitik für expansive Impulse sorge, würden die Folgen des Irankriegs die wirtschaftliche Dynamik bremsen. Davon abgesehen zeige die deutsche Wirtschaft zwar zaghafte Erholungssignale, strukturelle Hemmnisse stünden einer breit angelegten und kräftigen Belebung der wirtschaftlichen Aktivität jedoch entgegen.
Kommentar
Eine Wirtschaft kann schwächeln. Zum Beispiel, wenn weltweit schwere Krisen die gesamte ökonomische Tätigkeit stark beeinträchtigen. Sie kann auch mal Aussetzer haben. Aber die deutsche Wirtschaft performt spätestens seit Corona deutlich schlechter als alle anderen großen Ökonomien. Und das deutet auf etwas hin, was wir lange vorher beschrieben haben: Eine nachgebende strukturelle Exzellenz des Landes auf vielen Gebieten. Wir haben uns nicht blenden lassen von der schnellen Erholung nach der Bankenkrise, sondern darauf geschaut, wie sie zustande kam. Und wir haben aufmerksam registriert, sie sich die berühmte deutsche Exportwirtschaft schon seit Längerem auf leisen Sohlen ins Ausland begeben hat, bevor sie die billige Rechtfertigung politisch-geopolitisch verursachter Probleme ins Feld führen konnte, um zu verschleiern, dass sie schlicht dem Ruf der Märkte und der billigen Löhne folgt, die kein europäisches Land seinen Menschen zumuten sollte, auch nicht die osteuropäischen Staaten, die gegenwärtig von der Wechselstimmung deutscher Kernbranchen profitieren. Außerdem ist nichts für immer, der Tross zieht immer dorthin, wo er die Leute am besten ausbeuten kann.
Die gegenwärtige Regierung tut alles, damit es auch hierzulande vorangeht mit dem Abbau von Arbeitnehmerrechten und sie wird doch scheitern. Kein europäisches Land kann es mit dem China aufnehmen, ohne sich gleichzeitig vor dessen geradezu gewalttätiger Handelspolitik zu schützen.
Da die deutschen Regierungen aber schon lange trotz der Abwesenheit strategischer Wirtschaftspolitik noch Wählerstimmen bekommen, passieren Karrieren wie die von Jens Spahn, der rein gar keine Ideen für eine bessere Zukunftsidee hat, sondern den Begriff Ich-AG auf die Spitze getrieben hat. Solche Leute wird es immer geben, aber was ist mit der Mehrheit im Land? Die Armen werden dazu gebracht, gegen die Ärmsten zu hetzen, die Reichen freuen sich, die Innovation ist im Eimer. Das ist genau der toxische Mix, der dazu führt, dass die deutsche Wirtschaft sich überhaupt nicht mehr richtig erholt – und schon im vierten Jahr per Saldo nicht vorankommt. So etwas hat es während der gesamten deutschen Industriegeschichte noch nicht gegeben, selbst in den erratischen 1920ern nicht. Rezessionen hatten unterschiedliche Gründe, dauerten aber nie länger als zwei Jahre.
Aber wenn es kein Zukunftsnarrativ mehr gibt, versinkt alles im Mief und in Garstigkeit, und das sehen wir gerade daran, welche politischen Kräfte dominieren, obwohl jeder ihre Unfähigkeit erkennen müsste und obwohl jeder sich denken müsste, dass eine noch rechtere Politik zu noch mehr Verdruss führen wird. Vor allem bei denjenigen, die sich so leicht durch Spaltungsrhetorik ködern lassen.
Die Wirtschaftsdaten spiegeln Ratlosigkeit und noch etwas. Eine ganz gefährliche neue Komponente. Der berüchtigte Schwarze-Null-Finanzminister Schäuble schadete dem Land dadurch, dass er durch Kaputtsparen half, die Infrastruktur zu ruinieren. Die Wirtschaft wuchs derweil durch Nullzinsen, die gleichzeitig eine gute Gelegenheit gewesen wären, ein paar Euro in die Hand zu nehmen, um günstig Kredite für dringend benötigte Investitionen aufzunehmen. Das wurde ideologisch bedingt strikt versäumt.
Jetzt aber liegt der Verdacht nah, dass die viel zu erratische Kehrtwende zu Mega-Schulden, die dazu noch hauptsächlich in die Rüstung gesteckt werden, die das BIP und die Zukunftsfähigkeit des Landes nur mäßig verbessern wird, falls überhaupt, dieses geringe BIP-Wachstum ausgelöst hat. Irgendwo muss das Geld ja zu Wirtschaftsleistung führen. Würde man stattdessen einen sinnvollen Zukunftskurs organisieren, mit weniger Schulden, wenn auch nicht gar keinen, aber dafür gezielt in Zukunftscluster investiert, und zwar mit überzeugenden Größenordnungen, würde sich der Aufbläh-Effekt des Staatshaushalts stark reduzieren und würden die positiven Auswirkungen einer strategischen Politik erst in einigen Jahren zum vollen Erfolg führen. Das heißt, wir hätten ohne diese künstliche Animation des BIP-Zuwachses durch Rüstung vermutlich gar kein Wirtschaftswachstum für Deutschland zu erwarten.
Die Rüstung könnte ja auch ein dauerhaftes Treibmittel der deutschen Wirtschaft werden? Nach unserer Ansicht eher nicht. Dazu fehlt Deutschland die Technologieführerschaft in der zivilen IT-Technik, die unerlässlich ist, um im großen Stil mit Waffenexporten das zu ersetzen, was bei den Autos nicht mehr funktioniert. Denn die Hintergründe wären ähnlich, man wäre mehr und mehr abhängig von Zulieferern und damit erpressbar.
Eine Transformationswirtschaft hingegen liegt nicht im Interesse der jetzigen Regierung mit ihren unzähligen Lobbyverbindungen zu Altindustrien und dem passenden rückständigen Denken. Die Flucht nach vorn wäre das Mittel der Wahl, um Deutschland wirklich wieder flottzumachen, die panische oder gar absichtliche Ausweichbewegung nach hinten, wo andere alles besser können, von den billigen Löhnen bis zur technologischen Aufhol- und Überholstrategie bei wenig nachhaltigen Industrie- und Konsumprodukten, kann zu nichts führen, als dass man dem Verderben in die Arme läuft. Vorsprung durch zeitgemäße Technik wird bei uns so klein geschrieben, dass man mit der Lupe suchen muss, zumindest dort, wo der Staat ihn kuratieren muss, da der Markt es offensichtlich nicht alleine richtet. Der Markt, das sind nämlich Konsumenten, denen es überwiegend entweder a.) wurscht ist, ob sie sich durch Billigwaren aus dem Ausland ins eigene Fleisch schneiden oder die b.) von einer jahrzehntelangen antisozialen Politik so heruntergeritten wurden, dass sie ohne diese Billigheimerei gar nicht mehr das Gefühl hätten, am Konsumleben teilzunehmen. Der Qualitätsverlust, auch bei gar nicht so günstigen Angeboten, der dadurch eingetreten ist, ist signifikant.
Und das, wo der persönliche Konsumismus noch das einzige Ding darstellt, für das die Leute sich überhaupt begeistern können. Womit wir wieder beim üblichen Kreis wären. Es läuft hierzulande so, weil auch die Wähler:innen so sind, wie sie sind. Da steht vorne die Null. Bei den Wachstumszahlen wie bei der Mentalität.
TH
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