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Die Industrie in Deutschland baut Stellen ab. Zumindest in den meisten Branchen und denen, in denen es bisher die meisten Arbeitsplätze gab. Das hat wohl jeder schon gehört. Es gibt aber auch einige überraschende Erkenntnisse, die sich aus einer aktuellen Statista-Grafik ergeben:
Infografik: In welchen Industrien gibt es einen Stellenabbau? | Statista

Begleittext von Statista
Die Autoindustrie hat in Deutschland seit 2018 den deutlichsten Beschäftigungsrückgang verzeichnet. Zwischen 2018 und 2024 sank die Zahl der Beschäftigten um rund 61.000. Auch die Herstellung von Metallerzeugnissen verlor mit rund 54.000 Stellen erheblich, während der Maschinenbau ein Minus von rund 22.000 Stellen verzeichnet. Das zeigen Daten des Statistischen Bundesamtes.
Im Vergleich dazu entwickelten sich andere Industriezweige stabiler oder sogar positiv. In der Chemieindustrie stieg die Beschäftigung im selben Zeitraum um 11.012, in der Pharmaindustrie um 10.908 Beschäftigte. Während klassische Industriezweige damit unter Druck stehen, gewinnen wissensintensivere Branchen an Bedeutung. Besonders die Automobilindustrie fällt im Branchenvergleich durch den stärksten Rückgang auf.
Die Entwicklung spiegelt den strukturellen Wandel der Industrie wider. Transformationen wie Elektromobilität und Digitalisierung könnten den Personalbedarf verschieben. Gleichzeitig dürfte die wachsende Bedeutung von Forschung und spezialisierten Produkten die Nachfrage in Chemie und Pharma weiter stützen.
Mehrwert-Erkenntnisse
Für uns war vor allem überraschend, dass der Maschinenbau in Deutschland mehr Beschäftigte hat als die Automobilindustrie mit ihren Zulieferern. Die Maschinenbaubranche ist nicht spektakulär, verteilt sich auf viele mittelständische Betriebe, die teilweise in ihrem Bereich immer noch „hidden Champions“ sind, sie liefern in der Regel an die Industrie, nicht an Verbraucher und besitzen keine Marken, die jeder kennt. Aber auch hier geht die Zahl der Beschäftigten zurück. Was die meisten auch nicht wissen: Mindestens ein Drittel des deutschen Maschinenbaus ist bereits mit chinesischen Firmen liiert, ganz oder überwiegend in deren Besitz. Eines der vielen Probleme der Abwesenheit strategischer Wirtschaftspolitik ist der Rückgang der Unabhängigkeit der hiesigen Industrie. Was bei der Autoindustrie die steigende Abhängigkeit von ausländischer Technologie darstellt, ist im Maschinenbau die Kapitalverflechtung in einem Bereich, in dem China ebenfalls versucht, die Technologieführerschaft zu übernehmen und sich dabei großzügig bei deutschem Know-How bedienen kann. Langfristig wird das zum Rückgang hiesiger Arbeitsplätze führen, alles andere wäre höchst ungewöhnlich.
Es ist also nicht nur Corona, nicht nur die Energiekrise und kein billiges Gas mehr, nicht nur Trumps rüde Zollpolitik, sondern es überlagern sich viele Faktoren. Eine weitere Grafik werden wir morgen vorstellen. Sie zeigt, dass der Produktionsrückgang in vielen Branchen bereits 2018/2019 einsetzte, also bevor alle Sonderfaktoren ungünstig zusammentrafen. Die besonderen Ereignisse der letzten Jahre führen dazu, dass langfristige strukturelle Probleme der deutschen Wirtschaft in den Hintergrund treten, in den 2010ern durch den scheinbaren Aufschwung nicht vermindert, sondern verschärft haben – und zwar jenseits der Wahrnehmung der breiten Öffentlichkeit. Hierfür kann man sowohl die politischen Rahmenbedingungen in Form abwesender Industriepolitik wie das Management der Unternehmen verantwortlich machen. Die Krisen der letzten Jahre sorgen leider neben tatsächlichen zusätzlichen Problemen dafür, dass der Blick auf die tieferen Gründe für die deutsche Strukturschwäche verlorengeht. Das populistische Ausschlachten der aktuellen Lage ist wiederum das Gegenteil der Modellierung einer tragfähigen Zukunftsstrategie.
Vermutlich wird sich der Arbeitsplatzabbau in der Industrie 2026 sogar in verschärftem Maße fortsetzen, und angesichts der Nachrichten aus der Chemieindustrie ist es gut möglich, dass der Trend auch dort kippt und, wenn man von 2018 als Basis ausgeht, ein Minus zeigen wird.
TH
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