Briefing, Gesellschaft, Wirtschaft, Bildung, PISA-Ergebnisse, Naturwissenschaften, Mathematik, Lesekompetenz, Analyse, soziale Benachteiligung, Migrationshintergrund, Leseschwäche, Schreibschwäche, Privilegierte, Unterprivilegierte, OECD-Durchschnitt, China, Taiwan, Japan, Singapur, EU-Durchschnitt
Nach dem Wahldesaster in Sachsen-Anhalt nun das Bildungsdesaster in ganz Deutschland. Wird denn gar nichts mehr gut, sondern immer schlechter? Und gibt es Zusammenhänge? Zunächst eine Statista-Grafik mit Begleittext, dann die Analyse.
Infografik: Wie schneiden deutsche Schüler beim PISA-Test ab? | Statista

Begleittext von Civey
Die Leistungen deutscher Schüler:innen in den Bereichen Naturwissenschaften, Mathematik, und Lesekompetenz sind in der aktuellen PISA-Studie auf einen historischen Tiefststand gefallen. Das gilt gleichermaßen für Naturwissenschaften, Mathematik und Lesekompetenz, wie der Blick auf die Statista-Grafik deutlich macht. Der Anteil der in diesen drei Bereichen besonders leistungsstarken Schüler:innen beläuft sich auf nur 14 Prozent. Dagegen liegt der Anteil der besonders leistungsschwachen Schüler:innen bei fast 21 Prozent.
Aber nicht nur Deutschland hat mit einem Negativtrend zu kämpfen. So sind insbesondere die Werte für Mathematik und Lesekompetenz im OECD-Durchschnitt in den den letzte beiden PISA-Studien regelrecht eingebrochen. Dazu heißt es in der Studie: „Dieser Trend ist insofern besonders besorgniserregend, als Lesekompetenz eine Grundvoraussetzung für das Lernen in allen anderen Fächern ist. In einer zunehmend digitalen Welt ist Lesekompetenz von entscheidender Bedeutung, um Informationen zu finden, zu bewerten, zu interpretieren und über sie zu reflektieren.“
Besonders gut schneiden dagegen die verschiedenen betrachteten Regionen Chinas ab. An der Spitze stehen die Städte Peking, Shanghai, Jiangsu und Zhejian (P-S-J-Z China) – dort gelten rund 56 Prozent der Schüler:innen als besonders leistungsstark. Dahinter folgen Singapur, das ebenfalls zu China gehörende Macau, das aus politischen Gründen in der Studie „Chinesisch Taipei“ genannte Taiwan und Japan.
An der PISA-Erhebung 2025 haben über mehr als 760.000 Schüler:innen teilgenommen – darunter etwa. 7600 aus Deutschland. Sie stehen stellvertretend für rund 33 Millionen 15-Jährige aus 91 Ländern und Volkswirtschaften.
Kommentar & Analyse
Heute müssen wir aufpassen, dass wir nicht zu viele Rechtschreibfehler im Kommentar unterbringen. So viel Zeit, eine KI drüberschauen zu lassen, muss sein. Es gibt also keine positiven Nachrichten mehr, aber vielleicht gibt es Zusammenhänge. Die vielen Jungwähler:innen der AfD – sind sie auch Opfer des gescheiterten Bildungssystems? Und woher kommt es, dass in den Anfangsjahren der PISA-Erhebungen ein Bemühen um Verbesserung der Leistungsfähigkeit deutscher Schüler Raum zu greifen schien und 2012, ohne erkennbaren Grund, ein Knick kam, der in einen ungebrochenen Abwärtstrend überging? Wir haben auf den weiteren Kommentar zugunsten der Analyse verzichtet, die unsere Kommentar-Hypothesen aufgegriffen hat, ohne dass sie darin wesentlich hervorgehoben werden:
PISA 2025: Deutschlands Bildungssystem im Abwärtstrend
Der Statista-Beitrag „Wie schneiden deutsche Schüler beim PISA-Test ab?“ vom 13. August 2025 beschreibt einen deutlichen Rückgang der deutschen Leistungen in Mathematik, Lesekompetenz und Naturwissenschaften. Sein Begleittext hebt hervor, dass die Werte in Mathematik und Naturwissenschaften seit 2015 sowie beim Lesen seit 2018 sinken; für 2022 nennt er 475 Punkte in Mathematik und 480 Punkte im Lesen, damals jeweils nur knapp oberhalb des OECD-Mittels.[^1]
Die zugehörige Grafik zeichnet den längeren Verlauf nach: Deutschland arbeitete sich nach dem ersten „PISA-Schock“ zunächst nach oben, erreichte 2012 in Mathematik und Naturwissenschaften sowie 2015 beim Lesen Höchstwerte und verlor danach in allen drei Bereichen. Die offiziellen OECD-Zeitreihen bestätigen diesen Verlauf und beziffern allein die Rückgänge von 2012 bis 2022 auf rund 38 Punkte in Mathematik, 30 Punkte beim Lesen und 31 Punkte in den Naturwissenschaften.[^2]
Diese Statista-Grafik ist eine wichtige Grundlage, aber seit dem 8. September 2026 nicht mehr der aktuelle Endstand. An diesem Tag wurden die Ergebnisse von PISA 2025 veröffentlicht. Mehr als 760.000 Jugendliche aus 91 Ländern und Volkswirtschaften nahmen teil; Deutschland fiel erneut zurück und erzielte 486 Punkte in Naturwissenschaften, 465 beim Lesen und 464 in Mathematik.[3][4]
| Erhebungsjahr | Mathematik | Lesen | Naturwissenschaften |
| 2000 | – | 484 | – |
| 2003 | 503 | 491 | – |
| 2006 | 504 | 495 | 516 |
| 2009 | 513 | 497 | 520 |
| 2012 | 514 | 508 | 524 |
| 2015 | 506 | 509 | 509 |
| 2018 | 500 | 498 | 503 |
| 2022 | 475 | 480 | 492 |
| 2025 | 464 | 465 | 486 |
Hinweis: Die Striche folgen der Logik der Statista-Grafik und markieren Jahre vor dem jeweiligen belastbaren Ausgangspunkt der Domänen-Zeitreihe. Die Werte bis 2022 stammen aus der OECD-Trendübersicht; 2025 wurde ergänzt.[3][2]
Der Verlauf ist nicht einfach eine seit 2012 in allen Fächern identische Abwärtsbewegung. Mathematik und Naturwissenschaften erreichten 2012 ihren Gipfel, das Lesen erst 2015. Danach setzte der Rückgang bereits vor Corona ein: Zwischen 2015 und 2018 gingen alle drei Werte zurück, allerdings noch relativ moderat. Den eigentlichen Einbruch brachte die Periode 2018 bis 2022 mit minus 25 Punkten in Mathematik, minus 18 Punkten beim Lesen und minus 11 Punkten in den Naturwissenschaften.[^2]
PISA erhebt nicht jährlich, sodass für 2020 kein deutscher Messpunkt existiert; vergleichbar sind nur 2018 und 2022. Gerade zwischen diesen beiden Erhebungen war der Verlust besonders stark. Die OECD hält die Pandemie dennoch nicht für die alleinige Ursache: Der Abwärtstrend hatte in Deutschland und mehreren anderen Staaten vorher begonnen, und zwischen der Dauer von Schulschließungen und der Leistungsentwicklung zeigte sich international kein einfacher, eindeutiger Zusammenhang.[^5]
PISA 2025 verschärft die Diagnose. Der Rückgang endete nach dem Abklingen der akuten Pandemie nicht, sondern setzte sich beim Lesen um weitere 15 Punkte und in Mathematik um 11 Punkte fort; in den Naturwissenschaften sank der Wert um sechs Punkte, statistisch ungefähr auf dem Niveau von 2022. In allen drei Bereichen sind die deutschen Ergebnisse nun die niedrigsten seit Beginn der PISA-Erhebungen und liegen sogar unter den jeweiligen Ausgangswerten.[6][3]
Die folgende Tabelle zeigt die in allen drei Domänen besonders erfolgreichen Bildungssysteme sowie ausgewählte Vergleichswerte. B-S-J-Z bezeichnet nicht ganz China, sondern die vier teilnehmenden Regionen Beijing, Shanghai, Jiangsu und Zhejiang; Macao und Chinesisch Taipei sind ebenfalls als Bildungssysteme beziehungsweise Volkswirtschaften zu lesen. Eine scheinbar exakte Gesamtrangliste wäre methodisch problematisch, weil Stichproben- und Messfehler dazu führen, dass geringe Punktabstände häufig nicht statistisch bedeutsam sind.[7][8]
| Land/Bildungssystem | Naturwissenschaften 2025 | Lesen 2025 | Mathematik 2025 |
| B-S-J-Z (China) | 597 | 527 | 612 |
| Singapur | 560 | 535 | 563 |
| Macao (China) | 541 | 501 | 549 |
| Chinesisch Taipei | 540 | 508 | 546 |
| Japan | 538 | 503 | 525 |
| Estland | 527 | 499 | 508 |
| Südkorea | 526 | 501 | 522 |
| Irland | 500 | 500 | 480 |
| Deutschland | 486 | 465 | 464 |
| OECD-Mittel | 482 | 461 | 463 |
| EU-Mittel | 476 | 451 | 460 |
Quellen: OECD-nahe nationale PISA-Berichte und deutsche Bundesangaben.[3][8][^7]
Deutschland liegt damit numerisch noch knapp über den OECD-Mittelwerten und in den Naturwissenschaften sowie beim Lesen auch über dem EU-Mittel. Das ist jedoch kein Entwarnungssignal, denn die internationalen Mittelwerte sind ebenfalls gesunken. In einem fallenden Feld knapp über dem Durchschnitt zu liegen bedeutet nicht Stabilität, sondern dass Deutschland ungefähr im Tempo vieler Vergleichsländer an Leistungsfähigkeit verliert.[9][10]
Wichtiger als ein einzelner Rang ist der Abstand zur Spitzengruppe. Gegenüber Estland fehlen Deutschland 41 Punkte in Naturwissenschaften, 34 beim Lesen und 44 in Mathematik. Zu Singapur beträgt der Abstand 74, 70 beziehungsweise 99 Punkte. PISA-Punkte sind keine Schulnoten, doch Größenordnungen dieser Art zeigen strukturelle Unterschiede, die sich nicht mit statistischem Rauschen erklären lassen.
Besonders alarmierend ist die Verbreiterung der Risikogruppe. 2025 verfehlt in Deutschland etwa ein Drittel der 15-Jährigen das grundlegende Kompetenzniveau beim Lesen und in Mathematik; in den Naturwissenschaften betrifft dies ungefähr ein Viertel. Rund ein Fünftel erreicht in keinem der drei Bereiche ausreichende Basiskompetenzen, während der Anteil besonders leistungsstarker Jugendlicher überall unter zehn Prozent liegt.[11][3]
PISA beschreibt Leistungsstände und statistische Zusammenhänge, kann aber aus einer Kurve allein keine Ursache beweisen. Weder „Corona“ noch „Migration“, Smartphones, Lehrkräftemangel oder eine einzelne Bundesregierung erklären den gesamten Verlauf. Plausibel ist vielmehr eine Kumulation: schwächere frühe Sprach- und Zahlenförderung, soziale Segregation, Unterrichtsausfall, Personalengpässe, unzureichend auf unterschiedliche Lernvoraussetzungen abgestimmter Unterricht, digitale Ablenkung und pandemische Lernverluste wirken zusammen.
Die soziale Herkunft bleibt der härteste Strukturindikator. In Deutschland erreichen 2025 nur zwei von 100 sozial benachteiligten Jugendlichen sehr hohe Leistungen, unter den sozial Privilegierten sind es 25 von 100. Bildungsforscher betonen deshalb, dass die entscheidende Trennlinie nicht schlicht zwischen Jugendlichen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte verlaufe, sondern zwischen privilegierten und benachteiligten Lebenslagen.[12][13]
Zuwanderung darf gleichwohl nicht aus der Analyse ausgeblendet werden. Jugendliche der ersten Einwanderungsgeneration erzielen erheblich schwächere Werte, besonders wenn geringe Deutschkenntnisse, ein niedriger sozioökonomischer Status und belastete Schulstandorte zusammentreffen. Zugleich erreichen Jugendliche ohne Zuwanderungshintergrund in Deutschland in den Naturwissenschaften 521 Punkte und liegen damit deutlich über dem entsprechenden OECD-Wert. Das spricht gegen die These eines generell leistungsschwachen deutschen Unterrichts, legt aber ein massives Integrations- und Verteilungsproblem offen.[14][15]
Beim Geld gilt ein doppelter Befund. Zusätzliche Bildungsausgaben stehen bis zu einem bestimmten Ausstattungsniveau positiv mit Leistung in Verbindung; oberhalb davon garantiert mehr Geld allein keine besseren Resultate. Entscheidend sind Verwendung und Verteilung: hochwertige frühkindliche Bildung, verbindliche Sprachdiagnostik, wirksame Förderung der Basiskompetenzen, qualifizierte Lehrkräfte und zusätzliche Ressourcen gerade für Schulen mit den schwierigsten Ausgangslagen.[5][15]
Das Pro-Argument für höhere Ausgaben lautet daher: Personalmangel, Unterrichtsausfall und fehlende individuelle Förderung lassen sich ohne zusätzliches und langfristig gesichertes Geld nicht beheben. Das Contra gegen eine rein finanzielle Antwort lautet: Neue Programme versanden, wenn Zuständigkeiten fragmentiert bleiben, Maßnahmen nicht evaluiert werden oder Mittel nach Schülerzahl statt nach Bedarf verteilt werden. Das Startchancen-Programm ist deshalb grundsätzlich richtig, muss aber verlässlich finanziert, wissenschaftlich begleitet und auf nachweisbar wirksame Instrumente konzentriert werden.[^16]
Die Frage, ob junge AfD-Wählerinnen und -Wähler „Opfer des gescheiterten Bildungssystems“ seien, ist als Kommentarthese zugespitzt.
Es gibt allerdings eine relevante Überschneidung: Bei der Bundestagswahl 2025 schnitt die AfD unter jungen Männern mit niedriger formaler Bildung deutlich überdurchschnittlich ab; unter jungen Frauen mit hoher Bildung war das Muster beinahe umgekehrt. Studien zeigen zugleich, dass Geschlecht, Wohnort, Zukunftserwartungen, Parteibindung, nativistische Einstellungen und die Bewertung von Migration prägen das Wahlverhalten stark.[17][18][^19]
Für einen Zusammenhang spricht, dass schwache Lese-, Urteils- und Informationskompetenzen politische Teilhabe erschweren können und Bildungsbenachteiligung häufig mit geringeren sozialen Chancen sowie institutionellem Misstrauen verbunden ist. Politische Entscheidungen entstehen aber vornehmlich aus Wertorientierungen, Gruppenidentitäten, Interessen, Protest und konkreten Konfliktthemen; die Forschung zu jungen AfD-Anhängern nennt insbesondere stabile Parteibindung und nativistische Einstellungen als starke Prädiktoren.[^19]
Die tragfähige Formulierung für einen Kommentar wäre daher nicht, AfD-Jungwähler pauschal zu Opfern mangelnder Bildung zu erklären. Seriöser ist die Frage, ob ein Bildungssystem, das einem wachsenden Anteil Jugendlicher grundlegende Lese- und mathematische Kompetenzen vorenthält, zugleich demokratische Selbstwirksamkeit, Aufstiegserwartungen und die Widerstandskraft gegen politische Vereinfachungen schwächt. Das ist eine begründete Hypothese – aber noch kein durch PISA bewiesener Kausalbefund.
Die neuen Werte rechtfertigen den Begriff einer Bildungskrise. Deutschland hat nicht nur Spitzenleistung eingebüßt; das größere Problem ist, dass Grundkompetenzen für Ausbildung, Beruf und gesellschaftliche Teilhabe bei einem erheblichen Teil jüngerer Jahrgänge fehlen. Die nächste Reformrunde sollte deshalb nicht mit einem weiteren kurzfristigen Modellprojekt beginnen, sondern mit wenigen verbindlichen Prioritäten: frühe Sprach- und Entwicklungsdiagnostik, systematische Förderung in Lesen und Mathematik, mehr Lernzeit für gefährdete Kinder, datengestützte Schulentwicklung sowie eine Sozialindex-Finanzierung, die Personal und multiprofessionelle Unterstützung an belastete Standorte lenkt.
Gleichzeitig muss PISA gegen zwei falsche Lesarten verteidigt werden. Die Studie ist kein vollständiges Urteil über Persönlichkeitsbildung, Kreativität oder den Wert einzelner Schulen; sie misst anwendungsbezogene Kompetenzen von Stichproben und ist mit Unsicherheiten behaftet. Aber gerade deshalb ist sie wertvoll: Sie macht über lange Zeiträume und Ländergrenzen hinweg sichtbar, ob Jugendliche Gelerntes auf reale Probleme anwenden können. Die methodischen Grenzen sind ein Grund für vorsichtige Interpretation, nicht für die Verwerfung unbequemer Ergebnisse.[20][21]
Der entscheidende Befund lautet: Der deutsche Abstieg war schon vor Corona erkennbar, wurde zwischen 2018 und 2022 massiv und hat sich bis 2025 fortgesetzt. Die Pandemie war Verstärker, nicht Ursprung und schon gar keine hinreichende Erklärung. Nach einem Jahrzehnt sinkender Werte fehlt weniger Erkenntnis als Umsetzungskraft. Bildungspolitik muss vom wechselnden Ankündigungsmodus in eine überprüfbare, langfristige Strategie übergehen – mit klaren Kompetenzzielen, bedarfsgerechten Ressourcen und öffentlicher Rechenschaft darüber, welche Maßnahmen tatsächlich wirken.
Transparenz
Aus Zeitgründen stammt heute nur der kurze Kommentar-Anriss von uns, ebenso die Einleitung, Grafik und Begleittext sind von Statista und mit der Analyse haben wir eine KI beauftragt – anhand von Kommentar-Hypothesen, die wir im Wege der Redaktion entschärft oder unkenntlich gemacht haben. Das Ergebnis ist relativ neutral und objektiv und insofern nur wenig von der Fragestellung abhängig.
Quellen
- Wie schneiden deutsche Schüler beim PISA-Test ab? – Statista – Schwerpunktbereich dieser Erhebungsrunde waren die Naturwissenschaften; darüber hinaus wurden Leseko…
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