Politicker-Special, Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2026, LTWLSA, LTWLSA26, CDU, SPD, DieLinke, Die Grünen, AfD, Wahlbeteiligung, Wahlsieg, BSW, Pattsituation, Alleinregierung, Koalition, Anti-AfD-Bündnis
07.09.2026, 17.30
Zunächst liefern wir pflichtschuldig das Endergebnis der gestrigen Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Wir erweitern dafür die Tabelle mit den ersten Hochrechnungen und der Prognose (ARD-Werte). Es gab einige Verschiebungen, bis das Ergebnis feststand, aber besser ist es nicht geworden.
| Partei | Endergebnis | HR ARD 19:00 | HR ARD 18:30 | PG ARD 18:00 |
| AfD | 43,8 | 44,4 | 44,5 | 44,5 |
| CDU | 17,9 | 18,4 | 18,5 | 18,5 |
| Die Linke | 8,6 | 9,3 | 9,4 | 9,5 |
| SPD | 9,3 | 8,4 | 8,2 | 8 |
| Grüne | 8,9 | 8,7 | 8.9 | 9 |
| FDP | 2,6 | 2,2 | 2,1 | 2 |
| BSW | 5,3 | 5 | 5 | 5 |
| Andere | 4,4 | 3,6 | 3,4 | 3 |
Die AfD hat 39 Mandate, CDU, Grüne, SPD und Linke zusammen ebenfalls 39. Das BSW hat 5 Sitze im neuen Landtag und kann der einen oder der anderen Seite zur Mehrheit verhelfen. Aus dieser Konstellation hat Civey heute eine Umfrage generiert, die leider auf der Hand liegt:
AfD und BSW: Gemeinsam regieren?
Die AfD hat laut vorläufigem Endergebnis bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt einen historischen Wahlsieg erzielt. Mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund (AfD) verdoppelte die Partei ihr Ergebnis im Vergleich zur vorherigen Wahl auf 43,8 Prozent, verfehlte mit 39 von 83 Sitzen jedoch die absolute Mehrheit. Die bisherige Regierungspartei CDU unter Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) erlitt dagegen schwere Verluste und halbierte ihren Anteil nahezu auf 17,2 Prozent. Während SPD (9,3 %), Grüne (8,9 %) und Die Linke (8,6 %) erneut im Parlament vertreten sind, verpasste die FDP den Wiedereinzug. Da alle anderen Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD ausschließen, könnte dem BSW (5,3 %) eine Schlüsselrolle bei der Regierungsbildung zukommen.
Nach dem starken Wahlergebnis fordert die AfD die Übernahme der Regierungsverantwortung mit Siegmund als Ministerpräsidenten. AfD-Co-Parteichefin Alice Weidel betonte, ihre Partei sei gesprächsbereit, was Koalitionspartner angehe. Ein Regierungsszenario mit dem BSW bezeichnete sie laut AFP als sehr interessant. Auch aus den Reihen des BSW gibt es Signale für eine Zusammenarbeit. BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze betonte gegenüber der dpa, seine Partei werde mit allen sprechen und sich nicht an Brandmauern orientieren, wobei er Schnittmengen bei dem Wunsch nach bezahlbaren Energiepreisen und der Ablehnung der Russland-Sanktionen nannte. Derweil zeigte sich BSW-Spitzenkandidatin Dr. Claudia Wittig direkt nach der Wahl offen für eine Zusammenarbeit in Sachfragen, wenn auch nicht für eine Koalition.
Diesen Annäherungen stehen jedoch klare Bedingungen und inhaltliche Bedenken des BSW gegenüber. BSW-Co-Parteichefin Amira Mohamed Ali schloss bereits vor der Wahl aus, dass ihre Partei weder Siegmund noch Schulze zum Ministerpräsidenten wählen werde. Stattdessen warb sie für einen überparteilichen Regierungschef, der sich mit wechselnden Mehrheiten für jedes Projekt einzeln seine Mehrheiten suchen müsse. Siegmund lehnte das Modell einer solchen neutralen Expertenregierung jedoch ab und bezeichnete es als „Gewurschtel“, weshalb er notfalls Neuwahlen vorziehen würde. Zudem verwies Schulze (BSW) auf inhaltliche Differenzen zwischen AfD und BSW, etwa in der Bildungs- und Wirtschaftspolitik.
Kommentar
Als Zyniker könnte man sagen, ja, macht mal, da sind die Richtigen beisammen. Eine Partei, die sich vermutlich als verfassungsfeindlich herausstellen würde, wenn man endlich mal den Mut hätte, es zu überprüfen, und eine Truppe, die sich gerade von den letzten konstruktiven Kräften befreit hat, siehe Thüringen, und die ebenfalls nicht auf dem Boden des Grundgesetzes steht, wenn man die Aussagen früherenderProtagonisten wörtlich nimmt und bedenkt, dass dort Leute unterwegs sind, die andere Systeme wie das russische bevorzugen würden, das alles andere als mit der deutschen Verfassung vereinbar ist. Sahra Wagenknecht bejubelt gerade ein „Comeback“. Wie verpeilt muss man sein, wenn man es in einem Bundesland, in dem die Menschen in Massen die Peilung verloren haben, gerade noch auf 5 Prozent schafft, während man im Jahr der Gründung dort 15 Prozent erreicht hätte (siehe damalige Ergebnisse in Sachsen, Thüringen und Brandenburg). Hauptsache, immer weiter in den Untergang.
Mit sich selbst, dem eigenen Destruktivismus und am liebsten mit einem freiheitlichen, gesellschaftlich liberalen und weltoffenen Deutschland. Wir kennen persönlich BSW-Politiker, die sich einmal als linke Universalisten bezeichnet haben. Schon damals waren einige Risse in diesem Selbstbild zu erkennen, aber was sich jetzt abspielt, ist wirklich bodenlos und wir hatten diese desaströse Rechtsverschiebung nicht erwartet. Wir halten es für nicht sehr relevant, dass das BSW in einigen Fragen anderer Ansicht ist als die AfD. Denn auf eine Weise wird es die AfD weiter stärken: Ganz sicher, wenn das BSW eine AfD-Minderheitsregierung toleriert und dann erfahren wird, dass Zünglein an der Wage eben nicht bedeutet, dass man mit dem größeren Partner Schlitten fahren kann. Das geht bei der AfD nicht, das werden die Versprengten, die vom BSW nach dem Abgang der Vernünftigen übrig bleiben, noch merken. Und dann lost Wagenknecht endlich ausgespielt. Sollte das BSW sich aber tatsächlich bereitfinden, eine Anti-AfD-Koalition zu unterstützen, hat hat es natürlich bessere Chancen, sachlich einzuwirken, weil ein solches Bündnis für sich und ohne das BSW schon sehr fragil ist, unter anderem dank der hirnrissigen Hufeisenpolitik der CDU. Die Linke musste bei der Sachsen-Anhalt-Wahl dafür bezahlen, dass sie zu freundlich mit den Schwarzen umgeht und schon vorher erkennen ließ, mit ihnen gemeinsame Sache machen zu wollen. Die Warnung darf die Linke schon einmal mitnehmen nach Berlin, wenn bei uns in zwei Wochen gewählt wird.
Wenn das BSW hingegen versuchen wird, je nach Sachlage mal die eine, mal die andere Seite zu unterstützen, sof fragt sich doch: Wen? Denn bei dem aktuellen Patt zwischen der AfD und der künftigen Anti-AfD-Koalition kann kein Regierungschef gewählt werden, sofern alle Abgeordneten der beiden Lager stabil bleiben. Sollten hingegen nur zwei CDU-Abgeordneten umfallen und zur AfD wechseln, sieht alles ganz anders aus. Dann ist das BSW erst einmal überflüssig, denn die AfD hätte 41, das Gegenlager 37 Sitze im Landtag. Und bei der dritten Abstimmung wird derjenige Ministerpräsident, der eine einfache Mehrheit auf sich vereinigt, eine absolute Mehrheit der Sitze ist nicht mehr notwendig. Bei der späteren Sachpolitik könnte das BSW dann wieder eine Rolle spielen, weil der Ministerpräsident keine eigene Mehrheit ohne das BSW hinter sich scharen kann. Den größten Nutzen für die AfD und Schaden für die Demokratie könnte das BSW anrichten,indem es sich dermaßen destruktiv verhält, dass Neuwahlen erforderlich werden. Dann mit vermutlich noch mehr Stimmen für die AfD, aber sicher nicht für das BSW. Wir wissen schon nicht mehr, wofür wir mehr beten sollen:
Dass am 20.09. in Berlin die AfD in die Grenzen verwiesen wird oder dafür, dass das BSW bei uns nicht ins Abgeordnetenhaus einziehen und möglicherweise weiteren Schaden anrichten wird.
Wir müssen von einer AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt ausgehen. Nach einigem Nachdenken sagen wir aber nicht: Die sollen mal zeigen, dass sie es auch nicht besser machen. Wir würden die Lösung bevorzugen, dass die anderen sich zusammentun und hoffen, dass 2031 endlich mal ein paar Probleme dieses Landes gelöst sind, sodass es nicht mehr so einfach für die AfD ist, alles niederzureden. Der Merz-Regierung trauen wird das allerdings nicht zu. Sollte es bis dahin wirklich zu einem Wirtschaftsaufschwung kommen, dann wird dieser nur die Taschen der ohnehin Reichen füllen, für uns einfache Arbeitende wird da nichts rausspringen. Und viele von uns werden die AfD wählen. Vielleicht noch mehr als heute, denn the trend is your friend, das gilt nicht nur an den Kapitalmärkten, sondern auch im Politikbetrieb. Die AfD hat einen Lauf, und gegenwärtig hält nichts sie auf. Im Gegenteil, Politiker, die im Grunde fertig haben, sorgen in einem letzten Akt von Boshaftigkeit vor der politischen Selbstvernichtung noch einmal dafür, dass es noch leichter wird für die Blauen. Das ist es, was wir leider zu erwarten haben. Im Grunde steckt das BSW in der größten Sackgasse von allen Parteien, denn es ist mittlerweile dermaßen AfD-nah, dass die Leute, die noch nicht offen zugeben wollen, wir recht sie sind und das BSW wählen, ähnlich wie viele CDU-Anhänger bald die Hülle fallen lassen und das blaue Rechtsaußen-Original unterstützen werden.
Alle anderen Parteien haben es im Grunde leichter, sich zu regenerieren, weil sie nicht signalisieren, sich der AfD unterordnen zu wollen. Vor allem die Grünen und die Linke können langfristig davon profitieren, dass sie dem blauen Rollkommando standgehalten haben. Bei der SPD wird es schwieriger, weil sie in der Merz-Regierung selbst weit nach rechts gerückt ist. Sie müsste dringend aus dieser Koalition raus, um wieder Luft zu schöpfen. Dass sie ihr Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt sogar leicht gegenüber 2021 verbessern konnte, besagt gar nichts, ebenso wie bei den Grünen. SPD und Grüne haben in Sachsen-Anhalt alle abgefischt, die unbedingt die AfD verhindern, aber nicht die abgewirtschaftete und auf Bundesebene menschenfeindlich daherkommende CDU wählen wollten. Begeisterung war bei den meisten SPD-Wähler:innen sicher nicht im Spiel, als sie ihre Kreuze bei der alten Tante gemacht haben.
Also sind wir nicht zynisch und haben uns zu den 50 Prozent gestellt, die gegenwärtig eine AfD-BSW-Zusammenarbeit klar ablehnen. Dass diese Gruppe der klar Ablehnenden doppelt so groß ist wie die der klar Zustimmenden, hat aber den Hintergrund, dass man in ganz Deutschland abstimmen konnte. Wäre die Umfrage auf Sachsen-Anhalt beschränkt, würde das Ergebnis anders aussehen.
Dass die AfD dermaßen stark wurde, ist schlimm genug. Aber dass das schwache BSW jetzt wieder Aufmerksamkeit ohne Ende bekommt, weil es eine für das, was es darstellt, viel zu große Rolle spielt, setzt dem Ganzen die Dornenkrone auf, die wir alle werden tragen müssen, wenn wir Demokraten sind. Vielleicht gibt es noch eine günstige Wendung, aber darauf hoffen sollte man nicht. Wir haben dem BSW diese Aufmerksamkeit mit dem vorliegen Artikel natürlich auch gewährt, aber wir können die Tatsachen nicht ändern und wollen nicht dazu schweigen, was in einem Bundesland passieren könnte, das gerade eine äußerst schwierige Wahl getroffen hat.
Bei der Sonntagsfrage Bundestagswahl zeigt sich bei dem Meinungsforschungsinstitut, das die Umfrage erstellt hat, übrigens noch keine Auswirkung der Wahl in Sachsen-Anhalt. Die AfD führt mit etwa 4,5 Prozentpunkten vor der Union, das war auch vor der Wahl schon so. Wir müssen aber noch ein paar Tage abwarten, bis die anch der Wahl abgegegebenen „Likes“ stärker ins Gewicht fallen, um zu sehen, ob der Trend tatsächlich der Freund der AfD bleibt oder ob es vielleicht eine Gegenbewegung gibt, weil viele Menschen angesichts des Wahlergebnisses von Sachsen-Anhalt doch Bedenken bekommen. Das oben besprochene BSW kommt übrigens aktuell bundesweit auf 1,5 Prozent, der niedrigste Wert, den wir jemals seit der Parteigründung und Ausweisung in den Umfragen gesehen haben. Die Werte in Sachsen-Anhalt haben wir vor der Wahl nicht ermittelt, aber andere Meinungsforscher sahen zumeist 4 oder 5 Prozent, was am Ende realitätsnah war. In Berlin sind es laut Civey übrigens derzeit 3,8 Prozent. Die Chancen stehen gut, dass es in Berlin keine Zusammenarbeit zwischen AfD und BSW in welcher Form auch immer geben kann.
21:00
Unser viertes Update befasst sich mit weiteren Hochrechnungen der ARD und wir kommentieren unsere Eindrücke von Politikerstatements.
Die zweite Hochrechnung der ARD bestätigt die erste weitgehend:
| Partei | HR 19:00 | HR 18:30 | PG 18:00 |
| AfD | 44,4 | 44,5 | 44,5 |
| CDU | 18,4 | 18,5 | 18,5 |
| Die Linke | 9,3 | 9,4 | 9,5 |
| SPD | 8,4 | 8,2 | 8 |
| Grüne | 8,7 | 8.9 | 9 |
| FDP | 2,2 | 2,1 | 2 |
| BSW | 5 | 5 | 5 |
| Andere | 3,6 | 3,4 | 3 |
Die erste Hochrechnung der ARD weicht nur minimal von der Prognose ab:
| Partei | HR 18:30 | PG 18:00 |
| AfD | 44,5 | 44,5 |
| CDU | 18,5 | 18,5 |
| Die Linke | 9,4 | 9,5 |
| SPD | 8,2 | 8 |
| Grüne | 8.9 | 9 |
| FDP | 2,1 | 2 |
| BW | 5 | 5 |
| Andere | 3,4 | 3 |
Erste Eindrücke aus politischen Statements:
Wahlverlierer Sven Schulze, CDU, bisheriger Ministerpräsident: Das ist Demokratie. Gratulation an den Wahlsieger. Betroffenheit, die AfD als demokratische Partei geadelt, aber keine Kampfansage, und das bei 18,5 Prozent. Kurz darauf erzählt Philipp Amthor, die CDU seine Partei der Menschlichkeit, anders als die AfD. Uns fehlen erst einmal die Worte zum Kommentieren. Und das Grundgesetz sei auch für „komplizierte Konstellationen“ geeignet. Ja, aber nur, wenn man das Grundgesetz ernst nimmt. Und nicht, wenn man es nicht einmal verwendet, um prüfen zu lassen, ob die AfD sich gegen das Grundgesetz richtet.
CDU-Generalsektretär Frei will ernsthaft darüber nachdenken, was schiefgelaufen ist und auf keinen Fall Friedrich Merz infrage stellen. Das ist polittaktisch allerdings auch klar. Aber welche Schlüsse die CDU ziehen wird, ist dabei offen.
Dafür versucht die Generalsekretärin, die Hufeisentheorie hochzuhalten. Was soll man darüber schreiben? Und das Wirtschaftswachstum in spe! Wenn es wirklich kommt, wird es die großen Vermögen noch schneller anwachsen lassen, und nicht die Gehälter der Mehrheit.
Die Analyse der ARD besagt, dass Sven Schulze zwar keinen Amtsbonus erarbeiten konnte, aber dass die Wahlniederlage klar der Bundespolitik, nicht ihm persönlich, zuzurechnen ist.
86 Prozent finden die Steuersenkungen unzureichend, 70 Prozent sehen Arbeitnehmerinteressen vernachlässigt. Was muss noch passieren, damit die CDU das versteht?
Allerdings sind auch die Wähler nicht ganz instruiert. Dass nur 12 Prozent der CDU soziale Gerechtigkeit zutrauen, entspricht zwar der Realität, aber 29 Prozent in diesem Bereich für die eindeutig kapitalfreundlichste Partei neben der FDP, die AfD? Programmatik nicht gelesen und Aussagen in den sozialen Medien niciht verstanden, kann man da nur sagen. Und was die AfD wirklich als sozialfreundlich verkauft, wäre nur finanziebar, wenn Superreiche endlich mehr zu Gemeinschaftsaugaben beitragen müssten. Das widerspricht aber fundamental ihren wirtschaftspolitischen Positionen.
Der SPD-Spitzenkandidat reagiert mehr als enttäuschend: Überhaupt keine Erwähnung, was dieses Ergebnis für die Demokratie bedeuten kann, sondern sich darin sonnen, dass das die SPD nicht noch schlechter abgeschnitten hat. Man ist froh, dass man überhaupt noch in den nächsten Landtag einziehen wird. Ein Desaster mitten in der Katastrophe.
Bärbel Bas, SPD, findet es sehr klasse, dass die SPD gegen die AfD überhaupt noch angetreten ist und lässt sich auch nicht davon beeindrucken, dass das „Ergebnis halten“ nicht aus inhaltlichen Gründen, sondern durch Anti-AfD-Wähler:innen geniert wurde.
Die Grünen machen es besser. Co-Vorsitzender Felix Banaszak erwähnt noch vor der Würdigung des in der Tat für Ostverhältnisse starken Ergebnisses der Grünen die Sorge, die man um die Demokratie haben muss. Aber auch die Grünen haben viele Stimmen durch Anti-AfD-Wahlabsichten bekommen.
Außer den AfD-Wählern sagen nur noch die BSW-Wähler:innen mehrheitlich, die AfD soll in Sachsen Anhalt regieren. Das sagt alles darüber, wie sich die Wählerschaft dieser Partei entwickelt hat, die eine Abspaltung der Linken ist. Das trifft uns auch persönlich.
Alice Weidel findet die Politikdarstellung des BSW schick. Was sonst? Ansonsten treibt sie vor allem die CDU komplett vor sich her und das haben sich die sogenannten christlichen Demokraten durch ihre menschenfeindliche Politik leider verdient.
Die Frage wird nicht beantwortet, ob das BSW AfD-Spitzenkandidat Siegmund im dritten Wahlgang wählen würde, wenn in zwei Wahlgängen keine absolute Mehrheit für ihn zustande käme. Und wenn es knapp nicht reichen sollte für den Einzug in den Landtag, wird vermutlich wieder versucht werden, das auf rechtlichem Weg zu ändern, anstatt sich zu fragen, warum man kein besseres Ergebnis einfahren konnte.
Heidi Reichnneck hat als einzige den Drive, genau in die Mitte des Problems zu stoßen, weil die Linke tatsächlich nicht Teil der desaströsen Bundespolitik ist. Sie kann am 20.09. in Berlin zeigen, dass sie Teil einer neuen, besseren Regierung wenigstens auf Landesebene ist. Später nimmt Parteivorsitzender Luigi Pantisano auch gegen die Beschwichtigungstaktik des Moderators den Frontalangriff gegen Chrupalla auf, es wird niedrig im Ton auf beiden Seiten, aber jemand muss es tun: den Blauen die Stirn bieten und auch sachlich gegen deren vorgebliche Arbeitnehmerfreundlichkeit argumentieren. Auf den ersten Blick sind beide gegen Bürgerschröpfung, aber wenn man genauer hinschaut, sind die Positionen programmatisch entgegengesetzt.
Wenn man den Analysen der ARD glaubt, handelte es sich vor allem um eine Wahl gegen die Sozialpolitik der Bundesregierung und um eine Denkzettelwahl gegen die Bundesregierung und um eine Wahl der persönlichen Abneigung gegen Bundeskanzler Friedrich Merz. Wir glauben nicht 1:1 an alles, was Menschen in Umfragen äußern, denn das Denken folgt oft Mustern, die sowohl komplexer als auch einfacher sind, aber eines ist klar:
Die jetzige Bundesregierung tut das, was wir leider vorausgesehen haben: Sie fügt der Demokratie schweren Schaden zu. Normalerweise würde uns eine CDU-Generalsekretärin leidtun, die als ersten Job die Kommentierung eines Desasters wie des heutigen zu übernehmen hat, und ganz sicher muss sie die Parteilinie vertreten, aber auch wir sind von Merz und seiner Truppe so angefressen, dass uns dieses Mitleid fehlt. Wer sich für diese Leute einsetzt, sich in einer Partei engagiert, die wirklich noch die Frechheit hat, das „C“ im Namen zu führen, hat kein Mitleid verdient.
Resultat
Das einzig Witzige an diesem Abend war der populistische Streit zwischen Chrupalla und Pantisano. Wir glauben, es geht wirklich nicht anders, als die AfD in ihrem eigenen Stil zu demaskieren, insofern haben sowohl Pantisano als auch Reichinnek die besten Jobs des Abends gemacht, indem Ersterer sich getraut hat, die übermächtigen Blauen direkt anzugreifen und Letztere klar benannt hat, wo der echte Frustteil des Wahlergebnisses von Sachsen-Anhalt herkommt, der nicht durch rechte Einstellungen und Zukunftsfeindlichkeit generiert wurde. Wenn man genauer hingehört hat, merkt man auch, wie unterkomplex die AfD argumentiert (Deutschlandticket vs. niedrigere Benzinpreise u. a.) und schauen Sie sich mal an, wie sie im Bundestag abstimmt, wenn es um Arbeitnehmerrechte geht. Für die Arbeitnehmerfreundlichkeit des Linke-programms können wir uns verbürgen, auch für ihr Abstimmungsverhalten in diesem Sinne. Aber schauen Sie sich bitte mal an, wie die AfD abstimmt, wenn es um soziale Themen geht. Die Masken, die sie aufsetzt, sind nicht gut gemacht, und wer das sehen will, kann es sehen.
18:05
Die Wahllokale sind geschlossen und erste Ergebnisse liegen vor. Die AfD erzielt noch höhere Ergebnisse als nach den letzten Umfragen erwartet.
Prognose ARD 18:00 Uhr
| AfD | 44,5 |
| CDU | 18,5 |
| Die Linke | 9,5 |
| SPD | 8 |
| Grüne | 9 |
| FDP | 2 |
| BW | 5 |
| Andere | 3 |
Damit hat die AfD keine eigene Mehrheit, könnte sich aber mit Hilfe des BSW zur Regierungspartei machen, falls das BSW in den Landtag einzieht.
Ohne das BSW verfehlt die AfD die absolute Mehrheit um eine Stimme.
Eine Kenia-Koalition ist auf keinen FAll möglich, aber ohne BSW wäre eine Vierparteien-Koalition oder eine Kenia-Koalition mit Tolerierung durch Die Linke möglich.
Historisch ist die Wahlbeteiligung sehr gering in Sachsen-Anhalt, aber in den letzten Updates haben wir schon geschrieben, dass das dieses Mal anders ist. 76,5 Prozent geschätzte Wahlbeteiligung haben aber, anders, als wir gehofft hatten, vor allem bei der AfD eingezählt. Im letzten Update haben wir diese Möglichkeit aber bereits angedeutet.
Soziale Sicherheit war gemäß Vorwahl-Analyse der ARD das wichtigste Thema im Wahlkampf von Sachsen-Anhalt, Migration weit abgeschlagen. Und trotzdem wählen die Menschen eine Partei, die für alles andere steht als soziale Sicherheit? Kognitive Dissonanz?
17:00
Was sich bereits am Mittag abgzeichnet hatte, verstärkt sich bis 16 Uhr: Die Wahlbeteiligung in Sachsen-Anhalt ist nicht nur hoch – sie ist eine Sensation. Um 16 Uhr hatten 5 Prozent mehr Wähler:innen ihre Stimmen abgegeben als bei jeder Landtagswahl seit 1994.
Nicht weniger als 65 Prozent betrug die Wahlbeteiligung bereits um 16 Uhr. Das ist mehr als das Doppelte als beim Minusrektord im Jahr 2006 und es sind 25 Prozent mehr als 2021. (MDR)
„Die Polizei in Magdeburg ist vor den Wahllokalen in der Landeshauptstadt unterwegs. Das teilte eine Sprecherin der Polizei MDR SACHSEN-ANHALT mit. Durch die Präsenz der Beamten soll vor allem das Wahlrecht geschützt werden. Im Rest der Stadt sind die Polizisten außerdem sowohl in Uniform, als auch in Zivil auf Streife.“, schreibt der MDR weiter in seinem Ticker. Das liest sich, als ob befürchtet wird, dass Menschen an der Abgabe ihrer Stimme gehindert werden könnten. Bisher soll aber alles ruhig verlaufen sein, soweit unsere Informationen.
Natürlich hoffen wir weiterhin, dass die hohe Wahlbeteiligung darauf hinstehen, dass alle, denen die Demokratie am Herzen liegt, gegen die „blaue Wand“ zusammenfinden und wählen gehen. Aber auch bei Rechten und Rechtsextremen dürfte der Mobilisierungseffekt hoch sein, insbesondere, seit sich ebenjene hohe Wahlbeteiligung abzeichnet, und von ihr wissen wir bereits seit 12 Uhr.
13:00 Uhr
Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zeichnet sich zum Mittag eine deutlich höhere Wahlbeteiligung ab. Bis 12.00 Uhr am Sonntag hatten 34,72 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, wie die Landeswahlleiterin in Magdeburg mitteilte. Zum gleichen Zeitpunkt im Jahr 2021, bei der letzten Landtagswahl, waren es nur 22,4 Prozent. (AFP)
Das könnte ein Hoffnungszeichen sein: Schon bei den vergangenen Landtagswahlen war die Neigung der Menschen, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen, deutlich höher als bei den jeweils vorangegangenen Wahlen im selben Bundesland. Tendenziell stärkt das die demokratischen Parteien. Diejenigen, die AfD wählen wollen, werden auf jeden Fall zur Wahl gehen, aber viele, die weder die AfD noch die anderen Parteien attraktiv finden und normalerweise zu Hause geblieben wären, könnten sich nun sagen: Es geht nicht mehr um Parteien, es geht um die Demokratie, und, wenn auch widerwillig, nun ihre beiden Stimmen abgeben. Wir werden in den Analysen ab 18 Uhr sehen, welche politischen Kräfte von der höheren Wahlbeteiligung, die sich erfahrungsgemäß bei gutem Wetter bis zum Schließen der Wahllokale erhalten wird, profitieren werden.
06.09.2026, 12:00
Machen wir es oder nicht? Schreiben wir unsere übliche Wahlberichterstattung oder nehmen wir heute davon Abstand? Letztlich ist es eine demokratische Wahl wie jede andere zuvor in Deutschland, seit 1949 oder seit 1990, je nachem, wo man in Deutschland lebt und gelebt hat. Wir beginnen ganz nüchtern mit den wichtisten Fakten, die zum Start der Wahl wichtig sind, schreiben im Anschluss einen ersten Kommentar. Unser heutiger Beitrag zur Wahl ist auch nicht der erste:
- Hier zu unseren Ergebnissen bei Wahl-O-Mat und Real-O-Mat / Sachsen-Anhalt
- Hier zu Wirtschaftsfakten von Sachsen-Anhalt und einer daraus folgenden Einordnung einer AfD-Landesregierung
In Sachsen-Anhalt hat am Sonntag die Wahl zum 9. Landtag begonnen. Rund 1,69 Millionen Menschen sind stimmberechtigt; gewählt wird für eine Legislaturperiode von fünf Jahren. Die Wahllokale sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet.[bpb][zdfheute]
Wahlbeginn und Ablauf
Mit der Öffnung der Wahllokale um 8 Uhr hat der Wahltag begonnen. Die Stimmabgabe ist bis 18 Uhr möglich. Unmittelbar nach Schließung der Wahllokale beginnt die öffentliche Auszählung; auch die bis dahin eingegangenen Briefwahlstimmen werden berücksichtigt. Vor 18 Uhr dürfen keine belastbaren Wahltrends oder Ergebnisse veröffentlicht werden.[zdfheute][mz]
Für Briefwahlunterlagen gilt ebenfalls eine verbindliche Frist: Sie müssen spätestens um 18 Uhr bei der zuständigen Gemeinde vorliegen. Wahlbriefe, die erst danach eingehen, werden nicht gezählt.[mz]
Wahlberechtigte
Wahlberechtigt sind rund 1,69 Millionen Menschen. Abstimmen darf, wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, am Wahltag mindestens 18 Jahre alt ist und seit mindestens drei Monaten seinen Hauptwohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Sachsen-Anhalt hat. Bei mehreren Wohnungen ist die Hauptwohnung entscheidend. Nicht wählen darf, wem das Wahlrecht durch richterliche Entscheidung entzogen wurde.[bpb][zdfheute][tagesschau]
Wahlrecht und Mandate
Jede wahlberechtigte Person verfügt über zwei Stimmen. Mit der Erststimme wird in einem der 41 Wahlkreise eine Direktkandidatin oder ein Direktkandidat gewählt; wer dort die meisten Stimmen erhält, zieht über ein Direktmandat in den Landtag ein. Die Zweitstimme gilt einer Landesliste und ist maßgeblich für die Kräfteverhältnisse und die Sitzverteilung im Landtag.[bpb][zdfheute][zeit]
Für den Einzug über die Landesliste gilt die Fünfprozenthürde: Berücksichtigt werden grundsätzlich Parteien, die mindestens fünf Prozent der gültigen Zweitstimmen erhalten. Das Parlament setzt sich regulär aus den 41 direkt gewählten Abgeordneten und 42 weiteren Mandaten zusammen, die nach dem Zweitstimmenergebnis verteilt werden; Ausgleichs- und Überhangsmandate können die Gesamtgröße verändern.[bpb][zeit]
Auf dem Stimmzettel können beide Stimmen derselben Partei gegeben oder gesplittet werden – etwa die Erststimme einem Kandidaten der einen und die Zweitstimme einer anderen Partei. Eine nur teilweise ausgefüllte Stimmabgabe bleibt für die jeweils abgegebene Stimme gültig.[t-online]
Kandidaturen
Für die Wahl sind 15 Parteien mit Landeslisten zugelassen. Im Mittelpunkt des Wahlkampfs stehen besonders die Spitzenkandidaten der im Landtag vertretenen oder in den Umfragen aussichtsreichen Parteien: Ministerpräsident Sven Schulze tritt für die CDU an, Ulrich Siegmund für die AfD, Eva von Angern für Die Linke, Armin Willingmann für die SPD, Susan Sziborra-Seidlitz für Bündnis 90/Die Grünen und Lydia Hüskens für die FDP.[zdfheute][tagesschau]
Ausgangslage
Die Wahl findet unter deutlich veränderten politischen Vorzeichen statt. In den Umfragen der vergangenen Monate lag die AfD über längere Zeit klar vorn und erreichte zuletzt Werte von bis zu 42 Prozent. Die CDU, bislang führende Regierungspartei, folgte in den veröffentlichten Erhebungen mit deutlichem Abstand; die Frage lautet daher nicht nur, welche Partei stärkste Kraft wird, sondern auch, ob und unter welchen Voraussetzungen eine Regierungsmehrheit jenseits der AfD zustande kommen kann.[bpb][welt]
Die bisherigen Regierungsparteien CDU, SPD und FDP treten damit aus einer defensiven Position heraus an. Für die Grünen ist neben ihrem Stimmenanteil insbesondere relevant, ob sie die Fünfprozenthürde überspringen; die Größe des neuen Landtags und mögliche Mehrheitsmodelle hängen wesentlich vom Einzug kleinerer Parteien ab.[zdfheute][zeit]
Kommentar & Analyse 1
Wie Sie gerade lesen, gibt es diesen Wahlticker also auch heute. Dass dies eine historische Wahl sein könnte, mache es allerdings nicht besser, sondern in dem Fall schlechter, weil das Historische daran die größte Niederlage der deutschen Demokratie seit ihrer Nachkriegsgründung werden könnte. Es ist so viel analysiert worden, wie es dazu kommen konnte und teilweise sind die Analysen genauso schlecht, wie es das heutige Ergebnis werden könnte. Vielleicht hatten wir nie eine demokratisch eingestellte Mehrheit in Deutschland, und dass die Demokratie bisher aufrechterhalten wurde, lag daran, dass sie nützlich war, nicht daran, dass man in guten und schlechten Zeiten glaubt, dass sie wertvoll ist. Und wir sehen da keinen so großen Unterschied zwischen Ost und West. Vielen Westdeutschen erschien die Demokratie länger nützlich, sie hatten 40 gute Jahre mehr in dieser Staatsform erlebt, aber wenn es zu Schwierigkeiten kommt, sind sie nicht viel mehr in der Wolle gefärbt demokratisch als auf der anderen Seite der Elbe. Sonst hätte es bei den letzten Wahlen im Westen nicht zu AfD-Anteilen von 20 Prozent kommen können, und die Tendenz ist steigend. Dass die AfD mittlerweile in Umfragen deutlich die stärkste Partei in Deutschland insgesamt ist, ist logischwerweise auch vielen Menschen im wesentlich beölkerungssärkeren Westen geschuldet. Auch dort liegt sie derzeit vor der Union vermutlich in vielen Regionen schon auf Platz 1.
Wir haben die KI mal ein wenig rechnen lassen:
Die bundesweiten 27 Prozent (aus einer jüngeren Umfrage, Anm. TH) sind rechnerisch überwiegend ein westdeutscher Stimmenanteil, weil rund vier Fünftel der deutschen Wahlberechtigten im Westen leben. Selbst wenn die AfD im Osten erheblich höhere Werte erzielt, kann der Osten allein einen bundesweiten Spitzenwert nicht erklären.
Ein vereinfachtes Rechenbeispiel verdeutlicht das: Bei einem Anteil von ungefähr 80 Prozent Wahlberechtigten im Westen und 20 Prozent im Osten ergäbe sich bei 27 Prozent bundesweit etwa folgende Größenordnung:
- Bei 20 Prozent im Westen müsste die AfD im Osten rechnerisch bei rund 55 Prozent liegen.
- Bei 22 Prozent im Westen ergäben sich im Osten etwa 47 Prozent.
- Bei 24 Prozent im Westen läge der rechnerische Ostwert noch bei rund 39 Prozent.
Das ist keine Umfrageprognose, sondern eine Gewichtungsrechnung. Sie zeigt vor allem: Ein bundesweiter AfD-Wert von 27 Prozent setzt eine relevante, ungefähr im Bereich um ein Fünftel liegende westdeutsche Unterstützung voraus; die sehr hohen ostdeutschen Werte verstärken den Bundestrend, können ihn aber wegen des geringeren Bevölkerungsgewichts nicht allein tragen.
Da die Landtagswahl-Umfragen im Osten die AfD um 40 Prozent zeigen, ist also davon auszugehen, dass im Westen ebenfalls etwa 24 Prozent aktuell ihr Kreuz bei den Blauen machen würden, wären jetzt Bundestagswahlen. Die steigenden Ergebnisse der Partei bei den letzten Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz mit Stimmanteilen von rund 20 Prozent belegen diese Einschätzung.
Deswegen warnen wir davor, die AfD immer noch als ostdeutsches Sonderphänomen zu betrachten und dementsprechend die Ostedeutschen gesondert zu pathologisieren. Natürlich kommt dieses Gefühl hinzu, dass jetzt nach 35 Jahren mal genug gejammert ist über die schrecklichen Nachteile der Einheit, und genug ist genug ist auch berechtigt. Das wird aber in vielen Diskussionen etwas zu eng mit dem Rechtsdrall im Osten verknüpft.
Entdecke mehr von DER WAHLBERLINER
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

