Deutschland bei Ökostrom vor den USA und China (Statista + Mehrwert-Analyse: Mehr Differenzierung tut not + Schlusskommentar)

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Es gibt mal eine frohe Botschaft: Deutschland ist bei der Energiewende auf keinem schlechten Weg, zumindest, wenn man nur die Stromversorgung betrachtet. Das darf man bei einem Ökostrom-Anteil von 60 Prozent sagen. Zum Vergleich andere Länder, die zeigen, wie abweichend der dortige Energiemix ist, wobei man sich auf die beiden größten Volkswirtschaften der Welt konzentriert hat und abhängig davon, wie man „nachhaltig“ definiert. Natürlich belassen wir es nicht bei dieser Feststellung, sondern fragen uns, warum der Strom bei uns trotzdem so teuer ist. Nicht für Privatverbraucher. Beim Industriestrompreis versucht man hingegen, der Wirtschaft den Wind aus den Segeln zu nehmen, wenn sie behauptet, Deutschland sei allein wegen der Strompreise kein wettbewerbsfähiger Standort mehr. Außerdem betrachten wir andere Länder, verschiedene Aspekte der Stromversorgung und das Verhalten der Politik in Sachen Energieversorgungssteuerung.

Infografik: Deutschland bei Ökostrom vor den USA und China | Statista

Begleittext von Statista

Deutschland erzeugte von Januar bis September 2026 deutlich mehr Strom aus erneuerbaren Energien als die USA und China. Ihr Anteil lag bei 60,6 Prozent, gegenüber 37,9 Prozent in China und 27 Prozent in den USA. Damit setzt sich Deutschland im Vergleich der drei Länder klar ab. Die Ember-Daten sind teilweise geschätzt oder vorläufig und könnten später noch revidiert werden.

Getragen wird der Vorsprung vor allem von Windkraft und Solarenergie. Beide Quellen kamen in Deutschland auf 25,9 beziehungsweise 23,9 Prozent der Stromerzeugung. In China blieb Kohle mit 53,4 Prozent die wichtigste Quelle, während Wasserkraft mit 12,8 Prozent den größten erneuerbaren Einzelbeitrag leistete. In den USA dominierte dagegen Gas mit 40,2 Prozent.

China baut seine Kohlekraftwerke aktuell weiter aus. Das Land installiert Jahr für Jahr mehr neue Kraftwerke als es vom Netz nimmt. Laut Global Coal Plant Trackers hat China seine Kohle-Kapazitäten durch den Bau neuer Kraftwerke zuletzt deutlich erweitert. Die USA setzen hingegen stark auf Gas, weil das Land über große eigene Erdgasvorkommen, eine ausgebaute Infrastruktur und viele flexible Gaskraftwerke verfügt.

Mehrwert-Recherche

Es ist durchaus bemerkenswert, dass in Deutschland immer noch fast 20 Prozent der Energie aus der Verstromung von Kohle kommen, den Anteil hätten wir für niedriger gehalten, zumal der Steinkohlebergbau mittlerweile vollständig gestoppt wurde. Hingegen hat China noch den Vorteil, dass es mit seinen riesigen Talsperren vermehrt auf Wasserkraft setzen kann, was in Deutschland aus topographischen Gründen, anders als in den Alpenländern, nicht in dem Maße möglich ist. Aber warum kommt Deutschland beim Strompreis trotz dieses zukunftsträchtigen Energiemixes nicht voran?

Viel Ökostrom, trotzdem teuer

Die frohe Botschaft ist berechtigt: Deutschland erzeugt inzwischen deutlich mehr als die Hälfte seines Stroms aus erneuerbaren Quellen und liegt damit klar vor den USA und China. Hohe Verbraucherpreise widerlegen diesen Fortschritt nicht – sie zeigen vielmehr, dass günstige Stromerzeugung und eine günstige Stromrechnung zwei verschiedene Dinge sind.[ppl-ai-file-upload.s3.amazonaws][ise.fraunhofer]

Zwei Aussagen des vorgelegten Einstiegs sollten allerdings präzisiert werden: Die Stromwende ist weit vorangekommen, die gesamte Energiewende noch nicht beinahe abgeschlossen; und den eindeutig besten Energiemix unter allen großen Volkswirtschaften belegt die Auswahl von drei Ländern nicht. Diese Einschränkungen schwächen die eigentliche Kritik nicht: Wind und Sonne bieten erhebliche Kostenvorteile, während die politische und wirtschaftliche Organisation des Stromsystems darüber entscheidet, wie viel davon bei Haushalten und Unternehmen ankommt.[umweltbundesamt][irena]

Datenstand der folgenden Analyse: 28. Oktober 2026. Die Angaben zur Stromerzeugung beruhen auf der vorgelegten Grafik und einer Nachberechnung der herunterladbaren Ember-Monatsdaten; vorläufige Werte können später revidiert werden.

Was die Grafik zeigt

Die Statista-Grafik vergleicht die Anteile verschiedener Energieträger an der inländischen Stromerzeugung von Januar bis September 2026. Sie zeigt weder den gesamten Energieverbrauch einschließlich Verkehr und Wärme noch unmittelbar den Stromverbrauch einschließlich des grenzüberschreitenden Stromhandels. Diese Unterscheidung gehört in eine Veröffentlichung, weil „60 Prozent Ökostrom“ sonst leicht als „60 Prozent der Energieversorgung sind erneuerbar“ verstanden wird.[ppl-ai-file-upload.s3.amazonaws]

Die Nachberechnung erfolgt aus den erzeugten Strommengen: Für jeden Energieträger werden die neun Monatswerte addiert und durch die gesamte Stromerzeugung desselben Zeitraums geteilt. Ein einfacher Durchschnitt der neun monatlichen Prozentwerte wäre methodisch schlechter, weil die Monate unterschiedlich viel zur Stromerzeugung beitragen. Die zugrunde liegenden Daten stellt Ember als monatlichen Datensatz frei bereit; der verwendete CSV-Download enthält die Erzeugungsmengen nach Land, Monat und Energieträger.[ember-energy]

EnergieträgerDeutschlandUSAChina
Wind25,9%10,3%10,6%
Solarenergie23,9%10,5%13,2%
Wasserkraft3,0%5,5%12,8%
Bioenergie7,8%0,9%1,3%
Sonstige erneuerbare EnergienUnter 0,1%0,4%Nicht separat ausgewiesen
Kohle18,8%14,7%53,4%
Gas15,2%40,2%3,1%
Sonstige fossile Energieträger5,4%0,7%1,0%
Kernenergie0,0%16,7%4,6%
Erneuerbare insgesamt60,6%27,6%37,9%

Quelle: eigene Berechnung aus dem verlinkten Ember-Monatsdatensatz für Januar bis September 2026; gerundet. Die grundsätzlichen Größenverhältnisse entsprechen der vorgelegten Grafik.[ppl-ai-file-upload.s3.amazonaws]

Dabei fallen zwei Unstimmigkeiten im Statista-Begleittext auf. Erstens ergeben die aktuell verfügbaren Ember-Werte für die USA rund 27,6 Prozent, nicht die genannten 27 Prozent; ob dafür ein anderer Datenstand oder ein Übertragungsfehler verantwortlich ist, lässt sich nicht sicher entscheiden. Zweitens liegt in diesem Datenstand Chinas Solarstromanteil mit 13,2 Prozent bereits knapp über der Wasserkraft mit 12,8 Prozent – die Aussage, Wasserkraft liefere den größten erneuerbaren Einzelbeitrag, sollte deshalb vor einer Übernahme überprüft werden. Grundlage dieser Hinweise ist der oben verlinkte Originaldatensatz.

Für Deutschland bleibt die zentrale Botschaft unverändert: Wind und Sonne liefern zusammen nahezu die Hälfte der Stromerzeugung. Das ist ein erheblicher struktureller Wandel und keine statistische Randerscheinung; die beiden Technologien tragen den Vorsprung gegenüber den Vergleichsländern.[ppl-ai-file-upload.s3.amazonaws]

Vorsprung ist nicht Alleinführung

Der Deutschland-Vergleich mit den USA und China ist aufschlussreich, aber die Auswahl erlaubt keinen allgemeinen Weltmeistertitel. Brasilien und Kanada gehören ebenfalls zu den großen Volkswirtschaften und erreichen durch ihre umfangreiche Wasserkraftnutzung höhere erneuerbare Stromanteile; im aktuell verfügbaren Ember-Datenstand liegen ihre Werte für Januar bis Juli 2026 bei rund 89 beziehungsweise 67 Prozent. Wegen der abweichenden zeitlichen Abdeckung sind das keine exakt gleichartigen Neunmonatsvergleiche, wohl aber ein deutlicher Hinweis auf die Grenzen der Dreiländerauswahl. Grundlage ist wiederum der verlinkte Ember-Datensatz.[worldpowermonitor]

Außerdem bedeutet „höchster Ökostromanteil“ nicht automatisch „bester Energiemix nach jedem denkbaren Kriterium“. Frankreich erreicht in den Ember-Daten für Januar bis September 2026 einen Anteil aus erneuerbaren Energien und Kernkraft von zusammen rund 96 Prozent, Deutschland rund 61 Prozent; wer die laufende fossile Stromerzeugung oder die Treibhausgasintensität betrachtet, erhält deshalb ein anderes Ranking als bei einem reinen Erneuerbarenvergleich. Diese Werte sind eigene Berechnungen aus den verlinkten Erzeugungsdaten.

Damit ist keine Gleichsetzung von Atomstrom und Ökostrom verbunden. Vielmehr müssen die Bewertungsmaßstäbe offengelegt werden: Erneuerbarkeit, Treibhausgasemissionen, Abfallprobleme, Kosten und Versorgungssicherheit beantworten unterschiedliche Fragen; auch die Fraunhofer-Kostenstudie behandelt diese Eigenschaften nicht als austauschbar.[ise.fraunhofer]

Ebenso wenig passt China ausschließlich in die Rolle des rückständigen Nachzüglers. Das Land erzeugt in den ausgewerteten neun Monaten rund 3.053 Terawattstunden erneuerbaren Strom, Deutschland rund 230 Terawattstunden – China also mehr als dreizehnmal so viel; sein wesentlich größerer Strombedarf und die weiterhin enorme Kohleverstromung drücken jedoch den prozentualen Ökostromanteil. Grundlage sind die addierten Ember-Monatswerte.

Die publizistisch tragfähige Aussage lautet deshalb: Deutschland ist beim erneuerbaren Stromanteil gegenüber den USA und China deutlich voraus. Das ist erfreulich genug und braucht weder eine pauschale Abwertung anderer Länder noch einen unbelegten Anspruch auf den weltweit besten Energiemix.[ppl-ai-file-upload.s3.amazonaws]

Stromwende ist nicht Energiewende

Die Formulierung, Deutschland habe die Energiewende beinahe geschafft, wäre trotz des positiven Befunds zu weitgehend. Nach den zuletzt aktualisierten Angaben des Umweltbundesamtes erreichten erneuerbare Energien 2025 einen Anteil von 23,9 Prozent am Bruttoendenergieverbrauch; bei Wärme und Kälte waren es 19,2 Prozent. Der Stromsektor ist also deutlich weiter als die Energieversorgung insgesamt.[umweltbundesamt]

Hinzu kommt: Die Grafik zeigt einen Neunmonatszeitraum, kein vollständiges Kalenderjahr. Eine Quote für Januar bis September lässt sich nicht unverändert auf das Gesamtjahr übertragen, weil sich Sonneneinstrahlung, Windverhältnisse, Strombedarf und Kraftwerkseinsatz im Jahresverlauf verändern; Statista selbst weist zudem auf vorläufige und teilweise geschätzte Daten hin.[ppl-ai-file-upload.s3.amazonaws]

Auch innerhalb des Stromsystems ist ein hoher erneuerbarer Jahresanteil nicht gleichbedeutend mit einer jederzeit vollständig erneuerbaren Versorgung. Entscheidend ist zusätzlich, ob Erzeugung, Verbrauch, Speicher und Netze in jeder einzelnen Stunde zusammenpassen; genau deshalb gewinnen Flexibilität und die Absicherung erneuerbarer Erzeugung mit Speichern an Bedeutung.[irena][irena]

Eine bessere Formulierung für den Einstieg wäre daher: „Deutschland hat bei der Stromwende einen großen Teil der Strecke zurückgelegt. Jetzt muss aus dem hohen Ökostromanteil auch eine zuverlässig günstige Versorgung für alle werden.“ Das würdigt den Fortschritt, ohne die weiterhin großen Aufgaben bei Wärme, Verkehr und zeitlicher Verfügbarkeit kleinzureden.[irena][umweltbundesamt]

Warum noch so viel Kohle?

Die Irritation über knapp 19 Prozent Kohlestrom ist nachvollziehbar. Sie beruht aber teilweise auf einer Verwechslung: Das Ende des deutschen Steinkohlebergbaus bedeutet weder das Ende der Steinkohleverstromung noch das Ende der deutschen Braunkohleförderung; Steinkohle kann weiterhin importiert werden. Die amtliche Statistik erfasst diese Kohleeinfuhren ausdrücklich.[destatis]

Vor allem wird in Deutschland deutlich mehr Braunkohle als Steinkohle verstromt. Nach der BDEW-Bilanz für 2025 erzeugten Braunkohlekraftwerke rund 74,2 Milliarden Kilowattstunden, Steinkohlekraftwerke rund 29,8 Milliarden Kilowattstunden – der größere Teil der Kohleverstromung hing also gerade nicht am inzwischen beendeten heimischen Steinkohlebergbau.[bdew]

Bestehende Kraftwerke verschwinden außerdem nicht automatisch aus dem Markt, sobald neue Wind- und Solaranlagen günstigeren Strom erzeugen können. Ihr tatsächlicher Einsatz hängt unter anderem davon ab, welche anderen Anlagen gerade verfügbar sind und welche Nachfrage gedeckt werden muss; bei wenig Wind und Sonne steigt die Bedeutung steuerbarer Kraftwerke und von Importmöglichkeiten. Das Bundeskartellamt beschreibt diese Zusammenhänge in seinem Marktmachtbericht 2024/25.

Das rechtfertigt allerdings nicht jeden fortgesetzten fossilen Einsatz. Es beschreibt die Aufgabe, die politisch gelöst werden muss: Nicht nur mehr erneuerbaren Strom erzeugen, sondern seine Nutzung zeitlich und räumlich so organisieren, dass fossile Erzeugung tatsächlich verdrängt wird. Speicher, flexible Nachfrage und Netze sind dafür keine Nebensachen, sondern Bestandteile der Stromwende.[irena][irena]

Bei der Wasserkraft ist die geografische Einschränkung grundsätzlich richtig, aber „in Deutschland nicht möglich“ wäre zu absolut. Deutschland nutzt Wasserkraft bereits; ihr Beitrag liegt in der Grafik bei rund drei Prozent, das zusätzliche Potenzial ist jedoch begrenzt und kann die Größenordnung des Wind- und Solarausbaus nicht ersetzen.[ppl-ai-file-upload.s3.amazonaws][yello]

Strom wird bereits günstiger

Die Ausgangsfrage sollte nicht lauten, warum Deutschland beim Strompreis überhaupt nicht vorankomme. Tatsächlich sind die Preise zuletzt gefallen: Nach den veröffentlichten Destatis-Angaben zahlten Haushalte im ersten Halbjahr 2026 durchschnittlich 37,97 Cent je Kilowattstunde, 6,4 Prozent weniger als im zweiten Halbjahr 2025; gegenüber dem ersten Halbjahr 2021 lag der Preis allerdings weiterhin 16,4 Prozent höher.[firmenpresse]

Für Nicht-Haushalte nennt Destatis vorläufig 17,64 Cent je Kilowattstunde, ohne Mehrwertsteuer und andere abzugsfähige Steuern. Diese breite Kategorie umfasst nicht nur Industriebetriebe, sondern beispielsweise auch andere Unternehmen und Behörden; sie darf daher nicht ohne Weiteres als einheitlicher „Industriestrompreis“ bezeichnet werden.[regionalheute][firmenpresse]

Auch die Aussage, Industrie zahle etwa ein Drittel weniger als Privathaushalte, ist mit diesen Durchschnittswerten nicht haltbar. Der Nicht-Haushaltswert liegt vielmehr bei weniger als der Hälfte des Haushaltswertes; der Abstand hängt allerdings wesentlich von Verbrauchsmenge, Abgabenbehandlung und Kundengruppe ab.[firmenpresse]

Die BDEW-Strompreisanalyse vom August 2026 bestätigt die Größenordnung mit einer anderen Erhebung: durchschnittlich 37,0 Cent für Haushalte und 17,2 Cent bei Lieferverträgen kleiner bis mittlerer Industriebetriebe. Beide Reihen sollten nebeneinander erklärt, nicht zu einer vermeintlich einzigen Preisstatistik vermischt werden.

Im europäischen Haushaltsvergleich bleibt Deutschland teuer. Eurostat weist für das zweite Halbjahr 2025 38,69 Cent je Kilowattstunde für Deutschland aus, gegenüber 28,96 Cent im EU-Durchschnitt; lediglich Irland lag in dieser Veröffentlichung höher. Das ist ein standardisierter Ländervergleich und nicht identisch mit dem Durchschnitt über sämtliche deutschen Haushaltsverbräuche.[ec.europa]

Ein aktueller EU-Rang deutscher Industriepreise wird hier bewusst nicht pauschal angegeben. Eurostat unterscheidet mehrere Verbrauchsklassen und steuerliche Abgrenzungen; ein Großverbraucher ist mit einem kleinen Gewerbebetrieb ebenso wenig gleichzusetzen wie ein Preis einschließlich aller Abgaben mit einem Preis nach Erstattungen. Die entsprechende Eurostat-Reihe reicht inzwischen bis zum ersten Halbjahr 2026.[ec.europa]

Warum Gas den Preis prägt

Der wichtigste Unterschied lautet: Stromgestehungskosten sind nicht Börsenpreise, und Börsenpreise sind nicht Endkundenpreise. Ein Windpark kann Strom vergleichsweise günstig erzeugen, während der am Markt gebildete Preis höher liegt und auf der Rechnung weitere Kosten hinzukommen.[ise.fraunhofer][zfk]

Am kurzfristigen Strommarkt werden Angebote nach ihrem Preis geordnet. Das letzte noch benötigte Angebot bestimmt im üblichen einheitlichen Auktionsverfahren den Preis der bezuschlagten Strommenge; häufig stammt dieses Angebot von einem Gaskraftwerk. Deshalb kann Gas den Marktpreis stark beeinflussen, obwohl sein Anteil an der gesamten deutschen Stromerzeugung erheblich kleiner ist als der Anteil von Wind und Sonne zusammen.[zfk]

Daraus folgt aber nicht, dass erneuerbare Energien wirkungslos wären. Zusätzlicher Wind- und Solarstrom verschiebt die Angebotslage und kann teurere Kraftwerke aus dem Markt drängen; ihre niedrigen zusätzlichen Erzeugungskosten wirken damit grundsätzlich preissenkend. Entscheidend ist, wie oft fossile Kraftwerke noch benötigt werden, nicht allein ihr Anteil an der über viele Monate summierten Strommenge.[iwr]

Die eingängige Aussage „Gas bestimmt immer den Preis für den gesamten Strom“ wäre trotzdem falsch. Sie unterschlägt Stunden ohne preissetzendes Gas sowie längerfristige Lieferverträge und andere Beschaffungsformen; treffender ist, dass Gas in vielen relevanten Marktsituationen den kurzfristigen Preis beeinflusst.[zfk]

Ebenso wäre die Behauptung falsch, zusätzliche Gaskraftwerke könnten grundsätzlich keine Strompreisspitzen senken. Zusätzliche verfügbare Leistung kann Knappheit vermindern; sie beseitigt jedoch weder die Brennstoffkosten noch die Abhängigkeit vom Gasmarkt und ist deshalb etwas anderes als eine Strategie, möglichst viele Stunden mit günstigem erneuerbarem Strom zu versorgen. Die Bedeutung knapper steuerbarer Leistung dokumentiert der Bundeskartellamtsbericht.

Was auf der Rechnung landet

Die BDEW-Zerlegung des Haushaltsstrompreises macht sichtbar, warum günstige Erzeugung allein nicht ausreicht. Von durchschnittlich 37,0 Cent je Kilowattstunde entfallen 2026 15,2 Cent auf Beschaffung und Vertrieb, 9,2 Cent auf Netzentgelte und 12,6 Cent auf Steuern, Abgaben und Umlagen. Mehr als die Hälfte des Endpreises entsteht damit außerhalb des Postens Beschaffung und Vertrieb. Quelle ist die BDEW-Strompreisanalyse.

Auch „Beschaffung und Vertrieb“ ist nicht mit den reinen Herstellungskosten einer Kilowattstunde gleichzusetzen. Umgekehrt sind Netzkosten nicht automatisch ein Beleg für überflüssige Ausgaben: Ein Stromsystem braucht Transport, Verteilung und zuverlässigen Betrieb; die politische Frage ist, welche Infrastruktur tatsächlich benötigt wird und wie ihre Kosten verteilt werden. Die Bundesregierung begründet ihren Reformkurs ausdrücklich auch mit der Begrenzung von Netzausbaukosten.[zfk]

Bei Entlastungen ist deshalb zwischen Kostensenkung und Kostenverschiebung zu unterscheiden. Ein Bundeszuschuss zu Netzentgelten kann die Stromrechnung wirksam senken, ohne dass der zugrunde liegende Aufwand für das Netz im gleichen Umfang sinkt; der BDEW führt den Rückgang der Haushaltsnetzentgelte 2026 um 1,7 Cent ausdrücklich auf den Zuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten zurück. Quelle ist erneut die BDEW-Analyse.

Eine sozial gerechte Finanzierung über Steuern kann trotzdem sinnvoll sein. Sie sollte nur nicht als technischer Effizienzgewinn verkauft werden: Ein anderer Zahler ist noch keine günstigere Infrastruktur.

Bemerkenswert ist außerdem, wie ungleich die Belastung innerhalb der Haushalte ausfällt. Haushalte mit weniger als 1.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch zahlten im ersten Halbjahr 2026 durchschnittlich 57,99 Cent je Kilowattstunde, Haushalte mit mehr als 15.000 Kilowattstunden dagegen 30,55 Cent; die Debatte über günstigen Strom muss daher auch Grundpreise und die Lage kleiner Verbraucher berücksichtigen.[firmenpresse]

Marktmacht gehört zur Preisfrage

Wer ausschließlich über Steuern oder die Kosten der Energiewende spricht, lässt einen weiteren wichtigen Punkt aus: den Wettbewerb unter den Stromerzeugern. Das Bundeskartellamt stellte im Februar 2026 fest, dass die Marktmacht großer Anbieter deutlich zugenommen hat, weil die verbleibenden steuerbaren Kraftwerke häufiger unverzichtbar sind. Quelle ist der Marktmachtbericht 2024/25.

RWE und LEAG überschritten in der Untersuchung eine wichtige Schwelle für die Vermutung einer marktbeherrschenden Stellung; EnBW lag nahe daran. Die Behörde empfahl deshalb, neue Kraftwerksausschreibungen auch zur Verringerung der Konzentration zu nutzen und den Zuschlagsanteil je Bieter auf zehn Prozent zu begrenzen. Das ist eine wettbewerbspolitische Empfehlung, nicht automatisch eine Aussage über die endgültige gesetzliche Ausgestaltung. Quelle ist derselbe Behördenbericht.

Zur fairen Darstellung gehört die Gegeninformation: Die Untersuchung der extremen Preisspitzen Ende 2024 ergab nach Angaben des Bundeskartellamts keine Hinweise auf missbräuchliche Kapazitätszurückhaltung. Hohe Marktmacht ist ein ernstes strukturelles Problem, beweist aber nicht, dass jede Preisspitze manipuliert wurde. Auch diese Abgrenzung stammt aus dem Bericht.

Die politische Konsequenz ist trotzdem klar: Wer öffentliche Mittel für neue Versorgungssicherheit ausgibt, sollte nicht nebenbei die Abhängigkeit von wenigen Großunternehmen weiter verfestigen.

Die Gaslobby ist kein Nebenthema

Die Gaslobby-Frage lässt sich substanziell bearbeiten, ohne in pauschale Korruptionsbehauptungen auszuweichen. LobbyControl dokumentiert seit Jahren die Verbindungen zwischen Gasunternehmen, Verbänden und Politik; in der Lobbyregister-Auswertung zu den Angaben für 2024 fallen unter anderem EnBW, Eon, Uniper und BASF durch besonders hohe Lobbyausgaben auf.[lobbycontrol]

Die Studie „Pipelines in die Politik“ untersucht unter anderem politische Netzwerke, privilegierte Zugänge und die strategische Vermarktung von Gas als notwendigem Bestandteil der Energiewende. Ihr besonderer Wert liegt darin, dass sie nicht nur öffentliche Aussagen, sondern auch institutionelle Verbindungen und Beteiligungsstrukturen betrachtet.[lobbycontrol]

Wirtschaftlich steht für die Branche viel auf dem Spiel. Wer Gasnetze, Gasliefergeschäfte oder Gaskraftwerke betreibt, hat ein nachvollziehbares Interesse daran, dass diese Infrastruktur weiter genutzt und gegebenenfalls staatlich abgesichert wird; problematisch wird es, wenn dieses besondere Geschäftsinteresse zur selbstverständlichen Ausgangsannahme staatlicher Planung wird. Die von LobbyControl beschriebenen Konflikte betreffen genau diese Nähe zwischen fossilem Geschäftsmodell und politischer Entscheidung.[lobbypedia]

Dabei sollte die Kritik nicht erst 2025 beginnen. Die dokumentierten Gasnetzwerke reichen über mehrere Regierungen und Parteien hinweg; eine Darstellung, nach der Deutschlands Gasabhängigkeit ausschließlich die Folge der heutigen Ministerin sei, wäre historisch unzureichend.[lobbycontrol]

Unter Katherina Reiche ist die Frage möglicher Interessenkonflikte allerdings besonders offenkundig. Vor ihrer Ernennung zur Wirtschaftsministerin war sie Vorstandsvorsitzende der Eon-Tochter Westenergie, davor Hauptgeschäftsführerin des Verbandes kommunaler Unternehmen; abgeordnetenwatch dokumentierte den unmittelbaren Übergang aus der Interessenvertretung in das zuständige Regierungsressort.[handelsblatt][lobbypedia]

Das beweist keine unzulässige Einzelentscheidung. Es begründet aber einen erhöhten Anspruch auf Transparenz, Ausgewogenheit der Beratung und nachvollziehbare Distanz zum früheren beruflichen Umfeld.

Der konkrete Fall EnBW

Besonders aufschlussreich ist die Auseinandersetzung um die Kraftwerksstrategie. Medienrecherchen zufolge fragte das Wirtschaftsministerium bei EnBW Vorschläge zur Ausgestaltung von Anforderungen an neue Kapazitäten an; die Kritik richtet sich darauf, dass solche Anforderungen Gaskraftwerke gegenüber Batteriespeichern begünstigen könnten. EnBW gehört zugleich zu den Unternehmen, die von entsprechenden Ausschreibungen profitieren können.[greenpeace][duitslandinstituut]

Die Bundesregierung bestätigte in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage vom Juni 2026, dass Stellungnahmen und Positionspapiere von EnBW und RWE vorliegen und in den Beratungsprozess eingehen. Sie verwies auf Gespräche mit verschiedenen Akteuren und auf die spätere Verbändeanhörung, beantwortete die konkreten Fragen nach angeforderten Vorschlägen und übernommenen Textbausteinen jedoch nicht einzeln.[dserver.bundestag]

Gerade diese Trennung ist wichtig: Die Existenz der Unternehmenspapiere ist amtlich bestätigt; die weitergehende Bewertung einer gezielten Benachteiligung von Konkurrenten stützt sich zusätzlich auf Medienrecherchen und die Analyse der Ausschreibungsbedingungen. Beides darf nicht zu einem angeblich bereits amtlich festgestellten Fehlverhalten verschmolzen werden.[duitslandinstituut][dserver.bundestag]

Im Mittelpunkt der damaligen Debatte stand die Anforderung, über mindestens zehn Stunden ununterbrochen Strom liefern zu können. Eine solche Vorgabe ist für brennstoffbasierte Kraftwerke leichter zu erfüllen als für Kurzzeitspeicher; sie wirkt deshalb als technischer Filter, auch wenn eine Regel nicht ausdrücklich „nur Gaskraftwerke“ lautet.[taylorwessing]

Das Gegenargument ist sachlich ernst zu nehmen: Eine mehrtägige Schwachwindphase lässt sich nicht mit dem Hinweis auf einige Stunden Batteriespeicherung erledigen. Daraus folgt jedoch nicht, dass für alle Absicherungsaufgaben dasselbe Produkt benötigt wird oder Kombinationen aus Speichern, flexibler Nachfrage und anderen Kapazitäten keinen Beitrag leisten können; gerade technologieoffene Kapazitätsausschreibungen erkennen diese Vielfalt grundsätzlich an.[gleisslutz]

Inzwischen geht es nicht mehr nur um frühere Absichtserklärungen. Die Bundesnetzagentur führt für 2026 zwei Ausschreibungen mit jeweils 4,5 Gigawatt für länger verfügbare Erzeugungsleistung auf; weitere Produkte folgen ab 2027, darunter später technologieoffene Ausschreibungen für Kraftwerke, Speicher und regelbare Lasten.[bundesnetzagentur][gleisslutz]

Die entscheidende Kritik lautet deshalb nicht „jedes neue Gaskraftwerk ist falsch“. Sie lautet: Der Staat muss den Bedarf unabhängig bestimmen, Alternativen gleichwertig prüfen und darf potenzielle Begünstigte nicht faktisch die Spielregeln ihrer eigenen Förderung entwerfen lassen.

Transparenz statt Vertrauensvorschuss

Zum Problem privilegierter Zugänge gehört die öffentliche Nachprüfbarkeit. Abgeordnetenwatch berichtete 2025, Reiches Ministerium habe für Unterlagen zu ihren Lobbykontakten Bearbeitungsgebühren von bis zu 4.000 Euro angekündigt; die Organisation kritisierte dies als abschreckende Hürde für Informationsfreiheit.[abgeordnetenwatch]

Auch hier sollte die Formulierung präzise bleiben: Es handelt sich um die dokumentierte Darstellung der anfragenden Organisation, nicht um einen Beweis, dass eine bestimmte energiepolitische Entscheidung gekauft worden wäre. Politisch ist es dennoch ein ernstes Problem, wenn wirtschaftliche Akteure Zugang zu Entscheidern erhalten, während die Kontrolle dieser Kontakte für die Öffentlichkeit teuer und aufwendig wird.[abgeordnetenwatch]

Finanzwende liefert eine ergänzende Perspektive auf die ökonomischen Interessen. Eine Untersuchung sogenannter nachhaltiger Fonds stellte fest, dass deren untersuchtes Aktienportfolio während der Energiekrise durch Umschichtungen rechnerisch 7,9 Prozent CO₂-intensiver wurde; die Analyse beschreibt damit einen Konflikt zwischen Nachhaltigkeitsversprechen und Renditeanreizen.[finanzwende-recherche][finanzwende-recherche]

Diese Untersuchung erklärt allerdings nicht unmittelbar die deutsche Stromrechnung und belegt keine Einflussnahme auf das Wirtschaftsministerium. Aktienkäufe am Sekundärmarkt sind zudem nicht automatisch direkte neue Finanzierung für den jeweiligen Konzern; die Studie ist vor allem ein Beleg dafür, dass fossile Gewinne und deren Attraktivität für Anleger nicht mit gesellschaftlich günstiger Energieversorgung gleichgesetzt werden dürfen.[finanzwende-recherche]

Insgesamt ergibt sich ein belastbarer, aber begrenzter Befund: Die Voraussetzungen für einseitigen Einfluss und fossile Pfadabhängigkeiten sind gut dokumentiert. Wie viele Cent je Kilowattstunde daraus konkret entstehen, lässt sich mit den vorliegenden Untersuchungen nicht seriös beziffern.[lobbycontrol][duitslandinstituut][dserver.bundestag]

Was günstigeren Strom fördern würde

Eine verbraucherorientierte Politik sollte nicht nur fragen, wie Gas billiger eingekauft werden kann. Sie sollte zuerst prüfen, wie viele teure fossile Betriebsstunden durch günstigere Erzeugung, Speicherung und flexiblen Verbrauch vermieden werden können; darin liegt der Unterschied zwischen der Absicherung einer erneuerbaren Versorgung und der dauerhaften Absicherung eines fossilen Geschäftsmodells. Die Kostenvorteile erneuerbarer Erzeugung und zunehmend auch von Speicherhybriden sind dafür eine wichtige Grundlage.[irena][irena]

Daraus ergeben sich mehrere politische Prioritäten:

  • Erneuerbare Erzeugung weiter ausbauen: Vor allem große Solaranlagen und Windkraft an Land bieten günstige zusätzliche Strommengen.[ise.fraunhofer]
  • Speicher und flexible Nachfrage gleichwertig prüfen: Für die benötigte Versorgungssicherheit sollte möglichst kostengünstig eingekauft werden, statt das Ergebnis durch unnötig enge Produktdefinitionen vorwegzunehmen.[irena][gleisslutz]
  • Neue Marktmacht vermeiden: Ausschreibungen sollten Wettbewerb schaffen und nicht bestehende Abhängigkeiten fortschreiben. Das empfiehlt auch das Bundeskartellamt.
  • Netzkosten und ihre Verteilung offenlegen: Rechnungssenkungen durch Zuschüsse sind von tatsächlichen Effizienzgewinnen zu unterscheiden; die aktuelle Preisentwicklung zeigt, wie erheblich die Finanzierungsentscheidung ist. Quelle: BDEW.
  • Kleine Verbraucher berücksichtigen: Ein niedriger Durchschnittspreis hilft wenig, wenn Haushalte mit geringem Verbrauch weiterhin besonders hohe effektive Kilowattstundenpreise zahlen.[firmenpresse]
  • Lobbykontakte und Regelentstehung transparent machen: Bei milliardenschweren Förderentscheidungen sollten nicht nur die endgültigen Regeln, sondern auch wesentliche Unternehmensvorschläge und ihre Behandlung nachvollziehbar sein. Die dokumentierten Auskunftsprobleme zeigen den Handlungsbedarf.[dserver.bundestag][abgeordnetenwatch]

Diese Punkte versprechen nicht gleichzeitig und sofort den niedrigsten denkbaren Strompreis. Sie richten die Debatte aber auf die richtige Frage: Welche Kombination versorgt die Gesellschaft zu möglichst niedrigen tatsächlichen Kosten – statt welche Kombination den etablierten Anbietern möglichst verlässliche Einnahmen sichert?

Ist Ökostrom schon heute günstiger?

Die Kernthese ist gut belegt, muss aber genau formuliert werden: Neue große Solar- und Windanlagen erzeugen Strom bereits heute meist günstiger als neue fossile Kraftwerke – nicht erst dann, wenn sämtliche späteren Klima- und Umweltschäden hinzugerechnet werden. Daraus folgt allerdings nicht, dass jede erneuerbare Technologie billig ist oder eine jederzeit verfügbare Vollversorgung keine zusätzlichen Kosten verursacht.[ise.fraunhofer][irena]

Die Fraunhofer-ISE-Studie von Juli 2024 vergleicht die über die Nutzungsdauer berechneten Stromgestehungskosten verschiedener Neuanlagen unter deutschen Bedingungen. Die Bandbreiten berücksichtigen unter anderem Investition, Betrieb, Finanzierung, Standort, Auslastung sowie bei fossilen Anlagen Brennstoff- und CO₂-Zertifikatskosten; sie sind deshalb keine bloßen Brennstoffkosten und keine Endkundenpreise.[ise.fraunhofer]

Neue AnlageStromgestehungskosten
Photovoltaik-Freiflächenanlage4,1–6,9 Cent/kWh
Windkraft an Land4,3–9,2 Cent/kWh
Windkraft auf See5,5–10,3 Cent/kWh
Große Freiflächen-PV mit Batterie6,0–10,8 Cent/kWh
Gas-und-Dampf-Kraftwerk10,9–18,1 Cent/kWh
Gasturbinenkraftwerk15,4–32,6 Cent/kWh
Braunkohlekraftwerk15,1–25,7 Cent/kWh
Steinkohlekraftwerk17,3–29,3 Cent/kWh

Quelle: Fraunhofer ISE, „Stromgestehungskosten Erneuerbare Energien“, Juli 2024. Die Werte beziehen sich auf Neuanlagen und die Annahmen dieses Studienjahres, nicht auf garantierte Angebote für Oktober 2026.[ise.fraunhofer]

Der Vorteil ist damit nicht nur ein Versprechen für eine ferne Zukunft. Fraunhofer kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass große erneuerbare Neuanlagen unter den untersuchten Annahmen bereits die Betriebskosten bestehender fossiler Kraftwerke unterschreiten können; bei gekoppelter Strom- und Wärmeerzeugung fällt der Vergleich differenzierter aus.[ise.fraunhofer]

Die internationale Entwicklung bestätigt das Grundmuster. Nach dem IRENA-Bericht zu den 2025 errichteten Anlagen waren mehr als 90 Prozent der neu hinzugekommenen großen erneuerbaren Kapazität günstiger als die jeweils billigste neue fossile Alternative; die weltweit gewichteten Durchschnittskosten lagen bei etwa 33 US-Dollar je Megawattstunde für Wind an Land und 44 US-Dollar für Photovoltaik. Diese Weltmittelwerte sind keine deutschen Endkundenpreise, belegen aber den grundlegenden Kostenvorteil.[irena][irena]

Der stärkste Einwand bleibt die zeitliche Verfügbarkeit. Ein günstiges solares Erzeugungsangebot am Mittag ist noch keine gesicherte Lieferung in einer windarmen Winternacht; Speicher, Reserveleistung, Netze und flexible Nachfrage müssen deshalb in einer vollständigen Systemrechnung berücksichtigt werden. Die Fraunhofer-Studie weist ausdrücklich darauf hin, dass Stromgestehungskosten allein solche Eigenschaften nicht vollständig abbilden.[ise.fraunhofer]

Doch auch hier wird die pauschale Behauptung, erneuerbarer Strom werde mit Speicherung zwangsläufig unbezahlbar, zunehmend unhaltbar. IRENA zeigt 2026, dass Kombinationen aus Wind, Sonne und Batterien bereits wirtschaftlich konkurrenzfähige verlässlichere Lieferprofile ermöglichen; besonders günstige Ergebnisse gelten für sehr gute Standorte und dürfen nicht unverändert auf jedes deutsche Versorgungsproblem übertragen werden.[irena][irena]

Für die kurzfristige These sind deshalb drei Ebenen auseinanderzuhalten:

  • Zusätzliche Erzeugung: Große Wind- und Solaranlagen sind bereits heute häufig die günstigste Wahl.[irena][ise.fraunhofer]
  • Jederzeitige Versorgung: Dafür muss das gesamte System einschließlich Flexibilität und Absicherung verglichen werden, nicht nur eine einzelne Anlage.[irena]
  • Gesamte gesellschaftliche Kosten: Zusätzlich gehören Klima- und Umweltfolgen in die Bewertung; eine Rechnung, die solche Schäden außerhalb der Energiebilanz lässt, ist keine vollständige Kostenrechnung. Die Emissionsgrundlagen und Grenzen der Bewertung erläutert unter anderem die Ember-Methodik.

Auch erneuerbare Anlagen sind dabei nicht folgenlos. Ihre Herstellung, ihr Bau und ihre Infrastruktur verursachen Emissionen und Eingriffe; insbesondere Bioenergie lässt sich nicht pauschal mit Wind- oder Solarstrom gleichsetzen, weil ihre Klimabilanz stark von den verwendeten Rohstoffen abhängt. Das hebt Ember in seiner Methodik ausdrücklich hervor.

Die belastbare Zuspitzung für den Artikel lautet daher: Deutschland muss nicht auf zukünftige Klimaschäden verweisen, um den Ausbau von Wind- und Solarenergie wirtschaftlich zu rechtfertigen. Diese Technologien besitzen schon bei heutigen Erzeugungskosten erhebliche Vorteile; die politischen Aufgaben bestehen darin, daraus ein effizientes Gesamtsystem zu bauen und die Vorteile an die Verbraucher weiterzugeben.[irena][ise.fraunhofer]

Die entscheidende Frage ist also nicht mehr nur, ob erneuerbarer Strom günstig sein kann. Sie lautet, warum seine belegten Kostenvorteile durch Marktregeln, Infrastrukturentscheidungen, ungleichen Wettbewerb und privilegierten Einfluss so unvollständig auf den Rechnungen der Menschen ankommen. Für diese Kritik liefern die Kostenstudien, die dokumentierten Unternehmenszugänge und die Wettbewerbsanalyse eine wesentlich solidere Grundlage als die Behauptung, die Energiewende sei bereits beinahe erledigt.[lobbycontrol][dserver.bundestag][irena][ise.fraunhofer]

Schlusskommentar

Der Duktus der Analyse lässt unter anderem Rückschlüsse darauf zu, dass wir zugespitzt gefragt haben, das aber im fertigen Text nicht so stehen lassen, sondern die Analyse berücksichtigen. Was Ihnen, wenn Sie einen normal hohen Stromverbrauch haben, seltsam vorkommen mag: Dass Kleinverbraucher so viel zahlen sollen. Bei normalen Haushalten gibt es keine tarifliche Differenzierung, die private Vielverbraucher begünstigt. Oder doch? Um ehrlich zu sein, wir wissen nicht, ob ab 10.000 KWh pro Jahr, zum Beispiel, Ermäßigungen angeboten werden, aber ein Faktor schlägt sehr wohl zu Buche: Dass Menschen, die sehr wenig Strom verbrauchen, dieselben Grundpreise pro Monat zahlen wie Haushalte mit mittlerem Verbrauch, zu denen wir gehören. Diese Kosten lassen sich nicht senken. Wenn so gut wie keinen Strom verbraucht, aber trotzdem 20 Euro pro Monat Grundpreis zahlen muss, tendieren die Stromkosten pro tatsächlich verbrauchter Kilowattstunde gegen unendlich. Wir kennen tatsächlich Haushalte, deren Verbrauch unter 1.000 kWh pro Jahr liegt. Trotz hohem Verbrauch für ein großes Smart-TV, beispielsweise. Wir denken nicht jeden Tag darüber nach, wie das möglich ist, sondern halten unseren Verbrauch (ohne Heizstromanteil) von etwa 1.600 bis 1.800 kWh pro Jahr, jetzt durch ansteigende Strom-Betriebskosten für Computer-Equipment wieder leicht noch oben tendierend, für vertretbar.

Der Analysetext ist nicht aktivistisch, sondern sehr abwägend und mit viel wenn und aber versehen. Das gehört sich bei einem Artikel dieser Art, denn auch bei der Betrachtung der Energiewende ist Populismus nicht der richtige Ansatz, um Deutschland zukunftsfähiger zu machen. Die Tendenz des Artikels ist trotzdem eindeutig: Mehr erneuerbare Energie ist kein Nachteil.

Was wir aber nicht haben betrachten lassen, ist der Faktor „Autarkie“, der in unruhigen geopolitischen Zeiten die Rechnung noch einmal anders aussehen lässt. Selbst, wenn die Erneuerbaren teurer im Betrieb wären als fossile Rohstoffe, wäre der unschätzbare geopolitische Vorteil, dass mit ihnen viel Handlungsspielraum für eine wirklich werteorientierte Politik gewonnen werden könnte. Bei aktueller Lage bestimmen immer wieder Deals mit ökologisch oder politisch sehr negativen Implikationen insbesondere das, was die Bundesregierung im Bereich der Gasbeschaffung organisiert. Und die Versorgungssicherheit ist wichtig. Also liegt darin ein Erpressungspotenzial für Staaten gegenüber Deutschland, die einen ganz anderen Weg in Sachen Demokratie und geopolitischer Aufstellung, sprich forciertem Imperialismus, gehen. Die Konsequenz daraus kann nur eine größere Eigenständigkeit für Deutschland und die gesamte EU sein, wenn man glaubwürdige Politik im Sinne der Demokratieerhaltung machen will. Auch, wenn man der Kernkraft gegenüber kritisch eingestellt ist, muss man zum Beispiel festhalten: Frankreich bezieht seine größere politisch-diplomatische Power auch aus mehr Eigenständigkeit auf dem Energiesektor, während Deutschland sehr anfällig für Infiltrationen aus den USA und aus Russland ist. Ein weiteres Feld ist die Rohstoffbeschaffung für die Industrie, die auf eine breitere Basis und auf mehr Forschung an Ersatzwerkstoffen gestellt werden muss.

Eine differenzierte Analyse ist das eine, die Betrachtung des Ganzen das andere. Letzteres haben wir im Schlusskommentar zumindest anklingen lassen.

Transparenz

Die Einleitung und die Überleitung zur Analyse stammen von uns (TH) die Grafik und der Begleittext von Statista, die Mehrwert-Analyse hat eine KI für uns erstellt.


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