Briefing Wirtschaft Economy, Lieferando, Lieferdienste, Online-Restaurantlieferdienste, Delivery Hero, Abholdienst, Abholservice, Prekarität, Studenten, Inder, Ausbeutung, Subunternehmer, Arbeitsrechte, Visa
Wir machen heute wieder ein wenig Wirtschaftskunde. Für Anfänger natürlich, aber nicht nur. Deshalb auch wieder unsere Mehrwertrecherche, die hinterfragt, wie es dazu kommen kann, dass über 100 Prozent der Befragten Fress-Bringdienste nutzen, wir aber reihenweise Leute kennen, die das noch nie getan haben. Bei uns trifft zu: Nicht innerhalb der letzten 12 Monate. Und irgendeine zeitliche Eingrenzung sollte es bei Umfragen doch geben. Erst einmal die Grafik und der kurze Begleittext, dann unsere Analyse und unser Kommentar.
Infografik: Lieferando dominiert den Lieferdienstmarkt | Statista

Statista-Begleittext
Wer sind die populärsten Player im Markt für Online-Restaurantlieferdienste? Lieferando (Delivery Hero) wird von 75 Prozent der Befragten einer Umfrage der Statista Consumer Insights genutzt und liegt damit deutlich vor den übrigen Online-Restaurantlieferdiensten. Domino’s folgt mit 27 Prozent, Uber Eats mit 22 Prozent. Im Mittelfeld liegen einzelne Restaurantketten und weitere Plattformen: McDelivery kommt auf 14 Prozent, Call a Pizza, Pizza Hut und Wolt auf jeweils 11 Prozent. L’Osteria erreicht 10 Prozent. Zwischen diesen Angeboten sind die Abstände deutlich kleiner als zur Spitze.
Statista Consumer Insights sind ein datenbasiertes Marktforschungs- und Analyse-Tool auf Basis großer, repräsentativer Online-Befragungen in vielen Ländern, das detaillierte Informationen zu Konsumverhalten, Einstellungen, Mediennutzung, Markenwahrnehmung und Zielgruppen liefert. Unternehmen, Agenturen, Marktforscher und Strategen nutzen dieses Angebot, um Zielgruppen zu definieren, Märkte und Marken zu vergleichen, Trends zu beobachten und Kampagnen oder Produktstrategien gezielt auf bestimmte Konsumentensegmente auszurichten.
Heute haben wir in zwei Teilen recherchiert. Sie belegen a.) dass es toll ist, mit KI zu arbeiten, gerade dann und auch bewusst, wenn man ihr etwas gibt, was sie korrigieren darf, und b.), dass KI kein eigenes politisches Raumbild ersetzt, sondern nur das beantwortet, was gefragt wird. Ist dies unvollständig, entsteht ein schiefes Bild. Gerade bei Lieferdiensten ist aber nicht nur die Bequemlichkeit der Kunden wichtig, sondern auch, wie sie hergestellt wird, so die wörtliche Ausdrucksweise im zweiten Teil der Recherche.
Lieferando vorn – aber 75 Prozent wovon?
Lieferando dominiert die Statista-Grafik. Doch die wichtigste Information steckt nicht im längsten Balken, sondern in der Bezugsgruppe: Befragt wurden Menschen, die bereits online Essen bestellt haben. Die Zahlen beschreiben also nicht die gesamte Bevölkerung. Hinzu kommen Mehrfachnennungen. Dass sich die acht genannten Prozentwerte auf 181 Prozent summieren, bedeutet deshalb keineswegs, dass inzwischen mehr Menschen Lieferdienste nutzen, als Deutschland Einwohner hat. Es bedeutet zunächst nur: Manche Kunden bestellen bei mehreren Anbietern. Die aktuelle Auswertung umfasst 1.680 Befragte zwischen 18 und 64 Jahren; der Erhebungszeitraum reicht von Oktober 2025 bis September 2026. Die Nutzung bezieht sich auf die vergangenen zwölf Monate.[winfuture]
Damit müssen wir unsere steile Einleitung ein Stück weit selbst einfangen. Wer im vergangenen Jahr keinen dieser Dienste genutzt hat, widerspricht der Grafik nicht: Er gehört schlicht nicht zur ausgewerteten Kundengruppe. Und wer Essen bestellt, kann trotzdem selbst einkaufen, kochen und Restaurants besuchen. Das sind keine einander ausschließenden Lebensweisen. Für die Vermutung, Befragte wollten ihren gewöhnlichen Lebensmitteleinkauf oder Restaurantbesuch nicht mehr zugeben, liefert diese Untersuchung keinen Beleg.
Nicht falsch gerechnet, aber verkürzt erzählt
Die methodische Entwarnung ist allerdings kein Freispruch für die Präsentation. Statistas Begleittext schreibt, Lieferando werde „von 75 Prozent der Befragten“ genutzt. Ohne die unmittelbar mitgelieferte Einschränkung auf Nutzer von Online-Restaurantlieferdiensten kann das leicht als Aussage über die Bevölkerung verstanden werden. Präziser wäre: „75 Prozent der befragten Online-Essensbesteller nutzten innerhalb der vergangenen zwölf Monate Lieferando.“[winfuture][de.statista]
Auch „populär“ ist nicht dasselbe wie beliebt. Gefragt ist hier nach Nutzung, nicht nach Zufriedenheit. Ein Anbieter kann häufig genutzt werden, weil er besonders viele Restaurants vermittelt, während Kunden seine Gebühren oder seinen Service kritisieren. Ebenso wenig messen die Balken Bestellhäufigkeit: Wer einmal bei Lieferando und wöchentlich bei Wolt bestellt, kann bei beiden Marken als Nutzer erscheinen.
Die Grafik zeigt somit eine Nutzungsreichweite innerhalb einer bestimmten Kundengruppe. Sie zeigt weder den Anteil an sämtlichen Mahlzeiten noch unmittelbar den Anteil an Bestellungen oder Umsätzen. Gerade für eine kleine Wirtschaftskunde ist diese Unterscheidung wichtiger als der beeindruckende Abstand zwischen den Balken.
Ein handfester Fehler: Lieferando ist nicht Delivery Hero
Deutlich problematischer ist die Unternehmenszuordnung. Im Statista-Begleittext steht tatsächlich „Lieferando (Delivery Hero)“. Das ist falsch. Lieferando gehört zu Just Eat Takeaway; dessen Übernahme durch Prosus wurde im Oktober 2025 abgeschlossen. Selbst Statistas eigene Themenseite ordnet Lieferando entsprechend zu.[de.statista][de.statista]
Die Verwechslung hat vermutlich mit der Konzentrationsgeschichte des Marktes zu tun. Delivery Hero vereinbarte Ende 2018 den Verkauf seiner deutschen Angebote Lieferheld, Pizza.de und Foodora an Takeaway.com, den damaligen Lieferando-Betreiber. Der angekündigte Kaufpreis betrug rund 930 Millionen Euro in Geld und Aktien. Verkauft wurden also Wettbewerber von Lieferando – nicht Lieferando selbst.[deliveryhero]
Das erklärt zugleich einen Teil der heutigen Stärke: Der Vorsprung entstand nicht allein dadurch, dass Verbraucher unabhängig voneinander dieselbe App bevorzugten. Er ist auch Ergebnis von Übernahmen und der Zusammenführung zuvor konkurrierender Angebote. Wer Marktführerschaft erklären will, muss deshalb neben Kundenentscheidungen auch Unternehmensgeschichte betrachten.
Die Umsatzrangliste: Was sich tatsächlich belegen lässt
Die gewünschte aktuelle Deutschland-Rangfolge nach Umsatz lässt sich aus den recherchierten öffentlichen Quellen nicht vollständig und belastbar herstellen. Eine nummerierte Liste, in der Lieferando, Uber Eats, Wolt und sämtliche Restaurantketten mit vermeintlich vergleichbaren Deutschland-Umsätzen stehen, würde eine Genauigkeit vortäuschen, die das verfügbare Material nicht hergibt.
Der konkret belegbare Stand sieht so aus:
| Anbieter | Öffentlich belegbare Angabe | Aussagegrenze |
|---|---|---|
| Lieferando / Just Eat Takeaway | Rund 720 Millionen Euro Deutschland-Umsatz 2024 laut Statista | Unternehmensumsatz, nicht Gesamtwert der vermittelten Mahlzeiten. [de.statista] |
| Uber Eats | In den ausgewerteten Quellen keine vergleichbare aktuelle Deutschland-Umsatzzahl | Ein Umsatzrang gegenüber Wolt lässt sich daraus nicht bestimmen. |
| Wolt | Rund fünf Milliarden Euro 2024 für Partner generierter Umsatz über alle Märkte | Weder Deutschland-Umsatz noch eigener Plattformumsatz. [press.wolt] |
| Domino’s und weitere Restaurantketten | Andere Geschäftsmodelle und Umsatzabgrenzungen | Nicht ohne Weiteres mit Vermittlungsplattformen vergleichbar. |
Lieferando wird in der recherchierten Marktübersicht als führende Plattform Deutschlands eingeordnet. Eine vollständige aktuelle Umsatzrangfolge einschließlich belastbarer Plätze zwei und drei ist damit jedoch nicht nachgewiesen. Insbesondere darf man die Nutzungsreihenfolge „Lieferando vor Uber Eats vor Wolt“ nicht einfach zur Umsatzreihenfolge erklären.[de.statista][de.statista]
Warum diese Zurückhaltung? Eine Plattform vermittelt beispielsweise eine Mahlzeit für 25 Euro. Der Bestellwert beträgt dann 25 Euro; ihr eigener Umsatz besteht dagegen insbesondere aus Provisionen und Gebühren. Ein Restaurant verbucht den Verkauf seiner Speisen nach einer anderen wirtschaftlichen Logik. Werden Bestellwert, Plattformumsatz und Restaurantumsatz vermischt, entsteht keine Rangliste, sondern ein Kategorienfehler.
Auch aktuelle Wolt-Zahlen verlangen sorgfältige Lektüre: Das Unternehmen nennt für Deutschland 2025 einen geschätzten „wirtschaftlichen Gesamtbeitrag“ von rund 990 Millionen Euro. Das ist ausdrücklich keine vergleichbare Angabe seines eigenen Deutschland-Umsatzes. Sie neben Lieferandos 720 Millionen Euro zu stellen und daraus einen Führungswechsel abzuleiten, wäre unzulässig.[explore.wolt]
Warum Berlin anders aussehen kann
Unsere Berliner Straßenbeobachtung ist deshalb nicht wertlos. Sie beantwortet nur eine andere Frage. Sichtbare Lieferfahrer zeigen zunächst, welche Marken im beobachteten Viertel zu bestimmten Tageszeiten unterwegs sind – nicht, wie sich bundesweit Umsätze verteilen.
Hinzu kommt ein entscheidender Unterschied: Lieferando vermittelt auch Bestellungen, die Restaurants selbst ausliefern. Das Unternehmen bietet daneben einen eigenen Logistikdienst für Partner ohne eigene Auslieferung an. Eine über Lieferando bestellte Pizza muss deshalb nicht in einer orangefarbenen Tasche ankommen. Die Marktplatzreichweite ist auf der Straße nur teilweise sichtbar.[rewe-group]
Umgekehrt kann eine Marke mit auffälliger Kurierflotte im eigenen Kiez sehr präsent wirken, ohne bundesweit dieselbe Reichweite zu besitzen. Dass Wolt und Lieferando in Berlin optisch näher beieinanderliegen als in der Deutschland-Grafik, ist daher plausibel. Einen Berliner Umsatzrang oder gar einen Führungswechsel kann unsere Beobachtung allerdings nicht belegen.
Unser Kommentar: Bequemlichkeit braucht keine beschönigende Statistik
Für Lieferplattformen spricht einiges: Sie bündeln Angebote, erleichtern Bestellungen und können Restaurants zusätzliche Kundschaft erschließen. In einer von Wolt veröffentlichten Untersuchung bezeichneten 71 Prozent der befragten deutschen Partnerunternehmen solche Plattformen als wichtig oder sehr wichtig. Das ist ein relevantes Argument – allerdings aus einer Unternehmensveröffentlichung, nicht aus einer unabhängigen Gesamtbewertung.[press.wolt]
Dem stehen Vermittlungskosten und die Frage gegenüber, wie abhängig Restaurants vom Zugang zu Plattformkunden werden. Der Kundenzugang ist schließlich gerade das Produkt, mit dem die Vermittler Geld verdienen.
Unsere Kritik sollte deshalb dort ansetzen, wo sie trägt: bei missverständlichen Bezugsgrößen, falschen Konzernzuordnungen und der Verwechslung von Reichweite mit wirtschaftlicher Macht. Nicht tragfähig ist dagegen der Verdacht, die Prozentaddition entlarve unehrliche Befragte. Die eigentliche Geschichte ist interessanter: Eine Grafik über Kundennutzung kann Marktführerschaft illustrieren – aber weder die Ernährungsgewohnheiten Deutschlands erklären noch eine sauber recherchierte Umsatzrangliste ersetzen.
An der Stelle haben wir die grundsätzlich schön gemalte bequeme Bestellwelt noch einmal anhand der Bedingungen hinterfragt, die bei denen herrschen, die tagtäglich und bei jedem Wetter auf der Straße sind und das alles wuppen, was Kunden wollen. Meist ohne Murren und mit einer philosophischen Haltung, die offenbar vor allem von den vielen Menschen, meist Studenten, aus Indien gepflegt wird, die in Berlin dem Wirtschaftswesen einen malerischen, aber in Wirklichkeit beinharten Hauch von die Welt vor Ort beigefügt haben.
Sie haben recht. Das ist eine wesentliche Leerstelle meiner Analyse – und nicht bloß ein zusätzlicher Kritikpunkt. Ich habe die wirtschaftspolitische Bewertung zu stark auf Marktstellung, Restaurantprovisionen und Kundenbequemlichkeit verengt. Die Frage, unter welchen Bedingungen die Fahrer diese Bequemlichkeit herstellen, gehört ins Zentrum. Dafür gibt es konkrete Belege: Recherchen dokumentieren unter anderem ausstehende Löhne, problematische Subunternehmerstrukturen und die Umgehung arbeitsrechtlicher Standards.[tagesschau][netzpolitik]
Die Korrektur Ihrer statistischen Ausgangsvermutung bleibt richtig. Daraus folgt aber keineswegs eine wirtschaftspolitische Entlastung der Lieferdienste. Mein bisheriger Schluss verschiebt hier die Gewichte falsch. Den Kommentar würde ich deshalb durch folgenden Abschnitt ersetzen:
Unser Kommentar: Wer bezahlt die Bequemlichkeit?
Über Lieferdienste lässt sich nicht angemessen sprechen, wenn wir nur Kundenreichweite, Umsätze und Restaurantprovisionen betrachten. Zum Geschäftsmodell gehört auch die Arbeit der Menschen, die das Essen ausliefern. Gerade hier zeigen sich erhebliche Missstände: ARD-Recherchen dokumentierten bei Subunternehmen unter anderem Lohn- und Abgabenbetrug. In einem untersuchten Fall errechnete der rbb aus Arbeitszeit und tatsächlicher Bezahlung einen Stundenlohn von lediglich sieben Euro; die Fahrzeugkosten mussten die Fahrer zusätzlich selbst tragen. Das ist ein dokumentierter Fall, kein Durchschnittswert für die gesamte Branche – aber ein gravierender Hinweis darauf, welche Zustände solche Strukturen ermöglichen.[tagesschau]
Das zentrale Problem heißt Verantwortung. Auf Rucksack und Bestell-App steht eine bekannte Marke. Der Arbeitsvertrag kann dagegen bei einem weit weniger bekannten Subunternehmen liegen. Ein auf die Branche spezialisierter Arbeitsrechtsanwalt berichtet von Fällen, in denen Fahrer erst vor Gericht erfuhren, welches Unternehmen überhaupt ihr Arbeitgeber war. Wer schon den richtigen Anspruchsgegner mühsam ermitteln muss, hat bei der Durchsetzung ausstehender Löhne einen erheblichen zusätzlichen Nachteil.[netzpolitik]
Dabei wäre es falsch, sämtliche Anbieter und Beschäftigungsverhältnisse unterschiedslos zu behandeln. Lieferando galt lange gerade deshalb als vergleichsweise attraktiver Arbeitgeber, weil es seine Fahrer selbst beschäftigte. Doch auch dort hat die Auslagerung an Subunternehmen an Bedeutung gewonnen. Die Süddeutsche Zeitung beschrieb diesen Wandel im März 2026; die ARD hatte zuvor über den angekündigten Abbau von rund 2.000 Fahrerstellen und den verstärkten Einsatz externer Lieferpartner berichtet.[tagesschau][sueddeutsche]
Auch der Fairwork-Bericht 2026 liefert ein deutliches Warnsignal: Lieferando, Wolt und Uber Eats erhielten nach der Darstellung von netzpolitik.org jeweils null Punkte. Das bedeutet nicht, dass damit bei jedem einzelnen Beschäftigten sämtliche denkbaren Rechtsverstöße nachgewiesen wären. Es bedeutet, dass die untersuchten Plattformen die bewerteten Standards fairer Arbeit nicht hinreichend nachweisen konnten. Besonders bemerkenswert ist die Verschlechterung bei Lieferando gegenüber dem Vorjahr.[netzpolitik]
Wirtschaftspolitisch geht es deshalb um mehr als individuelles Fehlverhalten einzelner Arbeitgeber. Wo vorgeschriebene Löhne oder Sozialabgaben umgangen werden, entstehen Kostenvorteile gegenüber Unternehmen, die ihre Verpflichtungen erfüllen. Wettbewerb belohnt dann nicht nur eine bessere Organisation, sondern möglicherweise auch die erfolgreiche Verlagerung von Kosten und Risiken auf Beschäftigte und Sozialversicherungssysteme. Die dokumentierten Praktiken machen diese Frage zu einem Problem der Wettbewerbsordnung – nicht bloß des persönlichen Konsumgewissens.[tagesschau]
Für Lieferplattformen sprechen ihre praktische Vermittlungsleistung und der Zugang zu zusätzlicher Kundschaft. Auch Restaurants können davon profitieren; in einer von Wolt veröffentlichten Untersuchung bezeichneten 71 Prozent der befragten deutschen Partnerunternehmen solche Plattformen als wichtig oder sehr wichtig. Diese Unternehmensbefragung belegt einen wahrgenommenen Nutzen, beantwortet aber nicht die Frage nach fairen Arbeitsbedingungen. Kundennutzen und Beschäftigtenrechte sind keine gegeneinander verrechenbaren Größen.[press.wolt]
Eine konkrete politische Forderung liegt auf dem Tisch: NGG und DGB verlangen ein gesetzliches Direktanstellungsgebot. Die Plattformen müssten ihre Fahrer dann selbst beschäftigen, statt die Arbeitgeberverantwortung an Subunternehmen auszulagern. Das würde nicht automatisch jeden Missstand beseitigen. Es würde aber die Zuordnung von Verantwortung klarer machen und genau an einer Struktur ansetzen, die Gewerkschaften als wesentliche Ursache der Probleme benennen.[dgb]
Unser Maßstab sollte deshalb sein: Nicht die Essenslieferung an sich ist das Problem, sondern ein Wettbewerb, bei dem arbeitsrechtliche Verantwortung hinter der Oberfläche einer komfortablen App verschwinden kann. Die entscheidende Frage lautet nicht nur, welcher Dienst am häufigsten genutzt wird. Sie lautet auch, ob sein wirtschaftlicher Erfolg unter Bedingungen entsteht, die wir als Gesellschaft akzeptieren wollen.
Kommentar
Wir hätten nun die KI fragen können, ob sie schon mal auf die Idee gekommen ist, dass unter vernünftigen Arbeitsbedingungen das System gar nicht mehr funktionieren würde, weil die meisten bedenkenlosen Alles-Konsumenten sich dann diese Lieferungen nicht mehr leisten könnten. Das Malerische, das Emsige, was dem Stadtbild hier beigefügt wird, geht, seine Probleme betreffend, noch viel tiefer, weil viele indische Studenten mit falschen Vesprechungen hierhergelockt wurden. Wir wollen ihnen aber die Medienrecherchen nicht vorenthalten, die sich mit diesem System verbinden:
Bei dem von Ihnen gesuchten Thema handelt es sich um eine große, medienübergreifende Recherche aus dem Jahr 2025/2026. DER SPIEGEL hat diese Problematik im Rahmen einer breiteren Berichterstattung aufgegriffen und warnt davor, dass ausländische Azubis und Studierende aus dem Ausland oft in eine Schuldenfalle geraten, wobei die wachsende Gruppe indischer Fahrradkuriere als Paradebeispiel für diese prekäre Entwicklung genannt wird. [1]
Die detaillierte Enthüllung des exakten Ausbeutungssystems bei den Lieferdiensten (wie Lieferando, Wolt und Uber Eats) basiert vor allem auf einer gemeinsamen, großen Investigativrecherche von rbb, NDR, DIE ZEIT und der Deutschen Welle. [1, 2, 3]
Zusammenfassung des Ausbeutungssystems:
- Die Schleuse (Private Hochschulen): Viele junge Inder werden durch aggressive Social-Media-Werbung und Vermittler nach Deutschland gelockt. Da die Hürden für staatliche Universitäten hoch sind, schreiben sie sich bei teuren privaten Hochschulen ein. Dafür nehmen Familien in Indien oft horrende Kredite auf. [1, 2, 3, 4]
- Die Schuldenfalle: In Deutschland angekommen, stellen sich die Lebenshaltungskosten als viel zu hoch heraus und die Abschlüsse der privaten Unis bringen oft nicht die versprochenen Tech-Jobs. Um die monatlichen Gebühren und Kredite zu bedienen, müssen die Studierenden sofort Geld verdienen. [1, 2, 3]
- Das System der Subunternehmer (Flottenpartner): Da die großen Lieferdienste Verträge und Arbeitszeiten (Werkstudierenden-Privileg) kontrollieren, drängen Hunderte Inder in ein illegales System von Subunternehmern (sogenannten Flottenpartnern). [1, 2, 3]
- Konkrete Ausbeutung: Diese Mittelsmänner vermieten den Studenten oft überteuerte Matratzenlager und E-Bikes. Sie nutzen die Profile der Studenten auf den Plattformen aus, lassen sie ohne echte Verträge, ohne Versicherung und weit über dem gesetzlichen Limit arbeiten (oft 12-Stunden-Schichten bis tief in die Nacht). [1, 2, 3]
- Die Abhängigkeit: Den Fahrern wird oft der Mindestlohn verwehrt; sie werden bar oder per WhatsApp-Absprache mit Bruchteilen des Geldes abgespeist. Aus Angst vor dem Verlust ihres Visums, der Abschiebung oder der Schande, ohne Geld zur Familie nach Indien zurückzukehren, trauen sich die Betroffenen nicht, zur Polizei oder zu den Behörden zu gehen. [1, 2]
Mehr zu den multimedialen Hintergründen dieser Recherche können Sie auch in der ausführlichen Fernsehdokumentation „Ausgeliefert! Das Geschäft mit den Kurierfahrern“ beim rbb oder im Podcast von DIE ZEIT: „Bestellt, geliefert, ausgebeutet“ nachvollziehen. [1, 2]
Also, bestellen Sie mal schön Ihre Pizza oder das Sushi. Und denken Sie daran, kaum noch ein Arbeitsplatz ist sicher, wenn man vom Öffentlichen Dienst absieht. Wer heute scheinbar günstige Angebote nutzt, ohne ihre Entstehung zu hinterfragen, kann morgen selbst von Ausbeutung betroffen sein. Wir haben aber immer noch einen Spiegel zur Hand. Was das Bestellen von Waren außerhalb des Food-Bereichs angeht, sind wir auch nicht so ethisch, weil wir mittlerweile mehr liefern lassen als in Geschäften erstehen. Was in Teilen wiederum damit zu tun hat, wie Unternehmen auf diesen Trend reagieren, nämlich genau falsch herum: Sortiment und Qualität der Beratung permanent runterfahren. Besonders bei Bekleidung, bei der man offline und online gut vergleichen kann und außerhalb einer Boutiquenklasse, die wir uns nicht leisten können, wird das leider sehr deutlich. Das Beste an vielen Fachgeschäften ist mittlerweile der Abholservice für online bestellte Produkte, die man vor Ort direkt zurückgehen lassen kann, wenn etwas nicht passt.
Transparenz
Die Einleitung, der Kommentar und die kurzen Überleitungen wurden von uns geschrieben (TH), die Analyse stammt von einer KI – eine andere KI haben wir damit beauftragt, in unseren Kommentar hinein noch einmal etwas zur Situation der indischen Studenten in Deutschland zu schreiben.
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