Neue deutsche Solidaritätsbewegung (Telepolis)

2018-06-28 SpottlightMedienspiegel 14 / Spottlight

Wenn wir noch ein wenig gesammelt haben, werden wir unseren Lesern vielleicht einen kolossalen Mehrwert präsentieren – in Form der Auflistungen sämtlicher Bewegungen in Deutschland und vielleicht auch sämtlicher Papiere zur Migration, die in letzter Zeit verfasst wurden. Vielleicht sogar inklusive Bewertung, damit eine gewisse Orientierung möglich ist. Jüngst hat sich TELEPOLIS mit einer weiteren Novität auf dem Bewegungsmarkt befasst, von der ich bisher nichts gehört habe – was wieder mal für meine eingeschränkte Weltwahrnehmung, wahlweise limitierte Kognition spricht, denn hier handelt es sich um etwas so Bedrohliches, dass man den Eindruck gewinnt, es wird uns wieder einmal überrollen. Wir sind schon so oft überrollt wurden, da kommt’s vielleicht mehr so darauf an, sollte man denken. Aber dieses Mal geht’s um Ganze: Ums Abendland.

Ironie off. Es liest sich wohl doch dramatischer, als es ist, wenn man etwas zurücktritt und sich überlegt, a.) wie viele Menschen hierzulande total unterschiedlicher Ansicht über alles sind und was dadurch an sehr verschiedenen, teilweise interessanten, aber manchmal auch schrecklichen politischen Angeboten zustande kommt und b.) dass dies zum Pluralismus dazugehört. Natürlich  müssen wir aufpassen, dass wir nicht gesellschaftliche Errungenschaften verlieren, die so mühsam erzielt wurden, aber es ist auch Aufgabe derjenigen, die diese Rechte erkämpfen mussten oder ihrer Nachfahren, dies zu tun, nicht unbedingt die eines bezüglich seiner Verortung als „White, Protestant, Male, Medium Aged, Biological German“ totalen Mainstream-Menschen wie mir, der längst damit zu kämpfen hat, dass er zu keinerlei Gruppe gehört, die aus einstiger Diskriminierung heute Privilegien zieht und Sonderansprüche ableitet. Ich glaube Frauen, allen anderen Gendern, anderen Religionen, Altersgruppen, Menschen mit Handicap, Migrationshintergrund, sozial Benachteiligten und ganz vielen anderen ohne Weiteres, dass der Kampf immer weitergehen muss. Ohne Kampf keine Identität, ohne Identität kein Lebenssinn. Ob das auf radikal religiöse Einstellungen und alle anderen Ausschlüsse produzierenden, unsolidarischen Haltungen zutreffen darf, hängt bei mir heute davon ab, ob ich mich persönlich durch sie belästigt fühle.

Und ich sitze heute zuhasue am Laptop und schaue auf den Hofbaum und es ist ruhig und niemand kommt mir irgendwie komisch vor, nicht mal jener Hofbaums, der von einem Pilz oder dergleichen befallen ist und dessen Blätter daher jedes Jahr schon frühzeitig braune Stellen und Löcher zeigen. Ich habe mich daran gewöhnt, ich bin mehr denn je Berliner und anerkenne, dass alles immer irgendwelche Macken hat.

Für hier und heute gebe ich also das Denken ans Ganze komplett ab, das mich ja manchmal geradezu beherrscht – obwohl oder weil ich mir keinerlei Illusionen darüber mache, wie es um die Fähigkeit der Menschen zum solidarischen Denken und auch zum vorwärts denken bestellt ist und ich das manchmal ausblenden muss, um entspannt durch Wochenende zu segeln.

Der Kulturkampf ist an diesem Tag, zu dieser Stunde für die, die eine diesbezügliche Agenda haben. Ich weise als politisch Intereesierter pflichtgemäß und dezent darauf hin, dass wir als Gesellschaft nie vorankommen werden, wenn wir uns in all die oben genannten Cluster spalten lassen, anstatt unsere gemeinsamen Interessen gegenüber dem Kapital zu verteidigen und uns dafür alle zusammen mal endlich in Bewegung zu setzen, in die richtige Richtung, wenn’s denn geht.

Aber ich bin heute Abend auch nicht so drauf, dass mich der heilige Zorn ergreifen würde, angesichts der Tatsache, dass in unserer Welt nur eines grenzenlos ist: Die Dummheit der Menschen, mit der sie sich für falsche Zwecke missbrauchen lassen und sich die Welt dabei malen, wie sie sie brauchen, um sich mit zu viel Erkenntnis nicht zu allein zu fühlen. Kontrafaktisch ist deshalb das neue ethisch, aber so neu ist das auch wieder nicht.

Let it be! Let it be!

Trotzdem oder gerade deswegen musste ich mich über den Begriff „Kartoffel“ amüsieren, weil er mich an reale Personen aus meiner Berliner Welt erinnert, die in der Tat Positionen einnehmen, wie ich sie im Beitrag beschrieben fand. Ich revidiere meine bisherige, nur gedachte, noch nie niedergeschriebene Begrifflichkeit und bin künftig nicht mehr mit (mehr oder weniger) nützlichen Idioten in dieser kleinen, einen Welt zusammen, sondern mit Kartoffeln unterwegs. Esst mehr Kartoffeln!, sie sind vegetarisch, könnte ich jetzt ausrufen, aber ich will nicht als Anstifter zu Gewalttaten missverstanden, sondern als moderater, lediglich verbal aktiver Verteidiger der Erdäpfelkultur gewürdigt werden. Auch Kartoffeln haben ein Recht darauf, dicker und dann geerntet zu werden, zu schrumpeln, auszukeimen, falls niemand sie rechtzeitig zu einem schmackhaften Gericht verarbeitet. Ein Hoch auf die Kartoffel! Und ein Hoch auf Falafel, Döner, Pizza und alles, was wir lieben!

TH

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