Einige Grunddaten zum Arbeitsmarkt (Blickpunkt WiSo)

2018-06-24 Medienspiegel

Medienspiegel 16

Seit dem Beginn unserer Blogarbeit im Jahr 2011 befassen wir uns mit dem Arbeitsmarkt und werden uns mit ihm noch vertieft beschäftigen. Schaubilder zu einigen Stichpunkten, die wir dankenswerterweise von Blickpunkt WiSo honorarfrei übernehmen konnten, haben wir bisher selbst erstellt und werden das auch weiterhin tun, um die Darstellungen variieren und Details herausarbeiten zu können, aber zum Einstieg und aus Zeitgründen beschränken wir uns heute auf  einige Tafeln von  „Blickpunkt WiSo“.

Nicht nur in Europa, auch in Deutschland gelingt es nicht, die Arbeitslosenzahlen aneinander anzugleichen und damit auch gleiche Lebensverhältnisse in unterschiedlichen Regionen zu schaffen. Die Konversion in Deutschland ist zwar in den letzten Jahren ein wenig vorangekommen, da die Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit diese ein wenig abbauen konnten (in den östlichen Bundesländern auch durch Fortzug, also Bevölkerungsabnahme), aber das Verhältnis zwischen den Bundesländern mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit, Bayern und Baden-Württemberg und denen mit der höchsten Arbeitslosigkeit, Bremen und Berlin, weisen immer noch ein Verhältnis von etwa 1:3 auf. In Europa sind die Unterschiede noch viel dramatischer und man kann sich vorstellen, was es bedeutet, wenn innerhalb desselben Währungsraums ein Land mit offiziellen 5 Prozent Arbeitslosigkeit ist und andere über 20 Prozent aufweisen. Das wirtschaftliche Gefälle ist seit der Finanzkrise 2008-2009 gewachsen.

Worauf nicht nur „Blickpunkt WiSo“, sondern auch wir immer wieder hinweisen: Die hier gelisteten Arbeitslosenzahlen sind geschönt, zumindest für Deutschland, und liegen in Wirklichkeit etwa 40 Prozent höher – auch diese Zahlen erfassen nicht die gesamte Unterbeschäftigung. Hingegen steigt in Deutschland seit vielen Jahren die Zahl der abhängig Beschäftigten, womit die Bundesregierung gerne Werbung macht. Sie tun das aber vor allem, weil sich die Stundenzahl pro beschäftigter Person verringert. Die Zahl an Arbeitsstunden insgesamt legte bis 2014 jedoch kaum zu, nahm lange Zeit gegenüber und bereits in den den 1990ern ab. Die auffällige Zunahme an Arbeitsstunden seit 2014 dürfte vor allem auf neue Jobs im Bereich der Integration von Geflüchteten und damit im gesamten sozialen Bereich zurückzuführen sein, nicht auf mehr Arbeitsstunden in der Industrie, welche mit ihrer hohen Wertschöpfung pro Arbeitsplatz die Grundlage für die Finanzierung der Arbeit im sozialen Bereich schafft. Außerdem sagen die Arbeitsmarktdaten auf dieser Ebene noch nichts über die Qualität der Arbeit ab und diese hat speziell seit der Agenda 2010 nicht zu-, sondern abgenommen, gleiches gilt damit zusammenhängend auch für die Arbeitnehmerrechte.

Insofern ist dieser Einstieg eine Weiterführung zu unseren Beiträgen „Schwarzer Freitag für Real“ von heute morgen und zu „Wenn kein starker Arm mehr will„, der sich mit dem Niedergang der Gewerkschaften auseinandersetzt.

Dass zum Beispiel der Median für Deutschland im ersten Schaubild ein gutes Stück höher liegt als die im Schaubild zu den europäischen Arbeitslosenzahlen (darunter) gezeigte Wert, liegt daran, dass für das binnendeutsche Bild die Zahlen der BA (Bundesanstalt für Arbeit) verwendet werden, für das darunterliegende jedoch die Zahlen, die von der ILO (der internationalen Arbeitsorganisation) ermittelt werden.

Diese müssen nationale Statistiken vergleichbar machen und tun das auf einem sehr niedrigen gemeinsamen Nenner, der Deutschland ausschauen lässt, als herrsche hier beinahe Vollbeschäftigung. Man kann sich angesichts der Diskrepanz zwischen BA-Daten und ILO-Daten vorstellen, wie die wirklichen Arbeitslosenzahlen für andere Länder aussehen, auch wenn die Statistiken nicht so extrem geschönt werden wie bei uns. Dass die nationalen Erfassungsmethoden ehrlicher sind, dürfte zum Beispiel auf Frankreich zutreffen und verdichtet sich noch mehr, wenn man die dort wesentlich höhere Zahl von Arbeitsstunden pro Beschäftigtem in die Berechnung einbezieht. Darüber werden wir uns in kommenden Beiträgen zum Thema Arbeitsmarkt vertiefen.

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TH

 

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