Zum Tod der alten Tante SPD

2018-06-28 Spottlighta.) In der Tat ist nicht zu verkennen, dass die Zahl der Industriearbeiter_innen in Deutschland seit Jahrzehnten rückläufig ist, und diese, so heißt es, seien das Rückgrat der SPD und natürlich der Gewerkschaften und damit wiederum der SPD gewesen.

In der Tat ging die Zahl der Arbeiter_innen zwischen 1970 und 2016 von 47,3 Prozent der Bechäftigten auf 26,2 Prozent im Jahr 2011 zurück. Das ist fast eine Anteilshalbierung. Der Trend dürfte sich seitdem fortgesetzt haben und die  Zahl der Arbeitenden im produzierenden und verarbeitenden Gewerbe ist noch einmal um einiges geringer. Und es fällt schon auf, dass die 47 Prozent des Jahres 1970 beinahe dem SPD-Wahlergebnis von 1972 entsprachen (45,8 Prozent). Mit dem Slogan „Willy wählen!“ schaffte es die große alte Arbeiterpartei das allereinzige Mal in ihrer bundesrepublikanischen Geschichte, tatsächlich stärkste Partei vor der Union zu werden. Wohingegen die Wahlergebnisse der letzten Jahre wiederum sehr den oben ausgewiesenen Anteile der Arbeiter_innen an allen Erwerbstätigen um 2011 herum ähneln. Aber etwas kann daran nicht stimmen. Denn so schnell, wie die SPD in den letzten Umfragen absackte, schaffen die Industriebetriebe die Arbeitsplätze auch wieder nicht ab. Außerdem gab es mal den Schulz-Hype und der war leider nicht von einer rasanten Zunahme gut bezahlter Industrie-Arbeitsplätze begleitet.

Und es gibt ja auch Angestellte, die SPD wählen. Beamte sogar. Man ahnt es, auch wenn die Zahlen es naheliegen, dieser Eins-zu-Eins-Abgleich ist Unsinn. Vielmehr hat es die SPD versäumt, sich nicht in Rohstoffabbau- oder Fertigungs-Großbetrieben angesiedelte Wählerschichten zu erschließen, die sehr wohl ähnlich aufgestellt sind wie die klassischen Arbeiter, sogar vielfach schlechter als diese in der alten BRD je aufgestellt waren; so schlecht, dass deren Situation daran erinnert, warum die Arbeiterbewegung einst entstand: Weil die Arbeitenden keine Rechte hatten und ausgebeutet wurden. Heute sind es nicht mehr so die Knochen, die sich viele Arbeitende kaputtschuften, sondern die Köpfe. Ihre geistigen Erzeugnisse werden marginalisiert bis zum Anschlag und sie sind allein, unorganisiert, glauben nur an sich und wenn das nicht funktioniert, an gar nichts mehr und brennen aus. Da käme doch eine große alte Arbeiterpartei wie die SPD genau richtig, um sie aufzufangen. Diese Partei hat Erfahrung damit, es den Arbeitenden besser gehen zu lassen. Sie hat so viel tolle Geschichte. Sollte man meinen. Aber sie hat überhaupt keine Idee, wie sie es schaffen könnte, all diese Menschen mitzunehmen. a.) Ist es also nicht, wenn man bedenkt, dass es wirklich genug Wähler-Innen gibt, die dringend einer guten Arbeiterpartei bedürfen.

b.) Vielleicht fehlen der SPD die klugen Köpfe, die eine Strategie zu deren Gewinnung entwerfen. Mir tut es heute noch leid, dass Willy Brand verstorben ist, aber mal ehrlich, der Mann wäre jetzt 105 Jahre alt und irgendwann muss es mal gut sein damit, den Karren aus dem Dreck ziehen zu müssen. Sonst fällt mir niemand ein, der das hätte tun können. Helmut Schmidt, sein Nachfolger, der hat sich zwar nach seine aktiven Zeit als oberster Politikdeuter installiert, aber warum ich ihn nicht für einen großen SPD-Politiker halte, darauf komme ich gleich und außerdem ist er auch tot, er kann es nicht mehr wuppen. Aber vielleicht Ex-Kanzler Schröder, der lebt ja noch und gibt immerhin Kommentare zu verschiedenen politischen Themen ab und macht noch aktiv Lobbyarbeit für Gazprom, mit seiner Erfahrung könnte er doch auch eine Partei führen, der es seit dessen Abgang erkennbar an Köpfen mangelt, die eine Strategie für die SPD entwerfen können, mit der sie wieder mehr Zuspruch finden sollte und Oskar Lafontaine ist ja schon lange weg und will jetzt beweisen, wie er auf andere Art seine strategischen Fähigkeiten nochmal zeigen kann. Die Liste der Kanzlerkandidaten der SPD von 1983 bis 1994 und wieder von 2009 bis 2017 ist ein Desaster, vorsichtig ausgedrückt. Und erst die  zweite Reihe. Wie kann man nur ein SPD-Kernland wie NRW an einen Gegenwelt-Hobbit verlieren, Frau Kraft? Aber warum ist das so? Auch die Union ist nicht mehr, was sie mal war, aber solange sie die Kanzlerin stellt, kann man nicht sagen, sie hat abgewirtschaftet, oder? Doch die SPD, die hat genau das und damit auch ein mögliches linke(re)s Projekt in Deutschland gleich mit ruiniert. Ihr Tod wird auch dessen Tod sein und damit der von unzähligen Hoffnungen.

c.) Wieso war sowas möglich? Die Antwort geben die Nachdenkseiten. Es war wirklich der Deep State der USA, der die SPD gekapert hat. Er hatte sich in den 1970ern in alle antiken sozialdemokratischen Parteien Europas hineingeschraubt wie der berüchtigte Holzwurm ins antike Möbel und ihre Strukturen zerstört, sie morbide gemacht, einige sind längst zu Holzmehl zerfallen. Und, ja, es begann 1974, mit dem Wechsel von Willy Brandt zu Helmut Schmidt. Also mit der ersten Ölkrise und den Sonntagsfahrverboten und der Watergate-Affäre. Alles hängt miteinander zusammen. Denn Schmidt war nicht nur Schmidt-Schnauze, sondern auch Schmidt-Aufrüstung und AKW-Schmidt, wie einige sehr alte Leser_innen sich noch erinnern werden. Ein richtiger NATO-Fan auch. Nach seinem trotzdem leider nicht zu vermeidenden Abgang 1982 war die SPD eigentlich noch in einem ganz guten Zustand, weil die Arbeiterschaft größtenteils nicht bemerkt hatte, welch rauer Wind von Nord da schon in der SPD wehte. Und von 1983 bis 1998 hatte sie keine Gelegenheit, es den Menschen zu demonstrieren. Im Gegenteil, wenn sie in den Bundesländern regierte, hieb sie wegen des Verdachts auf soziale Kälte bei der Unionsregierung ein, dass es seine Art hatte; der bereits erwähnte Oskar Lafontaine war der bekannteste Spezialist dafür. Doch dann kam ein Schröder, manövrierte jenen Lafontaine aus und wurde das Menetekel der Sozialdemokratie. Er zerstörte Sozialstrukturen, Arbeitnehmerrechte, gute Arbeit in jeder Form auf eine Weise, wie Alt-Kohl es sich wohl nicht getraut hätte. Neue Besen kehren eben kräftig und nach sieben Jahren Schröder war Deutschland ein anderes Land. Einer geringen Abnahme der offiziellen Arbeitslosigkeit stand ein anschwellender Niedriglohnsektor gegenüber, mit Zeitarbeit, Leiharbeit und anderen wunderbaren Ausbeutungsmodulen, die menschenunwürdige Hartz IV-Maschine, das Abwürgen des Binnenkonsums aufgrund ebenjener Aktionen und damit im Grunde schon die zwangsweise Exportlastigkeit heutiger Prägung, denn irgendwo musste ja noch Geld erwirtschaftet werden, welches vom Kapital dann in Steueroasen angelegt werden konnte. Vielleicht war Agenda-Gerhard ja auch Agent 00X Schröder mit der Lizenz zum Erzeugen eines Tafel-Booms und eines Flaschensammel-Booms.

Wie aber konnte eine große, alte Sozialistenpartei so handeln oder ihre Schröder-Sozial-Abrissbirne so handeln lassen? Wie war es möglich, wo doch selbst heute noch viele treue, aufrechte Genoss_innen zugange sind, die schwören, dass sie zu den Guten gehören? Weil die herrschenden Politiker der Sozialdemokratie; Schröder, Hombach, Clement, Riester allesamt unterwandert waren. Manchmal ist die Wahrheit gar nicht so schwierig, man muss sie nur an sich heranlassen. Die Konservativen, die Liberalen, die Grünen spätestens seit Fischer, genannt der Gewissenlose, die waren oder sind eh unterwandert, aber zur Sicherheit wollte man auch die Sozialdemokraten zerstören, damit das Kapital ungehindert durchmarschieren kann – auch für den Fall, dass die Leute vor lauter Angst vor der ungeschminkten Fratze des Neoliberalismus doch mal wieder den Linken, also dann den Scheinlinken, in die Arme laufen könnten.

Das ist also mittlerweile alles erreicht. Die SPD ist in jüngsten Umfragen erstmal hinter die AfD zurückgefallen, einem Ziehkind des Deep State, wie ja jetzt auch erste US-Politiker ganz offen durchblicken lassen. Nicht nur auf Länderebene, etwa im Osten, ist die SPD bloß noch eine Kleinpartei, sondern im Bund, Ost, West, Stadt, Land, Deppen und Hochbegabte, niemand will mehr die SPD wählen.

Eine Partei haben wir noch nicht erwähnt. Das ist DIE LINKE. Weil wir uns ja vorrangig mit der SPD befassen wollten. Gemäß NDS ist aber auch DIE LINKE teilunterwandert. Der Kampf um verschiedene Positionen und Personen, den wir dort sehen, ist in Wirklichkeit ein letzter, heldenhafter Abwehrkampf der nicht Unterwanderten gegen die, die schon okkupiert sind vom Deep State. Tipp zur Unterscheidung: Vor allem auf die aufpassen, die behaupten, sie gehören keiner Strömung an! Ich wäre ja nie zur SPD gegangen, ich hab schon den Fehler gemacht, früher mal, grün zu wählen und mich dann gewundert, warum die jedwede Friedenspolitik-Orientierung aufgegeben haben. Aber da war ich noch nicht von den NDS instruiert. Jetzt weiß ich mehr. Jetzt habe ich  eine Mitgliedskarte von der einzigen bloß teilunterwanderten Partei. Und traue niemandem mehr außer mir selbst. Und selbst dies nicht über den Tag hinaus.

Ich kann nicht für die Zukunft, aber hier und in diesem Moment schwören, ich bin nicht unterwandert. Es gibt unter dem Dielenboden hier vielleicht Würmer und ich weiß, dass eine Mäusefamilie den Zwischenraum zwischen meinem Boden und der Decke drunter als Versorgungsroute benutzt, aber ich glaube nicht, dass sie zum Deep State gehört und wenn doch, hat sie es nicht auf mich abgesehen – dafür ist sie viel zu passiv mir gegenüber. Nur manchmal wird ein Mitglied sichtbar und guckt einen alten Film mit mir, stellt sozialen Kontakt her, aber ich werde nie angesprochen, ob ich Geld dafür will oder gar Macht, um auf diesem Blog andere Töne anzuschlagen. Ich werde nicht so schnell an Auszehrung durch Infiltration sterben wie die SPD. Ich bin glücklicherweise nicht systemrelevant. Sollte ich das jemals werden, werde ich noch sehen, was Freddy, mein Mäuserich, wirklich für ein (Zeit-) Genosse ist. An wen erinnert mich sein Gesicht bloß? Nicht an einen der alten Granden, welche die SPD aufgebaut und eingerissen haben. Jetzt fällt’s mir ein: es ist der aktuelle Juso-Chef, geboren im früheren US-Sektor von Berlin!

TH

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