Der RFID-Chip als physisch-digitaler Staatstrojaner?

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Der RFID-Chip als physisch-digitaler Staatstrojaner?

Überwachung, die unter die Haut geht (Rubikon)

Ein seiner Rurik „Junge Federn“ schreiben Menschen des digitalen Zeitalters über Themen, die sie bewegen – gerade die Auswirkungen der Digitalisierung betreffend. Vermutlich ein wenig redigiert, aber schon sehr kundig und ich muss „Rubikon“ ausdrücklich dafür danken, dass die zunehmenden Überwachungsmöglichkeiten durch Digitalisierung überhaupt thematisier werden – denn auch in Deutschland überwiegen bei weitem die nerdigen Technik-Freaks, die sich trotz Staatstrojanern und Abhöraffären keine Gedanken darüber machen, was Technik anrichten kann, wenn man sie demokratiefeindlich einsetzt.

Aber gerade über junge Menschen darf man nicht zu schnell den digitalen Stab brechen. Ich erinnere mich, dass es bei mir eine Zeit gab, da wollte ich auch immer die neueste Technik, damals betraf das vor allem Mobilität und Unterhaltungselektronik, aber auch den ersten eigenen Computer – das alles zu Preisen, die heutigen Berufsstartern klarmachen würden, wie schlecht sie finanziell zumeist aufgestellt sind. Mittlerweile gibt es aber ja so Vieles für umsonst oder billig und niemand fragt sich, wieso eigentlich. Pardon: kaum jemand. Miese Produktionsbedingungen in Werkbankländern? Ach was. Datentransfer und Entzug geistigen Eigentums im Tausch für die Zurverfügungstellung von Kommunikationstechniken? Nebbich! Aber mancher Erkenntnisprozess benötigt bei den meisten – nicht bei allen, wie der Beitrag in „Rubikon“ belegt – viele Jahre der Reifung und wir wollen hoffen, dass der Moment, in dem die überwiegenden Anteile der Bevölkerung endlich echte Grenzen ziehen und den Technikgebrauch missbrauchssicher machen wollen, nicht zu spät kommt. Nicht, dass sie es dann wollen, wenn die negativen Folgen des Orwell-Staates sich allzu deutlich zeigen, aber nicht mehr die Macht haben, darauf zu bestehen.

Was mich zunächst wunderte, war, dass die Schweden so affin den RFID-Chips gegenüber sind. Dass die Chinesen mit ihrer nicht vorhandenen Demokratieerfahrung geradezu um Überwachung betteln, fand ich nicht so seltsam, denn sie dürfen ja zum Beispiel diesen Beitrag, auch von Rubikon, nicht lesen. Geht nicht, dort kontrolliert der Staat sowieso schon das Internet komplett und hält Westangebote so klein wie möglich. Selbst die „kritischen“, die doch wiederum der VR meist recht zugeneigt sind. Deswegen hat der Wahlberliner seit dem Neustart genau einen volkschinesischen Nutzer verbuchen können – und wer könnte das wohl gewesen sein, der diese neue Webpräsenz gleich nach deren Start mal schnell ausgecheckt hat? Wir arbeiten ja an einem weiteren Gast aus der VR, dafür schreiben wir eigens die „China“-Serie, aber bis jetzt ist dieser Gast nicht aufgetaucht.

Nun aber die Schweden. Bei denen liegt eine andere Interpretation nah. In diesem Land funktioniert der Sozialstaat noch einigermaßen gut und die demokratische Tradition und das Vertrauen der Menschen im Ganzen dürfte um einiges größer sein als hierzulande. Warum also nicht auch der Technik unvoreingenommener gegenübertreten? Die extreme Ausformung der General-Technikfeindlichkeit bei einigen von uns verhindert ja gerade eine sachgerechte und zielführende Auseinandersetzung mit der Digitalisierung. Bei uns ist die Diskussion zu sehr polarisiert, wie meist gibt es nur ganz schwarz oder ganz weiß. Die Schweden sind ja auch bei der Bargeldabschaffung ganz vorne. Sie waren allerdings nicht so dumm, sich in den missgestalteten Euro hineinziehen zu lassen und das schafft ihnen ganz andere Möglichkeiten, im nationalen Rahmen Vertrauen in die Geldpolitik und damit auch ins digitale Bezahlen zu schaffen, als das bei uns der Fall ist, wo die Banken inklusive der EZB recht durchsichtige Gründe haben, um sämtliches Geld zu kontrollieren: Allerdings, der Bargeldanteil ist sowieso schon nicht mehr riesig, deswegen sehe ich die Totalüberwachung als vorrangiges Ziel gegenüber der Möglichkeit an, Negativzinsen zu erhaben. Bei uns haben die Menschen entweder zu viel Geld, um es unters Kopfkissen zu legen oder gar nichts, dann brauchen sie auch nicht am Sparzinsniveau interessiert zu sein. Sehr wohl sind wir aber alle wieder einmal potenzielle Ausspähungsobjete.

Und wie billig diese Implatate sind, auf die sich auch die Illustration sowie die Begriff „Cyborg“ im RFID-Zusammenhang und „Bodyhacking“ im Rubikon-Artikel beziehen -mich hat’s mal wieder geradezu umgehauen. Kaum zu fassen, wie niedrig die Einstiegsschwelle in den gläsernen Menschen ist. Da kann man nicht sagen, das Implantat sei nicht demokratisch und sogar Hartz-VI-Empfänger-freundlich, vielleicht bald auch mit Ratenzahlung bei Amazon oder beim Media Markt. Wenn man den Chip erst hat und sich kognitiv damit so richtig aufwerten kann, ist der Topjob sowieso die Folge, ob man will oder nicht. Ich habe den wahren Wert der Sache, wie auch der leistungssteigernden Substanzen, die bei Studenten mittlerweile eher die Regel als die Ausnahme zu sein scheinen, nicht verstanden. Ich nehme alles zurück und überlege auch gar nicht, was es bei so günstigen Preisen bedeutet, dass dann alle sich noch besser selbst ausbeuten und gleichermaßen kontrollieren lassen können.

Dies ist auch wieder ein Betrag für dich, liebe Anni!

TH

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