50.000 wollen #aufstehen – und wohin und mit wem gehen? #Wagenknecht #Lafontaine

Kommentar 53 

Die FAZ befasst sich nun innerhalb weniger Tage zweimal mit #Aufstehen. Kann man sagen, die Bewegung von Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine ist in der Mitte der bürgerlichen Aufmerksamkeit angekommen? Wir gehen einzelne Elemente der beiden FAZ-Beiträge durch. 

(„50.000“ und „Ein bisschen retro“) 

Die Bewegung heißt ja nun #Aufstehen! Warum nicht „Fairland“, wie ursprünglich geplant?

Ob das wirklich der Plan war, weiß ich nicht, der Begriff stand im Mai aber im Raum. In einem der FAZ-Beiträge wird das als „womöglich doch zu neoliberal“ bezeichnet, darum habe man’s möglicherweise nicht genommen. Wenn man sagt, ein englischer Begriff ist immer neoliberal, klar, dann kommt man auf so eine Gleichsetzung. Ich finde es für eine linke Bewegung aber richtig, keinen englischen Begriff zu verwenden. Fair klingt doch gut, aber englische Begriffe stehen nun mal für einige auch für Okkupation. Aufstehen kommt möglicherweise von einem Lied, meint die FAZ weiter, daher hier das Lied von Bots.

Alle, die nicht gerne Instant-Brühe trinken, solln aufstehn
Alle, die nicht schon im Hirn nach Deospray stinken, solln aufstehn
Alle, die noch wissen, was Liebe ist
Alle, die noch wissen, was Haß ist 

Und was wir kriegen sollen, nicht das ist, was wir wollen, solln aufstehn. 

Alle, die nicht schweigen, auch nicht, wenn sich Knüppel zeigen, solln aufstehn
Die zu ihrer Freiheit auch die Freiheit ihres Nachbarn brauchen, solln aufstehn
Alle für die Nehmen schön wie Geben ist
Und Geld verdienen nicht das ganze Leben ist,
Die von ihrer Schwäche sprechen und sich kein dabei abbrechen, solln aufstehn.

 Es gibt so viele, die wie Du auf bessere Zeiten warten,
Wo keiner sich mehr Angst um morgen macht,
Aber unser Morgenrot kommt nicht nach einer durchgeschlafenen Nacht
Wir träumen von ner Revolution hier
Doch wer will schon, daß dabei Blut fließt.
Wenn Du Dich da ganz mitbringst,
Mag sein, daß es gelingt,
Dich ganz und Deinen Traum mitbringst
Mag sein, daß es gelingt. 

Alle, die gegen Atomkraftwerke sind, solln aufstehn
Die Angst vor Plastikwaffen haben in der Hand von einem Kind, solln aufstehn
Alle, die ihr Unbehagen immer nur im Magen tragen,
Nicht wagen was zu sagen, nur von ihrer Lage klagen, solln aufstehn.
Alle Frauen, die nicht auf zu Männern schauen, solln aufstehn
Alle Lohnempfänger, die den Bund nicht länger enger schnallen, solln aufstehn
Alle Schwulen, die nicht um Toiletten buhlen, solln aufstehn
Alle Alten, die sich nicht für ihre Falten schämen, solln aufstehn
Alle Menschen, die ein besseres Leben wünschen, solln aufstehn.

 Guten Aufstand!

Man merkt, das Lied kann nur aus den frühen 1980ern sein , daher der „Retro-Effekt“ des Begriffs. Vieles in dem Lied müsste uns in der heutigen Lage aber auch triggern. Das Meiste eigentlich, nur die AKW-Sache ist in Deutschland weitgehend durch. Aber irgendwie ist es auch brav, weit von den Revolutionsliedern früherer Tage entfernt, und Blut, nee, nee, immerhin war damals RAF-Terrorismus. Und da will man ja nichts in Liedtexte hineinschreiben, was nach Aufruf zu linker Gewalt klingt, sondern betont das Sanaftrevoluionäre im Menschen. Irren ist eben auch menschlich.

Ich sehe den Begriff aber noch weiter zurückwirkend angesiedelt. Nämlich bei der typischen Agitprop der Zwischenkriegszeit. Es fehlt das Ausrufezeichen, das war den Machern dann vielleicht doch einen Tick zu viel des Guten  Der Begriff ist jedenfalls traditionell und agitatorisch, es ruft die Assoziationen der Älteren mit der Zeit der Friedensbewegung auf und bei Kommunisten und Sozialisten noch fernere Zeiten – ich denke, darauf zielen die Macher auch.

50.000 Unterstützer 5 Tage nach der ersten Möglichkeit, sich anzumelden. Das klingt sehr viel.

Ich finde es schon gut. Aber eines sollte man beachten: Die Bewegung #Aufstehen zu unterstützen erfordert im Moment nicht mehr als das Abonnement eines x-beliebigen Newsletters. Niemand muss irgendwelche Konsequenzen bezüglich bisheriger Engagements in Parteien oder Organisationen ziehen. Das kommt ja daher, dass dies keine zusätzliche Partei sein soll, sondern eine „überparteiliche“ Bewegung. Und den Zustrom für größer als erwartete zu befinden, ist ein alter Marketingtrick.

„Es wäre völlig gegen unsere Absichten, jetzt von einer neuen Partei zu reden.“, sagt Lafontaine.

Ich habe so lachen müssen. „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Lafontaine ist einer der größten Schalk-im-Nacken-Typen in der deutschen Politik, wenn auch auf ganze andere Art als sein Ex-Kollege Gregor Gysi. Im Gegensatz zur zitierten Ulbricht-Aussage wäre es wenigstens nicht gelogen, wenn nun die #Aufstehen in einem Jahr zur Partei würde. Kommt wirklich sehr darauf an, ob man das jetzt als wichtig ansieht oder nicht bzw. wie man den Satz betont – und „jetzt nicht davon reden“ heißt ja nicht, nicht daran zu denken und erst dann darüber zu reden, wenn noch ein paar bestimmte Faktoren eingetreten sind. Ich kann da auch eine ziemlich deutliche Drohung an die eigene Partei herauslesen, wenn ich will.

Ist die AfD eine neoliberale Partei, wie Lafontaine sagt?

Die AfD ist nationalistisch-liberal. Keinesfalls eine Partei, der die soziale Frage am  Herzen liegt, das stimmt. Den Begriff „neoliberal“ zu verwenden, der in der LINKEn ja auf sämtliche „Altparteien“ angewendet wird, ist auch Deutungshoheitskampf pur. Damit steckt der nämlich alle von den Grünen bis zur CSU in einen Topf mit der AfD bzw. ordnet diese den anderen zu.

Kann man denn AfD-Wähler „vom Saulus zum Paulus“ machen.

Da bemerkt man die katholische Erziehung von Lafontaine. Für mich hängt das sehr davon ab, ob wirklich Menschen aus sozialen Gründen AfD gewählt haben. Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob dieses in Teilen der Linken stark propagierte Narrativ richtig ist. Die AfD-Wähler ähneln vom Sozialprofil nicht am meisten den SPD- oder LINKEn-Wählern, sondern denen der CDU/CSU. Sie sind also weniger arm als Anhänger der LINKEn und der SPD es im Durchschnitt sind. Ich tendiere dazu, die AfD-Wählerschaft eher als Sammelbecken aller zu sehen, denen die Veränderung der Gesellschaft zu schnell geht, auch wenn sie dem traditionellen Teil des Mittelstands angehören. Wir haben freie, geheime Wahlen. Mancher, der offiziell noch bei der CDU, vielleicht auch bei der FDP verortet ist, wird mittlerweile bereit sein, sein Kreuz bei der AfD zu machen oder hat es schon getan.

Aber gerade im Osten haben doch viele frühere Linkswähler AfD gewählt.

Der Osten ist ja tatsächlich auch mehr in Bewegung, die Parteipräferenzen sind bei weitem nicht so verfestigt wie in den alten Bundesländern. Aber es gab, als der soziale Abstieg des Ostens nach der Wende virulent wurde, eben keine starke Rechtsbewegung wie jetzt. Damals fing die PDS die „Wendeverlierer“ weitgehend auf. Wieso schafft DIE LINKE das jetzt bei ähnlicher Programmatik nicht bei den „Globalisierungsverlierern“? Ich glaube, man muss da quer zum Sozialprofil der Menschen denken. Ich glaube, dass die Bewegung eher die SPD gefährdet und vielleicht weitere unzufriedene Wähler zur Bewegung und in der Folge möglicherweise zur LINKEn bringt. Damit wird aber das linke Lager nicht stärker und der Rechtsdrall ist nicht gestoppt. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass AfD-Politiker_innen im Moment sehr von #Aufstehen beeindruckt sind, ganz im Gegensatz zu einigen in der SPD, die ziemlich herumgeifern.

Also findet eine Polarisierung statt, keine Links-voraus-Bewegung?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Lafontaine sich dessen nicht bewusst ist. #Aufstehen müsste schon ziemlich weit nach rechts rücken, um AfD-Wähler in größerem Umfang zu gewinnen. Das würde aber die Solidarität derjenigen kosten, die schon links sind und einfach etwas Neues ausprobieren wollen, weil es links in der Tat nicht vorwärts geht. Und die Polarisierung findet statt, darüber gibt es keinen Zweifel. Aber, und da haben Lafontaine und andere recht, das liegt auch daran, dass die „Traditionsparteien“ alle in der Mitte zusammengeklumpt sind. Das ist in der Tat eine Entwicklung der letzten Jahrzehnte, die eine erstaunliche Gleichförmigkeit hervorgerufen hat. Das „klassische“ Spektrum in der alten BRD war nicht wesentlich weniger gespreizt als heute von AfD bis zur LINKEn oder zu den Grünen, gesellschaftspolitisch betrachtet.

Die Grünen als verlängerter Arm des US-Außenministeriums?

Tatsächlich haben die Grünen in der Außenpolitik eine bemerkenswerte Wandlung vollzogen. Eine Partei, die gesellschaftspolitisch progressiv ist, sozial gleichgültig und belllizistisch, wie die Grünen es seit Joschka Fischers Jugoslawienkrieg-Beteiligung Ende der 1990er unverändert sind, ist schon ein seltsames Konstrukt.  Daher liegt nah, was Sahra Wagenknecht m. a. W. gesagt hat: Das gesellschaftlich Progressive ist ein Deckmantel für Kapitalinteressen. Eine Partei, die gesellschaftlich progressiv denkt, muss auch solidarisch und pazifistisch sein, sonst trägt sie zu immer größeren sozialen Gräben bei und das halte ich nicht für sehr ethisch hochstehend.

Versagt das parlamentarische System?

Wenn sowas von jemandem wie Oskar Lafontaine kommt, der stets persönlich beleidigt ist, wenn Menschen ihm nicht unkritisch folgen, hat das einen Hautgout. Ich kann jüngst gemacht Aussagen nur wiederholen: Jeder in diesem Land darf wählen, wen er will, auch und besonders die LINKE. Offenbar lassen sich aber die Menschen lieber von den anderen Parteien an der Nase herumführen, als ebenjenen Schritt zu gehen. Kann es sein, dass bei den Wählern ein gewisser Mangel an Vertrauen in manche  Positionen und Personen der bzw. in der LINKEn herrscht?

Außerdem ist es wirklich populistisch, gewisse Dinge aufzuzählen, hinter denen eine Mehrheit steht und daraus, dass diese nicht vollumfänglich verwirklicht sind, den Schluss zu ziehen, dass das System versage. Ich kann immer mehr von allem wollen, aber es muss  umsetzbar sein.  Außerdem ist eine Mehrheit für eine restriktivere Migrationspolitik, das sollte man dabei nicht vergessen – aber vielleicht vergiss Lafontaine das ja auch nicht.

Dass es nicht sozial gerecht zugeht, bleibt davon unberührt und das ist der eigentliche Punkt: Die beständige relative Verschlechterung der Zustände in den letzten Jahrzehnten, was Einkommensgleichheit und Chancengleichheit angeht.

Nun zum zweiten, etwas längeren Beitrag von vorgestern. Da können wir doch gleich bei Oskar Lafontaine bleiben. Ist er der heimliche Kopf?

Von heimlich kann ja keine Rede sein, deswegen hat er auch die „50.000“ an die Öffentlichkeit gebracht. Ich find’s nett, wie die FAZ die Urheberschaft von Laftonaine fast als Enthüllung verkauft. Selbstverständlich ist #Aufstehen sein strategisches Werk.

Der Begriff ist auch sein Werk?

Nach meiner Ansicht hat es keine elaborierte Marketing-Agentur gebraucht, um ihn zu finden. Da Oskar Lafontaine vielleicht einen Bezug zu dem Lied „Aufstehen!“ hat und damals in der Friedensbewegung aktiv war, könnte ich mir vorstellen, dass auch der Begriff von ihm kommt.

Warum sehen Kritiker der Bewegung das so kritisch?

Weil sie Lafontaine als Spalter, nicht als Vereiniger wahrnehmen. Ich habe mir gestern noch einmal seine Wiki-Seite angeschaut, denn obwohl ich ihn schon sehr lange kenne –im Sinne von „beobachte“ – wusste ich natürlich nicht alles über seine politische Laufbahn und seine Ansichten.

Er geht schon recht verschlungene Wege, auch positionsseitig und ich halte ihn für einen großen Narzissten. Prinzipiell sind Politiker und Führungskräfte allgemein mit einem hohen narzisstischen Anteil ausgestattet, aber es gibt eine Art Grenzlinie: Wo ist diese Eigenschaft noch positiv einsetzbar, indem eine Person charismatischer ist als der Durchschnitt, kann andere besser begeistern und mitreißen  – und ab wann wird sie destruktiv, weil man sehr schnell gekränkt ist, wenn nicht alle bedingungslos folgen und führt diese Kränkung dann dazu, das, was man geschaffen hat, wieder einzureißen?  Also: Wann ist jemand mit diesem Profil noch konstruktiv und ab wann überwiegend destruktiv? Tja. Ich halte mich an dieser Stelle zurück.

Verständlich. Gehen zu Sahra Wagenknecht über und zitieren eine Passage aus dem FAZ-Beitrag: Wagenknecht hat sich zuletzt allerdings gemäßigt. Anders als vor wenigen Wochen spricht sie nicht mehr von der kulturellen Identität der Deutschen, die sie auch mit der Sprache Goethes und Thomas Manns in Verbindung brachte, die es „nicht verdient, im anglizistischen Neusprech unterzugehen“.“

Interessanterweise kennt mein Word weder „anglizistischen“ noch „Neusprech“. Wir wissen aber, was gemeint ist. Es gibt einen Grund, warum Linke nicht denglisch sprechen sollten (das Wort „denglisch“ hat Word übrigens drauf). Weil damit die sozialistische Begriffsdeutungshoheit verloren geht. Wer die Sprache des Kapitalismus bedenkenlos übernimmt, macht sich wehrlos diesem gegenüber, das sollte uns doch klar sein. Deswegen halte ich auch meine Beiträge einigermaßen frei von Anglizismen, obwohl ich so gut oder schlecht Englisch kann wie fast jeder heutzutage.

Und wenn ich sie verwende, setzte ich sie eher pointiert ein, manchmal auch etwas ironisch und nicht um zu beweisen, dass ich hip bin oder kann. Um diesen Eindruck zu erwecken, würde bei mir auch Denglisch oder gleich nur Englisch sprechen nicht ausreichen. Aber die geringe Sprachkompetenz vieler Akademiker jüngeren Baujahrs ist ein Problem, das durch Denglisch kaschiert werden soll, das sehe ich so. Das Deppen-Leerzeichen ist für mich ein Ausdruck von sprachlicher Verwahrlosung, nicht unbedingt von Dummheit. Und was Wagenknecht sagt, ist für Franzosen beispielsweise selbstverständlich – dass sie versuchen, ihre Sprachkultur nicht kampflos aufzugeben. Identität durch gute Sprache ist etwas Positives und wer das negiert, an den hätte ich einige rhetorisch gut ausgearbeitete Fragen. Und dass Sarah Wagenknecht besonders zu Goethe einen Zugang hat, ist bekannt.

Weiter den Beitrag zitiert: „Weltoffenheit, Antirassismus und Minderheitenschutz sind das Wohlfühllabel, um rüde Umverteilung von unten nach oben zu kaschieren und ihren Nutznießern ein gutes Gewissen zu bereiten“, schrieb (SW) im Juni in der Zeitung „Welt“.

Darauf sind wir oben schon eingegangen. Das ist wirklich heftig. Ich glaube, dass vielen wohlmeinenden Minderheitenschützern das so nicht bewusst ist und ob man deshalb so sagen darf. Oder geht es um die Bewusstmachung?

Stimmt es denn?

Am besten kombinieren wir unbegrenzte Zuwanderung mit dem BGE, denn der Arbeitsmarkt kann tatsächlich viele Migranten nicht aufnehmen. Ich kenne die Erzählung, dass man auf sie alle ja nur gewartet habe, aber wenn die Industrie jubelt, bin ich oft skeptisch. Weil sie ihre eigenen und nicht gesellschaftliche Interessen verfolgt und weil sie sich nicht auskennt. Was weiß die deutsche Industrie von Menschen, die aus Ländern kommen, in denen es überhaupt  keine Industrie gibt? Aber sowohl die vorhandenen Qualifikationen wie auch die kurzfristigen Qualifikationsmöglichkeiten von Zuwanderern zu überschätzen, diesen Denkfehler erlebe ich in Gesprächen oft. Vor allem bei Menschen, die nicht mit hochtechnisierten Prozessen in der Industrie vertraut sind. Wir brauchen einfach mehr Realismus. Rhetorisch sollte man allerdings klarstellen, dass dies nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun hat, sondern solidarisch und verantwortlich ist, keine unbeherrschbaren Situationen herzustellen.

Weiter: „Die AfD hätte nie die Chance gehabt, in den Bundestag einzuziehen, „wenn SPD und Linke nicht den Zugang zu den Ärmeren verloren hätten“, sagte Wagenknecht im Juni der „Neuen Zürcher Zeitung“.“

Das Thema hatten wir oben ja schon. Klar, dass Wagenknecht und Lafontaine hier ähnliche Aussagen tätigen. Natürlich verstärken soziale Schieflagen das Abgrenzungsbedürfnis. Es gibt einen Zusammenhang zwischen einem Empfinden von Ungerechtigkeit und der Tendenz, Neues nicht mehr offen annehmen zu können, vor allem, wenn es dieses Gefühl triggert. Dieses Gefühl muss sich nicht auf die eigene Person in dem Sinn beziehen, dass es mir sehr schlecht geht. Es kann auch so laufen: Wir, also die Anständigen, arbeiten, zahlen Steuern etc. damit andere gefüttert werden, die überhaupt nichts beitragen. Ich  halte es deshalb wirklich für wichtig, mehr Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, nicht nur in die Teilhabe, sondern auch zur Teilnahme zu bringen.

Viele Politiker_innen der LINEn sehen #Aufstehen kritisch.

Ich bin damit schon so vertraut damit, dass Wagenknecht skeptisch gesehen wird, dass es wichtig ist, darauf nochmal hinzuweisen, damit wir’s hier nicht vergessen. Es gibt vieles, was für ihren Standpunkt spricht, das beziehe ich vor allem aufs Inhaltliche – aber auch einiges, was für ihre Kritiker spricht, das meine ich vor allem organisatorisch-parteipolitisch. Keine typische Parteipolitikerin zu sein, ist für mich nicht per se ein Qualitätssiegel, nur, weil man mit Parteipolitiker_innen immer Kader und Kungler verbindet. Und da sowohl Wagenknecht als auch Lafontaine dazu tendieren, sich über solche Genoss_innen kraft mehr Charismas und in der Überzeugung, es einfach besser zu wissen, gerne hinwegsetzen, kann ich nachvollziehen, was in den Kritikern vorgeht.

Schwächt nun Wagenknecht die eigene Partei?

Das lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt nicht sagen. Die neuesten Umfragen sprechen weder für eine signifikante Schwächung noch für eine exorbitante Stärkung. Es gibt für mich das Szenario, dass Wagenknecht der LINKEn neue Wähler zuführen kann, weil man sie ja nur via DIE LINKE wählen kann, falls #Aufstehen eine Bewegung bleibt Aber bei der ersten Andeutung von ihr oder Lafontaine, dies könnte anders werden, wird’s schwierig für DIE LINKE. Da steckt eine Menge Erpressungspotenzial gegenüber den Kritikern drin, siehe oben, „Drohung“. Wenn #Aufstehen zu weit nach rechts geht, kann aber auch dies DIE LINKE schwächen, weil ja jeder, der  DIE LINKE wählt, auch diese Tendenz mitträgt, solange Wagenknecht dort eine führende Position hat und es gibt nun mal einen emanzipatorischen und No-Border-Flügel, der sich wiederum aus linken Bewegungn speist, die schon vorhanden sind, etwa den Überresten der Friedensbewegung, aber auch aus einigen NGOen.

Ist alles unprätentiös, weil erst einmal einige Bürger_innen mit Videos und Statements auf Fotos abgebildet werden und Sahra Wagenknecht noch gar nicht vorkommt?

Selbst wenn das weiterhin so bliebe, sagt es überhaupt nichts über die Aufstellung und Organisation der Bewegung aus. Angesichts der Egoshooter-Vorwürfe versteht es sich beinahe von selbst, dass sich Wagenknecht und Lafontaine optisch zurückhalten. Ein Layout ist aber nur ein Layout. Das Bewegungsleben ist aber wie eine Pralinenschachtel. Man weiß vorher nicht, was drin ist.

© 2018 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

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