“Tatort”-Erfinder und ehemaliger WDR-Fernsehspielchef Gunther Witte stirbt im Alter von 82 Jahren (MEEDIA)

Crimetime 42 / Medienspiegel 48

Tatort”-Erfinder und ehemaliger WDR-Fernsehspielchef Gunther Witte stirbt im Alter von 82 Jahren“ titelt MEEDIA heute.

Damit ist er auch für uns beim Wahlberliner ein bedeutender Mann, haben wir doch mittlerweile über 600 Tatorte angeschaut und rezensiert. 41 dieser Rezensionen kann man bereits unter der Rubrik „Crimetime“ beim neuen Wahlberliner finden. Mit einem der Macher der frühen WDR-Tatorte, Werner Kließ, hatte ich während meiner Rezensionstätigkeit für den „ersten Wahlberliner“ einen schriftlichen Austausch und daher ein wenig Einblick aus erster Hand in die Welt von Haferkamp & Co. Leider verstarb Werner Kließ im Mai 2016.

Der erste Tatort kam aber nicht vom Westdeutschen Rundfunk, sondern vom NDR, der im MEEDIA-Beitrag erwähnte Klassiker „Taxi nach Leipzig“ (es gab voriges Jahr zum „1000er-Jubliäum“ den Fall gleichen Titels mit Borwoski und Lindholm, der aber inhaltlich nichts mit dem Original zu tun hat). Der nächste Tatort kam dann vom Saarländischen Rundfunk und hieß „Saarbrücken, an einem Montag“. Beide Filme waren nicht eigens für die neue Reihe produziert worden, sondern Fernsehspiele, die dann  in als erste Werkstücke in die Reihe integriert wurden. So wurden auch aus den Kommissar-Rollen Timm und Schäfermann Daueraufträge für deren Darsteller.

Wenn man bedenkt, dass die Tatort-Geschichte sich bald auf 50 Jahre summieren wird, kann man ohne Weiteres vom größten und bedeutendsten Format des deutschen Fernsehens im fiktionalen Bereich sprechen. Es hatte Krisen, Zeiten, in denen es zum Stillstand kam und alles ein wenig „auserzählt“ schien, doch innovative Gestaltung und der allgemeine Trend zum Krimi haben den „Tatort“ gerettet. Viele der frühen und auch der heutigen Filmen sind visuell großartig gemacht und inhaltlich weitaus anspruchsvoller als die meisten importierten Filme. Tatort, das ist eben nicht nur irgendeine Unterhaltungsreihe, sonst würden wir ihnen nicht so viel Zeit widmen. Das steckt auch ein großes Stück Fernsehgeschichte und Zeitdokumentation drin, die Filme sind, in unterschiedlichem Ausmaß natürlich, sozial, sozialogisch, gesellschafts- und film- bzw. fernsehhistorisch hoch interessant. Der Tatort war und ist ein Stück deutsche Wirklichkeitswahrnehmung durch die Brille von Krimi-Autoren und -produzenten.

Gunther Witte ging bereits 1998 in den Ruhestand und die heutige Tatortwelt ist sicher nicht mehr stark von ihm beeinflusst, aber ohne ihn hätte es dieses starke Format nicht gegeben – nicht so, wie wir es kennen jedenfalls.

TH

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