Zum Tod von John McCain (Linke Zeitung / Geopolitical Alert / Berliner Morgenpost) / #McCain #Neocon #Republican

Medienspiegel 53

Einen echten Nachruf werden wir sicher einmal schreiben, wenn Donald Trump sterben sollte oder Barack Obama, bei Letzterem aber könnte es gut sein, dass er das nach uns tut und daher das Vorhaben nicht umgesetzt werden kann.

Aber John McCain? Alle wichtigen Medien haben etwas zu ihm gebracht und es wäre müßig, hier eine Aufzählung der Inhale vorzunehmen. Googelt doch selbst. Aber: Dabei wurde ein Mann gewürdigt, der offenbar aufgrund seiner besonderen, schmerzensreichen Biografie eine Art postume Sympathie hervorgebracht hat, eine, die vielen fremd war, als er noch lebte. Es hat aber auch mit Donald Trump zu tun, dass McCain, ein klassischer „Neocon“, plötzlich die Sehnsucht nach ebenjener Gruppe innerhalb der US-Politik weckt. Bei ihm wusste man wenigstens, was man hat. Einen Kriegstreiber und Scharfmacher, der nicht nur Präsident Obama eine Menge Schwierigkeiten bereitet hat.

Wie auch  nicht, denn er verlor die Präsidentschaftswahlen gegen den charismatischen Typ eines neuen Zeitalters oder einer scheinbaren Erneuerung deutlich.

Es mutet wie ein Treppenwitz an, dass dann Donald Trump es geschafft hat, die Republikaner an die Macht zu bringen – allerdings gegen eine schwache und korrupte Kandidatin der Demokraten, gegen Obama hätte er wohl nicht gewonnen (nach Stimmen hatte er nicht einmal Hillary Clinton besiegt).

John McCain haftet also auch das Bild des Unvollendeten an, das ebenso viele Emotionen freisetzen kann, als wenn er 2008 Präsident geworden wäre. McCain war eine Bank der Republikaner für einen Senatssitz in seinem konservativen Heimatstaat Arizona und trotz eigener Meinungen letztlich ein verlässlicher Parteisoldat.

Innenpolitisch war McCain nie ein Hardliner innerhalb des republikanischen Spektrums, sondern ein Mann der Mitte – doch in der Außenpolitik wandelte er sich vom Interventionsskeptiker zum Falken und darauf fußt die folgende Aufstellung, die von der „Linken Zeitung“ aus „Geopolitical Alert“ ins Deutsche übertragen wurde. Seine persönlichen Erfahrungen im Vietnamkrieg haben sicher dazu beigetragen, dass er neuen Kriegsabenteuern der USA zunächst vorsichtig gegenüberstand – aber als sich abzuzeichnen begann, wie asymmetrisch man die heutige Kriegführung gestalten kann, ohne größeres Risiko für die eigene Militärmacht, hat er wohl seine Haltung geändert.

Da wir in Europa weniger seine moderaten sozialpolitischen Ansichten als das zu bewerten haben, was er in der Außen- und besonders der Kriegspolitik der USA  in den letzten zwei Jahrzehnten getan oder angeregt hat  und welche seine Positionen warn, erklärt sich unsere starke Zurückhaltung bei der Würdigung dieses Politikers aus dem oben verlinkten Beitrag. Die dortigen Weiterverlinkungen haben wir nicht alle sichten oder gar überprüfen können, aber diejenigen, die sich schon länger mit Außenpolitik beschäftigen, werden zumindest die weltpolitischen Vorgänge zu bewerten wissen, zu denen er sich geäußert hat.

Wer seine letzten, postumen Worte an die USA lesen möchte, die gibt es jetzt auch in Übersetzung in hiesigen Medien. Sicher haben wir in Deutschland ein anderes Verhältnis zur Grandiosität als die Amerikaner, aber auch erst seit 1945. Vieles in John McCains Abschiedsworten macht einmal mehr deutlich, wo ein Teil der heutigen Probleme der Welt zu suchen ist: In der Ansicht der Amerikaner über sich selbst und was ihr Land darstellt und welche Rolle es ergo zu spielen hat. Kein Politiker, der etwas werden oder bleiben will, darf dieses Bild angreifen oder auch nur moderat infrage stellen – und die meisten von ihnen fühlen sich dieser Erzählung aus voller Überzeugung verpflichtet.

TH

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s