#Lollapalooza Festival #Berlin 2018 #Livestream (Testspiel.de / #ARTE) und ein bisschen über #Lärm #lästern oder #Lärmlästern #Bombenstimmung

Wir sind ja nicht nachtragend oder piefig oder so, daher hier der Lollapalooza Festival Berlin 2018 Livestream von ARTE.

Als das Lolla 2015 (oder war’s 2016?) auf dem Tempelhofer Feld stattfand, wurden über eine halbe Million Berliner mit einem wirklich unfassbaren Lärm beschallt, obwohl die Mitte des Feldes ja ein Stück weg von jeder Wohnbebauung ist. Bei uns im Hof hörte es sich an als – genau, als finde das Ding direkt im Hof statt, nur lauter. Obwohl wir fast 2 Kilometer Luftlinie vom Tempelhofer Feld entfernt wohnen.  Das Gespenstische daran war, in welche Richtung man von hier auch startete, es hörte sich immer gleich apokalyptisch an, sodass man per Gehör nicht ermitteln konnte, wohin man sich absetzen muss, um dieser netten kleinen Endzeit-Emission zu entkommen.

Letztes Jahr fand das Festival in Hoppegarten, also etwas jenseits der Berliner Stadtgrenze in Brandenburg statt und es hagelte Beschwerden der Anwohner. Dieses Jahr kriegen es vor allem die Charlottenburg-Westend-Bewohner und die Spandauer ab. Es wird wieder eine Protestwelle geben, weil dieses Festival in etwa das Lauteste ist, was Menschen diesseits einer Atomexplosion anrichten können. Wir werden es natürlich auch wieder mitbekommen. Westwind, wie bei Fußballspielen oder bei der Pyronale, wird dafür gar nicht notwendig sein, der enorme Schalldruck findet bei jeder Wetterlage zu uns.

Hier nochmal der Link: Lollapalooza Festival Berlin 2018 Livestream

Unnötiger Lärm ist mittlerweile als eine Umweltverschmutzungsquelle doch eigentlich anerkannt, aber wir sind in Berlin ja etwas retardiert.

In meiner Wohnecke gibt es sowieso mehrere Feste im Jahr, die immer lauter werden. Jede Straße hat ihr eigenes. Neuerdings wird eim Berlin-Marathon, der bei uns vorbeigeht, nicht mehr nur gelaufen oder gefahren, sondern auch noch eine irre Musikbeschallung als notwendig erachtet. Das ist dann in zwei Wochen, wenn man sich noch nicht ganz vom Lolla erholt hat.

Eine politische Partei hat ihr Büro jetzt auf eine Brache ein paar Meter von uns weg eingerichtet, auf der man mal was Anständiges hätte bauen können, städtisches Wohnen für günstiges Geld beispielsweise, dafür hätte ich auch aus freudiger Überzeugung ein paar Monate lang Baulärm in Kauf genommen. Aber stattdessen natürlich – ein scheinhippes Holzhäuschen mit ein paar Quadratmetern städtischem Biogarten trotz eklatanter Platznot und nur noch wenigen Möglichkeiten zum Wohnungsbau in meiner Umgebung – und natürlich gibt’s ein lautes Sommerfest. Geht nicht ohne laut. Und seit etwa 8 Jahren findet eine Sanierungs-Baumaßnahme nach der anderen in der Umgebung statt. Nie zwei gleichzeitig, um mal was zusammenzufassen. Und die Art, wie das gemacht wird, lässt darauf schließen, dass das Gewerbeaufsichtsamt oder das Ordnungsamt viele unnötig – genau – laute und langandauernde und aus weiteren Gründen fragwürdige Tatbestände vorfinden würden.

Einmal bin ich Sonntagsnachmittags selbst auf die damals allernächste Baustelle gegangen und habe verkündet, dass ich die Polizei rufe, wenn jetzt nicht mal gut ist. Die zwei Arbeiter mit ihren Riesenbohrern haben mich zwar nicht wirklich verstanden, aber die Bullerei klingt ja in fast allen Sprachen ähnlich und es hat ihnen gedämmert, dass irgendwas, was sie machen, falsch sein könnte und sie haben echt aufgehört, bevor ich meine Androhung wahrmache und die Polizei die Leute nach ihren Papieren fragen könnte, wenn sie eintrifft. Montagsmorgens um sieben hat die Welt dann gleich wieder aufgehört, in Ordnung zu sein, aber das ist eh normal für die meisten Menschen.

Hier nochmal der Link: Lollapalooza Festival Berlin 2018 Livestream

Zwei Häuser weiter basteln sie jetzt seit Frühsommer 17 am Dach, an den Fenstern und am Garten und alles wird im direkt an unseren anschließenden Hof zurechtgeschliffen, gesägt, gefräst und aufgebaggert, gepresst und gehämmert. Das ist eine Daueraufgabe, damit kann man Jahrzehnte zubringen. Die daraus resultierenden Geräusche gehen dann abends übergangslos in den Partylärm über, denn jede Nacht veranstaltet garantiert irgendwer eine Party mit Musikbeschallung in Festivallautstärke, damit die anderen im Kiez auch was davon haben, die immerhin so schlau waren, sich nicht direkt in der Außenbereichs-Kneipenstraße hundertfünfzig Meter weiter einzuquartieren. Nein, das war jetzt übertrieben, das war vor paar Jahren irgendwie schlimmer als gerade jetzt, mit den Partys. Und die Kinder, die keine Minute ohne Schreien und Grölen auskommen, werden größer und die kleinen, die nachkommen, etwas weniger. Und aufs eigene Haus, speziell eine Partei, gehe ich jetzt nicht ein, sonst rutschem mir noch Klischees raus. die leider manchmal zutreffen. Habe ich schon erwähnt, dass auch die Müllabfuhr bei uns bis zu einer Stunde früher zugange ist, als sie eigentlich dürfte und natürlich überall klingeln muss, weil ja um die Zeit nicht immer sofort jemand an den Türöffner springt. Und bei uns kommt fast jeden Tag eine andere Müllabfuhr für eine andere Tonne vorbei und klingelt überall. Über die Praktiken der Paketdienste, die jeden Tag kommen, weil ja heute alles beim supertollen, nachhaltigen und mitarbeiterfreundlichen Amazon anstatt regional gekauft wird, schweige ich lieber, sonst wird das hier eine zusätzliche Generalabrechnung mit den heutigen prekären Zustell-Dienstleistungen, die bei der Fail-Post in der Hauptstraße noch lange nicht endet.

Gerade jetzt reißen sie auch zwei Ecken weiter die Straße zum dritten Mal in drei Jahren auf. Nach den grauen und den schwarzen Kabeln sind jetzt die dicken Wasserrohre dran. Mal gespannt, was sie noch vergessen haben und nächstes Jahr unterirdisch verlegen und dafür wieder alles aufreißen müssen.

Laut ist nicht cool und typisch Metropole. Laut übers Notwendige hinaus ist dumpfbackig, unkoordiniert, unsolidarisch, rücksichtslos, kulturlos.

Hier nochmal der Link: Lollapalooza Festival Berlin 2018 Livestream

Es gibt Weltstädte, in denen wesentlich weniger absichtlich oder fahrlässig auf den Ohren der Bewohner herumgetrommelt wird und in denen man versucht, den notwendigen Krach so zu organisieren, dass es möglichst wenig kracht. In Berlin lässt man hingegen nichts aus, um das per se noch Erträgliche, den Grundlärm, möglichst ins Unermessliche und zeitlich so gut wie möglich auszudehnen.

Festivals wie das Lolla finden normalerweise irgendwo draußen in der Pampa statt und nicht mitten in einer Stadt, in der sich zwei Tage lang Millionen nicht dagegen wehren können, nur, damit ein paar Zehntausend nicht mal ein paar Kilometer fahren müssen. Falls es mehr sind als ein paar Zehntausend: Viel Spaß dann noch verkehrsmäßig, die meisten werden ja mit ihren eigenen Dreckschleudern anreisen. Und das natürlich, nachdem die Urlaubszeit zu Ende ist, in der mal ein paar Leute eh weg gewesen wären und es nicht so mitbekommen hätten.

Hier nochmal der Link: Lollapalooza Festival Berlin 2018 Livestream

Der Mega-Fail BER, der neue Flughafen außerhalb der Stadt, der sowieso nie fertig werden wird, der hätte sich doch hervorragend angeboten, endlich mal einen Zweck zu erfüllen. Sorry an die Menschen in Schönefeld + Umgebung, aber ihr seid halt weniger als wir und habt ja eh damit gerechnet – genau, dass es bei euch mal laut wird. Es kam anders, aber das Lolla wäre doch mal ein guter Ersatz für zwei Tage gewesen. Macht so viel Krach wie ein durchschnittlicher Hauptstadtflughafen in einem ganzen Jahr. Kein Interesse für 2019? Sorry, wird eh nix, denn 2019 ist das Olympiafeld am Olympiastadion schon wieder gebucht.

Was lernen wir daraus? Mit 2RG in Berlin wird die Welt nicht friedlicher, die Gewalteinwirkung per schwachsinnigem Krach für offensichtlich Gehöramputierte zulasten der übergroßen Mehrheit nimmt immer weiter zu. Wie einige andere Dinge auch, die man beobachten kann, ist das vermutlich eine Spätfolge des niemals endenden NS- und Kriegstraumas. Damals waren ja die Aufmärsche und dann die Kriegszeiten auch ziemlich laut. Man versucht offensichtlich, die Bombentage und Bombennächte so gut wie möglich zu imitieren, weil man zu traumatisiert ist, um dauerhaft ohne nervenzerstörenden Lärm auszukommen. Berliner_innen, wollt ihr den totalen Lärmkrieg? Blöde Frage: Wonach klingt’s denn?

Habe ich schon erwähnt, dass wir zwei bis drei Familien in der Nachbarschaft haben, die Ende November mit dem Abschießen von unerlaubt lauten Böllern aus bekannter Ostfabrikation beginnen und bis in den März hinein versuchen, ein paar von den so kostbar, so rar gewordenen Wohnungen in der Umgebung für Friends & Peers freizuböllern, indem sie immer mal wieder, wenn niemand damit rechnet, so ein Ding zünden und es dann möglichst in oder wenigstens gegen Fenster und auf Balkone werfen, um bei älteren Menschen Herzinfarkte auszulösen?

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TH

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