Sonntagsfrage: „Aufstehen“-Boom bei der LINKEn und AfD über dem Zenit? #AfD #CDU, #DIE LINKE, #SPD, #Grüne, #FDP #Sonntagsfrage #Bundestagswahl #ForschungsgruppeWahlen

Umfrage & Ergebnis 25 

Das politische Geschäft ist mal so und mal so. Zuletzt wurde eine Umfrage von INSA dahingehend interpretiert, dass „Aufstehen“ die LINKE boostest. Jetzt steht sie aber wieder bei 8 Prozent. Bei der Forschungsgruppe Wahlen allerdings.

Ich empfehle dringend, nicht bewusst oder unbewusst zu manipulieren und deswegen auch nur die Umfragen desselben Instituts zu vergleichen. Denn ob sich beispielsweise die CDU von zuletzt 28 Prozent nun auf 30 erholt hat – oder ob sie um ein Prozent gefallen ist, das hängt ganz davon ab, ob man die neuesten Umfragen institutsübergreifend vergleicht oder ob man im System bleibt.

Und das System, in diesem Fall FORSCHUNGSGRUPPE WAHLEN, zuständig fürs Politbarometer des ZDF, weist keine Steigerung für die CDU gegenüber der Umfrage von Ende August aus und das ZDF titelt daher sogar mit „Rekordtief für die Union“. Hingegen legt die SPD zwei Prozent zu und die Grünen kommen auf einen seit 2013 noch nie ermittelten Spitzenwert von 16 Prozent. Und DIE LINKE stagniert bei mageren 8 Prozent. Sie könnte sich jetzt damit trösten, dass das linke Projekt trotzdem drei Prozent dazugewonnen hat. Aber wird sie das? Eher nicht. Aus guten Gründen.

 

14.09.2018 FORSCHUNGS-GRUPPE WAHLEN 31.08.2018
FORSCHUNGS-GRUPPE WAHLEN
24.09.2017

Wahlergebnis

CDU/CSU 30 % 31 % 32,9 %
SPD 20 % 18 % 20,5 %
GRÜNE 16 % 15 % 8,9 %
FDP 7 % 8 % 10,7 %
DIE LINKE 8 % 8 % 9,2 %
AfD 15 % 17 % 12,6 %
Sonstige 4 % 4 % 5,0 %

 

Bei der letzten Umfrage von INSA, die der LINKEn 10,5 Prozent zuwies, wurde das von Anhängern der Bewegung gegenüber den Umfragen einiger anderer nstitute, die zuvor etwas weniger auswiesen, als ein Boom durch „Aufstehen“ gedeutet. INSA gab der LINKEn zuletzt immer höhere Wert als die FORSCHUNGSGRUPPE WAHLEN – die bei der Bundestagswahl 2017 das schließliche Wahlergebnis für DIE LINKE besser im Blick hatte als INSA (-0,7 Prozent Umfrage / Wahlergebnis, INSA +1,8 Prozent).

Bei beiden Instituten aber schneidet DIE LINKE sogar schlechter ab als vor wenigen Monaten und ich kann mir nicht vorstellen, dass a.) Die Strategen in der Parteizentrale das nicht im Blick haben und b.) diejenigen, die solche Daten für „Aufstehen“ auswerten, das nicht auch im Blick haben.

Zur Beruhigung und zur Dämpfung zugleich – wir haben noch schnell den Civey-Check gemacht, bei diesem von uns besonders geschätzten Berliner Institut kommt DIE LINKE genau auf 10 Prozent, nach 9,9 bei unserem letzten und 10,1 bei unserem vorletzten Abgleich. Es sieht also nicht so schlecht aus wie bei der Forschungsgruppe – aber von einem „Aufstehen“-Boom kann man bisher keinesfalls sprechen. Eng um die 10 kreist DIE LINKE dort schon seit längerer Zeit und ist jetzt genau auf dem Punkt gelandet.

Da „Aufstehen“ überparteilich sein soll, liegt es durchaus in der Logik, dass es DIE LINKE nicht wesentlich hebt, denn es weiß wohl jeder, dass diejenigen, welche die Bewegung initiiert haben, sich ja gerade von einigen Positionen der eigenen Partei abheben (wollen). Doch vielleicht hilft das Projekt ja den Grünen und der SPD? Nach Civey stimmt das leider auch nicht ganz: Die SPD verharrt dort bei 17,4 Prozent nach zuletzt 17,7 – nur die Grünen nähern sich jetzt der 15 Prozent-Grenze und kommen auf 14,7. Die Trendpartei der letzten Monate sind die Grünen, weil sie am meisten als Anti-AfD wahrgenommen werden und ihr Zuwachs der gegenwärtigen Polarisierung am besten entspricht.

Eine gute Nachricht gibt es nun für alle, welche ebenjene AfD nicht mögen – unabhängig vom Institut ist der Aufwärtstrend gestoppt, das bestätigt sich immer mehr. Die Forschungsgruppe gibt nur noch 15 nach zuletzt dramatischen 17 Prozent, bei Civey sind es ebenfalls „nur“ 15,4 Prozent. Es schadet nicht nur der Union, wenn sie versucht, die AfD zu kopieren, es schadet auch der AfD selbst, wenn sie zu sehr überzieht. Das spricht übrigens dafür, dass sie einen hohen Anteil von Protestwählern hat, die sich nicht mit dem zunehmenden Ausgreifen der Partei nach ganz rechts identifizieren. In der FORSCHUNGSGRUPPE-Umfrage, die bis gestern lief (13.09.2018), ist auch der Effekt der aufgeregten Bundestagsdebatte vom 12.09. wohl schon inkludiert, als die AfD-Fraktion zwischenzeitlich den Saal verließ und damit Erinnerungen an den 9. Februar 1931 weckte, als die NSDAP- und DNVP-Abgeordneten sich ebenso verhielten.

Als Entwarnung darf man diese etwas niedrigeren AfD-Zahlen nicht deuten, denn die Zeit heilt nicht nur Wunden nicht so gut, wie mancher denkt, sie wird auch den Groll in weiten Teilen der Bevölkerung gegenüber der Regierungspolitik nicht von allein verschwinden lassen.

TH

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