Keine Macht den Drogendealern & free Hanf & Co. // #Drogen #Drogenpolitik #Drogenfreigabe #LSD #Heroin #Mariuhana #Bier #Alkohol #Zigaretten #Kokain #CrystalMeth #Crack #Drogenkartelle #Drogendealer #GenerationY

Kommentar 85

Vom Magazin „Neue Debatte“ haben wir ja schon den einen oder anderen Beitrag von Georg Mersmann gedanklich verarbeitet, indem wir ihn besprochen haben. Heute erstmals einen Artikel von Nadine Vetter mit dem Titel

Generation Y: #druggieswithfuture

Es geht, der Titel lässt es schon vermuten, um einen anderen, einen zukunftssicheren Umgang mit Drogen. Es geht darum, ob wir nicht wenigstens auf einem von vielen sogenannten Problemfeldern problembewusst und realistisch sein sollten. Und damit viele Kapazitäten freisetzen könnten für andere Aufgaben: bessere Bildung, mehr Integrationsarbeit und wo es in Berlin noch überall hakt. Berlin! Die Stadt von Christiane F.

Der Bahnhof Zoo hat sich allerdings stark verändert, dafür gibt es aber den Görli und solch Hotspots, an denen in dunkeln Nächten in noch dunkleren Ecken die ganz dunklen Geschäfte gemacht werden. Eigentlich auch längst alles Old School. Wir wissen aus Dokumentation über die Clans von Berlin, dass die Drogen heute meist in Audis oder Mercedes-Automobilen direkt zum Kunden gefahren werden, also an den Prenzlberg und so. Und die Clubs. Und die Kneipen. Und die Unis. Und die WGen. Und überhaupt. Drogen, wohin man schaut – obwohl man sie in der Regel nicht wahrnimmt, solange nicht jemand ziemlich auffällig-öffentlich an einem Joint zieht. Oder in der U-Bahn herumwankt mit Riesenfahne und einer Bierflasche, die er kaum noch sicher halten kann. Die öffentlich auffälligste Droge ist sicher der Alkohol und auch diejenige, mit der man als Konsument andere am besten nerven kann, wenn man sie volltrunken anpöbelt und dergleichen. Zigaretten waren auch immer für Fremdeinwirkung gut, bis sie dankenswerterweise in Restaurants verboten wurden. Im großen Draußen aber sollte man es nicht übertreiben. Was interessiert es die Milliarden Kubikmeter Luft, wenn darin ein bisschen Tabakrauch aufgeht? Komischerweise werden die Raucher aber immer weiter niedergebasht, während die Säufer lustig die Ausgehmeilen mit ihren Hinterlassenschaften verscherbeln. Und die Kotze hier und da und dort. Brrrrr.

Komischerweise denkt kein Mensch daran, irgendwas gegen den Alkoholismus zu tun, die auffälligste Sucht von allen. Dabei kostet er ganz sicher mehr Steuern, als er einbringt. Und ist in Deutschland zudem besonders ausgeprägt. Wieso aber kann es gesellschaftlich akzeptierte Drogen mit erheblichen Auswirkungen auch auf Dritte geben und andere, mit denen umgegangen wird, als wären sie vom Teufel oder vom bösen Russen persönlich erfunden worden? Natürlich sind 1300 oder 1500 Drogentote im Jahr nicht schön. Damit sind die Konsumenten von illegalen Drogen gemeint, die es übertrieben haben. Die nicht mehr aus ihrer Sucht rauskamen.

Hat aber nicht jeder das Recht auf einen ordentlichen Rausch ab und zu, selbst wenn es sich nicht  um einen Alkoholrausch handelt? Mir ist es ehrlich geschrieben nicht so wichtig, ob Marihuana nun überwiegend nützlich oder doch etwas schädlich ist, medizinisch gesehen. Es gibt genug Drogen, die sind illegal und eindeutig schädlich. Da hilft auch kein super kontrollierter Konsum, es ist wie es ist. Aber die Welt ist ja auch ein Vergleichsraum und wenn ich alles, was diese Drogen anrichten, mit den Auswirkungen des Alkohols vergleiche, komme ich auf eine erstaunliche Disparität und wenn ich den Umgang mit diesen verschiedenen Drogensorten vergleiche, stellen sich Fragen.

Der Kern aber ist für mich ein anderer, der zweimal in Nadine Vetters Beitrag angesprochen wird. Ich bin ein politischer Mensch. Ich bin jemand, der nach Lösungen sucht. Und nicht danach, Menschen mit einer Sucht zu verurteilen, weil sie diese eine Sucht haben in einer Gesellschaft, die zum Suchtverhalten in jeder Hinsicht herausfordert.

Nur bei meinen Kids ist das anders. Menschen! Abkömmlinge! Bleibt authentisch! Schreibt lieber eine etwas schlechtere Zensur. Gut, dass ich keine Kids habe, an die ich so schwierige Dinge adressieren müsste. Drogen zur Leistungssteigerung sind ungerecht, das unterscheidet sie von Freizeitdrogen, Partydrogen usw. Wenn wir so weit sind, dass man nur noch mithalten kann, wenn man sich was einschmeißt, auch im Beruf dann später, dann – ja, dann haben wir mal wieder ein leitungsgesellschaftliches Problem, dafür kann man aber nicht die Drogen als solche verantwortlich machen.

Zurück zum lösungspolitischen Ansatz. Ich bin mittlerweile so weit, dass ich fordere, Drogen komplett freizugeben. Wie halt den Alkohol. Wir erinnern uns bzw. wir wissen, dass es einmal ein Alkoholverbot gab. Nicht in Deutschland, wo wären wir da hingekommen, ohne bierselige Bierzeltstimmung, die vielleicht auch den einen oder anderen dazu animiert hat, die Nazis für weniger gefährlich zu halten, als sie waren.

Wer nicht glaubt, dass Alkohol eine der Drogen ist, welche die Sinne am meisten benebelt, der soll mal überlegen, neben wem er morgens schon alles entsetzt aufgewacht ist, als er wieder halbwegs nüchtern war. Katzenjammer.

Es war aber in den USA, wo es offiziell eine Zeitlang nichts zum Saufen gab. Dort war Alkohol von 1919 bis 1933 – genau, verboten! Ausgerechnet in der wilden Jazz-Zeit haben sie das gemacht, die Leute trockenlegen, das wollten sie, damit sie dem Kapitalismus noch besser dienlich sein können. Und was geschah? Viele legendäre Filme sind dadurch entstanden, schon während der Prohibition selbst, aber auch danach, retrospektiv und oft recht nostalgisch daherkommend. Fast alle Mobs der USA, die bis heute ein- und nachwirken, sind damals aus dem Alkoholschmuggel heraus entstanden. Es  war schon genauso cool, mit der Tommy Gun und dem Siebensitzer, der als Taxi verkleidet war, unterwegs zu sein wie heute mit dem dicken AMG-Mercedes und den etwas weniger sichtbaren Waffen die Drogen als Koks-Lieferheld von Haustür zu Haustür zu fahren. Okay, die Auslieferer sind in der Hierarchie der Clans meist (noch) nicht ganz oben, wir streichen mal das „AMG“. Schließlich ist der Fahrradkurier auch nicht der Hauptprofiteur der Plattformökonomie.

Aber genau darum geht es. Wenn wir endlich ernsthaft an das Verbrechen in der großen Stadt herangehen wollen, muss als erstes die Herstellung, muss der Vertrieb, muss das große Geschäft mit illegalen und zudem qualitativ mehr als unsicheren Drogen zum Erliegen kommen. Natürlich gäbe es dann ein paar wüste Clankriege und die straßenauffälligen Delikte würden erst einmal zunehmen, aber der Sumpf würde austrocknen, wenn man Drogen wirklich, wie es sich dem Namen nach gehört, in der Drogerie kaufen könnte. Und die Lieferservices könnten ihre ganz offiziellen Angebote nochmal neu kombinieren. Weine & Hanf oder Pizza & Pillen. Das wären vielleicht typische Namen für Berliner Startups dieser Kategorie. Okay, dies ist nicht der Moment für Geschäftsideen.

Was würde geschehen, wenn man den Drogendeal-Sumpf also trockenlegen würden? Der Menschenhandel, die Schutzgelderpressung, die illegalen Spielchen aller Art, der Raub, der Raubmord? Wo gehobelt wird, fallen Späne. Natürlich würden die Clans nach Ausweichmöglichkeiten suchen. Die haben sie in den USA auch gefunden und in die Oberflächengesellschaft sind sie weiterhin eingedrungen, denn da hatten sie ja schon Immobilien, Casinos und Musiker und Gewerkschaften und sowas alles, als es mit den lustigen Speakeasys und deren Beschickung vorbei war. Aber so einfach ist das bei uns nicht, denn in den USA gibt es ein paar Spezifika, die beispielsweise mit der Größe und der Weite des Landes zu tun haben und dem stärker ausgeprägten Individualismus.

Wenn sich aber bei uns das Verbrechen sich nicht mehr anders zu helfen weiß, als jede zweite mittelständische Wohnung in Berlin auszuräumen, um auf Umsatz zu kommen, dann, ja, dann wird die Politik handeln müssen. Das lässt sich kaum verhindern, nicht einmal von den Politikern selbst. Vor allem, wenn welche von ihnen betroffen sein sollten. Dann passiert sicher mal was.

In meinem Umfeld gibt es V-Theoretiker. Die werden jetzt sagen: Die Drogenclans schmieren schon so gut, dass die Politik schon wegen dieser lukrativen Zusatzeinnahmen die Drogen nicht legalisieren wird. So schlimm sehe ich’s nicht. In der Polizei, da wird es Korruption geben, aber Infiltration bis ganz oben, das glaube ich in diesem Fall nicht. Noch nicht zumindest. Sicher ist es auffällig, wie lässig bei uns mit der Unterwelt umgegangen wird, die das System aushöhlt. Und wenn mal wer gefasst wird, wie lausig die Strafen dann sind, falls es überhaupt welche gibt. Oh ja, für das Rechtsempfinden und für die Justiz selbst besteht Gefahr. Dass Justizpersonen und deren Familien bereits mindestens subtil bedroht werden, ist bekannt. Und es ist mehr als bedenklich, was diese hauptsächlich aus dem Drogengeschäft entstandenen Unterweltkartelle sich schon trauen.

Dass man sich nicht an dieses System herantraut, hat auch ideologische Gründe, weil die Problembenennung nicht ohne ethnische Zuschreibungen möglich ist. Die einen sind mehr in diesem, die anderen mehr in jenem Business zuhause, aber gemeinsam ist ihnen, dass sie auf Strukturen aufbauen und auf Verhaltensweisen, die nun einmal nicht denen des typischen Verbrauchers von deren Produkten ähneln, weil die Sozialisierung  ganz unterschiedlich ist.

Es handelt sich aber nicht um eine Symbiose, sondern um einen miesen Deal, in dem die Verbraucher eine moralisch schwierige Position haben, obwohl sie doch nichts anderes tun als die Säufer oder Raucher oder Kaffeetrinker, die alle das Glück haben, legale Drogen konsumieren zu dürfen.

Ich schüttele den Kopf und schaue in die große Tasse neben mir, die mir eine Freundin aus Portugal mitgebracht hat. Gelbe Sterne auf blauem Grund, auf einem Delfin reitet ein schlafender Junge. So süß. Um diese Zeit einen Beitrag schreiben nach einem so stressigen Tag wie heute ohne ein bisschen Koffein aus dieser herrlichen Großtasse? Nee, nee. Kostet fünf bis sechs Euro das Pfund, fair gehandelt oder in Espressobohnenform bisschen mehr. Keine Pads. Ich hasse Pads. Ökonegativ, diese Pads. Aber sonst: Ohne jedes schlechte Gewissen, weil ich ja kein 10-Tassen-am-Tag-Trinker bin (gemäß dem Beitrag, der hier referiert wird: Die Dosis ist entscheidend). Ich stelle mir gerade vor, ich müsste mir den Kaffee von einem Dealer für 100 Euro das Pfund anliefern lassen und der kann sich nach 1000 Lieferungen, also innerhalb eines halben Jahres, dafür schon einen gebrauchtes Protzmobil finanzieren, das so krass Old School ist, ökologisch und überhaupt. Und: Meine Beschaffungskriminalität wäre ein weiterer Quell der Verunsicherung, die viele Bürger doch heutzutage spüren. Ich würde mich zunächst im Fahrradklau betätigen, wie der geht, damit kenne ich mich als Geschädigter schon aus.

Aber wenn wir nun die Drogen freigäben, dann könnte sich die Polizei wieder mehr um den öffentlichen Raum und sogar um die verschobenen Räder kümmern, das wäre doch mal was. Und um die U-Bahnhöfe. Um die wirkliche großen Verbrecher. Steuerfahndung statt Alibi-Drogendealer-Verfolgung, wo ja eh immer nur die kleinen Fischerl ins Netz gehen. Natürlich, im Beamtenstaat kann man nicht jeden Menschen gleich umwidmen, Wirtschaftskriminalität statt Drogendezernat, aber das Setting wäre doch ein anderes. Und vielleicht – vielleicht würde der eine oder andere Mob von hier verschwinden und alle übrigen Menschen jedweder Herkunft könnten einander mehr vertrauen. Ein bisschen mehr legales Gift zum Rauchen, schniefen oder schlucken würde so viel Gift und so viel Unsicherheit aus den Beziehungen der Menschen in Großstädten entfernen.

Und nach der Prohibition wie auch in meiner Jugend hat sich gezeigt: Als es erlaubt war, war’s lange nicht mehr so cool. Was auch immer es war.

© 2018 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

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