Die Alten hauen rein – Anteil von über 55jährigen Arbeitnehmer_innen steigt rapide an // #Altersteilzeit #Senioren #Arbeit #Rente

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Im aktuellen Newsletter der Hans-Böckler-Stiftung wird festgestellt: „Ein immer größerer Teil älterer Menschen in der EU ist erwerbstätig. In Deutschland stieg die Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen zwischen 2005 und 2016 um rund 23 Prozentpunkte – stärker als in jedem anderen EU-Land. Insgesamt sind hierzulande knapp 70 Prozent der Menschen in dieser Altersgruppe erwerbstätig. Zu diesem Ergebnis kommen Martin Brussig und Arthur Kaboth vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen in einer von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie.“

Mehr Ältere im JobMal so herum gefragt: Was lässt sich Positives aus diesen Daten gewinnen?

Von den in der Grafik ausgewiesenen Ländern liegt nur Schweden höher. Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied: Dort haben schon 2005 wesentlich mehr Menschen wesentlich länger gearbeitet als damals bei uns, die Lücke hat sich seitdem auf eine fast dramatische Weise geschlossen. Damit haben wir aber auch schon einen Grund, warum das schwedische System so gut funktioniert: Dort sind offenbar nicht so massiv Menschen frühverrentet worden wie bei uns und es gab nicht so viele, die länger Rente bezogen haben oder noch beziehen, als sie vorher gearbeitet haben. Bei uns war man froh, dass man besonders in den niedergehenden Industrien Menschen mit Sozialplänen gleich in Rente schicken konnte und somit den Arbeitsmarkt für Jüngere freihalten konnte, die millionenfach arbeitslos waren, als die Regierung Schröder zur Regierung Merkel wechselte. Hätte man die Älteren noch mühsam umgeschult und dies erfolgreich, hätten sie den Arbeitsmarkt geradezu verstopft.

Heute ist die Situation eine ganz andere: Es gibt nicht mehr genügend Fachkräfte und die meisten Menschen sind im Alter von 55 bis 64 Jahren durchaus noch in der Lage, etwas beizutragen, zumal sie seltener als früher körperlich anstrengende Arbeit zu verrichten haben und Qualifikationen aufweisen, die ihnen auch den Umstieg in andere, aber benachbarte Tätigkeitsfelder, vor allem im administrativen Bereich, ermöglichen.

Die Frühverrentungsorgien von einst waren schon damals heftig kritisiert worden. Jetzt verstopfen diejenigen, die davon betroffen waren oder profitiert haben, je nach Aufstellung, zwar nicht den Stellenmarkt, aber dafür das Rentensystem. Deswegen sollten auch die heutigen Jungen mal etwas chilliger gegenüber der nun folgenden Renter_innen-Generation sein: Diese Menschen werden lange arbeiten müssen und wenig Rente bekommen, das steht schon fest. Und sie werden mit ihrer Expertise gebraucht, angesichts eines eklatanten qualitativen wie quantitativen Nachwuchsmangels.

Ich persönlich hätte nichts dagegen, mit 70 noch ein paar Stunden pro Woche zu arbeiten, falls die Gesundheit es zulässt. Allerdings müssen wir alle für ein besseres Rentenniveau kämpfen. Im erwähnten Schweden erhalten Ruheständler etwa 15 Prozentpunkte mehr vom letzten Netto als von der deutsche Rentenkasse. Selbst die Forderung der LINKEn nach einer Anhebung von lächerlichen 48 Prozent, Tendenz allenfalls stagnierend, vermutlich eher weiter sinkend, auf 53 Prozent vom letzten Netto wird eindeutig nicht die Altersarmut beheben, die viele Arbeitnehmer_innen künftig ereilen wird. Es kommt also nicht nur darauf an, dass viele Menschen länger arbeiten, sondern auch darauf, ob es gute Arbeit ist, ob sie altersgerecht gestaltet wird und ob sie mit nach dem späten Ende mit auskömmlichen Rentensätzen honoriert wird.

TH

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