„Die Macher hinter den Kulissen“ (Hermann Ploppa / KenFM) / Warum sind wir Genossen? #Genossenschaft #KarlPloppa #Ploppa #KenFm #KenJebsen #Elite #Kulissenschieber

Kommentar 102

„Wir leben in einem System, das sich „Der Westen“ nennt und vorgibt, demokratisch organisiert zu sein. Eine Gesellschaft, die den Anschein erweckt, durch das Volk regiert zu werden. Die Realität sieht jedoch völlig anders aus. In Wirklichkeit ist das, was man uns als Demokratie verkauft, ein gigantisches Täuschungsmanöver, um einer sehr kleinen Geldelite die Möglichkeit zu geben, global ihren Willen durchzusetzen.“ 

So beginnt der Begleittext auf Youttube zum Interview mit Karl Ploppa, der von KenFM verfasst wurde, die das Interview geführt haben  – und wenn man alles in Kurzform haben will: hier geht es weiter.

Und hier das Video direkt zum Anschauen -> darunter unsere Kommentierung.

100 Minuten hinter die Kulissen schauen oder sich in Spielfilmänge Verschwörungsfantasien hingeben, das ist wohl die Grundfrage, wenn man sich entscheiden will, ob man Formate wie dieses anschauen und darüber nachdenken mag?

Das Interview ist mir von einer Genossin aus meinem Bezirk von DIE LINKE empfohlen worden. Bei jedem Treffen erhalte ich Empfehlungen, zuletzt war es Rainer Mausfeld, der ja derzeit sehr im Gespräch ist, zwischendurch haben wir anhand eines Interview mit dem Psychotherapeuten Hans-Joachim Maaz eine zweiteilige Sachsen-Deutschland-Analyse aufgebaut. Die etwas umfassenderen Formate der alternativen Medien werden hier immer wieder eine Rolle spielen, aber wie Leser_innen oder Hörer_innen darauf reagieren, ist ja ihnen überlassen.

Wir haben uns einige Kritikpunkte  herausgegriffen, in denen es um unterschiedliche Aspekte geht – teilweise um Bewertungen, teilweise um Fakten. Diese Kritikpunkte mögen unseren Gesamteindruck vom Interview ein wenig verzerren, aber sie sind wichtig, um links zu bleiben, wie ich es verstehe: selten zu früh jubeln, möglichst keine zu groben Pauschalisierungen und immer hinterfragen.

Wer ist Hermann Ploppa?

Ich musste geradezu grinsen – die deutsche Wikipedia enthält über ihn keinen Eintrag und wenn ich auf „Wikimannia“ nachschaue, sehe ich, dass er zu den scharfen Kritikern der Wikipedia gehört. Nun gut, hier eine Menge Nachweise in der „Wikimannia„. Ploppa ist Politologe und „Die Macher hinter den Kulissen – wie transatlantische Netzwerke heimlich die Demokratie unterwandern“ ist der Titel seines aktuellen Buches.

Was ist von dem Video zu halten?

Ich werde dieses Mal keine mehrteilige Analyse machen, sowas geht leider nur in gewissen zeitlichen Abständen. Aber einige  interessante Aspekte möchte ich festhalten.

1.) Etwas Grundsätzliches: Dieses „Totschweigen“ kritischer Stimmen durch die Maistream-Medien mag bis zu einem gewissen Grad stattfinden, bedeutet aber auch, dass die Verschwiegenen bisher schon keinen entsprechenden Einfluss hatten. Gilt dies aber auch für Politiker_innen, denen man einen gewissen Einfluss zurechnen kann und die nach allgemeiner Auffassung nicht  „maintreamig“ sind? Oder sind alle „Mainstream“, die sich ungehindert in den Medien verbreiten dürfen?

Das zielt auf Sahra Wagenknecht oder die AfD ab?

Die AfD wird keinesfalls totgeschwiegen, eher im Gegenteil, man hypt sie geradezu und bläst sie damit auch weiter auf. Demgemäß müsste die AfD den Menschen hinter den Kulissen nützlich sein, sonst könnte sie ja nicht immer weiter anwachsen, ohne politisch und wirtschaftlich vernichtet zu werden – gemäß der Logik des Begleittextes zum Video.

Das andere Beispiel, um das man nicht herumkommt, ist Sahra Wagenknecht als einzige verbliebene Systemkritikerin in Deutschland, deren Namen jeder kennt – auch wenn sie bei weitem nicht mehr so kritisch ist wie einst. Bisher hatte sie nun wirklich keine Probleme, hinreichende mediale Aufmerksamkeit zu bekommen und ihre Bücher verkaufen sich, sie hat eine führende Stellung innerhalb ihrer Partei inne, obwohl sie nicht dem dortigen Mainstream nahesteht. Ich gehe davon aus, dass sie auch wirtschaftlich gut dasteht. Dass es politische Gegner gibt, gerade in der eigenen Partei, die versuchen, ihre Positionen zu diskreditieren, über das zielführende sachliche Maß an Kritik hinaus, kann man zwa als Infiltrationsergebnis deuten und das tun ja viele ihrer Anhänger_innen – muss man aber nicht. Es gab jedoch keine Versuche, sie persönlich vehement anzugreifen, nicht einmal ihre politische Vergangenheit steht im Fokus. Ich erinnere mich an ein altes Interview in ihrem Arbeitszimmer, als sie kein Problem damit hatte, dass man im Hintergrund Stalins gesammelte Werke sieht. Und sie darf heute problemlos das Wort „Fassadendemokratie“ verwenden, das man auch als verfassungsfeindlich deuten kann.

Bis auf Organisationen, die aus verfassungsrechtlichen Gründen verboten werden, wird bei uns zumindest niemand einfach zerstört – höchstens nicht so beachtet, wie er selbst es für angemessen empfindet. Zum „Totschweigen“ ist es da begrifflich kein großer Sprung mehr, wenn man alles nur aus der Ich-Perspektive betrachtet, faktisch aber schon.

Wie nimmt sich die Einlassung zum Willy-Brandt-Rücktritt 1974 aus?

2.) Die Erwähnung, dass Willy Brandt kurz nach einer wichtigen Reise in die USA zurückgetreten ist, suggeriert in dem Fall, dass er sich der US-Politik nicht beugen wollte und in Wirklichkeit von den USA „abgesägt“ werden sollte. Das würde, wenn man den Spion Günter Guillaume als Auslöser belässt, bedeuten, dass dieser in Wirklichkeit ein Doppelagent war, der Brandt auf Wunsch des Auftraggebers 2 (den USA) Brandt „auffliegen“ ließ, indem er es bewusst zuließ, dass er von der deutschen Abwehr seinerseits ausgforscht wird, während Auftraggeber 1 (die DDR, die SU) ihn lieber noch hätte weiter arbeiten und Informationen sammeln lassen.

Wenn ich jetzt auf die Infos zum Rücktritt von Brand in der Wikipedia oder in führenden Presseorganen zurückgreife, lese ich nichts dergleichen, die USA kommen darin überhaupt nicht vor. Nach Ploppa kommt das sicher daher, dass die Wikpedia in der Hand der transatlantischen Elite ist. Es könnte aber auch sein, dass Brandts persönliche Probleme einfach nur die Wahrheit umreißen: Nämlich, dass er die Kapazität nicht mehr hatte, um dem Druck standzuhalten, der durch die Guillaume-Affäre ausglöst wurde. Es stimmt wohl, dass die DDR kein Interesse hatte, den ihr freundlich gesonnenen Brandt zu Fall zu bringen, aber die Tätigkeit von Guillaume ist nun wirklich zweifelsfrei belegt.

Was ich an Menschen, die ganz steil ins Verschwörungstheoretische gehen, so spannend finde: Obwohl sie selbst psychisch oft Grenzgänger sind, wollen sie nicht wahrhaben, dass Menschen nicht immer mit Maximalkapazität handeln. Meist wird das Abweichen, werden Formschwankungen, Stimmungen, gute und weniger gute Tage bei sehr mächtigen Persönlichkeiten durch ein gut aufgestelltes Umfeld eingefangen, außerdem ist das Adrenalin bei wichtigen Ereignissen fast immer ausreichend, um die Präsenz für den erforderlichen Zeitraum hochzuhalten, aber es kommt auch immer wieder zu Ausrutschern und auch zu mangelhafter Kognition zuzurechnenden Fehlleistungen, die zur Legende werden und auch die Zahl der großen Politiker mit Despressionen ist nicht gerade gering – Winston Churchill ist ein im wörtlichen Sinn schlagendes Beispiel: Im Krieg ein Maniac und absolut auf dem Posten, aber für die mühselige Arbeit im wirtschaftlich schwierigen Frieden danach kaum zu gebrauchen. Überspitzt ausgedrückt.

Und Brandts Biografie ist nicht gerade einfach und seine psychischen Probleme gelten ebenfalls als gesichert und sie passen auch zu seiner für einen Politiker ungewöhnlich sensiblen Art.

Also könnte es doch einfach sein, dass ihm das alles zu viel wurde. Es ist schon klar, dass dabei eine Rolle spielt, dass seine Politik zunehmend Widerstand erfuhr, dass er in Deutschland hart für seine Ostpolitik angegriffen wurde, dass seine sehr liberale Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik nicht mehr weiter auszubauen war, sich Grenzen des inflationsgetriebenen Wachstums zeigten, dass er auch in den USA einiges zu hören bekam, aber das insgesamt ist noch kein Verschwörungsszenario, sondern ein Zusammenwirken vieler Umstände, eine Summe von Motiven, Hintergründen und Belastungsfaktoren, die zu Brandts Demission geführt haben könnten.

3.) Die Aussage von Ploppa über Charles De Gaulle und die Europäische Verteidigungsgemeinschaft inklusive Atombewaffnung Deutschlands stimmt in zeitlicher Linie nicht. Als sich die SPIEGEL-Affäre 1962 ereignete, war dieses Projekt längst tot, weil nämlich Charles de Gaulle, Aussöhnung mit Deutschland hin oder her, als er 1958 Pierre Mendès-France als Staatspräsident ablöste, auf eine eigenständige französische Atomstreitmacht setzte, die nach ihrer Installierung 1967/68 dazu führte, dass Frankreich für lange Zeit aus dem militärischen Teil der NATO austrat und sich – ohne Schaden zu nehmen übrigens – auf die FdF, die Force de Frappe, verließ.

4.) Dass Menschen eine Nähe zu ihren Arbeitgebern und deren Zielen haben und sich damit identifizieren und dass es dabei Strippenzieher gibt, die mehr Einfluss haben als andere, ist eine Binsenweisheit. Natürlich zeigt die Namensgebung der US-Elite, die ich auch immer witzig finde, dass eine Art Feudalismus durch die Fortschreibung der Vornamen mit einem Römische-Zahl-Zusatz vorgenommen wird, aber das ist auch Ausdruck eines gewissen Minderwertigkeitskomplexes der nach den USA Ausgewanderten, die in Europa in der Regel nicht zu den Eliten gehörten – eine Adaption von feudal wirkenden Gebräuchen unter anderen Verhältnissen. Was soll man daraus schon mehr ableiten als die Idee, sich in gewisser Weise dynastisch unsterblich zu machen?

Aber Ploppa hinterlässt uns auch etwas, das Mut machen soll, viele andere aus der Zunft der Verschwörungstheoretiker geben uns nicht das Gefühl, dass wir trotzdem da rauskommen.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie manche Menschen die Kurve kriegen: Einerseits wird die Hintergrundelite als so mächtig dargestellt, dass sie jeden, der ihr in die Quere kommt, „zeitnah“ vernichten kann, andererseits wird davon ausgegangen, dass wir in aller Ruhe mal unser System verändern und verändern und verändern dürfen, bis dieser Einfluss doch weg ist – ohne dass es die Elite gemerkt hat?

Vielleicht ist aber gerade dieser Teil der wichtigste, der den von so viel Terror im Hintergrund gestresste Zuhörer bekommt ein Fenster, eine Tür, einen Horizont ge- und eröffnet.

5.) Mein eigentliches Ding kommt, als Ploppa über die deutsche Wirtschaftsordnung spricht als einem Modell, das uns, reorganisiert und anders akzentuiert als derzeit, den Weg aus dem Kapitalismus-Dilemma weisen kann. Ich bin, das bezeugen bereits einige Beiträge in dieser Publikation, ein großer Genossenschafts-Fan, weil die Genossenschaft, wenn sie gut organisiert und geführt ist, einen sehr schönen Ausgleich zwischen Einzel- und Allgemeininteressen gewährleistet. Ich halte sie in vielen Bereichen rein unternehmerischen ebenso wie rein staatlichen Ansätzen für überlegen. Nicht auf allen Wirtschaftsfeldern, etwa dort, wo sehr schnelle und hochspezielle Entscheidungen für weltweites Produktmanagement getroffen werden müssen, beispielsweise und auch nicht, wo es um die Daseinsvorsorge in sehr großen Einheiten geht, wie etwa beim Stromnetz. Aber ganz sicher in vielen anderen Bereichen der Daseinsvorsorge.

Ich teile auch die Ansicht, dass in den USA die geringe Macht der Arbeitnehmer – weniger an der Ausdehnung des Landes, die Politik ist ja auch überregional organisiert, aber ganz sicher an der Diversität liegt.

Das ständige Einwandern aus allen höher entwickelten Ländern der Welt hat die individuelle Überlebensstrategie und die Glückssuche gemäß dem Amerikanischen Traum weit über korporative Gedanken gestellt und den Mythos eines Landes herausgebildet, in dem man am besten vorankommt, wenn man sich auf sich und die eigene Stärke verlässt – und die Konkurrenz zwischen Menschen, die einander fremd waren, sich nichts zu sagen hatten, war von Beginna n stärker als Versuche, große Arbeitnehmerorganisationen für alle zu entwickeln. Und gab es Gewerkschaften, gerieten sie in den  Heydays des Organisierten Verbrechens oftmals unter dessen Einfluss und wurden korrumpiert. Auf heutige multilaterale Verhandlungen bezogen wird das, was in den USA durch Druck aufgrund immer neuer Einwanderungswellen ausgeübt wurde, auf die Verhandlungen über TTIP u. Ä. (das Interview ist aus 2015) hochgezogen, auf Abkommen, die dem Stärkeren immer in die Hände spielen. Interessant, dass Donald Trump das TTIP jetzt erst einmal hat platzen lassen, obwohl die Europäer den USA mit der Zustimmung zu diesen absurden Schiedsgerichten im Sinn der Investoren, also der Großkonzerne, so weit entgegengekommen sind. Bei CETA wird sogar behauptet, es seien die Europäer gewesen, nicht die Kanadier, die diese Gerichte eingebracht haben und durchsetzen wollten. Das würde der Logik entsprechen, weil in diesem Fall die EU der stärkere bzw. größere Verhandlungspartner war.

6.) Die Diskrepanz, dass die Globalisten gesellschaftslinks denken, aber keine ökonomischen Lösungen haben, beschäftigt mich schon etwas länger. Sie können etwa das Dilemma, dass Regionlisierung und Ökologisierung der Wirtschaft den Globalismus zurückdrängen und durch nationale Rechtsetzungen gegen Billigprodukte von überall geschützt werden müssen, um konurrenzfähigt dort zu sein, wo der rein ethische Appell nicht ausreicht, keinesfalls in den Griff bekommen. Insofern ist das Durchholzen durch alle Wirtshaftfragen in diesem 100-Minuten-Interview natürlich eine Art Seminar, das Widersprüche aller Art aufzeigt.

Die Logik, dass Rohstoffe, die riesige Transportwege zurücklegen müssen, um irgendwo zu einem Produkt zusammenzufinden – wobei die Kosten für die Infrastruktur vom Kaufpreis, den wir als Verbraucher dann zahlen, abgetrennt und vegemeinschaftet werden, wirtschaftlicher herzustellen sind als vor Ort Erzeugtes, hat mir noch nie eingeleuchtet – besonders nicht auf dem Lebensmittelsektor.

Bei der Herstellung von einfachen Konsumgütern gibt es ja noch den Werkbank-Effekt, den hohen Anteil der Arbeitskraft an den Kosten eines Gutes, das dann aber zu sehr niedrigen Standards hergestellt werden muss, um im weltweiten Vertrieb rein kostenmäßig eine höherwertige Herstellung zu schlagen, die abnehmernah stattfindet.

Würde man in die weltweite Supply Chain alle ökologischen Kosten einrechnen, käme man wohl schnell hinter die Absurdität einiger Warenströme. Im Wesentlichen übrigens nicht derjenigen deutschen Industrieexporte, die besonders know-how-basiert sind und nicht überwiegend durch Kostenvorteile auf den Weltmarkt drängen. Als bei den höheren Kosten für hochwertige regionale Produkte die Grünen ein wenig persifliert werden, hat’s mir natürlich ein Schmunzeln entlockt: Das ist ja einer der wichtigen Punkte. Dass die Globalisierungsgewinner für die Globalisierung sind und sich selbst aus allem das Beste herauspicken können und zudem noch die ethische Keule auspacken gegenüber jenen, die genau das nicht können, ist ein Phänomen, das beweist, wie geschicktes Anpassen an den Neoliberalismus Überlegenheit für Minderheiten herstellt. Am besten dadurch, dass man sich selbst im Staatsdienst in Sicherheit bringt, um die Folgen der eigenen Grenzenlos-Ideologie nicht zu spüren.

7.) Die Einsichten in den Medienbetrieb sind natürlich dadurch bestimmt, dass die sogenannten Alternativmedien sich seit einigen Jahren rasant entwickeln, davon, dass man bei ihnen ebenfalls aufpassen muss, was man glaubt und dass man im Grunde den ärmeren Menschen das freie Internet wegnehmen müsste, um diese Entwicklung zu stoppen – das ist eine Conclusio, nicht Gegenstand des Interviews. Dass die deutschen Topjournalisten sehr ähnlich tendieren, ist ohne Frage auffällig, aber man könnte auch ein wenig witzeln und sagen: wenn die Faktenlage halt so ist, dass sie keine andere Interpretation zulässt? Die Medienkritik können wir hier nicht vertiefen, dazu soll es in absehbarer Zeit eine größere Analyse geben.

8.) Bei den wirtschaftlichen Optionen, die Europa sich offen halten soll, bin ich hingegen immer ein wenig auf Differenzierung bedacht. Gerade unter den BRIC-Staaten, die erwähnt werden, gibt es ziemlich große Unterschiede, deren eigene Wirtschftsstrategie und –aufstellung betreffend. Brasilien und China beispielsweise liegen da recht weit auseinander.

9.) Wer zum Beispiel das supranationale EU-Wirtschaftsregime super findet, der soll sich ab etwa 1.30:00 den leider zu knapp ausgefallenen Zukunftsteil des Interviews anhören. Aber ist klar, wer sich von neoliberalen Internetbanken mit Null-Gebühren-Konten locken lässt und nicht merkt, dass es auf Girokonten heute keine  Zinsen mehr zu erwirtschaften gibt, die gewisse kleine Gebühren ausgleichen können, der glaubt, etwas gewonnen zu haben. Die EU arbeitet schon lange daran, das vorbildliche deutsche Genossenschaftsbanksystem zu knacken. In der Schweiz mit ihrer starken Implementierung von Genossenschaftselementen wird das nie möglich sein, weil sie unabhängig ist, in Deutschland und Österreich aber schon. Die Bankenunion ist hochgradig feindlich gegenüber diesem System eingestellt, das immer dafür gesorgt hat, dass in Deutschland eine relativ hoch entwickelte demokratische Struktur in die Geldversorgung eingewoben war. Auch die Tatsache, dass das Rückgrat der deutschen Wirtschaft der industrielle Mittelstand ist, der sich immer wieder erneuern kann, hat mit dieser Geld- und Kreditversorgung zu tun, die nicht nur das Großkapital stützt.

9.) Die praktischen Empfehlungen sind so simpel wie wahr: a.) Sich informieren. b.) Sich selbst ermächtigen und partizipieren. Beispielsweise als Genosse einer Genossenschaftsbank an Versammlungen teilnehmen und den Gang der Dinge überwachen, Fragen stellen, die Systeme mit Leben erfüllen. Bei Wohngenossenschaften ist es im Grunde noch einfacher, weil die Materie weniger komplex ist als im Bankwesen und die Genoss_innenstruktur in der Regel übersichtlicher und egalitärer.

10.)  Ab 1.35 zieht Ploppa noch einmal an, weil es darum geht, Menschen auch in neues Denken hineinzumotivieren, sich zu vernetzen und dabei auch gerne auf Instrumente des Klassenfeindes zurückzugreifen, um Effizienz und Gemeinsamkeit zu erzielen – für den wesentlich besseren Zweck. Aber vielleicht war es nicht so ungeschickt, den motivierenden Teil auf wenige Minuten zu beschränken, damit die Wirkung nicht durch zu schwierige Detailfragen verpufft.

Der Rückschluss am Ende ist auch wieder sehr interessant, weil er vielen Darstellungen in Alternativmedien letztlich widerspricht. Wir haben das oben schon erwähnt:

a.) Die Eliten sind gar nicht so mächtig und b.) wir können uns von unten gegenorganisieren, ohne dass sie uns bei diesem Versuch vernichten werden, weil er schlicht ihrem Zugriff entzogen ist. Wirklich? Man weiß nie, wohin die supranationale Gesetzgebung noch tendiert und jede kleine Kooperative beinahe unter Strafe stellt oder wirtschaftlich verunmöglicht.

Noch ist aber ein Zeitfenster gegeben, um etwas zu verändern, das sehe ich auch so und der letzte Teil hat viel von dem getriggert, woran ich schon lange überlege. Leider war die Idee, in die LINKE zu gehen, nicht das Ende der Überlegungen, weil mich deren Zustand und auch viele Ansichten, die dort vertreten werden, eher überzeugt haben, dass diese Partei nicht gerade ein Ausbund an vorwärts gerichteter Kreativität ist und sich dermaßen selbst zerfleischt, dass sie die Energie aller gutwilligen Basismitglieder mehr oder weniger missbraucht, um ein paar aggressiven Globalisierungsfans der neoliberalen Zeitgeistigkeit den Weg zu ebnen. Ja, wir werden jeden Tag infiltriert mit diesem Gedankengut, dafür gibt es tausend Belege. Und Nichtpolitiker haben es einfacher, Abstand zu halten, weil sie nicht vornehmlich an Karriere interessiert sind. Das ist im Grunde aber ein Plädoyer gegen alles, was nicht kooperativ, sondern von oben gesteuert ist.

10.) KenFM ist crowdfinanziert und hat ein Spendenkonto bei einer Genossenschaftsbank.

© 2018 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

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