Gegen den Kopf – Tatort 880 / Crimetime 101 // #Tatort #TatortBerlin #Berlin #Ritter #Stark #GegendenKopf #TatortGegendenKopf #Tatort880 #U-Bahn #U-Bahn-Mord

Crimetime 101 - Titelfoto © RBB, Frédéric Batier

Gestern, in der U8

Die Handlung in einem Satz: Ein Fahrgast hilft einem anderen, der von Jugendlichen belästigt wird, auf dem U-Bahnhof Schönleinstraße kommt es daraufhin zu Handgreiflichkeiten und zu so schweren Misshandlungen, dass der Fahrgast kurz darauf verstirbt, Ritter und Stark suchen die Täter und noch während der Ermittlungen sorgt ein überraschender Moment für schnellere Aufklärung.

Es war nur Zufall. Normalerweise benutzen wir die U8 nicht, aber gestern sind wir am Bahnhof Schönleinstraße vorbeigefahren, um zur Jannowitzbrücke zu gelangen. Dort hatten wir uns zu einer Stadtrundfahrt auf der Spree verabredet. Jahre hat es gedauert, bis wir uns Berlin endlich mal vom Wasser angeschaut haben. Großes Kino. Party an den Ufern, hinter den Ufern wunderschöne Wohnungen mit Wasserblick, grüne Parks, winkende Menschen, als wir vorbeifuhren, beinahe die ganze Zeit Infos über diese höchst geschichtsträchtige Stadt; das Regierungsviertel mit seinem beeindruckenden Panorama, alte und neue Pracht, ein Video zur Geschichte Berlins wurde von einer Seite der Spree auf die andere, an die Wand des Kanzleramtes projeziert. Einer der beeindruckendsten Ausflüge in unseren nun schon recht zahlreichen Berliner Jahren.

Rückfahrt mit der U8. Partygäste in der Bahn, Vorbeifahrt an der Schönleinstraße. Keine Bedrohung, keine besondere Situation. Wir saßen quer zur Fahrtrichtung, in einem dieser älteren U-Bahn-Wagen, wie sie auf der Strecke U8 vermutlich noch überwiegend im Einsatz sind, einem, wie er auch im Film gezeigt wird. Nur zwei Typen vielen uns auf, kamen uns merkwürdig vor. Aber das geht uns bei vielen so, die an den Abenden unterwegs sind. Stiegen die an der Schönleinstraße zu? Möglich. Einer von ihnen hätte sich beinahe auf unseren Rucksack gesetzt, den wir aber noch schnell zur Seite brachten. Dann wurde ein Vierersitz frei, die beiden verkrümelten sich dorthin. Wir haben sie ein wenig beobachtet. Gegenüber von uns ein paar Mädchen, die mit ihren Smartphones gespielt haben. Wie die Koreanerinnen im Film, aber nicht so aufgekratzt und keine Touristinnen.

Kaum Gedanken an den heutigen Tatort, auf den wir so gespannt waren, kaum eine Bewusstmachung, dass wir mit der Linie unterwegs waren, die der Film-Tatort ist. Und wir stiegen am im Tatort ebenfalls erwähnten Herrmannplatz aus und in unsere Heimatlinie um. Die beiden erwähnten Typen, in Schwarz gekleidet, fuhren weiter südwärts.

Viel dichter kann man jedoch nicht an einem Tatort sein, als wir es gestern waren (es sei denn, wir wären an der Schönleinstraße zwecks Besichtigung desselben ausgestiegen)  und viel lebensnäher können Vorgänge nicht sein, die in einem Tatort beschrieben werden – wir haben uns in der Vorschau bereits dazu geäußert.

Weshalb haben wir diesen Tatort sehr genau angeschaut, jeden Moment so aufmerksam verfolgt wie möglich, ohne wirklich involviert zu sein? Ganz anders, als bei manchem Beziehungsdrama im Krimiformat?

Die Antwort ist einfach. Man hat auf Seiten der Macher alles getan, um die Zuschauer so einzustellen. Dermaßen sachlich und ohne Tricks zwecks Identifizierung der Zuschauer mit irgendeinem Filmcharakter wurde selten gearbeitet. Schon in „Machtlos“ wurde dieser neue Berliner Stil sichtbar und nirgends passt er besser als bei einem so heiklen Thema wie den U-Bahn-Attacken, die so gar keinen Hintergrund zu haben scheinen – aber kommen sie wirklich aus dem Nichts? Diesbezüglich lässt uns der Tatort ein wenig zwiespältig zurück.

Handlung

Der neue Tatort des rbb setzt sich mit den brisanten Themen Zivilcourage und Gewalt im öffentlichen Raum auseinander:
Der 38-jährige Mark Haessler (Enno Kalisch) wird auf dem U-Bahnsteig Schönleinstraße in Berlin-Kreuzberg tot aufgefunden – offenbar totgeprügelt von zwei flüchtigen Jugendlichen, mit denen er zuvor im Zug aneinander geraten war, weil sie einen gehbehinderten Mann belästigt hatten. Haessler kann reanimiert werden, stirbt dann aber kurze Zeit später im Krankenhaus. Er hinterlässt Frau und Kind. Die Hauptkommissare Till Ritter (Dominic Raacke) und Felix Stark (Boris Aljinovic) versuchen anhand diverser Zeugenaussagen, Mobilfunknetze sowie Verkehrs- und Sicherheitsüberwachungen zu rekonstruieren, was in der Nacht genau geschah. Der öffentliche Druck ist enorm – es gab bereits mehrere Schwerverletzte in U- und S-Bahnen, jetzt liegt sogar ein Tötungsdelikt vor. Die Chefin der Mordkommission (Ruth Reinecke) hält engen Kontakt zu den Kommissaren.

Bilder der verhängnisvollen Nacht. Die Aufzeichnung der Überwachungskameras zeigt schließlich die beiden Täter: Zwei junge Männer, die Mark Haessler auf dem Bahnsteig brutal attackieren, sind deutlich zu erkennen und werden zur Fahndung ausgeschrieben. Kurz darauf stellt sich einer der Täter – Konstantin Auerbach (Jannik Schümann). Er kommt in Begleitung seines Anwalts Dr. Thomas (Simon Licht) und belastet seinen Freund Achim Wozniak (Edin Hasanovic) schwer. Der vorbestrafte Wozinak wiederum behauptet, Auerbach wäre die treibende Kraft gewesen und Haessler hätte zuerst zugeschlagen …

Auch das Interesse der Presse an dem Fall ist groß. Die Medienvertreter sind stets gut informiert – zu gut und zu früh, wie Ritter findet. Gibt es ein Leck innerhalb der Polizei?

Schließlich wird das schwer zerstörte Smartphone von Mark Haessler in einem Park ausfindig gemacht – er hat zur Tatzeit auf den Anrufbeantworter seiner Geliebten gesprochen. Und die Verbindung wurde während der tödlichen Attacke nicht unterbrochen.

Eskalation mit tödlichem Ausgang. „‘Gegen den Kopf‘ rekonstruiert den Hergang einer Eskalation mit tödlichem Ausgang. Sterben für eine Lappalie. Es ist die Banalität des Auslösers, die uns hier vor dem Vorgang des Tötens ohnmächtig werden lässt. Und doch ist sie Teil unseres Alltags“, sagt Grimme-Preisträger Stephan Wagner, der Regie führte und das Drehbuch schrieb.

Rezension

Wir gehen zunächst auf ein paar Momente und Aspekte ein, die wir als nicht perfekt ausgestaltet empfanden. Der Haupttäter beispielsweise ist atypisch. Ein Söhnchen aus besserem Haus, dessen Vater aber nicht Anwalt oder Arzt ist, sondern Sanierer. Sehr subtil. Der Vater saniert Betrieb, ist also für den Tod von Tausenden von Arbeitsplätzen verantwortlich, zuhause dürfte es entsprechend ökonomisch-nüchtern zugehen. Wir sind ganz gewiss keine Freunde der harten Sanierung, aber wir merken an, dass eben doch subtil manipuliert wird. Der Nebentäter oder Beteiligte, der  zweite Jugendliche, wird hingegen von Stark bei der Vernehmung am Ende sogar angelächelt, ermuntert, verstanden, Stark weist auf sienen eigenen, ein Jahr jüngeren Sohn hin, um eine Beziehung zum Täter herzustellen. Ein Sozialfall auf dem Weg der Besserung. Der Böse ist der andere. Wir finden diese Differenzierung problematisch, offen gesprochen. Meist haben die Mitglieder der betreffenden Gruppen von Gewalttätern sehr ähnliche Mentalitäten und kennen sich gut, kommen aus demselben Milieu. Was auch nicht gezeigt werden durfte: Die Berliner U-Bahn-Attacken zeigen meist Täter mit Migrationshintergrund. Wir erwähnen es ganz emotionsfrei, weil es die Wahrheit ist. Es ist auch deshalb so, weil es hier ums Fußvolk geht. Weil die Öffentlichen eher von jungen Menschen und in den sozialen Brennpunkten eher von denen, die dort wohnen, verwendet werden.

Aggressionen aber beschränken sich ja nicht nur auf diese einfache, für alle sichtbare Form von Gewalt, sie sind grundsätzlich nicht nationalitätsgebunden, und wie man mit ihnen umgeht, das ist eine Sache der Persönlichkeit. Und weil manche scheinbar sozial besonders integrierten Typen eben nicht mit der U-Bahn fahren, sondern in vierrärdrigen Protzkisten die Sau rauslassen, also dermaßen aggressiv steuern, als wollten sie andere Verkehrsteilnehmer umbringen, zumindest nehmen sie deren Verletzung zumindest billigend in Kauf. Meistens sind dies Nicht-Migranten, die sich hinter Lenkrädern von Autos bestimmter Marken verstecken. Meist jüngere Fahrer, das ist schon klar, aber die Aggression kennt kein Milieu und hat tausend Formen, in dieser Gesellschaft, die soziopathisches Verhalten eher stärkt als bannt und die uns auf tausend offene und subtile Arten zu immer mehr Druck uns selbst und anderern gegenüber verleiten will. Es geht auch um innere Verwahrlosung in einem scheinbar geordneten Umfeld, um Vieles, das wir hier nicht ausführlich analysieren können. Wir wollen auch nicht suggerieren, dass individuelle Gewalt, dass gar Tötungshandlungen zu rechtfertigen sind, weil es Strömungen gibt, die sie eben nicht so „Aus dem Nichts kommend“ erscheinen lassen, wie es die Presse und die Politiker gerne darstellen. Gerade die Medien tragen ihren Teil dazu bei, dass die Gewaltschwelle der Menschen allgemein sinkt.

Nicht unproblematisch ist, dass es so etwas wie ein Motiv gibt, auch wenn es nicht in Beziehung zum Opfer steht – die Freundin ist dem Hauptttäter gerade abhandengekommen und er hat zugesehen, wie sie mit einem anderen Mann intim wurde – so dass der Frust also einen aktuellen Hintergrund hat, dieser Überfrust, den der Haupttäter, mit niedriger Gewaltschwelle und einem unausgeglichenen Wesen versehen, dann an dem posthumen „Held von Berlin“ ausgelassen hat.Jenem Fahrgast, der einem älteren Mann half, als die Jugendlichen ihm seine Gehhilfe entwendet hatten und dreißig Euro von ihm haben wollten. Dann sitzt der Junge, „Kons“ genannt, lächelnd in der Vernehmung, schon überführt, und sagt, es gebe keinen Grund. Damit ist zwar der These Genüge getan, die Gewalt komme aus dem Nichts, aber sie hat eben doch Hintergründe, und diese zu zeigen, war möglicherweise keine gute Idee. Denn wäre die Stimmung des Hauptttäters „normal“ gewesen, wäre er nicht stark alkoholisiert gewesen, hätte vorher keinen Frust aufgebaut, dann erst hätte man sagen können – die Gewalt ist unfassbar, weil nicht erklärbar. Selbstverständlich wird sie nicht gerechtfertigt, aber sie ist eben hergeleitet worden, und daran ändert die Schluss-Aussage des Haupttäters nichts. Nebenbei: Dafür, dass dass „Kons“ so viel gesoffen hat, war er er noch ziemlich koordiniert.

Gemäß Handlungsbeschreibung der ARD / des produzierenden Senders RBB handelt „Gegen den Kopf“ auch von Zivilcourage. Er stellt sie aber nicht in den Mittelpunkt und beleuchtet die Mechanismen, die Zivilcourage möglich machen und diejenigen, welche die meisten Menschen davon abhalten, sich  zu engagieren, eher dezent. Zudem haben ja viele Menschen, die etwas von der Tat mitbekommen haben, reagiert. In den Berliner U-Bahnen hängen Plakate, zum Beispiel am Brennpunkt Herrmannplatz, die genau das gezeigte Verhalten als richtig proklamieren: Hilfe rufen, nicht sich selbst in Gefahr begeben. In einem Fall wie dem dargestellten ist aber deutlich zu sehen, dass eine Hilfe durch erst herbeizuholende Sicherheitskräfte aber viel zu spät kommen würde. 33 Sekunden reichten aus für einen  Mord. Die Frage, ob derlei verhindert werden kann, geht also doch wieder an uns selbst und unsere Courage.

Wenig hilfreich ist die Nebenstory mit der Presse und dem Maulwurf unter den Ermittlern, der Material für den Boulevard liefert. Man hätte noch etwas mehr ins Hauptsächliche stecken können, anstatt ca. 10 Minuten Spielzeit für diesen Part zu verbraten.

Das war die Kritik, nun zu den positiven Seiten. Das Feeling dieser alten U-Bahn-Station war perfekt inszeniert, die Menschen in der Bahn, alle, sind realistisch oder doch denkbar. In der Hinsicht kann man als Echt-Berliner kaum zufrieden sein, denn man hat immer nochmal etwas andere Typen im Kopf. Aber es geht nicht darum, die Täter möglichst originell, sondern eher als exemplarisch darzustellen, ohne jemanden zu diskriminieren, das haben wir verstanden.  Die Dialoge wirken vielleicht ein wenig künstlich, etwas gestanzt und hölzern den ganzen Film hindurch, aber gerade bei diesem sperrigen Thema wirkt das gar nicht so fehl am Platz und trägt zur Distanz zu den Personen bei. Auch  Helden sind nicht perfekt, das erfahren wir nebenbei, ohne dass wir zu einer Wertung aufgerufen werden. Auch Ermittler sind nicht perfekt, vergessen Details, arbeiten aber mit einem großen Apparat, der uns hier so schön gezeigt wurde wie noch nie bei einem Tatort zuvor – Ansätze aber auch schon in „Machtlos“, dem Vorgänger-Berliner.

Machen die Orte etwas aus? Wie wäre es auf einem der immerhin dezent schöneren neuen U-Bahnhöfe ausgegangen, die ein angenehmeres Grundgefühl vermitteln? Wie in einer der neuen U-Bahnen, die man bewusst offener gestaltet hat? Die Fluchtwege bieten, weil sie es keine geschlossenen Verbindungen mehr zwischen den Wagen gibt? In denen man sich immer gegenübersitzt, nie abgeschottet hintereinander? Man weiß, dass verwahrloste oder triste Orte Gewalt fördern, daher war auch der U-Bahnhof richtig gewählt. Und die alten Züge haben eine andere Atmosphäre als die neuen, die, nebenbei bemerkt, einige sachliche Nachteile haben, dafür aber schön in BVG-Gelb leuchten.

Sehr, sehr gut die Ermittler selbst und die Handlungsführung. Klar, man musste bei diesem Tatort nichts konstruieren, es gibt so viele reale Vorbilder, besonders den Fall Dominik Brunner aus München. Dazu eine realistische Ermittlergruppe, schön gerafft und verdichtet die kompletten Arbeitsabläufe wiedergegeben, und fertig ist ein Film mit Dokumentarcharakter im besten Sinn. Jede Kunst wäre demnach in Künstlichkeit abgedriftet und das hat man vermieden. Da ist ein wenig „Stahlnetz“-Feeling zurück, Schnörkellosigkeit, gepaart natürlich mit heutigen filmischen Mitteln.

Stark und Ritter können ernsthaft arbeiten, das haben sie in „Machtlos“ bereits bewiesen, nachdem man sie zuvor oft mit wenig hilfreichem Zweite-Klasse-Humor und unauthentisch wirkenden Sprüchen hat durch die große Stadt ziehen lassen. Nur ein einziges Privatgespräch, das schon die NSA-Vorgänge vorweggenommen hat (der Film wurde offensichtlich im Winter 2012/13 gedreht, also vor den Snowdon-Enthüllungen), aber in dem Fall sind wir froh, dass die Polizei so gut an die Daten von Handynutzern herankommt, denn es dient der Aufklärung und natürlich würde ohne Datenschutz manches noch etwas schneller gehen, doch die Ermittlungen werden vor allem dadurch wieder verkürzt, dass einer der beiden Täter sich stellt, begleitet von einem Anwalt, wie er typischerweise in Tatorten dargestellt wird, also einem coolen Hund. Man weiß sofort, der war es, der hat getreten, bis es nicht mehr ging – nicht der sozial benachteiligte andere. Okay, soll so sein.

War es Mord oder schwere Körperverletzung mit Todesfolge? Das hat der Richter schließlich zu entscheiden. Aber die Sache wird komplett aufgeklärt, denn dummerweise zeichnete das Smartphone des Opfers die komplette Tat auf. Dass die verpeilten Jungs es einfach in den Müll warfen, anstatt es sicher zu entsorgen, entspricht nicht ganz der Kaltschnäuzigkeit, die „Kons“ später zeigt, aber okay, soll so sein. Er war ja stark alkoholisiert und der andere von beiden ist zwar auf dem Weg der Reintegration, aber nicht der Hellste.

Wer hat angefangen mit der Gewalt, das ist ja häufig die Frage bei realen Taten. Eine Frage, der viel zu sehr Gewicht beigemessen wird, wie dieser Tatort gut zeigt. Denn es geht nicht darum, wer jemanden zuerst geschüttelt oder ihn geschubst hat, sondern wie eine Situation entstanden ist, in der sich jemand vielleicht aus Abwehrgründen zu körperlicherm Vorgehen hat hinreißen lassen, und so wird es hier auch dargestellt. Ja, der Couragierte hat sich dem Schreien, Bedrängen undsoweiter zur Wehr gesetzt und auf seine Art war er dabei offensiv und mutig, aber deswegen darf man nicht Ursache und Wirkung verdrehen wollen, wie es der Anwalt von „Kons“ versucht.

Fazit

Gerade sehen wir parallel zum Schreiben, dass „Gegen den Kopf“ auf der führenden Plattform „Tatort-Fundus“ so gute Bewertungen bekommt, dass wir erstmals die Kürung einer neuen Nummer Eins miterleben. Obwohl „Gegen den Kopf“ ein guter Tatort ist, der ein wichtiges Thema angemessen darstellt, der weder anklagend noch resignativ wirkt, der niemanden beleidigt und nichts beschönigt, der auf angenehme Art sachlich und korrekt daherkommt – das überrascht uns denn doch ein wenig.

Natürlich freuen wir uns, dass Berlin auch tatortmäßig so deutlich nach vorne kommt und gönnen es allen Beteiligten, aber wir haben aus über 250 Rezensionen durchaus einige Filme im Kopf, die wir für besser, dichter, packender inszeniert halten. Aber es ist auch Geschmacksache, keine Frage. Wir schätzen die neue Berliner Kompaktheit und Sachlichkeit. Wenn sie sich zu einem Stil entwickeln sollte, nachdem man in dieser Stadt nach Markowitz so lange nach einem eigenen Stil gesucht und ihn nicht ansatzweise gefunden hat, gehen wir gerne mit und lassen auch die Forderung nach kiezgerechter Berliner-Darstellung sausen. Die urigen Typen überlassen wir dann anderen Städten, obwohl es kaum irgendwo so viele davon gibt, wie hier, wo man trotz anhaltender Gentrifizierung noch beinahe auf Schritt und Tritt Begegnungen mit ihnen haben kann, wenn man offen dafür ist.

Vorsichtig kann man nach „Machtlos“ und „Gegen den Kopf“ von einem Aufwärtstrend in Berlin sprechen. Vorsichtig nicht, weil die Filme nur knapp besser wären als die vorherigen, sie sind deutlich besser. Sondern eher deshalb, weil wir wissen, wie plötzlich in Berlin wieder alles qualitativ rückwärts und zur  Enttäuschung hin tendieren kann. Damit schließen wir eine der umfangreichsten Tatort-Rezensionen bisher und gehen wieder der morgigen Realität entgegen – eine andere U-Bahnlinie, eine andere Tageseit und hoffentlich positive Begegnungen.

Wir geben 8,5/10 für „Gegen den Kopf“.

© 2018, 2013 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Hauptkommissar Till Ritter – Dominic Raacke
Hauptkommissar Felix Stark – Boris Aljinovic
Chefin der Mordkommission – Ruth Reinecke
Konstantin Auerbach – Jannik Schümann
Achim Wozniak – Edin Hasanovic
Dr. Thomas [Anwalt] – Simon Licht
Mark Haessler – Enno Kalisch
Christoph Eichhorn – Werner Lustig
Hüseyin Keseroglu – Kailas Mahadevan
Protokollantin – Katharina Palm
Markus Stute – Raphael Rubino
Jonas Goede – Tristan Seith
Telefonistin – Désirée Angersbach
Zeugin – Linda Gegusch
Journalistin – Katharina Groth

Drehbuch – Stephan Wagner
Regie – Stephan Wagner
Kamera – Thomas Benesch
Musik – Ali N. Askin

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