Fünf Minuten Himmel – Tatort 981 #Crimetime 123 #Tatort #Freiburg #Berlinger #SWR #Himmel #Minute #fünf

Titelbild © SWR / Ziegler Film

Fisch, Fisch, friss, friss, gluck, gluck, Flut, Flut

Der erste „Event-Tatort“ mit Heike Makatsch als Kommissarin Ellen Berlinger spielt im Spannungsfeld zwischen Jobcenter-„Kunden“ und ihren Mietverhältnissen und all diesen Alltagsnöten der ALG II / Hartz IV-Bezieher. Sowas kann man spannend inszenieren, wie jedes soziale Thema, und man kann auch einen guten Fall daraus machen.

Wir noch einmal den Stand der Dinge beim SWR, damit das, was in Freiburg jetzt passiert ist und passieren soll, nicht zur Verwirrung führt:

  • Zunächst gibt es den Einmal-Tatort „Fünf Minuten Himmel“ mit Heike Makatisch, modisch auch als „Event-Tatort“ angekündigt. Sie hat sich in einem Interview mit einer Freiburger Regionalzeitungzur Figur und zu ihrem Tatort geäußert.
  • Als reguläres Team des „Schwarzwald-Tatortes“, das „in und um herum“ ermitteln soll (klingt etwas wie Ulm, auch mit Münster, aber ist Freiburg) startet dann etwas später das Team Harald Schmidt, Eva Löbau, Hans-Jochen Wagner.

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Handlung

An der Rechtssteuerung des Auto ist es noch zu erkennen: Ellen Berlinger (Heike Makatsch), neuerdings Hauptkommissarin in Freiburg, hat die letzten Jahre in England verbracht. Jetzt ist sie in ihre Heimatstadt zurückgekehrt – hat es aber noch nicht über sich gebracht, den abgebrochenen Kontakt zu ihrer Mutter wieder aufzunehmen.

Weil Ellen Berlinger schon an ihrem ersten Arbeitstag zu einem Einsatz eilen muss, bleibt keine Zeit für Einarbeitung oder ausführliches Kennenlernen der Kollegen. Ihr scheint das gerade recht zu sein. Es genügt ihr, wenn sie ihren neuen Chef Volker Gaus (Holger Kunkel), den Kollegen Henrik Koch (Max Thommes) oder Kriminaltechniker Frank Hensel bei der konkreten Arbeit kennenlernt. Smalltalk ist Ellens Sache nicht. Wobei das Team ohnehin erst mal das Erstaunen über die Schwangerschaft der neuen Kollegin verarbeiten muss.

Der Fall führt Ellen Berlinger in die Leistungsabteilung des Jobcenters. Dort wurde am frühen Morgen Mitarbeiter Holger Kunath an seinem Schreibtisch gefunden, stranguliert mit einem Kabelbinder. Der Monitor seines Computers zeigt einen Abschiedsbrief, aber ist der glaubhaft? Ellen Berlinger zweifelt. Die Arbeit im Jobcenter ist nichts für sensible Gemüter, nicht selten sind die Mitarbeiter Aggressionen oder Drohungen ihrer Kunden ausgesetzt. Bei Holger Kunath bezogen die sich vor allem auf Wohnungsfragen.

Aufwendige Sanierungen von Innenstadtquartieren und die Umwandlung von Mietwohnungen in Eigentum verdrängen auch in Freiburg die bisherigen Mieter, und dazu gehören viele Jobcenter-Kunden. Das Schicksal droht auch Cornelia Mai, die mit ihrer 16-jährigen Tochter Melinda im Jobcenter auftaucht. Frau Mai könnte wütend auf Holger Kunath sein, denn die Zahlung ihrer Miete lief über das Jobcenter. Ellen Berlinger fragt sich, warum Kunath das Geld nicht überwies, denn nun wird die Kündigung wirksam. Doch Frau Mai ist eher traurig als wütend, resigniert bunkert sie sich in ihrer Wohnung ein, daran kann auch Melinda nichts ändern.

Als Ellen Berlinger Kunaths Ehefrau Jutta aufsucht, erlebt sie dort eine fast spiegelbildliche Situation: Mit einer Eigentumswohnung in einem schicken Freiburger Vorzeigequartier hat Familie Kunath sich finanziell übernommen. Schon seit einer Weile wachsen die Schulden an. Statt zu trauern, müssen Frau Kunath und ihr Sohn Titus nun um ihre Wohnung bangen. Die Teenager um Titus Kunath, Melinda Mai oder ihre Freunde lenken sich auf ihre eigene Weise von den Familienproblemen ab. Titus‘ Freundin Harriet steht auf das gerade mal wieder angesagte Ohnmachtsspiel, von den Jugendlichen Passout game oder Biokiffen genannt, und genießt den kurzen, aufregenden Rausch durch Wegdrücken des Sauerstoffs im Hirn.

Melinda macht keinen Hehl daraus, dass sie, anders als ihre Freundin Ruth, nichts von dem Spiel hält. Dafür interessiert sie sich für Titus, der wohl nicht allzu viel von seinem Vater hielt. Tatsächlich erweist Holger Kunath sich als Mann mit unguten Geheimnissen. Er hatte ein Verhältnis mit mindestens einer seiner Kundinnen und Ellen ist klar, dass jemand davon gewusst haben muss, denn es gibt ein Beweisfoto, auf dem allerdings nur Kunath selbst zu erkennen ist. Ellen und ihr Team schließen daraus, dass Kunath leicht unter Druck zu setzen war, was ihn für Menschen wie Bauinvestor Fest interessant machte.

Der will das Gebäude, in dem die Mais noch wohnen, möglichst schnell entmieten und wendet dabei so subtile Methoden wie Amtsanmaßung und die Zerstörung von Rohren an. Bei Ellen dagegen versucht er sich einzuschmeicheln. Ohne Erfolg natürlich, auf Süßholzraspeln reagiert sie nicht. Die kompromisslose Art könnte sie von ihrer Mutter geerbt haben. Denn als Ellen sich endlich entschließt, wieder auf Edelgard Berlinger zuzugehen, wird sie unmissverständlich zurückgewiesen. Edelgards Aversion gegen Ellen, die zur Polizei ging und die Betreuung ihrer Tochter der Großmutter überließ, scheint unverrückbar.

Die 16-jährige Niina, die ahnt, dass Ellen ihre unbekannte Mutter ist, würde anders reagieren. Aber dieser Begegnung weicht Ellen immer wieder aus. Als sie allerdings erfährt, dass auch Niina mit Melinda befreundet ist, wird ihr klar, dass sie womöglich im Zuge der Ermittlungen doch miteinander zu tun haben werden … Im „Tatort“-Special „Fünf Minuten Himmel“ zeigt Heike Makatsch, dass sie auch als „Tatort“-Kommissarin zu überzeugen weiß. Entschlossen, eher unnahbar und vielschichtig ist ihre Ellen Berlinger, und man ahnt, dass es einige ungelöste Rätsel in ihrem Leben gibt. Das Drehbuch von Thomas Wendrich führt sie in ein akutes städtisches Konfliktfeld, zu dem Problem der Gentrifizierung von Innenstadtvierteln, deren Opfer nicht zuletzt die Empfänger von Sozialleistungen sind. Regisseurin Katrin Gebbe, für die „Fünf Minuten Himmel“ die Fernsehfilm-Premiere darstellt, inszenierte einen atmosphärischen „Tatort“ mit stimmigen Milieus, in dem vor allem die Bilder sprechen. 

Anni und Tom über „Fünf Minuten Himmel“

Das Jobcenter, die Miete, die Auskehrung

ANNI: Das ist ja auch ein Fakten-Tatort, usually dein Part, also fang an.

TOM: Ich hab mir natürlich darüber Gedanken gemacht, ob das Verhältnis von Jobcentern zu ihren „Kunden“ hier richtig dargestellt wird.

ANNI: Täuscht mich mein Eindruck, oder sprichst du die Kunden mit Anführungszeichen?

TOM: Es sind keine Kunden, sondern Anspruchsteller, die im Gegenzug Pflichten haben. Aber keine Vertragspartner, die sich ihren Dienstleister aussuchen können und wie Kunden am freien Markt mit Service überzeugt werden sollen – vielmehr werden sie häufig als Bittsteller behandelt.

Jobcenter sind klar darauf ausgerichtet, ihren „Kunden“ möglichst viel Stress zu  machen. Ich hab ja, wie du weißt, etwas Zugang zur Welt des Rechts und der damit befassten Anwälte, und was ich da manchmal aus dem SGB II-Bereich höre, zieht mir die Schuhe der Humanität aus.

Grundsätzlich also: Ja, es kann vorkommen, dass Jobcenter einfach mal nicht zahlen. Und es ist höchst tückisch, wenn sie die Miete direkt an die Vermieter überweisen, weil die „Kunden“ eine Nichtzahlung dann gar nicht mitbekommen, falls der Vermieter nicht so fair ist, dies zeitnah weiterzumelden. Für eine Direktzahlung kann es verschiedene Gründe, geben. Normalerweise allerdings müssen dafür bestimmte Voraussetzungen in den Personen der Leistungsbezieher liegen, die Jobcenter können nicht einfach entscheiden, wie sie wollen, an wen sie die Kosten für die Unterkunft auskehren.

ANNI: Und was sind die Voraussetzung für eine Direktüberweisung an die Vermieter?

TOM So tief bin ich leider auch nicht drin, und genau da schweigt oder murmelt der Tatort nur diffus vor sich hin. Grundsätzlich gilt wohl: „Nach dem Willen des Gesetzgebers soll an den Vermieter oder andere Empfangsberechtigte gezahlt werden, wenn die zweckentsprechende Verwendung durch die leistungsberechtigte Person nicht sichergestellt ist. Das ist insbesondere der Fall, wenn Mietrückstände bestehen, die zu einer außerordentlichen Kündigung des Mietverhältnisses berechtigen.“ So weit gerade recherchiert.

Jedenfalls, jemandem, der sich finanziell normal verhalten hat, der keine Mietrückstände hatte, bis er JC-„Kunde“ wurde, dem müssen die Center die Miete mitüberweisen, und selbst wenn jemand betreut wird, werden die Betreuer da eingeschaltet. Gerade da, wo’s wichtig ist, wird mal wieder zu wenig recherchiert. Was leider stimmt: Wenn zwei Monate lang keine Miete gezahlt wird, und der „Kunde“ merkt das vielleicht gar nicht, dann kann der Vermieter kündigen und es spielt keine Rolle, warum die Miete nicht gezahlt wurde.

Das klingt verrückt, wenn man bedenkt, wie mieterfreundlich das deutsche Mietrecht prinzipiell ausgestaltet ist und wie z. B. in Berlin noch regionale Besonderheiten zum Mieterschutz obenauf kommen, in manchen Bezirken und Gegenden nochmal besonders, aber das jetzt im Einzelnen darzustellen, führt hier zu weit.

Natürlich kann man dagegen Widerspruch einlegen, dass die Miete grundlos direkt an den Vermieter überwiesen wird. Für Personen, die früher selbst gezahlt haben, ist das ja auch eine Diskriminierung und Bloßstellung, man kann sogar eine Einstweilige Anordnung im Eilverfahren gegen alles Mögliche erwirken, aber wenn man es nicht  merkt, dass das JC nicht zahlt? Tja. Saublöd gelaufen und natürlich ein Mittel, „Kunden“ zu mobben.

Das Verfahren an sich bereits. Dass es Grenzen für die Miete an „Bedarfsgemeinschaften“ gibt, ist klar, und natürlich ist die Wohnung, die hier in Rede steht, für eine Zweipersonen-BG sehr groß. Ganz objektiv und ohne die Hintergründe zu beleuchten. Die Idee mit der Suizidgefährdung ist aber Quatsch. Wenn jemand wirklich psychisch sehr belastet ist, kann ihm der psychoziale Dienst oder wer dafür zuständig ist, Umzugs-Unfähigkeit attestiert werden, dann muss das JC die volle Miete übernehmen und es kommt gar nicht erst zu einer Räumungslage.

Aber dann hätte man das mit dem Brief ja nicht so drehen können. Dazu muss nämlich begutachtet werden, und das darzustellen, wäre ja in einem Film, in dem wieder mal so viele Nebenschauplätze aufgemacht werden, viel zu komplex gewesen.  Halbscharig, das Ganze. Leider mal wieder.

Babybauchermittlerinnen, Mitsexbestecherinnen

ANNI: Ich hab mich also nicht getäuscht, die Fakten waren dort, wo’s wichtig ist, mal wieder schwach dargstellt. Was aber war jetzt der Event-Tatort? Der Freiburger Fenstersturz mit Plumps auf Berlingers Babybauch? Ganz ehrlich, wieso hab ich immer wieder das Gefühl, die „Kunden“, in dem Fall wir, die Zwangszahler von Rundfunkgebühren, werden für blöd gehalten? Und warum müssen die Emittlerinnen immer so unsympathisch dargestellt werden? Ich meine, man könnte sich doch wirklich mal vorstellen, wenn man irgendwo am Tatort auftaucht, dann wäre das mit dem Team doch alles viel einfacher.

TOM: Soll ja nicht einfach, sondern gewollt konfrontativ sein. Und den Assi im Rollator mit dem Finger herbeischnipsen. Ich hab gedacht, ich seh nicht richtig. Angeblich kommt die Berlinger aus London zurück. Eines ist sicher, in England wäre sie keine fünfzehn Jahre durchgekommen, mit diesem Verhalten, schon gar nicht als Deutsche. Aber das ist nur eine von vielen Unglaubwürdigkeiten. Den Babybauch hast du schon erwähnt – und dann arretiert sie einen Verdächtigen im Alleingang und wird dabei sogar physisch.

Wenn ihr jemand da mal kurz in den Bauch boxt, kann Schluss mit Dienst und Nachwuchs gleichzeitig sein. Und diese Bestechung eines JC-Mitarbeiters mit Sex. OmG. Ich kann mir kaum vorstellen, dass diese Mitarbeiter nachts noch da alleine rumsitzen, dass man da so leicht reinkommt undsoweiter. JC haben in Berlin sogar Security, Postämter auch, damit die „Kunden“ nicht durchdrehen, wenn sie eine Dreiviertelstunde in der Schlange stehen müssen, die bis zur nächsten Straßenkreuzung reicht, weil eben nur ein Mitarbeiter am Tresen steht, dafür aber vier Security-Leute davor.

Bei beiden Insitituionen des modernen Dienstleistungsbetriebs wird peinlich aufgepasst, dass Kunden sich nicht in den Gebäuden selbstständig machen und ihren Frust persönlich vortragen können, speziell bei der Leistungsabteilung. Zu den Sachbearbeitern dort haben JC-Kunden normalerweise wohl kaum Kontakt, sondern nur zu ihrer Vermittlerperson. Ich glaube, mit den Leistungsverweigerern kann man nicht einmal telefonieren, die verstecken sich, so gut es geht. Dass es da zu einem sexuellen Verhältnis kommen kann, halte ich für nahezu ausgeschlossen.

ANNI: Also kein Aal im Vollbad?

TOM: Ekelig, diese Formulierung, oder? Da vergeht einem der Spaß. Man müsste übrigens bei der KTU-seitigen Analyse feststellen können, ob nur ein BJ vorliegt, wie hier, oder es echten GV gab, also ein Vollbad in der richtigen Flüssigkeit. Nur so nebenbei.

Angela Winkler hat Recht und Niina ist zu lieb, aber süß

ANNI: Aber Angela Winkler, eine Ikone des Neuen deutschen Films, die würde sich von einem JC nicht bashen lassen, niemals sich so erniedrigen, die gibt auch der Tochter Berlinger Saures. Eine Wohltat, diese Szenen. Obwohl ins Aggro-Schema passend. Endlich eine Frau und Mutter, die so handelt, wie es bei dieser egomanischen, manierenfreien Kröte von Tochter angemessen ist, die ohne jeden ersichtlichen Grund ihr Kind verlässt. Mit Mama bzw. Oma Berlinger konnte ich mich identifizieren. Nicht allerdings mit „Niina“, die ist ja mal sonnig, dass sie sich nach so langer Zeit so nett und aufgeschlossen der Mutter gegenüber verhält. Blödsinn! Aber mit zwei „i“, vielleicht ist dies das Event dieses Tatorts.

TOM: „I-Namen“ klingen halt freundlicher als welche, in denen nur dunkle Vokale vorkommen. Wie „Anni“ ja auch netter soundet oder sounded als „Anna“. Passt schon zur Figur, das Mädchen ist süß. Deren Darstellerin spielt übrigens von allen Kids oder Teenies am natürlichsten. Nur Angela Winkler ist genauso gut.

ANNI: Makatsch nicht? Du musst aufpassen, dass du die Rolle nicht auf die Person überträgst, dieses mal wieder grundlos extrem Unsympathische im Umgang mit Kollegen wirkt natürlich nicht gerade weltmännisch oder weltfraulich, von wegen London und so, wo man als Top-Beamtin bei einem Top-Auslandseinsatz etwas Schliff bekommen sollte, falls man ihn vorher nicht hatte – da geb ich dir Recht.

Aber so bastelt sich Klein-Drehbuchschreiber halt die Spannung. Denkt er. Die soll dadurch erzeugt werden, dass alle sich doof verhalten und man nie weiß, was sie als Nächstes wieder für einen Sozialverhalten-Klops bringen. Aber der Fall ist nicht spannend. Nicht mal das Soziale wird richtig bedrückend rübergebracht, weil die Leute alle schräg dargestellt werden, und nicht als die Opfer des Systems, die sie sind.

Und wenn die Dialoge mal originell sind, dann so. Okay, das ist ein Monolog: „Fisch, Fisch, friss, friss, gluck, gluck, Flut, Flut“, Decke anbohr, dem Vermieter helf, mit Flutung von zu großer Wohnung, klar, klar, spring, spring, plumps, plumps, tot, tot.

Kein Land für gute Bücher und Fazit

TOM Der SWR entwickelt sich insgesamt immer mehr zum Spezialsender für Drehbuch-Fails. Erschreckend, dass keine der drei Schienen noch richtig gute Fälle bekommt. Da sollte man mit immer weiteren Erweiterungen etwas vorsichtig sein. Und das bei dem Potenzial, das die Darsteller überwiegend haben. Und die Makatsch kann schon spielen. Gerade, dass sie so unsympathisch rüberkommt, zeigt ja ihre Fähigkeiten, man nimmt ihr das ab und muss aufpassen, dass man nicht in die Schnappatmung übergeht. Okay, der Fall hat weder ermittlungstechnisch noch dramaturgisch noch als Sozialdrama viel zu bieten. Dieses Mal sind wir echt eng beeinander.

ANNI: Ja, nicht? Wenigsten bei uns Team-Harmonie. Du hast übrigens auch da Recht, schon neulich in LU wurde so megakünstlich auf zickig gemacht, in Stuttgart auch kaum besser – bei den beiden Teams ist das noch schlimmer, weil das Team sich schon ewig kennt und plötzlich alles, was an Empathie über Jahre oder eher Jahrzehnte gewachsen ist, patsch, auf einen Schlag gekippt wird. Lächerlich. Mobbing aus der Retorte. Soll wohl alles das unangenehme Grundgefühl spiegeln, das wir in diesen Zeiten haben: Es gibt keine Komfortzone mehr, alle sind angespannt, verschoben, schlecht drauf, übergriffig, die Welt ist ein emotionales Scheißhaus ohne funktionierende Wasserspülung.

TOM: Den letzten Satz von dir werde ich mir merken. Es soll halt keine Erlösung geben. Nicht das Verbrechen ist unangenehm, sondern der Mensch als solcher, auch der Gutmensch. Damit ist der Auftrag an die öffentlich-rechtlichen Anstalten, nicht zu affirmativ zu filmen, erfüllt.

ANNI: Es liegt zwar auch an der langen Handlungsbeschreibung der ARD, aber wir sind schon wieder weit über der Richtzahl, die Wörter betreffend. Ich schreib meine Punkte auf.

TOM Ich geb 6/10. Inklusive Ein-Punkt-Anfängerbonus, den neue Teams von mir immer kriegen.

ANNI: Ich hab 5/10, schau. Aber nur, weil wir gemäß WB-Vorgaben für die TatortAnthologie gehalten sind, nur in Ausnahmefällen weniger als 5 zu geben. Und „Fünf Minuten Himmel“ ist ja gerade kein Ausnahmefall und auch kein cooles Event. Für mich müssen sie diese Schiene Berlinger nicht fortführen. Und wir gehen jetzt auch nicht auf diese idiotische „Passout“-Geschichte weiter ein, nach welcher der Film benannt ist, obwohl sie keinerlei dramaturgische Relevanz hat. Und die bösen Vermieter lassen wir auch heute mal in Ruhe.

Unsere Wertung: 5,5/10

© 2018, 2016 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

mit Heike Makatsch (Ellen Berlinger), Rosmarie Röse (Melinda Mai), Julika Jenkins (Cornelia Mai), Jochanah Mahnke (Ruth Winterer), Anna-Lena Klenke (Harriett Wiesler), Max Thommes (Hendrik Koch), Holger Kunkel (Volker Gaus), Christian Kuchenbuch (Frank Hensel), Angela Winkler (Edelgard Berlinger), Emilia Bernsdorf (Niina Berlinger), Oskar Bökelmann (Titus Kunath), Pierre Siegenthaler (Rüdiger Fest), André Benndorff (Kurani), Robert Besta (Boris Miklos), Jörg Pose (Armin Winterer), Antje Westermann (Jutta Kunath)

Buch: Thomas Wendrich
Regie: Katrin Gebbe

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