Bye bye Bernie? // #BernieSanders #USA #MidtermElections #OcasioCortez #Democrats #SenSanders #SWagenknecht #Aufstehen #Trump #Böhmermann

Medienspiegel 118

Im Politmagazin „Rubikon“ erschien heute ein Beitrag von Chris Hedges mit dem Titel „Die Metamorphose„. Gemeint ist die Veränderung von Bernie Sanders, die der Autor dem Senator von Vermont zuschreibt. 

2016 war Sanders der linke Hoffnungsträger der Demokraten beim Rennen um die Präsidentschaft. Er war auch unser Hoffnungsträger – wir hofften als Linke in Europa darauf, dass er die Kleptokraten-Favoritin Hillary Clinton besiegen und den bösartigen Donald Trump verhindern möge.

Es kam anders. Erst verhinderte Clinton Sanders, dann verhinderte Trump Clinton.

Aber wie ist das damals gelaufen, vor allem bei den Vorwahlen der demokratischen Partei? Und wie hält sich Sanders politisch über Wasser?

Sanders unterstützt, so steht es im Kopf des Rubikon-Artikels, eine der linken Hoffnungsträgerinnen der Demokraten, Alexandria (wirklich mit „i“ hinten) Ocasio-Cortez, also habe ich mal ein bisschen über sie recherchiert. Ihre Vita und wie die Auseinandersetzung mit ihr geführt wird, weil sie Chancen hat, im 14. New Yorker Distrikt als Kongressabgeordnete gewählt zu werden – bei den „Midterms“ im November, die ersten Schritte in den Vorwahlen hat sie im Juni und Juli bereits getan.

Was rechte republikanische „Influencer“ für einen beleidigenden Dreck über Ocasio-Cortez zusammenschreiben, ist unfassbar und spiegelt die rüde Kultur dieses Landes. Allein, dass sie es gewagt hat, die israelische Besetzung palästinensischer Gebiete als Besetzung zu bezeichnen, hat den einen oder anderen kontrafaktisch orientieren Hardliner am Rad drehen lassen.

Bis vor ein paar Jahren hätte ich gesagt: Auch dieser Stil ist, ebenso wie dieses antidemokratische Vorwahlsystem und die Art der Kampagnenfinanzierung, bei uns undenkbar. Aber seit die AfD ihren Mist über den „Altparteien“ auskübelt, stimmt das leider nicht mehr. In der Sache kann man hart sein und eindeutig, aber hier werden, wenn man schon bei der Person im Lebenslauf nichts findet, was man wenigstens angreifen könnte, einfach nur Beleidigungen, teilweise unter der Gürtellinie, produziert.

Es ist bei uns aber nicht nur die AfD, die ebenfalls einer solchen Kultur den Boden bereitet, sondern auch Low-Class-Comedians wie Jan Böhmermann, die keineswegs die bessere Moral für sich haben, wenn sie ebenfalls Mist auskübeln, gerade deshalb nicht, weil sie glauben, sich opportunistisch die richtige Seite ausgesucht zu haben.

Im Grunde haben wir einen Systemfehler vor uns, der immer lauter hörbar ist und den sowieso dünnen Anstrich von Zivilisation immer mehr abblättern lässt – und wenn ein Typ wie Bernie Sanders sich doch nur als Marionette erweist, macht es die Lage nicht besser.

Bisher einmal und noch einmal, was sehr selten vorkommt, haben wir uns mit dem Beitrag „Diversität – das Scheinversprechen“ von Chris Hedges befasst und wir hatten doch eine recht griffige eigene Meinung dazu, weil das Thema universell ist.

Aber wenn es um Interna der amerikanischen politischen Landschaft geht, müssen wir auf das vertrauen, was uns Journalisten wie Hedges übermitteln und wir hoffen deshalb, wenn er sich in Europa an uns wendet oder wenn europäische Publikationen seine Beiträge abdrucken und übersetzen, dass man uns keinen Unsinn auftischt. Es klingt schlüssig, was Hedges schreibt. Zumindest könnte man die enthaltenen Fakten nachprüfen, vor allem diese unglaublichen, in Deutschland (noch) nicht denkbaren Machenschaften mit den Super-Delegierten bei parteiinternen Vorwahlen, die etwas sehr Ständestaatliches ausweisen. Und der Stil ist nüchtern gegenüber dem, was im Wahlkampf an „Kommentaren“ verfasst wird.

Schwerer als das alles wiegt für mich aus europäischer Sicht aber, wie Hedges die Metamorphose des Kandidaten Sanders beschreibt und uns damit klarmachen will, es gibt keine Hoffnung auf eine Veränderung in den USA. Falls es stimmt, dass Sahra Wagenknecht immer noch Sanders als eines der Vorbilder für „Aufstehen“ benennt, ist das ebenso schwierig wie die Orientierung am französischen Linksnationalisten oder Nationallinken Jean-Luc Mélenchon. Einige waren beügliches des Gepräges von Sanders‘ politischen Aktivität sowieso falsch unterwegs, er war letztlich im System eingebunden und hat ihm keine neue Komponente in Form eine Bewegung jenseits der beiden großen Parteien hinzugefügt, war bei den Präsidentschaftswahlen 2016 für die Demokraten angetreten und wird das 2020 wohl wieder tun.

Es bleibt uns nicht erspart, in Europa für Veränderungen zu sorgen, die USA werden uns nicht noch einmal vorgeben, was wir zu tun haben – nicht zum Guten und nicht zum Schlechten. Aber dafür müssen wir erst einmal wieder lernen, politisch zu denken und zu handeln. Alles, was man im Moment sehen kann, wirkt zu angepasst oder es geht in die falsche Richtung. Gleich, wie die „Midterm“-Wahlen in den USA ausgehen, Donald Trump wird uns noch für eine Zeit erhalten bleiben. An die V-Theoretiker: Das Establishment hat ihn eingehegt, auch wenn er ständig Mitarbeiter_innen feuert – und er wird wohl doch nicht vorzeitig erschossen werden. Und wenn die Demokraten so sind, wie sie von Hedges dargestellt werden, dann werden sie ihren Teil dazu beitragen, dass wir ihn bis 2024 ertragen müssen.

TH

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