Der Mann, der lügt – Tatort 1071 / Vorschau DAS ERSTE Sonntag, 04.11.2018, 20:15 Uhr // #Tatort #Stuttgart #Lannert #Bootz #DerMannderlügt #SWR #Tatort1071 #Jubiläum

Titelfoto © SWR, Alexander Kluge

10 Jahre und nicht auf du und du

Ein Tatort aus der Sicht eines Verdächtig(t)en also wird der Clou des 22. Falles von Thorsten Lannert und Sebastian Bootz sein. Könnte ein echter Film noir werden, wenn am Ende alle schiefgeht.

Nach Maßgabe des Tatort-Fundus sind Lannert und Bootz die beliebtesten aktiven Ermittler, und das bei mittlerweile 22 Städten und Teams. Eine große Leistung auch des SWR, der die Figuren entwickelt hat und betreut. Die Punktzahl war schon höher als die gegenwärtigen 7,02, die ihre Tatorte bisher durchschnittlich erzielt haben, aber auch Lannert und Bootz hatten eine Schwächephase, in der die Drehbücher nicht mehr so richtig pfiffig waren und sich in den Rückgang an Originalität einreihten, der damals bei den SWR-Schienen (Stuttgart, Ludwigshafen, Konstanz) zu beobachten war. Aber mit Tatorten wie „Stau“ oder „HAL“ haben sie sich wieder an die Spitze der Tatort-Innovation gesetzt, ohne dabei abzudrehen.

Es ist seltsam mit Lannert und Bootz. Nach zehn Jahren waren Ballauf und Schenk für die Fans schon längst Max und Freddy und die Münchener doch überwiegend eher Ivo und Franz, wenn auch die Nachnamen eine etwas größere Rolle spielen, bis heute: Batic und Leitmayr. In unseren Rezensionen verwenden wir die Vor- und Nachnamen bei den beiden etwa paritätisch. Frau Odenthal ist überwiegend Lena, schon wegen des viel kürzeren Vornamens, und Klara Blum ist Klara Blum (gewesen). Die Teams, die noch ncht lange dabei sind, lassen wir mal weg, außer Faber: Bei ihm ist der Nachname so programmatisch, dass er für immer dominieren wird.

Aber haben wir bei den doch eher unprätentiösen, realistisch gezeichneten Typen aus Stuttgart je „Thorsten und Sebastian“ geschrieben? Hat das je irgendein Kritiker getan? Ich kann mir nie merken, ob „Thorsten“ mit „h“ geschrieben wird. Da fängt’s bereits an. Ich plädiere deshalb künftig dringlich für Namen, die in im Deutschen eine eindeutige Vorzugsschreibweise haben, die dann auch angewendet wird (gleiches Problem etwa bei Martina Bö(h)nisch aus Dortmund, ich hasse es, wenn ich jedes Mal nachsehen muss, wenn ich einen Namen verwende, wie er genau geschrieben wird, obwohl er ganz gewöhnlich biodeutsch ist).

Aber es sind nicht nur die wenig griffigen Vornamen Thorsten und Sebastian, die bei den Suttgartern eie Rolle spielen. Da ist eine gewisse Distanz, die sich über bisher 21 Filme kaum verändert hat, obwohl Lannert eines der dramatischsten Familienschicksale aller Tatort-Ermittler jemals erfahren hat und man bei seinem Kumpel die Trennung von der Frau so deutlichmitbekommen hat wie bei kaum einem anderen Cop. Die Charaktere der beiden drängen sich nicht auf und das empfinde ich als durchaus angenehm, deswgen bietet es sich an, sie Herr Lannert und Herr Bootz zu nennen.

Die beiden sind beinahe zeitlos, sie waren von Beginn an so konzipiert. Ihre Darsteller wirken souverän, Richy Müller bringt diese Reserviertheit aus Verletzung ein, welcher der Lannert-Figur ausgezeichnet steht, Felix Klare gibt trotz Abspaltung von der Familie eher den unkomplizierten Typ, manchmal haben sie Konflikte, wie alle Tatort-Duos. Das Teamsetting, zu dem die Staatsanwältin Alvarez und die Kriminaltechnikerin Banovic rechnen, passt. Alles hängt also von den einzelnen Fällen ab, man wird aber nie den Darstellern die Schuld daran geben, wenn ein Tatort mal nicht so gelungen ist.

Mit diesen Voraussetzungen können Lannert und Bootz auch gut ihr Zwanzigjähriges feiern.

Handlung

Erst mal ist es nur eine kurze Befragung. Die Kommissare Thorsten Lannert und Sebastian Bootz ermitteln im Mordfall des Anlageberaters Uwe Berger und wollen von Jakob Gregorowicz wissen, warum sein Name im Terminkalender des Ermordeten stand. Ein Irrtum, antwortet Jakob, er sei keineswegs mit dem Opfer verabredet gewesen, und glaubt die Sache damit erledigt.

Doch schon bald können die Kommissare ihm nachweisen, dass seine Aussage unvollständig war. Sie bohren immer weiter nach, reden auch mit seiner Frau Katharina. Jakob meint, plausible Erklärungen zu liefern, aber es tauchen neue Unstimmigkeiten auf. Da hilft es auch nicht, dass er versucht, Spuren zu beseitigen. Im Gegenteil, immer wieder bitten die Kommissare ihn zum Gespräch ins Präsidium, weil sie neue Indizien finden. Bald stellt auch Katharina Fragen, sie bekommt Zweifel an den Aussagen ihres Mannes.

Jakob gerät in Bedrängnis, weil so manches zum Vorschein kommt, das er lieber im Verborgenen belassen hätte. Er wird immer unsicherer, die Kommissare immer insistierender. Als Jakob zugeben muss, dass er mit Uwe Berger verlustreiche Geschäfte gemacht hat, wird er zum Hauptverdächtigen.

Mehr zu Lannert und Bootz

Thorsten Lannert und Sebastian Bootz feiern Geburtstag. Seit zehn Jahren sind sie an Tatorten in Stuttgart im Einsatz, haben Mordfälle aufgeklärt, Menschen hinter Gitter gebracht oder deren Unschuld nachgewiesen, haben Gewalttaten verhindert oder nicht verhindern können, tiefe Einblicke in verletzte Seelen oder kriminelle Gehirne getan und wurden das ein oder andere Mal auch persönlich heftig in Mitleidenschaft gezogen.

Zum zehnten Geburtstag gibt es mit dem „Tatort – Der Mann, der lügt“ einen Fall, der aus ungewöhnlicher Perspektive erzählt ist und in dem die Zuschauer die Kommissare einzig und allein durch die Augen eines Verdächtigen erleben. Die Autoren Sönke Lars Neuwöhner und Martin Eigler erzählen davon, was es für einen Menschen bedeutet, wenn all seine Aussagen in Zweifel gezogen und als potenzielle Lügen behandelt werden und zu welchen Kettenreaktionen Ausflüchte führen können.

Klug, genau und intensiv inszeniert Martin Eigler wie aus einem Zeugen ein Verdächtiger wird und Ermittler nicht lockerlassen. Denn bei allem Verständnis für den von Manuel Rubey gespielten Verdächtigen ist doch stets die Frage präsent, ob seine kleinen Lügen nicht doch eine schwere Tat verdecken.

Hauptkommissar Thorsten Lannert – Richy Müller
Hauptkommissar Sebastian Bootz – Felix Klare
Staatsanwältin Emilia Álvarez – Carolina Vera
Kriminaltechnikerin Nikita Banovic – Mimi Fiedler
Jakob Gregorowicz – Manuel Rubey
seine Ehefrau Katharina Gregorowicz – Britta Hammelstein
die Tochter Jule Gregorowicz – Livia Sophie Magin
Moritz Ullmann, Rechtsanwalt und Bruder von Katharina – Hans Löw
Zahnarzt Dr. Radu Voica – Daniel Wagner
Frank Schacht – Robert Schupp
Armin Groß – Holger Daemgen
Detlef Schönfließ – Marc Fischer
Frau Gebert – Renate Bahm
Frau Bormann – Gisela Aderhold
Kellner im Schwulencafé – Marc-Philipp Kochendörfer
u.a.

Drehbuch – Sönke Lars Neuwöhner, Martin Eigler
Regie – Martin Eigler
Kamera – Andreas Schäfauer
Schnitt – Claudia Lauter
Szenenbild – Andreas C. Schmid
Musik – SEA + AIR

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