„Merkels Abgang: Das Big Game wird ohne Angela Merkel weitergespielt“ (Rubikon) // #Merkel #Merz #Millionär #CDU #SPD #Weltverschwörung #Kapital #Verwertungsproblem #Afrika #Asien #Scholz #Weidel #Petry #AfD #Neoliberalismus

Kommentar 125

Man hielt es vor wenigen Monaten kaum für denkbar: Angela Merkel leitet ihren Rückzug ein. Erst einmal vom Parteivorsitz, das ist sicher. Aber wird sie noch drei Jahre Kanzlerin bleiben?

Länger auf keinen Fall, da hat sie sich ebenfalls festgelegt. Sie wird zur Wahl 2021 nicht antreten und wer jetzt CDU-Vorsitzende_r wird, der wird auch um die Kanzlerschaft kämpfen. Manche sagen, schon vor 2021, weil die SPD die GroKo nicht mehr lange durchhalten und die Reißleine ziehen wird. Aber die SPD ist unberechenbar: Es könnte genauso gut sein, dass sie ihrer eigenen Vernichtung weiter tatenlos zuschaut.

Und wie bei und mit der Union? Warum geht Angela Merkel ausgerechnet jetzt? Weil sie erschöpft ist? Weil sie merkt, dass der Union unter ihrer Führung die Felle davon schwimmen? Weil sie ratlos ist angesichts der Verstrickungen, in die ihre Politik das Land hineingefahren hat und die sie aus eigener Kraft nicht mehr lösen kann? Das wären typische Gründe, wie sie hin und wieder von der Mainstream-Presse kolportiert werden.

Wer jedoch geostrategisch etwas elaborierter ist als zum Beispiel wir hier beim Wahlberliner, der weiß es besser. Wir haben immerhin geahnt, dass die Meister des hintergründigen Denkens es besser wissen. Deswegen bringen wir heute den Kommentar zu einem Beitrag aus einem unserer Lieblingsmagazine unter den Alternativen: „Merkels Abgang: Das Big Game wird ohne Angela Merkel weitergespielt (Rubikon)„.

Aber so richtig gehören wir nicht zu denen, werden wir wohl nie. Weil wir immer glauben, es gibt menschliche Faktoren, die den einheitlichen Weltverschwörungswillen unterlaufen, so, wie der menschliche Faktor bei den meisten Menschen das unterläuft, was sie drauf hätten, wenn sie eben nicht Menschen wären, sondern Maschinen, die immer auf gleichem bzw. gleich hohem Niveau funktionieren. Immerhin auch dies: Die Menschen haben erkannt, dass sie mit sich selbst ziemliche Probleme haben, aber weil sie in Technik doch ganz gut sind, versuchen sie jetzt, künstliche Intelligenzen schaffen, die genau jene Probleme nicht haben und in deren Hände aus  Stahl und Kunststoff sie deswegen auch vertrauensvoll die Weltherrschaft übergeben können. Wenn diese künstlichen Intelligenzen einen Schwarm bilden, werden sie schnell merken, wie geboten das auch ist, um die Welt zu retten.

Wir wollen damit nicht behaupten, dass am Hintergründigen nichts dran ist, wenn es von Menschen kommt. Das nun nicht. Aber, zugegeben, die Befassung des Wahlberliners mit menschlichen Problemen vor Ort hat uns ein bisschen vom Nachdenken übers ganz Große und die Macht an sich weggebracht. Wir begnügen uns jetzt in der Regel damit, in erster Linie die Immobilienwirtschaft als Vertreterin dieser Macht zu brandmarken. Würden wir uns immerzu fragen, warum wir überhaupt noch über irgendwelche konkreten Probleme schreiben oder uns dafür engagieren, obwohl doch die Macht uns sowieso in der Hand hat und wir gar nichts dagegen tun können, was wäre dann wohl mit der Motivation? Eine Macht, die uns Angela Merkel wegnehmen kann, muss doch jederzeit in der Lage sein, jede soziale Verbesserung zu kassieren und jeden Aktivisten kaltzustellen, würden wir dann denken und ganz und gar mutlos werden. Also lieber ein bisschen naiv.

Nichts ohne Grund in der Politik

Schon der erste Satz des Textes kündet davon, dass Menschen immer rational handeln: In der Politik geschieht nichts ohne Grund. Als Gründe gelten aber nicht persönliche Fehler, sondern nur übergeordnete strategische Aspekte.

Haben wir schon klargestellt, dass wir auch der Ansicht sind, dass die transatlantischen Verbindungen der deutschen Medien und Politiker einen gewissen Einfluss auf deren Ausrichtung nehmen?

Natürlich ist das so. Manche setzen aber Einfluss mit totaler Dominanz und Unterwerfung gleich. Dadurch kommt auch das Bild von den Marionettenregierungen à la Merkel zustande. Dass Menschen einen individuellen Willen haben können und sich unterschiedliche Grade innerer Unabhängigkeit bewahren können, sogar als Funktionsträger, darf in einem solchen Modell keine Rolle spielen, sonst funktioniert das Modell nicht und das Bild würde viele Unschärfen ausweisen. Das Bild muss aber gestochen scharf sein, von links oben bis rechts unten. Es wirkt brillanter, so zu tun, als könne man alles, was geschieht, auf eine einzige Ursache zurückführen und auf alles messerscharf schließen, was hinter dem Was und Wie steckt: Die Lenker des Finanzkapitalismus.

Haben wir schon erwähnt, dass wir sehr wohl glauben, dass diese einen großen Einfluss auf das Weltgeschehen nehmen?

Gewollte Handlungsunfähigkeit als Basis

Das wissen wir doch, weil wir uns mit dem Immobiliensektor befassen. Die Bundesregierung tut einfach nix, um es besser werden zu lassen. Wir haben mehrfach über das geschrieben, was wir als Hintergründe ansehen, aber man kann es natürlich nochmal unter die Käseglocke stellen: Alles, was auf EU-Ebene festgelegt wird, verhindert derzeit, dass die Immobilienblase platzt. Und was in der EU geschieht, folgt den Weisungen der Wall Street, die das Kapital symbolisiert – nicht verkörpert.

Offensichtliche politische Schwächen Angela Merkels seien als Grund für ihren Abgang nicht plausibel. Wir nehmen mal den Gesamtabgang, der noch nicht vollzogen ist, als Grundlage und dass sie eigentlich die Kraft und die Lust dazu hätte, 2021 nochmal für vier Jahre anzutreten, um Helmut Kohl, ihren einstigen Mentor, überholen zu können –  wenn man sie nicht abberufen hätte.

Tatsächlich nicht? Dass die Union massiv Wahlen verliert und es in der Truppe unruhiger geworden ist, reicht also nicht als Grund. Wie man bei Andrea Nahles von der SPD sieht: nicht unbedingt. Aber die ist auch noch nicht 18 Jahre lang SPD-Vorsitzende und jedes Jahr zu wechseln, führt nicht unbedingt zum Wiederaufstieg, wie die viel weniger kontinuierliche Besetzung der Spitzenposten der SPD im Vergleich zur Union gezeigt hat.

Natürlich empfiehlt es sich hier zu erwähnen, dass die Darstellungen zum Durchmarsch des Neoliberalismus richtig sind.

Es gibt Zeiten, in denen das Kapital Unterstützung braucht, weil Dinge geändert werden müssen. Diese erhielt es durch Kanzler Schröder, ergänzen wir kopfnickend. Und es gibt Zeiten, da reicht es aus, wenn der Besitzstand verwaltet werden kann, wie unter Angela Merkel. Dass gerade sie es war, die Deutschland nach der Wirtschaftskrise aktiv-passiv erheblich verändert hat, passt nicht so recht zum ihr zugerechneten Profil. Aber es passt natürlich zum Ergebnis, nämlich dass der nationale Handlungsspielraum weiter eingeschränkt wurde, ohne dass sich dadurch zum Ausgleich soziale Verbesserungen ergeben hätten. Komisch, dass Linken das nie auffällt, welche die Bundesregierung für alle Mögliche kritisieren, was sie teilweise gar nicht mehr ändern kann, dafür aber in EU-Phorie schwelgen. Aber dieser Satz hat mir besonders gefallen:

„Bei allen Unterschieden der politischen Akteure, die in Grün, Blau, Schwarz, Gelb oder Rot über das Parkett stolpern, sind sie in einem Punkt absolut identisch: Sie haben gemeinsam die Entfesselung der Finanzmärkte mit allen ihren sozialen, humanen und ökologischen Folgen zu verantworten. Letztlich ist es dem Finanzkapital aber gleichgültig, ob eine Regierung von zwei, drei oder allen Parteien gebildet wird.“

Und die AfD? Für die denkt sich die Wall Street schon auch was aus. Damit sie koalitionsfähig wird oder eine nach der anderen der Führungskräfte wird rausgedrängt, abgesägt, stolpert. So wie zunächst die eurokritischen Professoren (Anti-Euro geht gar nicht, das ist gegen die Intentionen des Kapitals). Oder wie Frauke Petry (unter ihr wäre die AfD zu schnell zu stark geworden). So wie jetzt Alice Weidel („Ich hab noch einen Koffer in der Schweiz …“). Jeder weiß, dass die Schweiz eine Außenstelle der Wall Street darstellt, wie natürlich auch Großbritannien. Wie all diese Steueroasen. Wie eben fast alle Länder.

Haben wir schon angemerkt, dass da durchaus was dran ist?

Merkel muss(te) weg

Merkel hat offenbar noch die europäische Mittelschicht einigermaßen geschützt. Ist mir nicht so richtig aufgefallen, aber zumindest hat sie oberhalb der unteren 50 Prozent der Gesellschaft keine allzu großen Niedergänge zugelassen. Merkel hat also nur den Downfall der untern Hälfte weitergetrieben. So weit, so schlecht, fürs Proletariat und fürs zunehmende akademische Prekariat, sofern es nicht von Geburt an der höheren Mittelschicht angehört und mit Schenkungen und Erbfällen über Wasser bleibt.

Aber warum bloß jetzt so eine Hektik?

Es ist das Spekulationsgeld, Idiot! Das häuft sich u. a. durch die Niedrigzinspolitik der EZB, womit wir wieder fast bei den Immobilien angelangt sind, dermaßen an, dass es irgendwann mal angelegt werden muss.

Und da kein vernünftiger Investor in Europa auf Innovation und Industrie im Allgemeinen bzw. im größeren Maßstab setzt und Afrika schon abgegrast ist, sei es durch Rohstoffabschöpfungs-Investitionen oder durch miese Handelsabkommen, und die renitenten Asiaten, vor allem die Chinesen, lieber selbst Kapital in den Rest der Welt investieren als den freien Zugang von Westkapital zur eigenen Wirtschaft zu ermöglichen, und weil sie sich auch nicht so einfach militärisch in die Knie zwingen lassen, da ist nun guter Rat teuer geworden. Das Spekulationskapital ist fast blockiert.

Renditen von weniger als zwei Prozent zu verkaufen, wird auch für diejenigen schwierig, die im Moment noch u. a. den deutschen Immobilienmarkt antreiben. Aber da ist nach der Ansicht einiger ernsthafter Analysten bald das Ende der Fahnenstange erreicht und er ist natürlich auch zu klein, um das global vagabundierende Kapital aufzusaugen – obwohl sich die hier gehandelten Zahlen so riesig ausnehmen für uns Normalmenschen. Es ist Zeit, zum nächsten Angriff zu blasen, man spürt es ganz deutlich.

Vorbereitungen

Gegen viel Kritik hat Olaf Scholz (schwindende SPD) einen Mann von Goldman Sachs als Fachkraft ins Haus geholt, um nun zum nächsten Raid auf das Gemeinwohl ansetzen zu können. Die Nach-Merkel-Ära begann schon damit, ach, eigentlich schon, bevor sie Bundeskanzlerin wurde, spätestens mit dem erwähnten Herrn Schröder.

Teilweise abweichend zum Rubikon-Artikel können wir schon zu dem Schluss kommen: Welche Parteien regieren, spielt keine Rolle. Der Charakter des Regierungsschefs oder der Regierungschefin spielt aber dann auch keine Rolle. Und damit decken wir einen  Zirkel auf: Wenn Politiker ohnehin Marionetten sind, warum können sie dann nicht dazu gebracht werden, im entscheidenden Moment eine aktivere Rolle einzunehmen, und sei es, dass sie dabei durch ihre Helfer_innen angeleitet werden?

Wir helfen aber gerne aus dieser Argumentationsklemme: Hat sie doch getan, Mutti! Demobilisierung der Massen heißt ja nicht, trantütig zu sein, wie einst Helmut Kohl.  Angela Merkel war sehr wohl aktiv, indem sie im Zuge der Finanzkrise Verstrickungen ohne Ende produziert hat. Indem sie eine planlose, megateure Energiewende-Wende eingeleitet hat. Indem sie im Herbst 2015 ein bisschen Druck auf den bis dahin so dahin dümpelnden Immobilien-, Arbeits-, und Sozialtransfermarkt gemacht hat. Na bitte, ging doch. Allerdings entfällt dann die Begründung dafür, warum Angela Merkel genau jetzt weg muss. So viel Kraft hat sie sicher noch, weiter an dem Ast zu sägen, auf dem wir alle sitzen. Naja, die meisten. Die Nicht-Kapitalisten.

Nein, ganz überzeugt sind wir nicht. Wir müssen noch was finden. Vielleicht so: Da hat sie jetzt doch noch das Pastorentochter-Gewissen gepackt und sie will nicht mehr mitarbeiten am Europa-Sozialstaat auf Rumänien-Niveau. Oder daran, dass der letzte Rest Staatsvermögen verhökert wird, wie etwa beim Autobahnbau oder beim Berliner Schulbauprojekt, über das gerade wieder eine neue Info reinkam, die gelesen werden will. Das wäre ja auch eine zulässige Interpretation, die sogar im System des Rubikon-Beitrages bliebe.

„Oder glaubt noch jemand wirklich daran, dass die gigantischen spekulativen Kassen ohne substantielle Beteiligung der europäischen Mittelschichten einfach im finanziellen Niemandsland abgewickelt würden?!“

Selbst ohne „?!“ glauben wir das allerdings nicht und wir befürchten ebenfalls die nächste Krise. Woran man mal wieder sehen kann, wie doof das Kapital eigentlich ist, das gilt aber nur unter einer Bedingung: Es will nicht 90 Prozent der Menschheit auch physisch vernichten, was ja einige Alternativ-Medienmacher als Hintergrund-Hintergrund für das, was gerade läuft, annehmen.

Haben wir schon dem Gedanken Raum gegeben, dass die Herrschenden bis jetzt alle Krisen unbeschadet überstanden haben? Zumindest seit dem Moment, als sie von der idiotischen, geradezu sozialistischen Idee abrückten, selbst mit in die Schlachten zu ziehen, und das ist ja nun doch schon einige Zeit her.

Aber dass Merkel scheibchenweise abritt, ist ja ein Trick. Parteivorsitz abgeben reicht, um die Menschen jetzt wieder bisschen zu beschäftigen, damit sie sich an die neue Person in dieser Funtion gewöhnen oder an ihr reiben dürfen, wie einige wackere Linke es vor allem zelebrieren werden, falls schon im Dezember der Merz kommt. Erst die nächste Volkszorn-Stufe, welche die AfD auf 30 Prozent katapultiert, etwa, wenn sie mit einer Wirtschaftskrise einhergeht, die erfordert dann auch das Kanzlerinnen. Opfer. Wir erinnern uns an einen Beitrag, in dem es hieß, Merkel habe noch die letzten miserablen Wahlergebnisse der Union auf sich gezogen, damit der Nachfolger oder die Nachfolgerin unbelasteter starten kann. Kein dummer Gedanke, deswegen hat sie ihre Parteivorsitz-Demissions-Gedanken nicht schon im Sommer umgesetzt, wenn man dieser Logik folgt.

Und dann eben das Kanzlerinnen-Opfer, wenn es richtig zur Sache geht. Die Trainerin wird entlassen. Die Mannschaft bleibt. Die Sponsoren, also die Lobbyisten, bleiben. Die blöden Fans bleiben auch.

„Mancher Spekulant soll dem Hörensagen nach überrascht gewesen sein, was man den Deutschen in Sachen Euro, Bankenrettung et cetera alles so zumuten konnte.“

Nee, das kann jetzt nicht sein, dass es gerade so gut passt: Wegen Recherche auf Twitter gewesen, Umfrage gelesen, nach der die Mehrheit der Deutschen sich wünscht, Angela Merkel zieht die Kanzlerschaft bis 2021 durch. Und das trotz der miserablen Zustimmungswerte für die GroKo und auch für sie persönlich.

Da merkt man, wie viel Angst die unmündigen Bürger_innen erst vor den anderen Möglichkeiten haben. Doch, die Leute merken was, aber es äußert sich noch nicht in der Wut, die der gemäß dem Rubikon-Beitrag vom Kapital eingeplante Grund für die endgültige Merkel-Ablösung sein könnte. Aber das Kapital sitzt da und beobachtet mit Argusaugen. Nachdem es diese Umfrage gelesen hat, weiß es, dass die Menschen hier noch viel hasenfüßiger sind, als es bisher dachte und da glänzen die Argusaugen. Nun ja, die Urteilsrevision kann sich ohnehin nur im Promillebereich abgespielt haben.

Beim Aktivismus was vergessen

NGOen, Kirchen, EU-Initiativen – und was ist mit meiner Partei, bitte? Die tut doch auch alles, um sich dem Zug anzuschließen. Offenbar werden wir mal wieder nicht ernst genommen. Vom Kapital sowieso nicht, aber jetzt nicht einmal mehr von den Schriftstellern , die linksalternative Medien inhaltlich befüllen. Aber der Friedrich Merz, der hat da schon ein anderes Standing. Wie ein Habicht geht der Autor auf ihn nieder und schenkt ihm sogar eine erläuternde Fußnote.

„Friedrich Merz ist Rechtsanwalt, ehemaliger Politiker und Manager. Er war von 2000 bis 2002 Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und von 1998 bis 2000 sowie von 2002 bis 2004 stellvertretender Vorsitzender. Merz ist seit 2009 Vorsitzender des Netzwerks Atlantik-Brücke und seit 2016 als Aufsichtsratschef und Lobbyist für den deutschen Ableger der Fondsgesellschaft BlackRock, dem weltweit größten Vermögensverwalter, tätig.“

Das war jetzt für diejenigen wenigen unter unseren Leser_innen, die immer noch keinen Plan bezüglich der Grunddaten des Merz haben. Millionär ist er übrigens auch: Das Volk diskutiert, regt sich auf. Das Volk diskutiert über Managergehälter und sowas alles. Sowas Abstraktes. Merz ist gehaltsklassenmäßig ein hoher Manager, auch wenn er hier Aufsichtsrat heißt. Also los: A.) Friedrich März ist Spitzen-Manager. B.) Alle Spitzen-Manager haben hohe Gehälter. C.) Hohe Gehälter führen, wenn nicht Spielsucht und anderes – sic! – menschliches Fehlverhalten vorliegt, zur Millionärs-Eigenschaft D.) Also ist Friedrich Merz Millionär.

Komischerweise hat mich das überhaupt nicht aufgeregt, auch nicht, dass er sich selbst dem gehobenen Mittelstand zurechnet. In seiner Welt ist er ja nur gehobener Mittelstand. Seine Welt ist nicht unsere Welt, aber nimmt irgendwer an, die Welt der Spitzenpolitiker, auch wenn sie vorher keine Spitzenmanager waren, sei unsere Welt? Es ist in der Regel auch nicht die Welt des Kapitals, sowas geht auf direkte Weise nur in den USA. Bei uns ist ja alles etwas weniger schroff, da gibt es nur Anweisungen aus dieser Welt an die Politik.

Nun der der Lakmus-Test im Sinn der Gesamtstrategie: Wenn man Merz als Politiker nach seiner Vita nochmal installieren kann, dann könnte man in der nächsten Stufe auch die Frau Klatten, die von Sahra Wagenknecht immer so gebasht wird, als ganz neue, bisher unbelastete Kanzlerkandidatin ins Spiel bringen, die sich noch nie in der Politik die Hände schmutzig gemacht hat. Mit ihr würde man sich ähnlich viele Lobby-Umwege ersparen wie bei Friedrich Merz und der wegen heftiger Allokationsschwierigkeiten japsende Kapitalismus hätte endlich wieder eine Effizienzsteigerung zu vermelden.

Solche Koryphäen in der Politik würden auch dem Problem abhelfen, dass in den Parteien nur noch kompetenzarme Funktionäre herumhängen, für Merz wird dieser Bonus, dass er keine von den Lobbyisten abgeworbene Entourage braucht, um etwas von Wirtschaft zu verstehen, entsprechend herausgestellt.

Natürlich wird es jetzt schwierig, nicht nur das Kapital hat ein Problem, auch wir: Wir haben ja oben behauptet, Merkel habe sehr wohl gehandelt und mit dem kursiven Absatz über die Bankenrettung, der natürlich ein Zitat ist, dies auch  unterlegt. Nur, warum muss dann die Finanzmafia unbedingt einen Merz installieren, wenn es doch schon haufenweise Fachleute und Lobbyisten gibt, also ein perfekt installiertes System? Weil Merkel sich nicht bewegt, wie eine störrische Eselin? A.) hat sie aber doch, siehe Beschreibungen zur Finanzkrise etc. B.) Das Gegenteil würde beweisen, dass sie einen eigenen Willen hat. Kann man haben, aber man kann argumentativ nicht alles auf einmal haben.

Im Weiteren wird’s ein bisschen arg tricky: Merz wäre also einer, der, wenn die Leute auf die Straße gehen sollten, was sie ja bisher nur für kapitalkonforme Zwecke hinbekommen, zusammenschießen lässt. Für „Durchgreifen“ bleibt in diesem Moment nicht sehr viel Interpretationsspielraum, denn unterhalb dieser Schwelle kann man ein Volk, das wirklich auf dem Marsch ist und nicht nur von einem lauen Lüftchen bewegt wird, nicht stoppen.

Ist Rettung möglich?

Der letzte Satz ist dann wieder eine typische Wendung, die solchen Beiträgen den Stachel nimmt: Wenn es die Zivilgesellschaft wirklich in der Hand hat, dann ist die Macht, von der die Rede ist, die ganze Zeit schon, auch nicht so dämonisch. Vielleicht ist aber auch gemeint, die Zivilgesellschaft muss endlich so durchgreifen, wie man es oben dem Herrn Merz implizit zutraut.

© Der Wahlberliner, Thomas Hocke 

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