Die Österreicher_innen – sind die sowas von anders? Umfrage Bund Ö // #Österreich #Austria #ÖVP #SPÖ #FPÖ #Grüne #NEOS #Nazis #Linke #DIELINKE #Arbeitsmigration #Asylrecht #Fluchtwege #Weltoffenheit #Umwelt

Umfrage & Ergebnis 56

Heute mal keine Umfragewerte aus Deutschland, Bund oder Länder und was es sonst noch gibt, sondern – Österreich, zum ersten Mal.

Der Nachbar im Südosten, wie tickt der denn so, politisch?

Wir haben drei größere Parteien. Die Sozialdemokraten (SPÖ) mit großer Tradition, die ÖVP (Österreichische Volkspartei) auch schon und dann gibt es die FPÖ, die österreichische AfD, wenn man so will, nur, dass sie schon viel länger dabei ist und aus einer traditionell liberalen Partei ähnlich der FDP hervorging und auch ihren Namen nicht geändert hat. Jörg Haider hat sie nach rechts geführt, deshalb ist jetzt auch Platz für eine tatsächlich liberale Partei geworden, die sich NEOS nennt. Zunächst das Umfragebild:

Wir wissen, dass es derzeit eine schwarz-blaue Koalition in Österreich, also eine Mitte-Rechts-Rechts-Regierung gibt unter dem Jung-Bundeskanzler Sebastian Kurz von der ÖVP, der heute problemlos wiedergewählt würde, wie wir oben sehen können. Was es in Österreich nicht gibt, ist der Klimawandel, sonst kämen die dortigen Grünen ja nicht auf bloß fünf Prozent. Dabei dachte ich, auch in den österreichischen Alpen müsste doch das Skifahren auf Naturschnee langsam schwierig werden.

Wenn ich mir dieses österreichische Wahlverhalten oder Umfrageverhalten nun nach den Erzählungen in den Medien und der Politik nach deutschem Muster anschaue, dann gibt es in Österreich 25 Prozent Nazis und weitere 33 Prozent Halbnazis, weil die ÖVP ja wesentlich weiter rechts tickt als die CDU – und 26 Prozent uralte SPÖ-Wähler, die noch Bruno Kreisky nachtrauern.

Wir sagen als Linke, je nachdem, in welchem Links innerhalb der LINKEn wir gerade unterwegs sind:

  1. Es muss eine gute Sozialpolitik gemacht werden und die Arbeitsmigration muss gut reguliert werden, dann gibt es bei uns auch keine AfD mehr und damit keine Nazis mehr oder
  2. es muss eine gute Sozialpolitik gemacht werden, damit die Menschen offene Grenzen akzeptieren und die Nazis oder AfD-Wähler_innen sind uns eh wurscht.

Österreich wird, im Gegensatz zu Deutschland, den UN-Migrationspakt nicht unterzeichnen und befindet sich damit in der Gesellschaft von so bekannten Ländern wie Ungarn, das ja auch mal zu Österreich gehört hat, und den USA.  Das scheint gut anzukommen, denn die ÖVP und die FPÖ, die Regierungskoalition, sitzen zusammen derzeit auf sicheren 58 Prozent. So viel hätten die Union und die SPD in Deutschland mal gerne. Selbst die SPÖ liegt wesentlich besser als die SPD.

In Österreich ist die soziale Sicherung wesentlich stabiler als in Deutschland. Die Renten sind höher, die Arbeitnehmerrechte stärker, in Wien gibt es keine Immobilienblase und es gilt in vielen Rankings als eine der lebenswertesten Städte weltweit, immer mit gutem Abstand zu Berlin. Und die Wirtschaft läuft auch ohne Hartz IV ganz gut. Alles richtig gemacht oder doch vieles, was in Deutschland in den letzten Jahrzehnten sinnlos geopfert wurde. Österreich ist auch kein Konversionsland, das Demokratie erst lernen musste, nach 1989 oder wann immer.

Trotzdem gibt es einen Rechtsdrall in der dortigen Politik, bei dem wir in Deutschland noch lange nicht sind. Und das ist die Normalität. Es hatte sich abgezeichnet, schon in der Zeit, als ich dort gelebt habe und man gefeiert hatte, dass die Wirtschaft besser läuft und die Arbeitslosen viel weniger sind als drüben, also wieder hier, seit meiner Rückkehr. Ich wurde darauf immer gerne mal angesprochen und sagte dann: Na schauts, drum bin i Arbeitsmigrant.

Die Österreicher schauen sehr auf Deutschland, viel mehr als umgekehrt, was an den Größenverhältnissen liegt. Wir schauen ja auch mehr auf die USA als umgekehrt.

In Österreich wird schon lange viel mehr rechts geredet als hierzulande, es gibt viel weniger PoC, obwohl die Leute im Allgemeinen dezenter und freundlicher sind als bei uns, wobei man Berlin schon gar nicht als Vergleich nehmen sollte. Menschen, die umweltbewusst sind und gleichzeitig migrationspolitisch rechts, sind in Österreich keine auch Seltenheit.

Was überhaupt nicht auf Österreich anwendbar ist, sind beide Erzählungen der Linken, die ich oben benannt habe, denn die Not, die sich bei uns ins untere Drittel der Gesellschaft hineinfrisst, die gibt es dort nicht. Und fast jeder hat einen Doktor im Ausweis stehen und der wird auch im Fernsehen eingeblendet, wenn man interviewt wird. Man ist also standesmäßig und lebensmäßig ziemlich zufrieden.

Und man hat sich zu einem Hardliner-Land in Sachen Migration entwickelt.

Die Frage, die sich unweigerlich stellt: Sind denn die auf Österreich ganz offensichtlich nicht zutreffenden Erzählungen der deutschen Linken wenigstens auf Deutschland  anwendbar? Bewiesen ist das bisher nämlich nicht, weil links auf Bundesebene keine Politik gestalten kann, mit der es sich testen ließe.

Gegenwärtig sieht es so aus, als ob ganz unterschiedlich aufgestellte Länder nach rechts driften, viele der Neu-EU-Länder, die noch so was Identitäres haben, das krisenanfällige Alt-EWG-Land Italien, das doch immer so wunderbar freundlich zu allen Fremden war, nicht nur zu Touristen. Auch Frankreich hat stabile 20 Prozent Menschen, die nach linker Definition allesamt Nazis sind, die Linksnationalisten aus dem Mélenchon-Lager gar nicht mitgerechnet. Aber auch ein so proper funktionierendes Gemeinwesen wie Österreich geht diesen Weg und geht ihn sogar weiter als etwa etwa Frankreich. Bisher jedenfalls. Und, nein, die Wiener sind nicht weniger weltoffen als etwa die Münchener, die bekanntlich jetzt grün regiert werden und vorher immer rot waren.

Stimmt also die linke Erzählung über Menschen grundsätzlich und welche von beiden oben genannten Varianten ist mehr falsch oder mehr richtig?

Die Diskussion wird wohl nicht damit abgeschlossen sein, dass sich eine politische Richtung, die vielleicht 4 oder 5 Prozent der deutschen Wählerschaft umfasst, mit sich selbst darauf einigt, dass Variante links 2. richtig ist, sie wird aber auch nicht enden, falls sich im überwiegenden linken Spektrum inklusive der Grünen Variante links 1. weiter verbreiten sollte.

TH

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