#Ukraine – gelungene und andere Einlassungen zum Thema aus humanistisch-linker Sicht // #Ukraine #Russia #AsowSea #Poroschenko #Putin

Da ist es wieder – das lange vernachlässigte Duell am Schwarzen Meer. Kaum jemand hatte noch auf dem Schirm, dass es in Europa immer noch einen bewaffneten Konflikt gibt. Aber wenn dann mal was passiert, dann wird ein richtiger Medienhype daraus.

Natürlich dürfen wir dabei angesichts unseres wachsenden Selbstverständnisses als die Alternative zum Mainstream, zur Lügenpresse und zu allen anderen alternativen Medien nicht fehlen. Zur Erinnerung: Es kann nicht mehrere Alternativen geben, aber die Begriffsverwendung ist auch nicht mehr das, was sie mal war.

Wie auch die Meinungsmache. Die Meinungen waren immer schon kontrovers zu eigentlich allem, aber die Primitivität nimmt jetzt doch beachtlich zu und das ist auch den sogenannten Sozialen Medien zu verdanken. Es gibt aber auch noch Menschen mit Anstand.

Wir können natürlich nur einen kleinen Ausschnitt von dem zeigen, was uns heute zum Thema begegnet ist. Wir konzentrieren uns auf das, was wir mögen, woran uns liegt, und was wir bemerkenswert und skurril finden. Und es kann zu Updates in den folgenden Tagen kommen.

Ich empfand Dietmar seit meinem Eintritt in die Partei DIE LINKE als einen der sympathischsten unter unseren Spitzengenoss_innen. Er scheint einer der wenigen zu sein, nicht nur in der LINKEn, der, wenn’s brenzlig wird, das Hirn zwischen den Ohren behält und es nicht durch eine von den USA oder Russland gelieferte geostrategische Narration ersetzt. Das entspricht auch seiner Stellung als Mediator innerhalb der LINKEn, ohne ihn wäre sie vermutlich schon gespalten. Als zweitem Spitzenpolitiker unserer Partei folgen wir ihm seit heute auf Twitter.

2018-06-24 MedienspiegelEines der ersten Medien, das einen einigermaßen informativen und sachlichen Berichte zur Hand hatte, war die WELT.

Das ukrainische Parlament hat erwartungsgemäß dem vom Präsidenten Poroschenko verhängten Kriegsrecht zugestimmt:

Ganz anders diese Korrespondentin. Man muss genau hinschauen, um zu sehen, dass sie für den BR arbeitet (auf ihrem Twitter-Profil).

Ich habe von Sevim Dagdelen keine derartige Erklärung von heute gefunden und auch noch keine offizielle Presseerklärung der LINKEn. Möglicherweise ein bisschen 3/4-Lügenjournalismus? Es ist bekannt, dass Dagdelen in der Vergangenheit sehr eindeutige Aussagen zur Ukraine gemacht hat, aber hier klingt es nun einmal, als habe sie sich zur aktuellen Lage schon geäußert.

Jetzt kommt’s. Gerade doch ein Statement von Dagdelen und in der oben angedeuteten Richtung. Aber erst vor neun Minuten:

Komischerweise kein Wort darüber, ob die Fakten im BILD-Bericht stimmen könnten oder nicht. Aber das reflexweise Reagieren gemäß ideologischer Frontstellung kenne ich von der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der LINKEn auch bei anderen Themen. Was mich daran ärgert: Dass der vorausgehende Tweet bestätigt wurde, obwohl er offenbar, sagen wir’s ein wenig dezent, vorgegriffen hat.

Was hat diese Angelegenheit denn mit dem Sozialstatus des ukrainischen Präsidenten zu tun? Und richtig, er ist gewählt worden. Heißt das nun, dass die Ukrainer beim Wählen doof sind? Oder dass man sich die Zwischenstufe der Lobbyisten spart, weil man eh sparen muss – im Gegensatz zu unserem Land und im Gegensatz zu Russland, wo die Konzerne und die Oligarchen die Politik natürlich überhaupt nicht beeinflussen.

Und nun zu einem Interview, das heute der Deutschlandfunk mit dem LINKEn-MdB Alexander Neu geführt hat und das absolutes Legendenpotenzial aufweist. Die, vorsichtig ausgedrückt, höchst kurvenreiche Argumentationstechnik beschreibt, warum einige in der LINKEn die Finger besser von der Außenpolitik lassen  und sich sozialen Themen zuwenden sollten, wenn sie glaubhaft bleiben und Wähler_innen gewinnen wollen.

Ferndiagnosen sind schwierig. Das sehe ich auch so. Und was bedeutet das für den weit überwiegenden Teil des gesamten Interviews?

Nach meiner Ansicht hatte Neu sogar Glück, dass ihm manche Whataboutismen nicht noch mehr auf den Kopf gefallen sind, denn in Syrien beispielsweise wird auf eine sehr durchsichtige Weise von Medien wie RT das Völkerrecht gegen die Menschenrechte in Stellung gebracht. Der DLF-Reporter war reaktionsschnell und hat in die richtige Richtung gezielt, aber den möglichen Knockout hat er verpasst.

So kann man’s natürlich auch sehen, Genosse Jochen. Ich habe keine Unverschämtheit seitens des XY-Stipendiaten Heinemann entdecken können. Recherche ist gut. Aber manchmal ist Logik auch wichtig. Man kann das Verhalten eines Menschen außerdem nicht zu 100 Prozent darauf zurückführen, von wem er mal etwas Gutes getan bekam.

Im Grunde wird damit uns allen auf eine ziemlich autoritäre Weise eigenständiges Denken abgesprochen – und was wären gerade wir Linke ohne eigenständiges Denken, hm? Dann wären z. B. die Inselgespräche Quatsch, weil niemand von den Zuhörern seitens der dort Vortragenden materiell gefördert wurde und demgemäß auch niemand anhand dieser Vorträge seine Meinung überdenken könnte.

Ich fand, der Journalist war ganz gut drauf und es ist leider nicht schwierig zu enttarnen, wenn Argumentationen ausschließlich geopolitisch determiniert sind und sich nicht am Recht und vor allem  nicht am Humanismus orientieren. Aber diese Muster sind schon krass. Kein Wunder, dass DIE LINKE Schwierigkeiten damit hat, die Massen in der alltäglichen Realität zu bewegen, obwohl sie sozialpolitisch das mit Abstand beste Angebot macht.

Julian Röpke von der BILD und Sputnik und RT Deutsch. Da haben sich die Richtigen gefunden. Kein einzelner Tweet, weil wir in diesem Fall empfehlen, sich ins Ganze ein wenig einzulesen. So ist das, wenn Propaganda auf Propaganda trifft und verbal keine Gefangenen gemacht werden. Aber es gibt Momente, da kommt Schaukampf-Feeling auf: Westling mit Worten.

Und hier endlich die offizielle russische Version:

Und hier endlich die offizielle ukrainische Version … gibt es leider nicht in dieser schön gemachten und nicht ganz spontan wirkenden Form wie aus Russland. Ersatzweise das, was auf der Seite getweetet und retweetet wird. Wer die Landessprache kann, ist im Vorteil oder soll seinen Browser übersetzen lassen. Vielleicht stimmen faktisch ja beide Varianten so einigermaßen, bis vielleicht auf die Ursache-Wirkung-Geschichte, die Chronologie und wer hat wann was gemacht und andere Kleinigkeiten.

Nochmals am Ende betont: Diese kleine Sammlung erhebt keinen Anspruch auf Neutralität, vollständig kann sie ohnehin nicht sein. Was bleibt? Bemerkenswert, wie jeder gleich sein Süppchen auf einem Konflikt kocht, der vor allem eines ist: gefährlich und unnötig und ganz sicher nicht durch geopolitische Schachzugpolitik von irgendeiner Seite zu rechtfertigen.

Was mich immer am meisten interessiert, ist dies:

Mir ist es relativ egal, ob Murks von (nicht wirklich) links oder von voll rechts verursacht wird. Ich finde es gruselig, wie ein Land in Europa bedrängt und zum Spielball der Interessen anderer gemacht wird und wie man das auf dem Rücken der Bewohner austrägt. Wieder einmal.

TH

SMH 114-121 / Medienspiegel 152

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