Berlin 2019: Höchste Mietpreissteigerungen in Europa erwartet, Immobilienlobby freut sich (PwC-Studie) // #PwC #MatthiasKollatz @Mieterproteste @BGemeinwohl @HeimatNeue #Mietenwahnsinn #Mietenwahnsinn_stoppen #Berlin #Gentrifizierung #Vermieter #Umwandlung #Verdrängung #Milieuschutz #Immobilienhaie #Miethaie #Teilverkauf #Anteilskauf #ShareDeal #Milieuschutzgebiet

2018-06-24 Medienspiegel

Medienspiegel 160 / Serie „Mieter!“

Im Nachgang zu unserem vorherigen Beitrag „Adventssingen gegen Verdrängung: Kollwitzstraße 2“ hier die Quelle, durch die wir vor fast einem Monat auf die erwähnte PwC-Studie aufmerksam wurden: „Investoren halten Großstadt-Immobilien  für überteuert“ (RBB).

Heute hatten wir ein wenig Zeit, um die PwC-Studie querzulesen. Klar, so, wie der RBB das gemacht hat, kann man den Titel auch wählen. Wir hätten eher getextet: „Investoren über Berlin: Preise hoch, Mietsteigerungen hoch, Attraktivität bleibt.“ Oder so ähnlich. Unser eigene Formulierung freilich ist typisch für subjektiven Privatjournalismus, der auch mal ein bisschen in Richtung BILD-Wortwahl gehen kann, wenn es der richtigen Sache dient.

Berlin ist in Europa nicht Capital City, das ist nach wie vor London, wo sich die viel höhere Investitionssumme (20 Milliarden gegenüber 8 Milliarden in Berlin im Jahr 2017) aber auch über eine Stadt verteilt, die mehr als doppelt so viele Einwohner hat wie Berlin und vor allem kaufkraftmäßig eine richtige Hauptstadt darstellt, also an der Spitze des Landes steht. Daraus resultiert, wenn man es auf die Zahl der Einwohner und das BIP pro Einwohner umlegt, eine ähnliche Investitionsquote wie in Berlin – was wiederum belegt, dass die Gesetze, nach denen die Märkte handeln, ziemlich universell sind.

Wir halten also fest:

  • Berlin stand 2017 beim Investitionsvolumen auf Platz 3 in Europa, hinter Lohdon und Paris, die jeweils deutlich mehr Einwohner haben (bei Paris ist damit die Agglomeration, nicht die engere Stadt gemeint), gleichauf mit Frankfurt, das als Brexit-Profiteur gehandelt wird, natürlich zulasten der Mieter_innenn, und
  • für 2019 wird Berlin das höchste Mietsteigerungspotenzial zugetraut und die Erwartungen insgesamt sind nur in Lissabon besser. Das heißt, die Immobilienhaie haben sich ein armes Land wie Portugal als Angriffsziel ausgeguckt, weil es so brav und stabil und fast protestfrei durch die schwere Zeit seit der Finanzkrise 2008 gegangen ist. Zum Dank soll jetzt dort die Turbo-Gentrifizierungsmaschine ins Laufen gebracht werden.

Aus der Studie geht auch hervor, dass Zinsen und Immobilienrenditen weiter sinken, die Mietrenditen aber immer noch so viel höher sind als bei jedem anderen sicheren Investment, dass alles Geld weiterhin ins Betongold drängt. Bonds? Keine Rendite. Wer will schon draufzahlen, wenn er Bundesschatzbriefe kauft? Aktien? Die Märkte sind volatil, heißt, sie wackeln, zu riskant – und auch überteuert. Derweil schüttet die EZB weiter die Welt mit Geld zu, das irgendwo angelegt werden muss. Da bleiben fast nur noch Gebäude übrig.

Wer jeden einzelnen Fall von Vorkaufsrechtsausübung oder nicht in Berlin aufmerksam verfolgt und auch das Ringen um Neubauprojekte wahrnimmt bzw. sich darauf konzentriert, verkennt leicht die Dimensionen und Relationen: Die allermeisten Immobiliendeals und Bauvorhaben der Privaten gehen locker durch, sonst könnte es nicht zu einem Volumen von 8 Milliarden Euro jährlich allein in dieser Stadt kommen. Deswegen sind diese Zahlen für alle wichtig, die den politischen Lobbyisten der Immobilienwirtschaft antworten müssen, also denjenigen CDU- und FDP-Politikern, die immer behaupten, hier will niemand mehr bauen, weil so viel reguliert wird.

In der PwC-Studie nicht ein einziges Wort zur Mieten-Regulatorik in Berlin. So sehr, nämlich überhaupt nicht, nimmt die Immobilienwirtschaft aus der Distanz einer gesamteuropäischen und vergleichenden Betrachtungsweise heraus Instrumente wie die Mietpreisbremse, den Milieuchutz, die Kappungsgrenzen und andere Einschränkungen wahr. Auch bei den Ausführungen zu den übrigen begehrten Städten in Deutschland spielen solche „Bremselemente“ oder „Investitionshemmnisse“ keine Rolle.

Vielleicht muss eine Initiative wie „DW & Co. enteignen“ (DW = Deutsche Wohnen) doch erst Erfolg haben, damit die Investorenstudien dem Protest in den Städten wenigstens mal Beachtung schenken. Und erst dann wird die Politik tatsächlich wach werden. Denn solange die Darstellungen wie die von PwC Investments in Deutschland als super cool darstellen, läuft doch alles reibungslos nach dem Willen des Kapitals.

TH

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