Gewobag kauft Sozialpalast und sichert 514* Wohnungen für die Stadt! // @SenSWB @KLompscher @HeimatNeue #BMV @BMieterverein @SusanneHoppe2 @Mieterproteste @BGemeinwohl @KiezinAktion @Kiez-Web-Team #Mietenwahnsinn #Mietenwahnsinn_stoppen #Schöneberg #Berlin #Gentrifizierung #Verdrängung #Pallasseum #Sozialpalast #Gewobag

2018-06-24 Medienspiegel

Medienspiegel 183 / Serie und Dossier „Mieter!“

So geht es also auch. Für uns überraschend uns ganz leise kaufte die städtische Gewobag 90 Prozent der „Pallasseum Wohnbauten KG“ in Schöneberg.

„Der Sozialpalast ist über die Grenzen Berlins hinaus bekannt. Sein Erwerb wird damit Symbol für die neue Politik Berlins“, so der Staatssektretär im Bausenat, Sebastian Scheel. Hier zur Pressemitteilung des Senats für Stadtentwicklung und Wohnen.

Das ist wirklich ein superschönes Weihnachtsgeschenk für uns als Wahlberliner. Natürlich kennen wir den Sozialpalast als Beinahe-Anwohner – nicht von innen, aber vom drunter durch fahren oder -gehen. Drunter durch? Ja, das ist so. Weil das Haus  quer über die Pallasstraße gebaut wurde und somit ein Berliner Unikum darstellt. Und die bunten Satellitenschüsseln haben uns von Anfang an fasziniert. Schade, dass wir auf die Schnelle unsere eigenen Schönwetterfotos  davon nicht gefunden haben.

Damit hält die Stadt in Schöneberg nun 6.600 Wohnungen und ist nach eigenen Angaben einer der größten Vermieter im Bezirk. „Die Anlage wurde 1973 – 1976 unter der Leitung des Architekten Jürgen Sawade errichtet und steht seit 2018 unter Denkmalschutz. Insgesamt umfasst der Komplex 514 Wohneinheiten*, 16 Gewerbeeinheiten und 288 PKW-Stellplätze“, so heißt es weiter in der Pressemitteilung des Senats.

In der Pressemitteilung wird nicht erwähnt, was die 514 Wohnungen, 16 Läden und 288 Tiefgaragenplätze gekostet haben, laut Berliner Morgenpost wurde darüber auch Stillschweigen vereinbart. Wir bestehen aber an dieser Stelle nicht auf unserem  Informationsfreiheitsrecht als Bürger der Stadt Berlin. Wir gehen davon aus, dass der Preis für den Gebäudekomplex angemessen war.

Ein aktueller Beitrag der Berliner Zeitung (hier) hebt leider vor allem das Negative an der Geschichte des Pallasseums hervor. Dass hier einmal der Sportpalast stand, nur einen Kilometer weg von unserem Wohnort, wissen wir jetzt aber auch. Dadurch erklärt sich der Name „Sozialpalast“ für das Wohngebäude, natürlich passt auch der Name der Straße fast perfekt dazu. Unsere Wege in Sachen Mietenwahnsinn führen uns immer wieder zu neuen Informationen und Erkenntnissen über die Stadtgeschichte.

Hier verknüpft sich also eine bleibende Aufgabe für das Quartiersmanagement mit der Sicherung günstigen Wohnraums und gerade diese Kombination finden wir wichtig, denn man trifft sie beim Schutz vor Verdrängung nicht häufig an. Die Morgenpost hat zum Vergleich das NKZ in Kreuzberg benannt, das von der Gewobag für 56 Millionen Euro erworben wurde, was aber nicht bedeutet, dass man den Preis auf die höhere Wohnungszahl des Pallasseums im Maßstab 1:1 hochrechnen kann.

1.800 Mieter_innen in Schöneberg wurden nun langfristig vor Gentrifizierung bewahrt – der Senat betont aber, dass es hier nicht um eine Akutmaßnahme ging, sondern um präventives Handeln für die Zukunft, es stand also nicht an, dass ein Immobilieninvestor sich das Pallasseum aneignen wollte.

Der Bezirk hätte dann ein Vorkaufsrecht gehabt, weil für die Pallasstraße 3, die Adresse des Gebäudes, Milieuschutz vorliegt – wurde aber offenbar vom Handeln des Senats  und der Gewobag überrascht.

Politisch würden wir den Vorgang so deuten wollen: Da die Bezirke gerne ihre Vorkaufsrechte auf Kosten der Stadt ausüben und sich damit bei der Stadtgesellschaft beliebt machen, wollte die Stadt Berlin auch mal selbst in die positiven Schlagzeilen kommen und nicht als Bremse bzw. Bedenkenträgerin mit kalkulatorischem Ansatz wahrgenommen werden. Der vorstehende Satz ist selbstverständlich mit einem Augenzwinkern zu lesen.

*In unserem Titel war ursprünglich von 588 Wohnungen die Rede, wir haben das bereits geändert, aber da der Beitrag in den Sozialen Netzwerken bereits verbreitet ist und wir ihn heute aus Zeitgründen nicht komplett canceln, neu anlegen und alles Bisher Weitergeleitete entfernen können, wird der Titel dort noch mit der falschen Zahl angezeigt. Dafür bitten wir um Entschuldigung.

TH

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