Tod im U-Bahnschacht / Vorschau Sonntag, 30.12.2018 RBB 00:55 Uhr / Weitere alte RBB-Tatorte / #Tatort #TatortBerlin #Berlin #Schmidt #Hirthe #UBahn #UBahnschacht

Titelfoto © SFB / RBB

Nach der Vereinigung und zurück in die Siebziger

Nun geht alles ganz schnell. Während der RBB sich Zeit ließ mit der Erstausstrahlung der restaurierten Bülow-Tatorte (1985-1989 gedreht), geht es mit Nachfolger Markowitz über die Weihnachtsfeiertage hinweg im Schweinsgalopp.

Auch bei uns muss es gerade etwas schnell gehen, daher haben wir die Sammelvorschau für den zweiten Teil der zweiten „Tatort Classics“-Staffel (nach der Ära Bülow, aber mit einer interessanten Ausnahme), für den heutigen Ausblick kopiert, der sich genau mit jener Ausnahme befasst. Gleichzeitig wird dadurch sichtbar, wie das RBB-Projekt „Tatort Classics“ angelegt ist.

„Tödliche Vergangenheit“ wurde bereits ausgestrahlt, nach „Tini“ folgt „Tod einer alten Frau“ (Tatort 275) bereits übermorgen und nur einen Tag später zeigt der RBB „geschlossene Akten“ (Tatort 296), am 29.12. dann der letzte Markowitz-Tatort mit dem passenden Namen „Endstation“ (Nr. 305). Drei Markowitz-Tatorte fehlen, zumindest zwei davon haben wir aber bereits für den „ersten Wahlberliner“ rezensiert: „Berlin – beste Lage“ und „Blutwurstwalzer“. Sie zählen vermutlich nicht zum frisch restaurierten Kontingent, zweite Staffel. Die erste Staffel enthielt die Mehrzahl der Berliner Tatorte der 1970er und der frühen 1980er.

Sind wir damit durch? Nein. Am 30.12. gibt es einen Knall- oder Überraschungseffekt. Mit „Tod im U-Bahnschacht“ hat der RBB noch einen bisher nicht in den Restaurierungs-Staffeln enthaltenen Film auf Lager. Der 57. Tatort stammt nämlich aus dem Jahr 1975. Es handelt sich um den ersten von drei Tatorten mit dem Kommissar Schmidt, die anderen beiden „Feuerzauber“ und „Transit ins Jenseits“ wurden durchaus in der ersten, 2017 präsentierten HD-Neu-Staffel untergebracht. Nicht aber „Tod im U-Bahn-Schacht“.

Der Grunde dürfte klar sein, wenn man in die Rangliste des Tatort-Fundus schaut. „Tod im U-Bahn-Schacht“ gilt als zweitschlechtester Tatort aller bisherigen Zeiten, noch negativer bewertet als der berüchtigte gelbe Unterrock vom damaligen SWF, den der heutige SWR mit sehr langem Anlauf vor einiger Zeit dann doch wieder rausrückte, nach dem Motto, es darf keine sogenannten Giftschrank-Tatorte aus qualitativen Gründen geben. So hat wohl auch der RBB gedacht und wir finden das klasse. Man muss den Mut haben zu zeigen, dass die Berliner Tatorte nicht selten die handwerklichen Mängel aufweisen, die auch sonst in der Stadt allenthalben zu besichtigen sind. Es ist ja historisch erklärbar, dass hier auf eine Weise geschlampt wurde und immer noch wird, die aufgrund der ungewöhnlichen Häufung von großen Fails wie dem BER auch lange nach der Wiedervereinigung noch sehr auffällig zutage tritt.

Tatortmäßig hat Berlin erst in der Endphase des Wirkens von Ritter und Stark zu den besten anderen Schienen aufgeschlossen – und ist gerade dabei, das endlich erreichte und die traditionelle Filmstadt Berlin spiegelnde Niveau mit den überambitionierten und die Großstadt von heute doch etwas zu eigenwillig bzw. subjektiv interpretierenden Rubin-Karow-Filmen wieder auf Mittelmaß zu senken.

Und durch eine dicke Soße muss der RBB ohnehin noch durch, wenn er weitermachen will mit der Aufarbeitung seiner Vergangenheit: die Roiter-Tatorte. Nicht weniger als zwölf Filme mit diesem Ermittler wurden im Anschluss an die Markowitz-Ära gedreht und sie gelten in Toto als der furchtbarste qualitative Absturz innerhalb der Reihe.  Folgerichtig ist auch der beim Tatort-Fundus am allerschlechtesten bewertete Film (derzeit Rang 1088) einer aus der Roiter-Ära und nennt sich „Ein Hauch von Hollywood“.

Mit „Tod im Jaguar“ findet sich in diesem Dutzend zudem ein sogenannter politischer Giftschrank-Film, der wegen diskriminierender Darstellungen nicht mehr gezeigt wird. Ob sie beim RBB dieses Werk auch restaurieren und wieder freigeben werden, darauf sind wir echt gespannt. Das wäre dann ähnlich wie Vorbehaltsfilme aus der NS-Zeit einfach einfach so, ohne die obligatorische Einführung und nur für Publikum, das diese Einführung ganz sicher erhält, also in einem Kino, in dem diese möglichst live stattfindet, darzubieten. Wirklich? Vielleicht nicht ganz, aber wir tippen darauf, dass der Film nie wieder kommen wird.

Weil Tatortgeschiche auch Kulturgeschichte ist und außerdem die Zeitgeschichte spiegelt, ist sie manchmal interessanter als die Filme selbst und das gilt für Berlin in besonderem Maß: Die meisten älteren Tatorte, die hier gedreht wurden, sind als Filme und Fälle keine herausragenden Klassiker geworden, aber da die Stadt eine so besondere Geschichte hat, hebt sich der Qualitätsnachteil zumindest für uns als mittlerweile einigermaßen instruierte Tatort-Historiker  und Berlin-Kenner dadurch auf, dass man von dieser Stadtgeschichte auf mehreren Ebenen einiges zu sehen bekommt. Einiges davon ist bewusst eingebaut oder gezeigt worden, anderes wird als Subtext sehr deutlich.

Nun aber zur Handlungsbeschreibung von „Tod im U-Bahnschacht“

TH

Handlung

West-Berlin Mitte der 1970er Jahre. Das U-Bahn-Netz wird kontinuierlich ausgebaut, um die auch hier von der Deutschen Reichsbahn betriebene S-Bahn überflüssig zu machen. In einem in Bau befindlichen U-Bahn-Tunnel arbeiten fast nur illegal in Deutschland lebende Ausländer, zumeist Türken. Durch Unachtsamkeit wird Mehmet, einer der Arbeiter, vom Bulldozer erfasst und erliegt noch am Unfallort seinen schweren Verletzungen. Vorarbeiter Bauler entscheidet, nicht die Polizei zu alarmieren, da sonst der gesamte Menschenschmuggler-Ring auffliegen würde. Die Leiche des Mannes soll noch in der Nacht beseitigt werden. Doch beim Abtransport von der Baustelle schaut ein Bein aus dem Kran heraus und durch den Bauzaun beobachtet ein Betrunkener diese Szene. Er meldet seine Beobachtung der Polizei, woraufhin sich Kommissar Wagner von der „Arbeitsgruppe Ausländer“ um die Angelegenheit kümmert. Einem Hinweis folgend versucht Wagner in einer Kiesgrube die angebliche Leiche zu finden, jedoch ohne Erfolg.

Inzwischen wird Arkan, der Schwager des Toten, von der Polizei wegen einer Messerstecherei verhaftet. Als Baustellenchef Kaiser davon erfährt, hat er Bedenken, dass Arkan etwas von dem Unfall verraten könnte, deshalb lässt er dessen Schwester Ayse weg- und in einem Gasthof unterbringen.

Kommissar Wagner und sein Kollege Schmidt sind über Kaisers Machenschaften im Bilde, konnten ihm in der Vergangenheit allerdings nichts nachweisen. Wagner vermutet außerdem Drogengeschäfte Kaisers. Daher will er Arkan als Köder benutzen, um nicht nur Kaiser, sondern auch Abdullah, dem türkischen Chef des Menschenhändler-Rings, auf die Schliche zu kommen. Bei einem Gefangenentransport gelingt Arkan die von Wagner eingeplante und eingeleitete Flucht. Da er sich bei seiner Schwester verstecken will und Ayse in ihrer Wohnung nicht findet, macht er sich auf die Suche nach ihr. Ihm ist klar, dass nur Kaiser hinter ihrem Verschwinden stecken kann, doch schafft er es nicht, zu ihm vorzudringen, da sein Grundstück zu gut bewacht ist. So sucht Arkan erst einmal die Stelle auf, an der Mehmet vergraben wurde, um dort zu beten. Unbemerkt erfahren die Kommissare so von dem Versteck.

Weiter bis zum Ende der Handlung: Wikipedia.

Hauptkommissar Martin Schmidt – Martin Hirthe
Abdullah – Senih Orkan
Arkan – Erdal Merdan
Arkans Schwester Ayse – Meral Orhonsay
Bauler – Klaus Münster
Betrunkener – Friedrich G. Beckhaus
Bulldozer-Fahrer – Günter Meisner
Der Alte – Aras Ören
Der Kleine – Tuncel Kurtiz
Kaiser – Reinhard Kolldehoff
Kommissar Schmidt – Martin Hirthe
Pensionswirtin – Dorothea Moritz
Wagner – Manfred Günther
Wolf – Andreas Mannkopff
u.a.

Regie – Wolf Gremm
Drehbuch – Peter Stripp

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