„Es gibt Straßen [in Berlin], die sollte man an Silvester meiden“. Silvester Teil 2: der Bezirksbürgermeister // @DasselVon #SenInnds #Geisel #AndreasGeisel Silvester #Feuerwerk #Feuerwerksverbot #Silvester2018 #Böller #Polenböller #Neujahr #Olympiastadion

Bald ist es wieder soweit. Die krachende Nacht von Silvester auf Neujahr nähert sich unaufhaltsam und sehr schnell. Noch drei Tage. 

Gestern hatten wir darüber berichtet, wie der Schnellkrach erfunden wurde und wie man ihn noch verbessern könnte, heute hat sich im SPIEGEL der Bezirksbürgermeister von Berlin Mitte, Stephan von Dassel (Grüne) geäußert.

„Stephan von Dassel, Jahrgang 1967, geboren in Münster, ist seit Herbst 2016 Bürgermeister des Berliner Bezirks Mitte, in dem rund 380.000 Menschen unterschiedlicher Kulturen und Schichten leben. Der Grünen-Politiker ist einer der bekannteren Kommunalpolitiker in der Hauptstadt und eckt mit manchen Positionen („Laissez-faire ist nicht meins“) öfters auch in seiner eigenen Partei an.“

Ist Stephan von Dassel der Boris Palmer von Berlin? Uns ist er vor allem durch den Kampf um die Haabersathstraße in Berlin-Mitte ein Begriff. In diesem Beitrag ist er abgebildet, wie er einem Mieter-Aktivisten während einer BVV-Sitzung die Hand schüttelt. Das war ein schöner Moment für uns Mieter_innen in Berlin. Hoffentlich haut er jetzt auch auf den Putz, der Bezirksbürgermeister, wenn es darum geht, die offenbar neuen Machenschaften der Vermieter zu beenden. Von uns aus darf er dann auch mal den Palmer machen. Was er sicher nicht tut, Berlin tickt etwas anders und eher ordnungsorientiert heißt hier nicht unbedingt ordnungsorientiert.

Unsere Meinung!

Sind wir ja auch nicht immer, komplett ordnungsorientiert, auch wenn wir so wirken. Wie auch der Herr von Dassel. Aber wir brauchen im Grunde nicht viel zu kommentieren, denn er trifft mit seinen Vorstellungen genau unsere. Natürlich wollen wir nicht, dass Menschen sich nicht mehr an buntem Feuerwerk erfreuen können. In unserer Jugend, als wir vom Garten aus selbst noch schossen, stand genau das aber auch im Vordergrund, nicht dieses furchtbare Geböller. Polen war eh zu weit weg, um von dort auf direktem Weg die nötigen Großkaliber zu beziehen. Und Schwarzmarkt aufm Flohmarkt? Zu ordentlich. Das bisschen Unordnung fing ja eigentlich erst mit dem Führerschein an und das war schon nach der seeligen Do-it-yourself-Kinderfeuerwerkszeit.

Wir wollen unsere Stadt zurück, Herr von Dassel und alle anderen! Schritt für Schritt! Sei es von den Spekulanten oder von den Silvester-Kriegstreibern! 

Was den Silvesterterror angeht, allerdings bitte nicht in zu kleinen Schritten, sondern beherzt im Auftrag der Mehrheit und nicht mehr zulassen, dass das Land, also die Stadtregierung, „sich einen schlanken Fuß macht“, sondern ihr Beine machen. Wir stehen alle hinter Ihnen. Auch wenn wir nicht in Mitte wohnen und Sie daher nicht wählen können. Aber nun verraten Sie uns noch, wer hat den gebremst, hm?

Wir haben ja immer unsere eigene Partei im Visier. Das ist doch auch eine Sache von gut Wohnen und des Sozialen, was hier vorgeht!

Quatsch. DIE LINKE hat zwar diese beiden Senatsverwaltungen in festen weiblichen Händen, aber das hier ist eine Sache des Inneren. Und das Innere krallt sich ja immer die SPD, weil sie glaubt, damit kann man Punkte machen. Bei wem eigentlich, wenn es so gehandhabt wird wie in Berlin? Müssen euch erst die Grünen sagen, was die Bevölkerung will? Wieder mal? Okay, wir sind noch von Innensenator Henkel geschädigt, und der war ja bekanntlich von der CDU. Aber Hallöchen, Herr Kollatz, SenFin (SPD), was könnte die Stadtreinigung alles nach Silvester sparen, wenn man, wie Herr von Dassel vorschlägt, das Feuerwerken nur noch in bestimmten Zonen und das Böllern gar nicht mehr zuließe!

Es ist es nicht doch eine Freiheitsbeschneidung?

Die Freiheit ist immer auch die Freiheit der anderen. Wer hat’s gesagt? Genau. Und die Freiheit der anderen ist beispielsweise, nicht den ganzen Dezember hindurch auf heimückischste Weise beböllert zu werden und ja, sogar dies: An Silvester auf die Straße gehen zu können. Gerade dann! Ins neue Jahr hineinfeiern ohne Angstzustände! Das wär’s doch. Von wegen der angesprochenen Feierkultur. Da kommt doch der Begriff Kultur drin vor! Und, ja, man muss das Soziale manchmal auch durchsetzen.

Wir sind nun einmal jahrzehntelang so erzogen worden, dass Dezenz und Rücksicht auf andere weg können. Von selbst geht nix, rücksichtsmäßig. Und – doch, doch, daran hat auch das pädagogische Personal von den Grünen seine Anteile, nicht nur die gelben Neoliberalen.

Aber jetzt kommt die Zeit der Wiedergutmachung.

Die Stadt wieder den Menschen (und den Tieren)! Und an Silvester 2019 ist endlich Schluss mit dem beballerten Fuppes, wie man groben Unfug dort nennt, woher wir stammen.

Eine Bitte aber!

Es nicht unbedingt „den Berliner_innen“ zur Wahl stellen. Denn ob bei solchen Einzelfragen das, worüber mit Hilfe von Civey so alles abgestimmt wird, tatsächlich repräsentativ ist, halten wir nicht für sicher. Und wollen wir den möglichen weiteren jahrelangen Terror einer wüsten Mehrheit, falls diese, ein wenig überraschend, fürs Weiter so stimmt? Oder wollen wir eine berechtigte Form von Minderheitenschutz, wie ihn andere Minderheiten ja auch genießen? Wir führen ja auch nicht die Todesstrafe wieder ein, nur, weil es vielleicht kurz nach Silvester 2016 (immer dieser Silvester!) möglicherweise eine Mehrheit dafür gegeben hätte. Dafür könnte man also, ob Mehrheit dafür oder nicht, ab 2019 begnadigen, die z. B. ein schwaches Herz haben und bisher vor jedem Jahreswechsel wochenlangen Anschlägen auf ihr Leben ausgesetzt waren und es immer noch sind.

TH

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