Das verschwundene Kind – Tatort 1083 / Vorschau Sonntag 03.02.2019 DAS ERSTE 20:15 Uhr // #Tatort #NDR #Hannover #Göttingen #Goettingen #Lindholm #Schmitz #DasverschwundeneKind #Tatort1083 #Furtwängler #Kasumba

Titelfoto © NDR, Christine Schroeder

Eine neue Hoffnung?

Morgen Abend wird’s tricky. Denn ein neuer Lindholm-Tatort steht an. Und das ist für uns ein besonderes Ereignis.

Denn Lindholm wird erstmals nicht mehr solo ermitteln, sondern mit „Nick Schmitz“ (die Schwester von Nick Tschiller?, auch NDR) eine Co-Kommissarin bekommen. Diese wird gespielt von Florence Kasumba. Außerdem wurde sie vom LKA Hannover zur Polizeidirektion Göttingen strafversetzt – Buße für den misslungen vorherigen Einsatz.

Dadurch verbinden sich Freude und Abneigung für uns auf eine Weise, die wir schon jetzt sehr spannend finden. Florence Kasumba ist ja ein Tatort-Neuling, sie hatte bereits mehrere Episodenrollen. Und in einer Rezension zu einem Tatort, bei dem sie mitgemacht hat, schrieben wir: Warum macht man sie nicht zur Kommissarin? Das würden wir uns wirklich wünschen. Dieser Wunsch ist nun in Erfüllung gegangen und natürlich freuen wir uns riesig darüber. Warum man ihrer Figur unbedingt einen deutschen Nachnamen verpassen musste? Das sehen wir differenziert.

Aber dann hat man sie tatsächlich mit Lindholm zusmmengesteckt, der letzten Einzelgängerin, die wir außerdem als einzige Tatortfigur komplett ablehnen. Wir haben das anhand einer Rezension ausführlich begründet, die hier aber noch nicht veröffentlicht ist und an dieser Figur faschistische Züge ermittelt. Den Hintergrund, dass sich jemand diese Figur auch noch selbst schreiben durfte, der mehr durch die Medienmacht der Familie als durch schauspielerisches Talent zu einer so prominenten Rolle gekommen ist,  haben wir dabei sogar außen vor gelassen.

Ganz sicher gibt es irgendwo ein Interiview, in dem man nachlesen kann, wie Maria Furtwängler sich mächtig auf die neue Kollegin freut. Müsste sie eigentlich, wenn sie das Image von der modernen, weltoffenen Frau weiter aufrecht erhalten will, das wir, die Lindholm-Figur betreffend, für Unsinn halten und leider auch auf die Darstellerin übertragen mussten, weil wir wissen, dass sie großen Einfluss auf ihre Rolle genommen hat („Nach einer Idee von Maria Furtwängler“) steht deshalb auch im Vorspann einiger Lindholm-Tatorte zu lesen.

Wir spekulieren nun nicht darüber, ob die neue Konstellation eine Idee von Furtwängler gewesen ist oder der NDR etwas Nachhilfe gegeben hat, weil ihre Figur so auffällig undemokratische Züge trägt und vielleicht sogar gesagt hat, wir manchen nur weiter, wenn es eine Korrektur gibt.

Das Spannende für uns ist nun vor allem: Macht Schmitz Lindholm erträglicher oder stört Lindholm den Genuss, Florence Kasumba endlich in der Rolle sehen zu dürfen, die wir uns für sie schon vor Jahren gewünscht haben? Ja, nie ist mal was einfach. Der Fall wird schon passen, denn Probleme, gute Drehbücher zu bekommen, hatte Lindholm eigentlich nie – und auch das könnten wir jetzt wieder bewerten, weil die Drehbücher an ihr Herrenmenschinnen-Auftreten angepasst werden mussten, was zu unendlich vielen diskriminierenden Dialogen und Handlungen führte, während die Plots meist passabel oder besser waren.

Charlotte Lindholm hat in der Rangliste des Tatort-Fundus nicht nur die höchste Bewertung einer weiblichen Ermittlerin, ihre Filme erzielen auch gute Quoten, die besten, von Sonderfällen wie Münster oder (anfangs) Hamburg-Tschiller abgesehen, wo es einerseits riesige Kohorten von Fans, andererseits viel Neugier oder auch Sensationsgier zu beachten gibt bzw. gab. Das müssen wir fairerweise erwähnen, wobei wir selbstverständlich sofort nachschieben: Unser Verdacht ist nun einmal, exemplarisch beschrieben anhand der Kritik zum Tatort mit dem passenden Titel „Schwarzes Herz“, dass vor allem Typen mit autoritären Charakterstrukturen, solche, die stark hierarchisch denken, etwas mit Lindholm anfangen können, und von denen gibt es in diesem Land immer noch sehr viele und sie sind politisch nicht alle rechtsorientiert.

Jetzt hat man der Kommissarin, die aufs Land fuhr, um die dortigen Bewohner zu bashen, also eine Frau zur Seite gestellt, die viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird. Auch das ist ein Teil der Buße, die spätestens mit dem vorherigen Lindholm-Tatort „Der Fall Holdt“ begonnen hat, in dem Furtwängler ihre Figur geradezu demontierte. Der Versuch, sich verletzlicher, menschlicher zu geben, ist schon länger zu beobachten und dass jemand daran arbeitet, seine eigene Arroganz zu besiegen, wenn auch mit für ihn doch wieder typischen, recht theatralischen und das Ego immer sichtbar lassenden Mitteln, erkennen wir auf jeden Fall an.

Mit der Co-Ermittlerin Schmitz / Kasumba findet dieser Prozess vielleicht seinen vorläufigen Abschluss. Also freuen wir uns jetzt doch erstmal: Auf eine starke Persönlichkeit und eine Person, die durch etwas mehr Team Spirit und einem  Hauch von Demut und Respekt anderen gegenüber vielleicht zu wirklicher Stärke findet. Es muss ja nicht gleich im ersten gemeinsamen Fall perfekt funktionieren.

TH

Handlung 

Charlotte Lindholm hat mit den Konsequenzen ihres letzten, misslungenen Einsatzes zu kämpfen. Als dessen Folge wurde sie vom LKA Hannover zur Polizeidirektion Göttingen strafversetzt. Nun versucht sie den Spagat zwischen ihrer Arbeit und ihrem Familienleben in Hannover. Außerdem muss sie mit einem neuen Team klarkommen, obwohl ihr gerade mangelnde Teamfähigkeit attestiert wurde.

Besondere Reibungspunkte gibt es zwischen Charlotte Lindholm und ihrer neuen Kollegin Anaïs Schmitz, die sich in ihrer Arbeit ähnlich dominant wie sie verhält. Ihr Fall geht den beiden Kommissarinnen an die Nieren: In der abbruchreifen, verdreckten Umkleidekabine eines Schul-Sportplatzes wird entdeckt, dass hier eine Frau unter mysteriösen Umständen entbunden hat. Manches deutet auf ein Verbrechen hin. Wo sind Mutter und Kind, leben sie noch?   

Rolle Darsteller
Charlotte Lindholm Maria Furtwängler
Anaïs Schmitz Florence Kasumba
Nino Brehmer Emilio Sakraya
Julija Petkow Lilly Barshy
Ralf Schmölke Oliver Stokowski
Vater Petkow Merab Ninidze
Johannes Grischke Steve Windolf
Polina Petkow Zora Müller
Gerd Liebig Luc Feit
Nick Schmitz Daniel Donskoy
Tim Bauer Oskar Belton
Jochen Kunkel Roland Wolf
Musik: Johannes Kobilke
Kamera: Konstantin Kröning
Buch: Franziska Buch
Jan Braren
Stefan Dähnert
Regie: Franziska Buch

 

 

 

 

 

 

 


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