Nächste Reorganisationsrunde – macht Mietenwahnsinn wahnsinnig?

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage ein Beitrag in eigener Sache – und das an einem Samstag, an dem Mieter-aktivistisch die Hölle los ist. Wieso das?

Der andere war, um die 1000 Beiträge zu würdigen, heute aber:  genau deshalb. Wegen der Explosion der Aktivität. Wir müssen wieder eine Reorganisationsrunde einläuten, bleiben erstmal bei uns selbst und verzichten dadurch auf mehr Zugriffe.

Ist das eine Art Protest? Wird es wirklich immer mehr?

Vor einiger Zeit dachten wir noch, das kann auch eine Sache der Wahrnehmung sein – je mehr man angedockt ist, desto mehr Nachrichten laufen ein. Mittlerweile sind wir sicher, das ist nicht der einzige Grund. Jeder schreibt mittlerweile, debattiert über den Mietenwahnsinn und fast jeder Hausverkauf in Berlin wird auch ein medialer Fall und daraus ergeben sich Aktionen.

Aber das haben wir uns doch gewünscht.

Dabei  hatten wir nicht bedacht, dass dies mit so vielen Aktivitäten vor Ort verbunden ist. Dort überall hinzugehen, lag von Beginn an außerhalb unserer Möglichkeiten, aber das Wesentliche erwähnen zu können, den Anspruch hatten wir. Die Umsetzung ist derzeit nicht einmal in Sichtweite. Hinzu kommt, dass diejenigen, mit denen wir schon zusammenarbeiten, derzeit so richtig on Fire sind und für einen Wirbel sorgen, über die eigene Initiative hinaus. Wir können entweder kapitulieren oder uns (weiter) reorganisieren, um einigermaßen dranzubleiben.

Das ist doch für ein kleines Blog sowieso unmöglich.

Es liegt ja auch eine Chance darin, standhaft zu bleiben, uns aber nicht quasi selbst zu überrennen. Vollständigkeit werden wir nicht erreichen, aber es reizt uns doch, die wichtigsten Veranstaltungen zu annoncieren und gleichzeitig bestimmte Verdrängungsfälle als Timeline, als Chronologie zu beschreiben. Das tun andere Medien meist nicht. Dort, wo sich intensives Dranbleiben ergibt, wird dadurch aber eine eigene, unverwechselbare Story daraus – und etwas zum Mitnehmen für die Geplagten und Bedrohten, falls es gut ausgeht. Gleichermaßen müssen wir weiterhin die fallübergreifenden Themen wie Mietendeckel, Enteignung, Milieuschutz im Blick behalten und neue Entwicklungen aufnehmen, sonst können wir Einzelfälle nicht sachgerecht kommentieren.

Was gibt’s demnach Neues?

Erstmal haben wir unsere Seite „What’s up“ überarbeitet, um sie auf den aktuellen Stand zu bringen:  https://derwahlberliner.com/whats-up-wahlberliner/.

Dadurch wird die „2D-Matrix“ jetzt etwas deutlicher: Beitragklassen auf der einen Achse, Themen / Sachgebiete auf der anderen. Es gibt mittlerweile schon etwas mehr, als dort nun steht, z. B. die Themen Wirtschaft und Umwelt, aber die nächste Revision kommt sicher bald.

Dann werden wir die Sub-Kategorie „Der tägliche Mietspiegel“ zu einer „Veranstaltungswalze“ hin ändern. Wir stellen dort alles rein, was kommt und auch Bemerkungen zu dem, was war, falls uns Reaktionen dazu erreichen. Diese Reaktionen können gleichzeitig Gegenstand einzelner „Fälle“ werden, also z. B. in die Chronologie eines Hauses, seines und seiner Mieter_innen Schicksal, einfließen.

Beiträge zu einer solchen Chronologie, die nur sachlichen  Charakter haben und nichts mit Veranstaltungen zu tun, werden nur noch in diese Timelines eingearbeitet. Mit der Idee, Updates zu produzierend und sie durchzunummeriern, haben wir um die Jahreswende herum schon einen tragfähigen Ansatz dafür gefunden. Außerdem können wir uns vorstellen, bestimmten häuserübergreifenden Initiativen oder Institutionen wie dem Berliner Mieterverein eigene Chronologien zu widmen.

Und die übrigen Themen?

Läuft eigentlich alles soweit gut. Zu wenig, insgesamt, die Gefahr besteht, dass die Sicht auf die Zusammenhänge dabei nicht genug berücksichtigt wird, aber solange Filmfest und Crimetime in der Spur sind, ist das nicht tragisch. Eine entsprechende Akzentuierung folgt auf dem Fuß, wenn man sich so intensiv mit etwas auseinandersetzt, wie wir das derzeit mit dem Thema Mieten und Wohnen tun.

Ist denn die Entwicklung in diesem Bereich okay – steht sie dafür?

Darüber haben wir uns im 1000-Beiträge-Artikel  geäußert. Es gibt einige kuriose Dinge, die wir wahrnehmen, aber wir wollen das hier nicht vertiefen – und wir kämen sicher schneller voran, ergänzend geschrieben, wenn wir vor Ort den direkten Kontakt suchen würden. Aber es gibt eine richtige und leider auch eine falsche Zeit für alles. Wir dürfen auch nie vergessen, dass wir aktuell keine „Betroffenen“ sind. Daher empfiehlt es sich, bescheiden zu bleiben und schreibend ein wenig Support zu geben. Um uns dabei zu verbessern, haben wir nun diese erneuten Änderungen an der Beitragsaufstellung vorgenommen.

Hätte man in der Zeit, in der dieser Beitrag entstand, nicht schon wieder einen fetzigen Mietenwahnsinn-Artikel verfassen können?

Den Spiegel, in dem man sich selbst sieht, mit auf die Straße zu nehmen und andere damit für eine Minute abzulenken, ist die Rache der Überforderten. Und das Privileg derer, die nicht für ein größeres Medium arbeiten.

Okay, wird sich der zuletzt schwächelnde Output durch diese Maßnahmen wieder erhöhen?

Wir haben uns vorgenommen, im Non-Profit-Bereich nichts zu machen, womit wir uns nicht wohlfühlen. Wir arbeiten an solchen Verbesserungen wie den hier beschriebenen auch, um uns mit dem Wahlberliner weiterhin wohlzufühlen.

Möglich, dass wir sowieso etwas bremsen werden, weil wir andere (Schreib-) Projekte auch wieder mehr voranbringen müssen. Und auch für uns hat der Tag nach wie vor nur 24 Stunden, von denen wir sowieso ein paar zu viele vor dem Computer verbringen.

Dann wird man auch vom Mietenwahnsinn nicht wahnsinnig, wenn man ein bisschen die Balance zwischen den Anforderungen und Identitäten wahrt.

Zu spät.

Thomas Hocke, 23.02.2019

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