Ist Tempelhof-Schöneberg Bewohner-Austauschbezirk Nr. 1? / #Mietenwahnsinn #Gentrifizierung #THSB #Schöneberg #Schoeneberg #Bevoelkerung #Altberliner #Neuberliner #Zugzug #Wegzug

2019-01-05 medienspiegel aktuelles formatWB-Serie „Mieter, kämpft um diese Stadt!“

Im Rahmen eines allgemeinen Berichts zur Lage am Wohnungsmarkt und des Wohnungsbaus in Berlin hat die Berliner Morgenpost heute eine Grafik veröffentlicht, die den Wanderungssaldo zwischen eingesessenen Berliner_innen und Nicht-Berlinerinnen zwischen den Bezirken ausweist.

Nach Fortzügen von gebürtigen Berliner_innen ist demnach unser Heimatbezirk Tempelhof-Schöneberg ganz vorne und verlor 5.498 Urberliner_innen allein im Jahr 2017. Beim Zuzug von nicht hier Geborenen hingegen, die aber vorher schon in Berlin gewohnt haben, liegt TH-SB an zweiter Stelle hinter Mitte.

Es ist auffällig, dass ein Bezirk, der allgemein als vergleichsweise ruhig gilt, diese starke Umwälzung erfährt. Die Erklärung dafür liegt jedoch auf der Hand: Viele, die in Berlin ankommen, denken zunächst einmal an andere Gegenden, wenn es darum geht, was für Berlin typisch ist, was daran cool ist und wo man eben hinzieht. Oder wo man erst einmal ankommt, wenn man günstig wohnen will, also mehr außerhalb des S-Bahn-Rings.

Die hohe Lebensqualität von Tempelhof-Schöneberg mit seiner guten Mischung von eigentlich allem, die hier ein recht entspanntes Zusammenleben ermöglicht und die wir besonders Schöneberg betreffend gut kennen, spricht sich erst mit der Zeit herum, erreicht Menschen erst, wenn sie Berlin schon etwas kennen – und der Wohnungsmarkt ist derzeit noch etwas entspannter als in Neukölln oder Kreuzberg und gilt als günstiger gegenüber Charlottenurg-Wilmersdorf oder Steglitz-Zehlendorf. Letzteres trifft auf die Innenstadtkieze aber nicht mehr zu, das Niveau ist beinahe ausgeglichen, bezirksübergreifend.

Aus den genannten Gründen zieht Tempelhof-Schöneberg auch viele Menschen an, die sich etabliert haben und dichter an die City möchten, ohne dabei die schroffen Gegensätze von Nord-Neukölln, den Trubel von Kreuzberg oder die wenig kiezige Atmosphäre von Mitte jede Tag um sich haben zu müssen.

Im Grunde dürften wir gar keine Werbung für Schöneberg machen, weil wir froh darüber sind, dass die Gentrifizierung hier nur im Eiltempo und nicht im Überschallmodus abläuft – und das würden wir auch tun, wenn wir ein Stadtmagazin wären, das von Leuten gelesen wird, die immer auf der Suche nach dem nächsten Hype sind.

Wie die Dinge liegen, können wir aber die Chronistenpflicht in den Vordergrund stellen und haben über unseren Bezirk wieder etwas gelernt – dass er eine Rekordmarke aufgestellt hat, die wir ihm nicht zugetraut hätten. Gewiss bekommen wir mit, dass es hier viele neue Gesichter gibt, aber die per Saldo hohe Zahl von Fortzügen hat uns überrascht.

Der Wanderungssaldo innerhalb von Berlin sagt aber nichts darüber aus, wie hoch der „Austausch“ wirklich ist, andere Bezirke können sehr wohl eine höhere Gesamtzahl an Zuzügen ausweisen, worauf z. B. die stark wachsende Bevölkerung von Mitte hindeutet.

TH

Medienspiegel 282

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