Vonovia 2: Wie man auf Kosten der Mieter_innen und durch Massenaufkäufe wächst / #Vonovia #DWenteignen #Enteignung #Mietenwahnsinn #Bilanz #Bilanz2018 #Wachstum #Mietsteigerung #Modernisierung

2019-01-05 medienspiegel aktuelles formatWB-Serie „Mieter, kämpft um diese Stadt!“

Kürzlich haben wir unsere Berichterstattung über die Vonovia gestartet. Wir werden uns diesem Unternehmen künftig häufiger widmen. 

Heute legte die Vonovia, der größte deutsche Wohnungskonzern, seine Bilanz 2018 vor und alles darin spricht von Wachstum

Mehr Wohnungen (jetzt 400.000), mehr Gewinn (1,07 Miliarden) und vor allem eine erhebliche Zunahme des Gesamtverkehrswertes von 33 auf 44 Milliarden Euro. Wenn man die Vonovia enteignen wollte, sollte man diese Zahlen als möglichen Ansatz zumindest im Kopf haben. In einem anderen Bericht war zu lesen, dass Vonovia-Chef Rolf Buch ein Jahresgehalt von etwa 5,6 Millionen Euro einnimmt. Wir unterziehen einige weitere Kennzahlen einer Bewertung aus Mietersicht:

  • Die durchschnittliche Miete bei der Vonovia erhöhte sich um 4 Prozent auf 6,52 Euro / m². Das klingt normal, die städtischen, an die Kooperationsvereinbarung mit dem Senat gebundenen Berliner Gesellschaften nehmen derzeit etwa 6 Euro / m² bei Bestandsmieten – sind aber jetzt auf 2 Prozent Mietsteigerung pro Jahr begrenzt. Außerdem hat die Vonovia auch Wohnungen in weitaus weniger mietensteigerungsfähigen Städten als Berlin.
  • 1,6 Milliarden wurden in Instandhaltung und Sanierung gesteckt, im laufenden Jahr sollen es gar 2 Milliarden werden. Das weist darauf hin, dass die Vonovia weiterhin durch Modernisierungen die Mieten hochtreiben will. Wir müssen jetzt direkt zitieren: „Die Mieteinnahmen stiegen im vergangenen Jahr um gut 13 Prozent auf knapp 1,9 Milliarden Euro. Die Miete erhöhte sich auf 6,52 Euro pro Quadratmeter – das waren rund vier Prozent mehr als 2017. Gleichzeitig steckte Vonovia mit fast 1,6 Milliarden Euro rund 40 Prozent in Modernisierung, Neubau und Instandhaltung.“ Liebe Leser_innen, verstehen Sie den letzten Satz in Bezug auf den vorausgehenden? Wir nicht. Vermutlich fehlt da ein „mehr“, denn 1,6 Milliarden sind nicht 40 Prozent von 1,9 Milliarden.
  • Immerhin ergibt sich daraus, dass die Vonovia fast so viel renoviert, saniert, modernisiert, instandhält, wie sie an Miete einnimmt. Seltsam, dass da trotzdem ein Gewinn von über einer Milliarde rauskommt, nicht? Der Trick dürfte die steuerliche Absetzbarkeit vieler Maßnahmen sein und natürlich auch das Abschreiben von Investitionen. Die Mieter_innen und der Staat bezahlen also der Vonovia die permanente Aufwertung ihrer Häuser, 2019 soll dieses Verfahren weiter optimiert werden.
  • In welche Maß sich die  Zukäufe in Österreich (23.000 Wohnungen) und Schweden (14.000 Wohnungen) auf das Ergebnis ausgewirkt haben, ob überproportional positiv, noch gar nicht oder dämpfend, steht in diesem Bericht nicht zu lesen, aber wir werden uns die Vonovia noch näher anschauen.
  • Die Bilanzzahlen der Vonvoia SE waren an der Börse, wo eine erfrischende kapitalistische Ehrlichkeit herrscht, ein sogenanntes Non-Event = kein Aufreger, dass die die Vonovia ihre Mieter_innen jedes Jahr besser ausquetscht, weiß man und ist normal – mancher hatte vielleicht sogar mehr erwartet, entsprechend hob der Aktienkurs nicht ab.

In Berlin hat die Vonovia etwa 40.000 Wohnungen, darüber berichtet der folgende Beitrag. Alle, die auf Enteignung der Vonovia aus sind, sollten aufpassen, dass das Unternehmen nicht ungeniert immer weiter wächst, wie es etwa die Deutsche Wohnen tut, die den Stein ins Rollen gebracht hat.

TH

Medienspiegel 287

Erster Beitrag zur Vonovia vom 3. März 2019:

Wir haben noch nie über die Vonovia geschrieben, den größten deutschen Immobilienkonzern (400.000 Wohnungen). Im Fokus steht in Berlin die Deutsche Wohnen, weil sie mit 110.000 Wohnungen der größte Vermieter in der Stadt ist, aber die Vonovia ist mit 40.000 auch kein kleiner Fisch. 

Nun hat deren Vorstandsvorsitzender ein Interview gegeben, in dem er sich zur Enteignung und zu Berlin und den Modernisierungen äußert.

Rolf Buch ist der Chef der Vonovia, den Namen merken wir uns nun, weil wir sicher noch häufiger über diesen Konzern berichten werden. Der Ansatz des Beitrags der Berliner Morgenpost liegt bei der Enteignung, die natürlich auch die Vonovia betreffen würde, sie hat 13,3-mal mehr Wohnungen in Berlin, als für die Enteignungsgrenze der „DWenteignen“ notwendig wäre – die Initiative heißt mittlerweile längst „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“, weil es keine Einzelfallgesetze geben darf. Es versteht sich von selbst, dass die Vonovia eine Enteignung nicht zielführend findet.

Und nicht bezahlbar.

Woher das Geld für die Enteignungen kommen soll, wird sich zeigen, wenn klar ist, dass es grundsätzlich machbar ist, denn nach welchen Wertmaßstäben es stattfinden könnte, ist derzeit nicht abzustehen. Aber es sollte klar sein, dass die Privaten nicht  dadurch, dass sie immer weitere Kaptalbestände anhäufen, also wertvoller werden, geschützt sein dürfen.

Der Wohnungsmangel

In einem solchen Interview kann man keine vollumfängliche Darstellung erwarten. Es ist eben nicht vorwiegend der Wohnungsmangel, der die Preise treibt. Wenn die Politik sich aus ihren Verstrickungen und von ihren Narrativen befreien würde, könnte sie das auch eher zugeben und hätte auch bessere Karten bei der Benennung von Verantwortlichkeiten, weil sie auf eine grundsätzliche makroökonomische Fehlsteuerung hinweisen könnte.

Es ist für die Stadtpolitik sehr misslich, dass sie nicht die Treiber der Immobilienspekulation auf Bundes- und Europa-Ebene benennen darf, weil sie damit entweder innerhalb der eigenen Partei als dortigem Regierungspartner (SPD) oder bezüglich der europapolitischen Erzählungen Schwierigkeiten bekäme, also ebenfalls mit der eigenen Parteilinie (LINKE und Grüne).

Die Vonovia weist auf ihre relativ niedrigen Durchschnittsmieten hin und dass sie Modernisierungsumlagen in Berlin, wo derzeit eine Sanierung ansteht, auf 1,75 Euro pro Quadratmeter begrenzen will.

Eine Begrenzung auf 2 Euro bei Mieten, die derzeit unterhalb von 7 Euro liegen, sieht die neue Mietpreisbremse ohnehin vor, da hat die Vonovia tatsächlich nochmal 25 Cent draufgelegt bzw. weggenommen.

Die neue Version der Bremse gilt erst seit Januar, die Vereinbarung dieser Festlegung mit dem Bezirk Reinickendorf erfolgte schon im November und fünf Jahre lang darf nicht erhöht werden, nach der Maßnahme.

In Reinickendorf ist die Lage nicht wie in den Innenstadtbezirken. in Reinickendorf hätte die Vonovia sogar fürchten müssen, dass Mieter wegziehen, wenn sie zu sehr auf die Tube drückt. Und sie will ja, dass sich die Kieze, in denen sie zugange ist, gut entwickeln.  Und 1,75 Euro sind bei 6,45 Euro durchschnittlicher Ausgangsmiete eine Erhöhung von mehr als 27 Prozent. Vorausgesetzt, dass die in Rede stehenden Häuser im Ziekowkiez von Reinickendorf überhaupt diesen Durchschnitt von 6,45 erbringen und nicht sogar niedriger liegen.

Wir meinen, dass die Mieter den Eigentümern nicht die Aufwertung von deren Immobilien zu bezahlen haben. Die Mieter müssten mindestens ein Mitspracherecht haben, also selbst definieren dürfen, was sie an Modernisierung wollen, um sich ihn ihren Wohnungen wohler zu fühlen.

Aber es geht doch um die gute Entwicklung.

Gut im Sinne der Immobilienlobby meint immer: möglichst homogen und möglichst pflegeleicht. Die Vonovia kann aber nicht der Stadt, den Mietern und den Eigentümern, also den Aktionären, gleichermaßen dienen, wie Rolf Buch hier angibt. Denn die beiden ersten und die letzte Gruppe haben gegensätzliche Interessen und wir sollten uns nicht täuschen lassen: Diese relativ sanft wirkende Handhabe in Reinickendorf ist dadurch begründet, dass sich die Mieten dort nicht so hochtreiben lassen wie in den Innenstadtbezirken. Denn das ist genau der Punkt: Um die Aktionäre zu befriedigen, darf die Vonovia nicht zum verlängerten Arm der Sozialen Stadt werden. Wir wissen auch von vielen Berichten wütender Mieter_innen, dass sie das nicht ist, sondern dass die Vonovia sich immer wieder dadurch hervortut, dass sie ihnen Probleme macht – aber darüber werden wir noch schreiben.

Fazit?

Die Vonovia hat genau das gleiche Konstruktionsproblem wie alle privaten Immo-Aktiengesellschaften: Sie muss maximale Rendite liefern, davon hängt es ab, ob sie weiter Geld einsammeln kann für die Expansion, ob ihr Börsenwert steigt oder fällt. Niemals nehmen Aktionäre die Sicht von Mieter_innen ein. Sie sehen Immobilien logischerweise aus der Perspektive von Anlegern und alle am Markt teilnehmenden Unternehmen stehen in Konkurrenz zueinander, um Anleger zu gewinnen.

Eine Immobilien-AG, die sich mieterfreundlich verhält, wird renditemäßig abgehängt von denen, die keine sozialen Bedenken haben. Daher reden wir von Fehlkonstruktion und sagen: Wohnungen dürfen nicht als mögliche Anlageobjekte vermarktet werden. Da der Kardinahlfehler leider passiert ist, dies zu ermöglichen, sehen wir keinen anderen Weg, als ihn enteignungsweise rückgängig zu machen, denn dass Konzerne, die unter Marktzwängen agieren, die da heißen: Besser als Größe ist nur noch mehr Größe, nicht freiwillig an ihrer Minimierung arbeiten werden, sollte jedem einleuchten, der die Gesetze der Kapitalmärkte nicht außer Acht lässt.

TH / Dank an die IG HAB @HeimatNeue für den Artikel der Berliner Morgenpost

Medienspiegel 281

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