„Deutsche Wohnen will ihr Verhalten verbessern“ (Morgenpost) – VORSICHT, MIETER_INNNEN! Lasst euch nicht täuschen! / @DWenteignen #Mietenwahnsinn #Enteignung #DeutscheWohnen #DW @RegBerlin

2019-01-05 medienspiegel aktuelles formatAuch die Berliner Morgenpost bezieht sich heute noch einmal auf das Interview, das der Chef der Deutsche Wohnen SE, Michael Zahn, am Wochenende der WELT gegeben hat. Wir haben darüber berichtet und knüpfen jetzt an.

Wir wollten heute eigentlich nicht mehr, es ist 22 Uhr, aber wir müssen nochmal ran, um diesen Artikel abzusetzen. Auch in der WELT hat sich Michael Zahn dahingehend geäußert, man werde die Deutsche Wohnen nun anders erleben etc. Aber die Morgenpost setzt noch einmal einen anderen Akzent, der hochgradig politisch relevant ist: Wie können der Regierende Bürgermeister Michael Müller und die Deutsche Wohnen SE gemeinsam verhindern, dass die Initiative „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“ Erfolg hat?

Der Regierungschef und der Konzernchef.

Michael Müller und Michael Zahn.

Der einstige Stadtbausenator, der sich in jener Funktion nicht durch tolle Ideen für die Mieter hervorgetan hat, sondern im Wesentlichen alles konservierte, was die Vorgängerregierungen an Schäden in der Sozialen Stadt angerichtet hatten und weiter Verdrängung zuließ.

Der Vorstandsvorsitzende des Konzerns, der zu insgesamt 27 Prozent von Groß-Vermögensverwaltern wie der berüchtigten BlackRock gehört und der in den Geschäftsbericht seines Unternehmens schreiben lässt, man werde jedwedes mögliche Mietsteigerungspotenzial ausnutzen.

In diesem Geschäftsbericht, das haben wir gestern nicht explizit erwähnt, steht, dass die aktuellen Vertragsmieten der DW und die Marktmieten, also das, was man an Mieten für marktgerecht hält, in Berlin fast um 50 Prozent auseinander liegen. Erst aus dieser Zahl erschließt sich aber, was die DW vorhat: Genau diesen Gap zu schließen. Das ist schön verklauselt, darauf muss man erst einmal kommen, wenn man nicht täglich Konzernberichte konsumiert. Es trifft sich aber 1:1 mit den generellen Aussagen zu den Zielen der Deutsche Wohnen SE.

Im Morgenpost-Beitrag wird auch das Lamento über die GSW wiederholt, das wir schon am Sonntag in der Welt gelesen haben. Ernsthaft, DW? Übernahme 2013, Mängel 2019 immer noch nicht beseitigt? Das wirft ein mächtig schlechtes Licht auf die Bewirtschaftungskompetenz und ist nebenbei ein Schienbeintritt gegen die SPD, auch wenn formal die frühere GSW angegriffen wird. Schon gemerkt, Herr Müller?

Heißt aber auch: Neben der Preistreiberei ist zudem Schlechtleistung des DW-Managements zu beklagen.

Die Deutsche Wohnen SE wird sich, falls ihr das überhaupt möglich ist, genau so lange einen etwas sanftere Anstrich geben, bis „DWenteignen“ doch noch abgeschmettert wird, weil wir alle uns von den Sprüchen des Konzerns haben einlullen lassen.

Die DW hat schon lange eine super Marketingabteilung und schmückt sich mit diesem und jenem Engagement, das die Bilanz kaum belastet. Und dann gehen am Kottbusser Platz mal wieder die Heizungen mitten im Winter kaputt. Und der Mietspiegel wird gerichtlich angegriffen.

Apropos Marketing. Das Bild in der MoPo bekommt von uns ganz klar ein AAA-Rating, höchste Fotografen-Bonität.

Blick von oben, Topshot auf den Herrn Zahn. Ein kleiner Mensch wie du und ich, der sich auf das Geländer eines sichtlich gepflegten Treppenhauses in einem typischen DW-Gebäude stützt, tapfer lächelnd, stürmische Zeiten erwartend; zu uns aufblickend, als seien wir die Götter, die er mit Augenaufschlag um Gerechtigkeit anfleht – denn man will diesen kleinen, braven Mann enteignen, der ganz allein irgendwo im anonymen Nirgendwo steht!

Es ist beinahe rührend. Einen kleinen Verbesserungsvorschlag hätten wir aber noch: Beim nächsten Mal noch etwas mehr Abstand, damit der Raum noch größer und der Herr Zahn darin so richtig verloren wirkt. Denn aus der hier gegebenen Nähe kann man leider noch die teuren Schuhe als solche erkennen.

Naja, doch nur AA+, das Foto. So wie das Land Berlin als Kreditnehmer.

Für wie blöd halten uns diese Leute eigentlich?

Dass der Regierende Bürgermeister da mitmacht, sollte allen zu denken geben, die immer noch SPD wählen und zufällig in einer Mietwohnung leben. Der Finanzsenator ist nicht gemeint, der tut das beispielsweise nicht – in einer Mietwohnung leben. Ob er die SPD wählt, ist uns nicht bekannt.

Wir wissen, dass die Jusos die Dinge anders sehen als Michael Müller und, ganz ehrlich, wir wünschen  uns, dass sie sich auf dem Landesparteitag damit durchsetzen, damit endlich 2RG ein einheitliches Bild abgibt und es nicht mehr passieren kann, dass Menschen wie der Bürgermeister versuchen, uns zu spalten und es den Konzernen so einfach machen, die Berliner Stadtregierung in Zwist zu versetzen.

Jemand, der diese bedrängte Stadt regiert und sie verantwortungsvoll regiert, hat die verdammte Aufgabe, uns im Kampf gegen Kraken und Mietpreistreiber wie die DW zu helfen und uns nicht zu verraten, indem er ihnen gegen uns hilft. Das ist doch das Mindeste, was wir erwarten dürfen, nach der sackigen SPD-Verscherbelungspolitik in den 2000ern!

Aber wer Politiker wie Michael Müller unter den Regierungsfreunden hat, braucht keine Feinde.

Viele glauben, Müller habe bundespolitische Ambitionen und ist deshalb so Konzern-nah. Eigentlich könnte Herr Müller aber auch ins Management der DW wechseln. Uns würde eine solche Rochade des Herrn Bürgermeisters nicht mehr im Mindesten überraschen.

Bei einem Wohnungskonzern einzuchecken – das wäre doch der größere Coup: Der Sprung aus dem Stand in den Merz-Mittelstand.

Und dann Berlin nochmal so richtig umdrehen. Man kennt sich ja aus. Man ist hier zuhaus. Und man hat sich selbst so gut versorgt, dass man keine Verdrängung zu befürchten hat.

Man gehört nicht zu den „bestimmten Haushalten“, die laut Aussage von Herrn Zahn (in beiden Zeitungen nicht wiedergegeben) die Stadt wohl werden verlassen müssen. Wir, die wir uns die Taschen mit dem Geld und die eiskalten Herzen füllen mit dem Leid der anderen, wir bleiben alle und für immer.

TH

Medienspiegel 308

 

4 Kommentare

  1. Du meinst, sie werden zu Verschwörungstheoretikern? Das gibt es gerade bei sehr weit links Stehenden häufig und es ist auch gut, sich mit diesen Theorien, die sehr breit gefächert sind, ein wenig auszukennen, aber man muss die innere Balance wahren, sonst braucht man sich für reale Politik nicht mehr zu engagieren.

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