An alle, die in den soziale Medien gestern an mich gedacht haben.

Liebe Gratulantinnen und Gratulanten,

mit diesem kleinen Brief möchte ich mich bei euch bedanken. Ich finde es toll, wie viele mir etwas geschrieben haben. Niemand kann ja wissen, dass ich nicht nur ihn, sondern auch (fast) alle anderen an ihren Geburtstagen nicht anschreibe.

Es war schwierig, diesbezüglich zu einer Entscheidung zu kommen, aber in den sozialen Netzwerken spreche ich Glückwünsche nur noch an einen sehr engen Kreis von Menschen aus, die ich auch im Realleben kenne oder online doch über viele Jahre hinweg, wie etwa einige, mit denen ich in Schreibgruppen zusammengearbeitet habe. Hinzu kommen ein paar Menschen, mit denen sich in den letzten Jahren ein aktuell fortbestehender Kontakt in den sozialen Netzwerken selbst aufgebaut hat.

Obwohl meine drei Facebook-Accounts inklusive „Mehrfach-Freund_innen“ nur einen Freundeskreis von etwa 600 Personen umfassen, müsste ich im Schnitt fast jeden Tag zwei Menschen zum Geburtstag gratulieren, mit denen ich noch nie einen Austausch hatte – und bei denen ich auch keine Ahnung habe, wie ich ihnen eine individuelle Ansprache zukommen lassen soll, weil ich deren Persönlichkeit und Lebensumstände nicht im Blick habe.

Es ist mir aber wichtig, ein solches Bild von jemandem zu haben und daher ein paar  Worte loszuwerden zu können, wenn ich Geburtstagswünsche sende, die belegen, dass ich jemanden auch sehe.

An diesem Verfahren und daran, dass ich mir darüber Gedanken mache, merke ich, dass ich noch ziemlich analog bin.

Ich grüße, wenn ich jemanden so gut kenne, dass ich ihn auch vor der Social-Media-Zeit mit einem Geburtstagsgruß bedacht hätte – in jenen gar nicht so üblen Jahren, als dazu noch mindestens eine Postkarte oder ein Anruf notwendig gewesen wäre oder später wenigstens eine E-Mail mit ein paar Sätzen oder einer elektronischen Karte. Wenn ich von jemandem sagen kann, dass ich mich wohl in dieser Form Weise bei ihm gemeldet hätte, tue ich das heute online in den sozialen Medien – bei sehr engen Kontakten mindestens per Mail. Was trotzdem nicht das Gleiche ist, wie ein echtes Poststück zu bekrakeln oder mir Zeit für ein Telefonat zu nehmen.

Selbstverständlich werde ich mich auch 2020 wieder sehr über jede Aufmerksamkeit freuen und jeder Person, die mich grüßt, mindestens ein Like schicken, um zu bestätigen, dass ich den Gruß wahrgenommen habe, aber am Geburtstag des oder der Betreffenden werde ich mich melden, wenn ein im erwähnten Sinn tragfähiger Kontakt besteht.

Liebe Grüße und nochmals herzlichen Dank!

Thomas Hocke, Berlin, 4. April 2019

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s