Kleines Update nach einer Woche – Schöneweider Straße 20, es geht weiter, Hilfe war schon da und ein paar Zeilen für die Sanderstraße // @derjochen @schoeneweider20 @Else75bleibt @BSchweiger51 @elbeeckeweigand @Sander11_11a @KiezinAktion @HeimatNeue #DontGiveUpTheFight! #Vorkaufsrecht #Abwendungsvereinbarung #Mietenwahnsinn #Neukölln #ReclaimRixdorf #wirbleibenalle #Neukoelln

Am 5. April hatten wir erstmals über die Verdrängungsgefahr für die Mieter_innen der Schöneweider Straße 20 in Neukölln berichtet, die sich aus dem anstehenden Verkauf ihres Hauses ergibt.

Inzwischen hat sich schon wieder einiges getan in unserem Zweit-Lieblingsbezirk:

Die Fuldastraße 7 bekam eine Abwendungsvereinbarung verpasst. Dazu müssen wir nochmal ein paar Sätze schreiben, weil uns die Reaktion einer Initiative auf unseren Beitrag nicht ruhen lässt, aber die Elsenstraße 75 wird vermutlich kommunalisiert. Ganz herzlichen Glückwunsch dazu!

Inzwischen war Baustadtrat Jochen Biedermann in der Schöneweider Straße, hat sich ein Bild gemacht und mit den Bewohner_innen gemeinsam Gedanken, wie es laufen könnte. Natürlich bleiben die Inhalte unter den Anwesenden, aber bei der Übung, die der Baustadtrat mittlerweile in Sachen Vorkaufsrecht hat, sind wir sicher, er konnte gut zuhören, analysieren und hatte auch Ideen.

Was bleibt uns heute? Daumen drücken natürlich, eine Faust machen, ab und zu – für die Schöneweider Straße, die noch einen Weg vor sich hat, bei der alles gerade erst losgeht. Für die Elsenstraße, die beinahe durch ist – und für die Sanderstraße 11 und 11a.

Sie ist uns glatt unter dem Radar durch, weil ihre Sache schon in der heißen Phase war, bevor wir begannen, über den Mietenwahnsinn zu schreiben und wir aus irgendeinem leider nicht mehr nachvollziehbaren Grund von einem zwischenzeitlichen Abschluss ausgegangen waren. Während wir heute die neue Verdrängungstabelle erstellt haben, fiel uns auf, dass der Vorgang noch immer als offen ausgewiesen ist. Wir haben die IG HAB @HeimatNeue, die in sowas effizienter ist als wir, um eine Schnellrecherche gebeten und sie hat uns nach ein paar Sekunden dies geschickt:

Der Verkauf des Hauses, der schon lange auf dem Tisch liegt, ist also noch nicht abgeschlossen, zehrt weiter an den Nerven der Bewohner_innen und daher denken wir heute ganz besonders an die Menschen in der Sanderstraße 11 und 11a, die vor dem Sonntags-Kiezspaziergang vom 24. März, der auch an ihrem Haus vorbeiführte, die Milieuschützerin Sandra auf einen Balkon gestellt hatten.

Wenn ein solcher Vorgang sich in die Länge zieht, ist das schrecklich für alle, die monatelang um ihre Existenz bangen müssen. Der obige Tweet wirkt so kontrolliert und zugewandt, da kennen wir andere Reaktionen, wenn’s einfach nicht voran geht – aber die Angst ist spürbar und die höhere Politik wirkt, als hätte sie immer noch nicht verstanden.

Jens Spahn wollte aus wohlerwogenen Gründen nicht Hartz IV ausprobieren und wir wetten, Kleinkapitalisten-Versteher Peter Altmaier würde sich nicht mal für ein Wochenende in ein gefährdetes Mietshaus hineinquetschen, um die Stimmung hautnah zu erleben, die herrscht, wenn „Investoren“, Teilnehmer des freien Marktes, Angriff um Angriff gegen Menschen fahren, die nichts weiter wollen als friedlich in ihrem Kiez leben.

TH

SMH 343

Ausgangsbeitrag vom 5. April 2019:

Einen Tag vor der großen Demo gegen den #Mietenwahnsinn hat sich die Hausinitiative der Schöneweider Straße 20 gemeldet und sich als neueste Kampfzone in Neukölln offenbart. 

Schon vor einigen Tagen gab es ein kurzes Aufleuchten auf Twitter, wir versuchten zu folgen, aber der Account war dann erst mal wieder weg, seit heute besteht die Verbindung aber und wir danken herzlich fürs Zurückfolgen.

Zu Neukölln und uns müssen wir nicht mehr so viel schreiben, die Initiativen, die uns schon länger lesen, wissen, dass wir mal Ecke Reuterkiez gewohnt haben, dass unser Herz immer noch für Neukölln schlägt – und dort ist leider verdrängungsmäßig besonders viel los. In unserem früheren Wohngebiet und in Neukölln überhaupt.

Wir versuchen, durch das Schreiben über ein bisschen dort verwurzelt zu bleiben. Immer mit dieser Einschränkung: Wir können nur dokumentieren, was wir dadurch mitbekommen, dass Mieter_innen-Initiativen entstehen, die „stummen“ Verdrängungsfälle also nicht.

U. a. die Initiativen der Braunschweiger Straße 51, der Elsenstraße 75 und der Zossener Straße 48 waren schon bei der Schöneweider 20 zu Gast und es wird noch viel Solidarität aus der Mieter_innen-Szene geben.

Die Schöneweider Straße liegt etwas weiter östlich, von unserem früheren Wohnort etwa 3 Kilometer Fußweg entfernt in der Neukölln-Zentrale zwischen Karl-Marx-Straße und Sonnenallee, die von oben ausschaut wie ein Trichter, dessen schmales Ende am U-Bahnhof Herrmannplatz liegt. Gemäß Milieuschutzgebiet, zu dem die Straße gehört, liegt sie im Ortsteil Rixdorf.

Wir wissen noch nichts Genaues, offenbar ist der Verkauf noch nicht erfolgt, so weisen es die Tweets der Initiative aus – das Haus wurde jedoch von seinen bisherigen Eigentümern schutzlos dem „Markt“ ausgeliefert – und das Haus, das angebotn wird und nicht recht bald einen gierigen „Investor“ findet, existiert in Berlin nicht.

Plakate kleben und morgen mitmachen. Dass die Initiative einen guten Ansatz bezüglich der Medienarbeit hat, merkt man auch daran, wer schon alles in der Adressenliste steht. Wir erleben gerade bei unseren Freunden in der Habersaathstraße in Mitte (@HeimatNeue), wie die Fernsehteams sich die Klinke in die Hand geben.

Manche Vorgänge erfordern einen besonders langen Atem und sind außerordentlich belastend, wir wünschen den Menschen in der Schöneweider Straße ausdrücklich nicht, dass sie so viel Medienunterstützung brauchen, sondern dass sie so bald wie möglich durch die Ausübung des bezirklichen Vorkaufsrechts gerettet werden.

Auch super: Dass die Hausgemeinschaft auf ihren Tweets und auf dem Twitter-Titelfoto so viel Gesicht zeigt. Wenn wir fotografieren, dürfen wir das nicht mehr in der Form, aber es hier in Form von Tweet-Einbettungen wiedergeben schon, denn es ist sowieso öffentlich sichtbar.

Dieses kenntlich machen ist etwas, das auch die Elsenstraße 75 bei ihrer Medienarbeit in den Mittelpunkt rückt: Es geht um Personen. Um Menschen, Biografien, Schicksale – nicht um Zahlen und Renditemargen. Das sollte vor allem die Politik nie vergessen.

Wir wollen heute nicht über die Häuser berichten, bei denen es zuletzt nicht geklappt hat, drücken umso mehr denjenigen die Daumen, die noch auf ein Ergebnis warten, wie die Elsenstraße 75 – und wir sind sicher, dass Jochen Biedermann, der Neuköllner Baustadtrat, versuchen wird, die Kommunalisierung der Schöneweider Straße 20 zugunsten einer landeseigenen Wohnungsgesellschaft durchzusetzen, wenn klar ist, wer das Haus kaufen wird / gekauft hat. Falls dies das Ziel der Mieter_innen ist, manche wollen, wenn sie schon durch die Immobilienhaie aufgeschreckt wurden, noch einen Schritt weitergehen und versuchen, sich letztlich selbst zu verwalten.

Wenn die hoffnungsfrohen Kinder es entscheiden könnten, dann wären die Entscheidungen mutiger und wenn wir ein Schild mit dieser Aufschrift lesen, müssen wir an „Kuhle Wampe oder wem gehört die Welt?“ (Uns!) denken. Was ist daraus geworden? Nach vielen verlorenen Jahren?

Der Anspruch auf eine neue Chance für die Stadtgemeinschaft. So sehen wir das. Diesen Anspruch  müssen wir alle jeden Tag lauter vertreten.

Wir werden schon dadurch immer mehr, dass ständig weitere Häuser von „Investoren“ angegriffen werden und den Bewohner_innen nur die Wahl zwischen alles hinnehmen und um ihre Existenz kämpfen bleibt.

Viele Initiativen  haben sich erhalten, nachdem ihre Anliegen Erfolg hatten. Auch viele von jenen, die selbst nicht ins Mieter_innenglück des Wohnens bei Stadt und Land, WBM, Gesobau, Gewobag, Howoge oder Degewo fanden und kein Mieter_innensyndikat oder eine ähnliche Form der Selbstverwaltung einrichten konnten, sind aktiv geblieben und unterstützen alle in ihren Kämpfen, damit es ihnen besser gehen soll und bringen ihre Erfahrungen ein.

Es geht auch wieder um Kitas. Falls diese Gewerbemietverträge haben, stellt sich für sie das Sonderproblem, das wir zuletzt bezüglich einer Kita in Pankow beschrieben haben;    eines, das in Neukölln und Kreuzberg derzeit besonders viele Läden und Kiezkneipen betrifft: Kein Mlieuschutz bei Gewerbe. Eine Ausnahme, die verkennt, dass dadurch  unbedingt für die Sozialstruktur eines Kiezes notwendige Einrichtungen gefährdet sind. Ohne sie ist der Schutz eines Milieus, die Erhaltung eines sozialen Gebiets, eines Lebensraums, keineswegs vollständig. Da muss dringend eine Änderung erfolgen.

Wir warten nun, wie es in der Schöneweider Straße 20 weitergeht – und schicken einen solidarischen Gruß an die Bewohnerinnen!

TH

SMH 326

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