Der Wahlberliner im April 2019. Planerfüllung. Schweigen aus Prinzip. Redesign.

Liebe Leser_innen,

mitten im Trubel muss einmal im Monat Zeit für eine Ansprache an Sie bzw. an euch sein – wenn nichts dazwischenkommt, das eine Sondermail „in eigener Sache2 auslöst. Wir haben uns entschlossen, das nun in Form einer Chronologie zu machen und hängen sämtliche regulären Monatsbeginn-Mails hintereinander – fürs laufende  Jahr. Zum vergangenen Jahr soll es dann nur einen Link geben.

Der April verlief „planmäßig“ und da wir der Ansicht sind, dass man nicht immer über Plan liegen muss und Wachstum kein Alleinmaßstab für irgendwas sein kann, ist das positiv gemeint. Das heißt, wir lagen ein gutes Stück hinter dem außergewöhnlichen März, hatten aber, um die höhere Tageszahl im April bereinigt, gegenüber dem Februar ein Wachstum an Zugriffen in Höhe von 12 Prozent.

Im letzten Monatsdrittel haben wir die Tatsache, dass wir aus privaten Gründen Organisationsänderungen vornehmen mussten, genutzt, um den Wahlberliner etwas zu bremsen und hin und wieder unter der regulären Mindestzahl von drei Artikeln pro Tag zu bleiben. Das war möglich, weil sich abzeichnete, dass wir das Ziel, einen zweistelligen Zuwachs gegenüber Februar, ziemlich sicher schaffen werden. Für das Interesse, das sich in dieser Entwicklung ausdrückt, danken wir Ihnen, danken wir euch sehr.

Wir sind weit davon entfernt, auch nur ein etabliertes Kleinmedium zu sein, wir müssen aus Zeitgründen auf vieles verzichten, worüber wir gerne schreiben würden, aber wir haben im April unter anderem eine kleine technische Verbesserung vorgenommen, die uns ein wenig schneller werden ließ und hoffentlich die Tippfehler reduziert. Wir können es nun einmal nicht leisten, jeden Beitrag aufwendig selbst oder sogar von anderen lektorieren zu lassen – vor allem dann nicht, wenn Aktualitätszwänge den Takt bestimmen.

Welche besonderen Ereignisse gab es im April?

Wir müssen heute, mit gut zwei Wochen Abstand, auf den 15. April, den Brand von Nôtre-Dame de Paris zu sprechen kommen, weil es wieder um die Erläuterung einer Wahlberliner-Regel geht. Wir verzichten, anders als beim alten Wahlberliner, auf die Berichterstattung zu Katastrophen jedweder Art. Im „Ersten Wahlberliner“ waren zuweilen Bezeugungen von Anteilnahme zu lesen, wenn derlei sich ereignete – hauptsächlich zu Terroranschlägen, letztmalig zum Breitscheidtplatz in Berlin Im Dezember 2016. Mit der Artikelserie dazu endete unsere Berichterstattung, zum Jahreswechsel 2017 schlossen wir jenen Raum, in dem wir journalistisch sechs Jahre lang gelebt hatten, ab.

Ob wir auch nicht berichten würden, wenn sich ein solches Ereignis wieder in Berlin zutragen würde, vielleicht wieder so nah an unserem Wohnort, vielleicht sogar im eigenen Bezirk, das ist eine Entscheidung, die wir jetzt nicht treffen wollen.

Aber angesichts der weltweiten Dauerkrisen, der vielen Kriege und des anhaltenden Terrors wollen wir keine Einzelereignisse mehr herausgreifen, wenn sie nicht Teil einer allgemeineren Betrachtung sind. Es hat uns immer schon gestört, dass wir so selektiv waren, gespiegelt hat sich das auch in allgemeinen Diskussionen: Wann wird zum Beispiel das Brandenburger Tor per Anleuchtung „geflaggt“ und wann nicht?

Gerade das Beispiel Notre Dame zeigt, wie viele falsche Töne in den Sozialen Medien sofort zu hören sind, welcher unsagbare Unsinn geschrieben wird, um jedes traurige Ereignis zu instrumentalisieren. Wir wollen hier keine Liste erstellen, aber der geistige Müll ließ wieder einmal die Frage in den Vordergrund treten, ob diese Spezies Mensch es überhaupt verdient hat, zu überleben, ob sie es wert ist, sich dafür anzustrengen und ob es nicht besser wäre für die Erde, wenn wir alsbald infolge Selbstvernichtung verschwinden würden.

Wir haben uns also zurückgehalten, obwohl nach dem Breitscheidtplatz zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren ein konkreter Ort von einer Katatstrophe betroffen war, den wir kennen, der zudem in einer Stadt liegt, in die wir uns mit 17 verliebt hatten. Immerhin kam niemand zu Tode und das kann man von den Kriegen, an denen mittlerweile auch das Land, in dem wir leben, wieder beteiligt ist und für die es Waffen liefert, nicht behaupten. Um eine subjektive Auswahl zu vermeiden, haben wir auch zu den Anschlägen von Christchurch oder in Sri Lanka geschwiegen.

Es ist zudem aus mentalen Gründen undenkbar, über alles dies Artikel zu schreiben. Der #Mietenwahnsinn belastet uns genug, macht und wütend und traurig und weil wir wissen, dass man nicht den ganzen Tag nur entsetzt oder sauer sein darf, wenn man gesund bleiben möchte, müssen wir uns für das, was vor der Haustür liegt, entscheiden, wenn es darum geht, Emotionen in Worte zu packen, sie dadurch zu kanalisieren und zu bewältigen. Wir machen nicht den Fehler bestimmter Parteien, die eine ganze Welt verbessern möchten, aber nicht mal das Hier und Jetzt im lokalen Rahmen anständig geregelt bekommen und die auch gar nicht den Einfluss haben, um überall dort wirksam zu sein, wo sie sich verbal engagieren.

In Berlin können wir den einen oder anderen Bericht zur Mieter_innenbewegung verfassen, der etwas Eigenständiges enthält. Wir bleiben trotzdem Empfänger von Botschaften aus der Welt, schließen uns nicht in der städtischen Käseglocke ein – und dokumentieren den Blick über den Tellerrand gegenwärtig vor allem dadurch, dass wir Beiträge anderer Autor_innen empfehlen, die sich verschiedenen Themen widmen, mit einem Schwerpunkt auf Wirtschaft, Soziales und Umwelt. Das haben wir mittlerweile 17mal getan, vor wenigen Tagen erstmals durch die komplette Übernahme eines Beitrags („Der Grund-Konflikt“), der sich mit Enteignung von Grund und Boden befasst.

Am 20. April gab es was Nettes. Wir wurden von einem Leser nach England eingeladen. Aufgrund einer zufälligen Namensgleichheit.

Diese Verwechslung hat uns ein wenig amüsiert, aber auch gefreut, denn wenn man es einem bekannten Kulturredakteur zutraut, ein Blog wie den Wahlberliner zu betreiben, ist das eine Ehre für den Wahlberliner. Diese Verwechslung gab es vor einigen Jahren häufiger. Ein bisschen Bedauern ist nun auch dabei, wir wären gerne mal wieder auf der Insel. Das letzte Mal ist schon einige Jahre her und wie die Stimmung jetzt ist, im Zeichen des Brexits, das bekommen wir nur als Beobachter von außen mit.

Vier Tage später, am 24. April, wurde der Wahlberliner zehn Monate alt und wir haben ihm aus diesem Anlass ein erstes Redesign verpasst. Jetzt ist alles ganz schlicht, nicht nur die Beiträge schwarz auf weiß, der gesamte Hintergrund ist so gehalten und die Titelzeile wurde dem schlichteren Layout angepasst, ebenso haben wir nun eine serifenlose Schriftart gewählt. Wir folgen damit der allgemeinen Tendenz, es vor allem wegen der vielen Per-Mobiltelefon-Leser so simpel wie möglich zu machen. Wir wollten  außerdem dokumentieren, dass die Inhalte im Vordergrund stehen sollten und dieses Weblog keine Grafik-Werkschau darstellt.

Der Mai wird gewiss wieder sehr ereignisreich werden und wir werden nicht einmal den #Mietenwahnsinn, nicht einmal alles, was er in unserer Stadt, anrichtet, vollständig beschreiben können. Wesentliche Änderungen an unserer Ausrichtung und den vorhandenen Features sind nicht geplant. Wir tun, was wir können und manchmal sogar etwas weniger, weil wir nicht alles wollen, was wir nach eigener Auffassung könnten und weil wir wissen, dass selbstdefinierte Kapazitäten sehr besitzergreifend sind. Wir freuen uns sehr auf weiteren Austausch mit unseren Leser_innen und Mitstreiter_innen, wie er vor allem auf Twitter immer häufiger stattfindet. Wir freuen uns nicht auf noch mehr #Mietenwahnsinn, aber wir werden uns weiter der Herausforderung stellen, über ihn zu berichten. Damit fahren wir fort am Tag der Arbeit.

Thomas Hocke, Berlin, 1. Mai 2019

Liebe Leser_innen, 

am 24. März 2019 wurde der Wahlberliner neun Monate alt. Da man sich immer neue Ziele setzen soll, die dem Rahmen und den Möglichkeiten angemessen sind, kann man das, was wir für den April beschlossen haben, als mindestens ambitioniert bezeichnen, denn unser Zeitbudget für dieses Non-Profit-Freizeitprojekt wird nicht zunehmen.

Das Leser_innen-Wachstum betrug im März gegenüber Februar 65 Prozent, erreicht an knapp 11 Prozent mehr Tagen. Das Februar-Ergebnis war bereits das (knapp) beste bisher, ohne Bereinigung nach Zahl der Monatstage. Die wichtige Kennzahl des 30-Tage-Vergleichs lag am Monatsende bei plus 12,5 Prozent.

Nachdem sich jemand kürzlich auf Twitter, als er die Zahl von 250 Followern erreichte, als Twitter-Zwerg bezeichnete, können wir konstatieren, dass wir das Halbzwergenstadium fast geschafft haben (Zuwachs im März 33 Prozent), ebenso stark war prozentual die Zunahme der Blog-Follower via WordPress. Facebook hingegen stagniert, ist aber nicht das Verbreitungsmedium, auf das der Wahlberliner setzt. Wenn wir die Zahl der dortigen Reaktionen als Motivationsgrundlage ansehen würden, hätten wir dieses Kleinmedium längst aufgegeben.

Wir werden im April vermutlich das starke Wachstum vom März nicht wiederholen können, sondern uns an den Februar-Zahlen orientieren – unter Berücksichtigung von zwei Mehr-Tagen, versteht sich. Ob es für erfolgreiche Beiträge  + Updates wie „Pankow, Friedrichshain, Mitte“ und „Pears Global oder weiche Birne?“ Nachfolger mit ähnlich hohen Aufrufzahlen geben wird, ist offen, zumindest dürfen wir damit nicht rechnen.

Dass der #Mietenwahnsinn unser Zentralthema geworden ist, könnte regelmäßigen Leser_innen aufgefallen sein. Dass wir dennoch versuchen, einen Blick über diesen zugegebenermaßen hohen Tellerrand zu werfen, finden wir super, müssen uns aber bei anderen Autor_innen bedienen, die wir empfehlen. Das wollen wir, wie im März begonnen, weiterhin durchschnittlich mit einem Artikel pro Tag tun. Da wir immer hinzufügen, warum wir eine solche Empfehlung aussprechen, manchmal auch kommentieren bzw. unseren Assoziationen zum Beitrag Raum geben, ist immerhin ein klein wenig eigene Leistung dabei.

Im April haben wir außerdem vor, mindestens zwei Veranstaltungen zu besuchen und damit die Vor-Ort-Reportage langsam ins Laufen zu bringen. Bisher greifen wir dazu auf Kooperationspartner, vor alllem die @HeimatNeue, zurück. Diese Mieter_innen-Initiative wird hoffentlich auch weiterhin unsere Hauptlieferantin für Live-Eindrücke bleiben.

Da ein so kleines Medium wie der Wahlberliner nur mit ein bisschen Größenwahn  vorankommen kann, haben wir uns nach langem Hin und Her und Für und Wider entschlossen, die Medienrezensionssparte auszubauen und in der Kategorie „Crimetime“ nun auch den Polizeiruf 110 zu besprechen. Gestern Abend haben wir uns den ersten Film der Reihe angeschaut.

Durch diese Erweiterung kommen 375 Produktionen hinzu, die gesichtet und kritisiert werden wollen und es handelt sich um eine eigene Welt, wie erste Recherchen ergeben haben. Allein diese Woche werden vier weitere Filme der Reihe hinzukommen, was etwa sechs Stunden Zeitaufwand fürs Anschauen bedeutet. Etwa der gleiche Zeitaufwand tritt für die Besprechungen hinzu. Wir wollen diese Handhabe fortführen: Alle „Polizeirufe“, die gesendet werden und die wir noch nicht gesehen haben, werde wir aufzeichnen, anschauen, besprechen. Auf diese Weise kam in den Jahren seit 2011 auch die Tatort-Anthologie, die jetzt in „Crimetime“ integriert ist, rasch auf eine hohe Anzahl von Beiträgen.

Wir meinen nun, fast 30 Jahre nach der Maueröffnung ist es an der Zeit,  die ursprünglich in der DDR entstandene Tatort-Parallelstruktur einzubeziehen, nachdem wir etwa zwei Drittel aller Tatorte rezensiert haben (263 dieser Kritiken sind bisher im Blog „Der Wahlberliner“ erschienen). Wir heben beim Tatort gerne mal auf die Stellung dieser Krimis als Zeitdokumente ab. Es ist sehr spannend, alles, was darin gezeigt wird, mit den eigenen Eindrücken aus verschiedenen Jahrzehnten zu vergleichen, aber mindestens genauso spannend sollte es sein, etwas zu betrachten, was man nicht aus eigener Anschauung kennt. Unserem Verständnis für das „andere Deutschland“ wird diese Befassung sicher nicht schaden.

Den Ausschlag für den späten, aber beherzten Zugriff gab die Tatsache, dass der Hessische Rundfunk derzeit Polizeiruf 110-Filme aus der Anfangszeit ausstrahlt. Wir haben den Beginn dieser Serie mit dem Nachdenken darüber vertrödelt, ob wir dafür wirklich genug Zeit haben. Nachdem wir zu der Ansicht kamen, dem ist nicht so, wir machen’s trotzdem, können wir immerhin noch mit 1972 einsteigen, dem zweiten Jahrgang, und vielleicht sendet der MDR, der auf DDR-Produktionen mehr spezialisiert ist als die anderen ARD-Sender, weiterhin das eine oder andere Werk aus der Polizeiruf-Steinzeit.

Was gibt es noch? Wir haben eine Klärung wichtiger Sprachregelungen vorgenommen: Es wird bei uns weiterhin „das Blog“ heißen, weil wir der ursprünglichen Idee, dass der Begriff von „das Web-Logbuch“ kommt, mehr Charme abgewinnen können als das Blog nach Duden alternativ und korrekt, aber sinnfrei zu vermännlichen. Außerdem heißt es „das Magazin“ und sogar „die Zeitschrift“.

Es wird zudem nie mehr „auf dem Blog“ oder „beim Wahlberliner“, sondern stets „im Wahlberliner“ heißen, auch wenn das etwas seltsam klingen mag, weil der Titel die – berechtigte – Assoziation mit einer bestimmten Person provoziert.

Bei uns steht aber nicht der Gedanke einer Internet-Plattform im Vordergrund („auf Twitter“, „auf Facebook“), sondern die Magazin-Eigenschaft des Wahlberliners. Dieses Produkt erscheint lediglich zeitgemäß online – und es heißt, unabhängig von der Größenordnung der Publikation, nun einmal „in der Zeitung“ oder „im Buch“. So werden wir deshalb auch bezüglich aller Medien verfahren, die wir zitieren oder sonst erwähnen. Es steht also im Web-Logbuch geschrieben, steht nicht darauf und klammert sich bei Starkwind nicht an der Kante fest oder verharrt traurig daneben, anstatt mittendrin und eingekuschelt zwischen guten Artikel-Nachbarn zu leben.

Wir wollen, sofern Zeit dafür vorhanden ist, aber nachrangig gegenüber Grundanforderungen, wie im Durchschnitt mindestens drei Beiträge pro Tag zu veröffentlichen, ein weiteres Projekt angehen: Ein Handbuch für den Wahlberliner, das öffentlich einsehbare interne Festlegungen treffen, aber auch unseren Leser_innen als Leitfaden dienen soll. Wir meinen, das ist angesagt, kurz vor dem Erreichen des Twitter-Halbzwergenmaßes.

Im Bereich der Steuerung wie auch beim Marketing sind Unternehmen den meisten Medien und politischen Parteien und Organisationen weit voraus. Da wir im Job gelernt haben, wie man ein Manual, das auch Werbecharakter haben darf, gestaltet und strukturiert, sollten wir diese Kenntnisse dem Wahlberliner zugutekommen lassen. Zum Einjährigen des „neuen“ Wahlberliners im Juni könnte die erste Ausgabe auf der Blogseite „Service“ als verlinktes PDF erscheinen.

In dem Fall heißt es übrigens doch „auf“, nicht „in“, denn es steht auf Seite fünf. Aber: In diesem Handbuch wird man uner anderem nachlesen können, warum wir hin und wieder „Der neue Wahlberliner“ schreiben. Um ihn von etwas abzugrenzen, was es offensichtlich vor den eingangs erwähnten neun Monaten mal gegeben haben muss.

Thomas Hocke, Berlin, 2. April 2019

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