Sonntagsfrage Bund und Anne Will: Die Grünen sind so stark, weil sie sich nicht blamieren // #Sonntagsfrage #AfD #CDU #CSU #DIELINKE #SPD #Grüne #FDP #Sonstige #Bundestagswahl #Civey #AKK #Seehofer #AKK #Lindner #Nahles #europa2019 #europawahl #ltwby18 #ltwhe18 #ltwhe #CDU-Vorsitz #Ungleichland #Wagenknecht #Mietenwahnsinn #Stadtvonunten #Stadtgesellschaft

Umfrage & Ergebnis 63

Dieses Mal mussten wir wesentlich schneller updaten, nach nur 15 Tagen, weil sich die Meinungsforscher beim Grün-Aufstieg und beim Erdrutsch mehrerer anderer Parteien gegenseitig überbieten. Am Ende geben wir ein kurzen Eindruck aus der gestrigen Anne-Will-Talkshow wieder, der durchaus Erklärungspotenzial hat. 

Civey hatte diese überaus plötzliche Verschiebung zunächst nicht abgebildet, Anfang Juni dann aber schon und natürlich sind wir angesichts neuer Horrormeldungen vor allem über die Zahlen der SPD neugierig gewesen, ob sich wieder etwas getan hat. Es hat. Und wieder sind wir einigermaßen erstaunt:

2019-06-17 Sonntagsfrage Bund Civey

Wir hatten schon vor einigen Tagen mal reingeschaut, da waren die Grünen bereits über 24 Prozent, nach knapp 20 noch vor 15 Tagen – aber sie sind auch heute noch nicht auf dem Wert, der ihnen von anderen Instituten zugerechnet wird, während sich die CDU sogar leicht erholt, trotz anhaltender Verständnislosigkeit zwischen der Führung und den allermeisten Wähler_innen.

Die Wähler_innen in Allgemeinen sind eben keine CDU-Mitglieder, zu denen man gefahrlos touren kann, um sich für interne Wahlen in Stellung zu bringen. Nach außen aber: Fast nur Pannen bei der Öffentlichkeitsarbeit. Trotzdem ein leichter Aufschwung, da schauts her.

Dass die SPD nun auch bei Civey absackt, verwundert nicht, trotzdem wirkt es irgendwie nachgezogen – auch bei den anderen Instituten, wir können uns nicht erklären, warum der Nahles-Rücktritt noch so einen Erdrutsch auf ohnehin niedrigem Niveau auslösen sollte. Wir fanden die SPD mit ihr schon falsch unterwegs, wegen der GroKo, aber auch begründet in ihrer Person. Ebenso seltsam der plötzliche Niedergang der AfD innerhalb weniger Tage – es gab doch seit unserem letzten Beitrag in Sachen Umfrage &  Ergebnis mal ausnahmsweise keinen Skandal bei den Blauen und gerade konnten die „vereinten Demokraten“ in Görlitz noch verhindern, dass ein AfD-Mann die absolute Mehrheit bei der Bürgermeisterwahl bekommt.

Die AfD peilt in Sachsen 30 Prozent an, 25 halten wir für realistisch, auch in anderen Ostbundesländern liegt sie stabil bei 20 Prozent oder leicht darüber. Also muss sie sich im Westen in Auflösung befinden, wenn dieser starke Gesamt- Rückgang stimmen soll. Landtagswahlen und Bundesagswahlen sind nicht das Gleiche, aber so groß sind die allgemeinen  Zustimmungswerte-Unterschiede bei der Sonntagsfrage, die nur ein Stimmungsbild ist und die Haltung der Menschen zu einem Mix aus verschiedenen Themen abbildet, normalerweise nicht.

Nachvollziehbar für uns im Grunde nur, dass die Grünen nicht innerhalb weniger Wochen jetzt vollkommen abheben, 5 Prozent mehr innerhalb von zwei Wochen nach zuvor 3 innerhalb von 3 Monaten sind schon eine Ansage. Und dass die FDP etwa gleich bleibt und DIE LINKE sukzessive verliert, nachdem sie es geschafft hat, innerhalb weniger Jahre von für junge Wähler_innen doch ziemlich cool in Richtung weitgehend uninteressant zu drifte, das kommt uns auch nicht abwegig vor. Aber keine Analyse, obwohl es uns auf der Zunge liegt bzw. in den tippenden Fingern kribbelt, ein paar deutliche Worte in Richtung DIE LINKE zu verlieren.

Den Grünen wird jetzt von den Medien angetragen, dass sie mal langsam über die Frage der Kanzlerkandidatur diskutieren könnten. Nach der obigen Tabelle können sie sich damit noch etwas Zeit lassen, aber die spiegelt nur eine Meinung von mehreren, daher noch ein bisschen Aktuelles von anderen Meinungsforschern:

Hier hat Forsa, die schon vor wenigen Wochen den Knaller mit der 12-Prozent-SPD geliefert haben, nochmal nachgelegt. Ja, wenn man erst mal vorne ist, will man auch vorne bleiben. Die Umfrage ist zwei Tage alt, sieht erheblich anders aus als das ganz aktuelle Civey-Panel. Sie bildet auch den unbegründeten, starken Rückgang der AfD nicht ab.

Emnid, am selben Tag erschienen, tendieren schon sehr ähnlich, aber bleiben auf dem Stand der letzten Woche, SPD-seitig. Aber auch hier: Ein Rückgang von 16 auf 12 nach dem Rücktritt von Andrea Nahles. 25 Prozent Verlust wegen einer Vorsitzenden, die wirklich niemanden begeistern konnte. Bald wird die SPD, obwohl auch diesbezüglich schrumpfend, mehr Mietglieder als Wähler_innen haben.

Hier noch schnell was zu Sachsen, obwohl es nicht zum Kern dieses Beitrags zählt:

CDU und AfD in der Tat gleichauf – die AfD gewinnt zwar nicht mehr viel hinzu oder stagniert, doch die CDU sackt weiter ab. Um eine Zusammenarbeit mit der LINKEn zu verhindern, müsste sie nach diesen Zahlen mit Grünen, SPD und FDP zusammengehen. Denkbar wäre das durchaus, den Grünen schaden ja auch ihre vielfarbigen Regierungsbeteiligungen auf Landebene, die eine ganz unterschiedliche Politik hervorbringen, nicht. Grün geht einfach. Sogar in Sachsen. Noch ein bisschen, und sie lösen DIE LINKE als derzeit drittstärkste Kraft ab, mit Leipzig als Hochburg.

Hier eine Umfrage Bund von Insa und vom 11. Juni 2019:

Hier kommt die SPD noch auf stolze 13 Pozent und kann sich mit der AfD messen. Aber auch in dieser Umfrage liegen die Grünen schon deutlich vor der Union. Wir schließen mit der vorletzten Umfage von Emnid, nunmehr zehn Tage alt – damals lagen Grüne und Union noch gleichauf, ebenso SPD und AfD.

Der zuletzt starke Rückgang der CDU erscheint uns nicht so seltsam, angesichts des Desasters im Umgang mit der Öffentlichkeit, das die Chefin Annegret-Kramp-Karrenbauer in immer kürzeren Abständen inszeniert, daher haben wir uns über die wieder leicht ansteigenden Werte bei Civey doch etwas gewundert. Langfristig und bezüglich der Grundorientierungen der Wähler_innen hat die Union gewiss immer noch ein Potenzial von über 30 Prozent, die SPD gewiss um 25, aber auch diese Bindungen bröckeln  irgendwann und die Verschiebungen verfestigen sich, wenn es nur noch Enttäuschungen zu vermelden gibt.

Gestern Abend haben wir Anne Will geschaut, sie hatte Volker Bouffier von der CDU und Franziska Giffey von der SPD zu Gast. Und Journalisten und einen Volkswirtschaftler. Auch das Thema Mietenwahnsinn kam zur Sprache. Ohne Übertreibung: Auf höherem Level können Menschen bereits diskutieren, die einen Tag zuvor eine Hausinitiative gegründet und vor jenem wichtigen Moment nie etwas mit dem Thema am Hut hatten.

Es war so schlimm, dass wir abgeschaltet haben. Und das passiert uns selten. Es lag auch an der Auswahl von Menschen, die bis auf Nuancen meinungsgleich waren und denselben Blödsinn zum Thema vertraten. Dadurch wurde dieses Gespräch noch unfruchtbarer als viele andere, die wir schon angeschaut haben. Bauen, bauen, bauen, egal was (CDU), gucken, dass man auch ja niemandem auf die Füße tritt und bei der Enteignung sofort in die Defensive gehen (SPD), die Armen werden am stärksten unter der Mietpreisbremse leiden, weil die Vermieter nun Reiche bevorzugen und derlei sinnfreie Einlassungen (Clemens Fuest, VWL); enteignen, wie kämen wir denn dazu, angesichts der Profitgier der Konzerne, igitt – journalistische, argumentationsfreie Glanzbeiträge.

Auch solche Talkshows haben negative Nachwirkungen, wenn nicht das Publikum im Saal und vor dem Bildschirm aus lauter Vollnaiven besteht – den Eindruck, zumindest Ersteres sei aber so, hatten wir gestern leider. Vielleicht war es ganz taff von Anne Will, auf diesem Niedrigstniveau diskutieren zu lassen.

Die Grünen waren nämlich nicht dabei, konnten sich nicht blamieren und das heißt, sie profitieren von der entsetzlichen argumentativen Armut der anderen, ohne selbst viel tun zu müssen. Anne Will verorten wir durchaus als potenzielle Wählerin der Grünen. Oder doch FDP? Oh je. Genau, die wurden gestern auch geschont. Und welche eine Freude: Jamaika hätte gemäß Civey jetzt fast eine Zweidrittelmehrheit (62,5 Prozent). Auch nach den anderen aktuellen Umfragen um 60 Prozent.

Und das ist es, was zählt: Wie soll ein Land mit einer solchen Regierung einen richten Sprung nach vorne machen?

TH

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