BITTE kommt am Freitag, 09.08.2019, um 18 Uhr zum HOFFEST im HAUS Heckmannufer 8 in Kreuzberg! / @Heckmannufer8 @F_Schmidt-BB @HeimatNeue #Mietenwahnsinn #Vorkaufsrecht #Verdrängung #wirbleibenalle #Berlinkaufdichzurück

Bunt gemischte langjährige Hausgemeinschaft im Wrangelkiez. Haus wurde verkauft, aber wir kämpfen und halten zusammen!“

So lautet die Selbstbeschreibung der Hausgemeinschaft auf ihrem Twitter-Account. Diese Präsenz ging am 26. Juli online, fast zeitgleich mit mehreren anderen Häusern, die in den Kampf um den Verbleib ihrer Bewohner*innen eingetreten sind. Wir posten zunächst den Aufruf fürs Hoffest am Freitag:

Kommt am Freitag 9. Aug. ab 18 Uhr zu unserem Hoffest! #Heckmannufer8 Wir versuchen verzweifelt, eine Genossenschaftslösung durch das #Vorkaufsrecht des Bezirks zu erreichen, aber es braucht mehr finanzielle Unterstützung durch den Senat!

Viele bekannte und aktive Initiativen haben es ja nicht so weit bis zum Heckmannufer, aber auch Friedrichshain und Neukölln werden sich gewiss zeigen.

Der Wrangelkiez, zu dem das Heckmannufer gehört, ist einer der bekanntesten in Berlin, weit über Kreuzberg hinaus und für diejenigen, die linke Kämpfe verfolgen, auch außerhalb der Stadt der ein Begriff. Das Heckmannufer bildet seine Grenze in Richtung des Landwehrkanals, an dem die Straße liegt.

Verdrängung ist dort nichts Neues. Wir haben beim Recherchieren einen Bericht aus dem Jahr 2015 gefunden, den ein Bewohner des Nachbargebäudes Heckmannufer 6/6a geschrieben hat. Auf lakonische und intensive Art schildert er die Kämpfe der Mieter*innen über die Jahre und dokumentiert Veränderungen im Haus und im Kiez. Das, was dort berichtet wird, lässt sich nicht im Maßstab Eins zu Eins auf das Haus Heckmannufer 8 übertragen, aber sicher wohnen auch viele seiner Mieter*innen schon sehr lange in diesem Gebäude und können einiges gut nachvollziehen, was der frühere Nachbar aufgezeichnet hat.

Wie ging es weiter mit dem Haus Heckmannufer 8? Am 27. Juli, nur einen Tag nach dem Auftreten der Initiative auf Twitter, schrieb sie sie folgendes:

Eine Zwangsversteigerung kann alles bedeuten – das Glück, dass ein Haus zu einem günstigeren Verkaufspreis wechselt, denn eine Versteigerung deutet immer auf eine finanzielle Schieflage beim bisherigen Eigentümer hin, der also gezwungen wird zu verkaufen und dabei spielt der Zeitfaktor eine Rolle. Bei ausgeglichener Marktlage kann man so günstig an eine Wohnung kommen und es gibt Spezialisten, die ausschließlich auf Zwangsversteigerungen zu erwerben versuchen. In den Zeiten des fortgeschrittenen #Mietenwahnsinns kann es aber auch anders herum laufen: Jeder will ins einst so günstige Wrangelkiez und die Interessenten überbieten einander. Hier sind die Mieter*innen davon ausgegangen, dass Letzteres geschehen wäre, wäre es zu einer Zwangsversteigerung gekommen.

Immobilienscout24 weist derzeit stolze 5.600 Euro/m² für den Erwerb einer Eigentumswohnung am Heckmannufer aus. Steigerung gegenüber dem 2. Quartal 2018: 12 Prozent. Dies als Anhaltspunkt.

Was wir oben lesen, ist sicher ein positiver Effekt des gemeinsamen Kampfes, aber Sicherheit wäre das Beste. Ein Baugerüst gibt es auch, es erleichtert das Aufhängen von Transparenten, zeugt jedoch auch von einer Umbruchsituation – sofern es nicht bloß aufgestellt wurde, um die Fassade neu anzustreichen.

Am 3. August kam dieser Tweet ins Netz – zunächst war von einem Vorkauf seitens der Gewobag die Rede, die häufig involviert ist, wenn es um den Erwerb als begünstigte Dritte in Kreuzberg geht – mittlerweile unterstützt DIESEeG, die wir zuletzt in unserem Bericht über das Hoffest der Gleditschstraße 39-43 in Schöneberg erwähnten, den Kampf der Mieter*innen und kann ihnen hoffentlich helfen.

Voraussetzung ist immer, dass der Investor keine Abwendungsvereinbarung unterzeichnet. Kreuzberg, so unser Eindruck, ist aber gut aufgestellt. Baustadtrat Florian Schmidt scheint in der Lage zu sein, Abwendungsvereinbarungen zu entwerfen, die rechtmäßig sind, aber dennoch bei Investoren Bedenken hervorrufen, ob der Ankauf unter der Ägide einer solchen Vereinbarung noch wirtschaftlich sinnvoll ist. Auch dieses Vorgehen stellt einen Weg dar, selbstbestimmteres Wohnen zu ermöglichen und einen Hausverkauf, der zunächst einen Schock für die Mieter*innen bedeutet, zu einer Chance auf mehr soziale Stadt werden zu lassen.

Kurz vor der Bekanntgabe des Hoffestes postete die Hausgemeinschaft Heckmannufer 8 noch diesen Tweet und wir nutzen die Gelegenheit, ebenfalls noch einmal auf das Vorkaufsvideo der Schöneweider Straße 20 in Neukölln aufmerksam zu machen, das die Essentials dieses Vorgangs super zusammenfasst:

Heute gilt unsere Solidarität den Menschen im Haus Heckmannufer 8!

Einen Vorteil haben sie bereits gegenüber vielen anderen von Verdrängung Bedrohten: Sie leben in dem Berliner Bezirk, in dem zum Schutz von Mieter*innen die meisten kreativen Ideen entwickelt und mit großer Energie umgesetzt werden. Auf diese Kreativität und diese Energie setzen wir einmal mehr!

TH

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s