„China kauft Pakistan“ (Telepolis) – Medienspiegel #China #Seidenstraße #SilkStreet #Pakistan #Imperialism

Mit diesem Artikel führen wir unsere China-Serie (vorerst informell) fort. Dieses stellenweise etwas schräg klingende Textprodukt hatten wir in die Longlist aufgenommen, als die Handelskriegen, die mittlerweile die Globalisierungsverheißungen überschatten, aber die Weltwirtschaft interessanterweise noch nicht abgewürgt haben, schemenhaft am Horizont auftauchten. Wir beziehen uns auf einen Artikel aus dem Juni 2017 in Telepolis.

Was wir an diesem Beitrag vor allem interessant finden, ist das Exemplarische – und dies in doppelter Hinsicht. Zum einen illustriert er die chinesische Methode des Imperialismus, die auf den ersten Blick und sogar auf den zweiten etwas kooperativer wirkt als die westliche – vor allem aber viel effizienter ist. Warum Regime Changes betreiben, wenn man mit hohen Investitionssummen das gegenwärtige Regime korrumpieren kann? Die Abwesenheit ideologischer Vorbehalte ist ein großer Vorteil.

Besonders die schwachen Staaten, und zu denen zählt Pakistan trotz seiner riesigen Armee und der ersten muslimischen Atombombe, sind anfällig für dieses Modell. Zum anderen illustriert dieses Vorgehen nichts weiter als die neoliberale Weltordnung, die auf Asymmetrie und Ausbeutung ausgelegt ist.

Afrikas Wirtschaft wächst dank chinesischer Investitionen ebenfalls stärker, als man das noch vor wenigen Jahren für möglich hielt.

Bei wem das Geld ankommt? Die Ungleichheit nimmt zu, hört man. Eigentlich wie bei uns – und wie wenig Europa auf Reziprozität im Austausch mit China besteht, ist bekannt. Auch das fördert künftige Probleme, gleichzeitig betreibt Europa einen wesentlich weniger intelligenteren Wirtshaftskolonialismus, der eher an frühere Verhältnisse erinnert, auch wenn die Knebelungsverträge jetzt Handelsabkommen heißen – sogar innerhalb des Kontinents, wo vor allem nach der Wende westliche Firmen im großen Stil Übernahmen getätigt haben und von Subventionen und Privilegien aller Art profitieren. Es ist eine hierarchische Ordnung, in der die jeweils Stärkeren das Sagen haben und ganz am oberen Ende befindet sich das expandiernde China, das vor allem aufgrund des weltgrößten Binnenmarktes, den es vorweisen kann, nahezu unschlagbar ist und gleichzeitig kann die KP durchregieren, solange der Wohlstand wächst.

Das Wachstum könnte an Grenzen stoßen, wenn es mit der Rohstoffversorgung nicht mehr so recht klappt. Damit das nicht passiert: Siehe Pakistan und andere Staaten, die mehr und mehr zu wirtschaftlichen Einflusszonen des Reichs der Mitte werden. Was diese Politik ökologisch bedeutet wird im Artikel nur am Ende ganz kurz angerissen. Heute würde man diesem Aspekt vielleicht schon ein paar Sätze mehr widmen. Wenn die Seidenstraßen tatsächlich nur zum Transport von Seide und Geschmeide gedacht wären, müsste man sich über die offensive neue Politik Chinas machen, aber technologische Überlegenheit besteht ja nicht nur gegenüber Ländern wie Pakistan, die noch nie durch viele Patentanmeldungen geglänzt haben, sondern auf einigen Gebieten mittlerweile auch gegenüber Europa – und das wiegt, weltwirtschaftlich gesehen, schwerer. Land und Rohstoffe einkaufen und Technologie verkaufen sind im Spiel um eine neue Weltordnung gleichwertige Werkzeuge, passgenau auf die jeweiligen Zielländer zugeschnitten. Das gilt auch für den Teilbereich Technologie selbst. Was in Pakistan moderne Ackerbaumethoden darstellen, nennt sich hierzulande 5G.

Ein neuerer Artikel der ARD-Tagesschau bestätigt das, was in Telepolis auf Pakistan bezogen geschrieben wird und wirft ein Schlaglicht auf die Verhältnisse in der EU, über den griechischen Hafen Piräus hatten wir an anderer Stelle berichtet – und einige EU-Länder zählen nicht zum engeren Kreis der „Wertegemeinschaft“, das kommt hinzu, wie man immer wieder sieht, wenn es um humanitäre Belange geht. Ob bei der Einforderungen von Menschenrechten in China oder beim Umgang mit Geflüchteten, die Risse im Gefüge sind tief. Die EU besteht aus 28, bald 27 Staaten, von denen kaum zwei in der Lage sind, eine im Ganzen einheitliche Linie zu vertreten – China hingegen wird von einer einzigen Partei regiert, die keinerlei Reibungsverluste durch konkurrierende politische Kräfte fürchten muss – und die Planungen bis in die Mitte des Jahrhunderts vornehmen kann, ohne dass es lächerlich wirkt: Das Ziel ist nichts anderes als die weltweite, mindestens wirtschaftliche Dominanz. Die einzige Möglichkeit, dem etwas entegenzusetzen, ist, ökologische und ökonomische Belange so zu reorganisieren, dass eine totale Abhängigkeit nicht entstehen kann.

TH

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